Montag, 14. März 2016

Unstoppable - Unstoppable: Außer Kontrolle (2010)

http://www.imdb.com/title/tt0477080/

Der junge Will Colson (Chris Pine) hat es nicht leicht, als er seine Ausbildung zum Lokführer beginnt. Die neuen Kollegen verhalten sich ihm gegenüber abweisend, weil die Eisenbahngesellschaft Kosten sparen will und darum alte Haudegen durch billigeres frisches Blut ersetzt. Als Will seinen ersten Dienst als Zugführer antritt, steht er unter der Anleitung des erfahrenen Bahner-Urgesteins Frank Barnes (Denzel Washington). Der fordert den Frischling gleich heraus und lässt Strenge walten. Das verbessert Colsons Laune nicht gerade, denn seine Ehe mit Darcy (Jessy Schram) geht gerade in die Brüche. 200 Meilen weiter setzt ein schusseliger Rangierarbeiter (Ethan Suplee) durch seine Dickfälligkeit eine beispiellose Kettenreaktion in Gang. Aus Bequemlichkeit verlässt er bei langsamer Fahrt kurz seinen umzurangierenden Zug, um eine Weiche per Hand umzusetzen. Doch dann gerät die Situation außer Kontrolle. Der Gashebel springt auf "volle Fahrt" und das Gleis hat der Arbeiter auch nicht umgelegt bekommen. Führerlos nimmt die Lok mit 39 Waggons Tempo auf und droht, die Bahn von Will und Frank zu rammen...

"Unstoppable" war Tony Scotts letzter Film. Aber selbst in seiner abschließenden Arbeit versteckt sich eine nicht ganz so versteckte Liebeserklärung an Energie und ein pulsierendes Schnittgewitter, das den Fluss der Bewegung zerteilt. Elektrisierend, ja, teils fiebrig, aber immer stilsicher und voller Informationen. Mit dem führerlosen Güterzeug, der mit brüllender Tonspur als nahezu selbstständig destruktiv denkender, organischer Antagonist zum Ungeheuer stilisiert wird, den es unter Kräften aufzuhalten gilt, die weit über menschliche Vorstellungen hinausreichen, erzählt Scott eine in ihrer Prämisse jederzeit ersichtliche Geschichte eines durchgehend linearen Spiels gegen die Zeit. Denzel Washington verkörpert das konservative und erdige, eine alte, ruppige Dampfwalze. Chris Pine ist das stählerne und kräftige Zugpferd einer neuen Generation an Arbeitern. Sie spielen, stellvertretend für die in schlechten Zeiten aufgewachsene Arbeiterklasse, diejenigen, bei denen das Gewissen über monetären Industrie- und Prestigeverlust steht.

Spannung kann man "Unstoppable" wahrlich nicht absprechen, so wie Scott die entfesselte Geschwindigkeit zeigt. Seine zwischenmenschliche Bedeutung erlangt der Film indes in der Interaktion zwischen altem Berufshasen und jungem Ausbildungsfrischling. Gerade dort, wo Scott innehält, wo die Bilder sich ausschweigen, ist "Unstoppable" am faszinierendsten, weil die Raserei auch inhaltlich grundiert wird. Selten geschieht das. Und der Rest ist durchdeklinierter Hollywood-Wahnsinn mit einer Prise Kitsch, Übertreibung und Augenverdrehen.

7/10