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Mittwoch, 14. Dezember 2022

Avatar: The Way Of Water (2022)

https://www.imdb.com/title/tt1630029/

Mehr als zehn Jahre nach den Ereignissen des ersten Films haben Jake (Sam Worthington) und Neytiri (Zoe Saldana) eine Familie gegründet. Ihre Kinder sind Neteyam (Jamie Flatters), Lo'ak (Britain Dalton) und Tuktirey (Trinity Bliss), der adoptierte Menschenjunge Miles "Spider" Socorro (Jack Champion) und die adoptierte Na'vi-Teenagerin Kiri (Sigourney Weaver). Doch ihre Heimat ist weiterhin nicht sicher vor den Machenschaften der Resources Development Administration (RDA), die fremde Planeten ausbeutet und dort für die Menschen wichtige Ressourcen abbaut. Nach dem Tod von Colonel Miles Quaritch (Stephen Lang) hat nun General Ardmore (Edie Falco) die Kontrolle über die RDA übernommen. Bald sehen sich Neytiri, Jake und ihre Familie gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen und beim Na'vi-Stamm der Metkayina Zuflucht zu suchen, der an den Küsten und Meeren des Mondes Pandora lebt und von der schwangeren Ronal (Kate Winslet) und ihrem Mann Tonowari (Cliff Curtis) angeführt wird...

Bereits 2006 kündigte James Cameron an, dass er "Avatar" gern als Trilogie herausbringen würde, falls der erste Teil erfolgreich sein sollte. Doch nachdem die Fortsetzung ursprünglich 2015 in die Kinos kommen sollte und das Produktionsstudio Twentieth Century Fox im April 2014 den Kinostart für 2016 ankündigte, gab Cameron im Januar 2015 bekannt, dass sich die Veröffentlichung der Fortsetzung bis Ende 2017 verschieben würde. Nach der Bekanntgabe, dass die Reihe auf eine Tetralogie erweitert wird, wurde bekannt, dass alle drei Fortsetzungen gemeinsam produziert werden sollen, da die Geschichte zwischen allen Filmen geschlossen sei, so Cameron. Später wurde die Filmreihe um einen weiteren Film erweitert, was sie zu einer Pentalogie macht. Und nun standen die Filmfans in den Startlöchern und wussten irgendwann nichtmehr, ob sich die Ankündigungen tatsächlich bewahrheiten sollten. 

Das Budget des Films wird auf rund 250 Millionen geschätzt. Offizielle Angaben zum tatsächlichen Budget gibt es nicht. Auf die Frage, wie teuer der Film gewesen sei, sagte Regisseur James Cameron zum Magazin GQ "very fucking [expensive]," according to Cameron, who told me he’d informed the studio that the film represented "the worst business case in movie history." In order to be profitable, he'd said, “you have to be the third or fourth highest-grossing film in history. That’s your threshold. That’s your break even." Gegenüber dem Produktionsstudio soll Cameron also gesagt haben, dass der Film mindestens auf Platz drei oder vier der finanziell erfolgreichsten Filme aller Zeiten landen müsse, um überhaupt profitabel zu sein. Damit müsste "Avatar: The Way Of Water" über zwei Milliarden US-Dollar einspielen. Das muss man mit einem Film, der 190 Minuten, und damit ca. 20 Minuten länger als der "Extended Collector's Cut" des ersten "Avatar", läuft, erst einmal schaffen. Und zu diesem Zeitpunkt bleibt diese Frage offen. Doch was man sagen kann, ist, dass allein das Bild bahnbrechend ist. So bahnbrechend, dass selbst die in 3D gezeigten Trailer schon eine spürbar andere Bildqualität besaßen als andere, die ebenfalls gezeigt worden. 3D ist tot - aber eben nur im Heimkino. Und man darf durchaus hoffen, dass zumindest "Avatar: The Way Of Water" den Weg auf 3D-Disc findet. Zu wünschen wäre es.

Eines muss man Regisseur James Cameron ja zugute halten: er schafft es immer, dass die Zuschauer vollständig in seine Welten eintauchen. So tief, das sie glauben, dass Aliens außerirdische Killermaschinen sind, dass ein Mensch einen zeitreisende Cyborgs besiegen kann und dass ein Film einen inmitten einer bedeutende historischen Katastrophe versetzen kann. In vielerlei Hinsicht ist der Planet Pandora in "Avatar" seine bislang ehrgeizigste Art, diesen Glauben an die Macht des Kinos zu vermitteln. Kann man alles in seinem Leben hinter sich lassen und einen Film auf eine Art und Weise erleben, die im Zeitalter der Ablenkung immer schwieriger geworden ist? Mit dem technologischen Fortschritt hat Cameron die Grenzen seiner Überzeugungskraft noch weiter ausgedehnt und mit 3D, High Frame Rate und anderen Spielzeugen gespielt, die zu Beginn seiner Karriere noch nicht verfügbar waren. Der Erfolg seines Filmes von 2009 hat die Richtung des digitalen Filmemachens und des Vertriebs stark beeinflusst, und obwohl sich die Welt in den 13 Jahren bis zu dieser Fortsetzung sehr verändert hat, gibt es Dinge, die sich nie ändern - wie zum Beispiel die Art und Weise, wie James Cameron, wenn er sich für eine Fortsetzung entscheidet, die vorangegangene Geschichte auf überraschende und fesselnde Weise erweitert und ausschmückt. "Avatar: The Way Of Water" scheut sich nicht, verdammt schräg zu sein, da er die nackte Sentimentalität des ersten Films verdoppelt, die Handlung auf interessantere Charaktere konzentriert und, ja, es muss gesagt werden, die Höchstmarke für visuelle Effekte im Film wieder einmal setzt. Zusätzlich ist eines der vielen Dinge, die an "Avatar: The Way Of Water" so faszinierend sind, ist die Art und Weise, wie sich Camerons Glaube in Themen manifestiert, die er schon so oft erforscht hat. Dieser äußerst unterhaltsame Film ist keine Neuauflage von "Avatar", sondern ein Film, in dem Fans thematische und sogar visuelle Elemente von "Titanic", "Aliens", "The Abyss" und "The Terminator"-Filmen erkennen können. Es ist, als ob Cameron für immer nach Pandora umgezogen ist und alles mitgebracht hat, was ihm wichtig ist. (Cameron lädt die Zuschauer mit so vielen eindrucksvollen Bildern und phänomenal inszenierten Actionszenen in diese vollständig realisierte Welt ein, dass alles andere in den Hintergrund tritt.

Vielleicht nicht sofort. "Avatar: The Way Of Water" kämpft zu Anfang damit, Fuß zu fassen, und wirft den Zuschauer auf eine erzählerisch schwerfällige Weise zurück in die Welt von Pandora. Man merkt, dass Cameron der Aufbau der Welt in der Mitte des Films am meisten am Herzen liegt, was eine seiner größten Leistungen ist, und so überstürzt er einige der Vorbereitungen, um zu den wesentlichen Dingen zu kommen. Man erfährt, dass Jake Sully (Sam Worthington), der einst den Avatar nur steuerte, nun ein Vollzeit-Na'vi ist und mit Neytiri (Zoe Saldana) zusammenlebt, mit der er eine Familie gegründet hat. Sie haben zwei Söhne namens Neteyam (Jamie Flatters) und Lo'ak (Britain Dalton) und eine Tochter namens Tuk (Trinity Jo-Li Bliss), und sie sind die Vormünder von Kiri (Sigourney Weaver), dem Nachwuchs von Weavers Figur aus dem ersten Film. Das Familienglück wird jäh gestört, als die "Himmelsmenschen" zurückkehren, darunter eine Avatar-Na'vi-Version von Colonel Miles Quaritch (Stephen Lang), der gekommen ist, um zu beenden, was er begonnen hat, einschließlich der Rache an Jake für den Tod seiner menschlichen Gestalt. Er kehrt mit einer Gruppe ehemaliger menschlicher und jetziger Na'vi-Soldaten zurück, die die Hauptgegner des Films sind. Aber sie sind nicht die einzigen. "Avatar: The Way Of Water" stellt einmal mehr die militärischen, planetenzerstörenden Menschen dieses Universums als seine wahren Bösewichte dar, aber die Motive der Bösewichte sind manchmal etwas unklar (bis auf das Rache-Element). Es wird dem Zuschauer auch nicht wirklich klar, warum Quaritch so versessen darauf ist, Jake und seine Familie zu jagen, außer dass es für die Handlung zwingend nötig ist und Lang wirklich verdammt gut darin ist, verrückt zu spielen.

Der größte Teil von "Avatar: The Way Of Water" dreht sich damit um die gleiche Frage, die sich Sarah Connor in den "Terminator"-Filmen stellt - fliehen oder kämpfen, um die Familie zu schützen? Jake entscheidet sich zunächst für Ersteres und führt seine Fmailie in einen anderen Teil von Pandora, wo der Film durch eine von Camerons langjährigen Obsessionen eröffnet wird: Wasser. Und damit wird die Luftaction des ersten Films durch Unterwasseraction in einer Region ersetzt, die von Tonowari (Cliff Curtis), dem Anführer eines Clans namens Metkayina, regiert wird. Als Familienvater - seine Frau wird von Kate Winslet gespielt - ist Tonowari verständlicherweise über die Gefahr besorgt, die von den neuen Na'vi-Besuchern ausgehen könnte, möchte sie aber auch nicht abweisen. Auch hier spielt Cameron mit moralischen Fragen über die Verantwortung im Angesicht eines mächtigen Übels, etwas, das in einer Gruppe von kommerziellen Wilderern von der Erde wiederkehrt. Sie wagen es, heilige Wassertiere in atemberaubenden Sequenzen zu jagen, bei denen man sich immer wieder vor Augen führen muss, dass nichts von dem, was man sieht, real ist.

Obwohl man sich kurz in den Wäldern des ersten Films aufhält, spielt sich der größte Teil von "Avatar: The Way Of Water" im Gebiet der Metkayina ab, und das lebendige Unterwasser-Ökosystem ist eine noch traumhaftere Palette, mit der Cameron arbeiten kann. Die biolumineszierenden Regenbögen der Flora in der Tiefe brechen sich durch die sich bewegende Oberfläche wie das Polarlicht, die Sonnenuntergänge am weiten Horizont prallen an den Wellen ab und tauchen die Ufer in einen violetten Farbton, und die durchdacht gestalteten Meeresbewohner verstärken das Gefühl, dass Pandora eine lebendige, atmende Welt ist, noch mehr als es bei "Avatar" der Fall war. Doch wenn es an der Zeit ist, all diese Ruhe zugunsten von Blockbuster-Action zu zerstören, sollte es nicht überraschen, dass Cameron einfach nur liefert. Selbst die chaotischsten Actionsequenzen sind gut überschaubar, spannend inszeniert und vor allem so, dass man den Blick nicht abwenden kann. Bei einem frühen Überfall auf eine RDA-Ladung entgleist ein Zug, und treibt dem Zuschauer aufgrund der krassen Zerstörungsorgie ein Grinsen ins Gesicht.

In der Mitte des Films verlagert sich der Fokus von Sully/Quaritch auf die Kinder der Region, während Jakes Jungs die Lebensweise des Wasserclans erlernen. Schließlich hat man das Gefühl, dass sich die Welt von Avatar" auf eine Weise ausdehnt, wie es im ersten Film nicht der Fall war. Während sich jener Film mehr auf eine einzige Geschichte konzentrierte, verknüpft Cameron hier mehrere Geschichten auf eine weitaus ehrgeizigere und letztlich lohnendere Weise miteinander. Während einige der Ideen und Handlungsentwicklungen - wie die Verbindung zwischen Kiri und Pandora oder die Entwicklung eines neuen Charakters namens Spider (Jack Champion) - vor allem Vorarbeiten für künftige Filme sind, wird das gesamte Projekt durch die Schaffung einer größeren Leinwand für seine Erzählung bereichert. Man könnte zwar argumentieren, dass in einem Film, in dem Jake und Quaritch über weite Strecken nicht vorkommen, eine stärkere Protagonisten-Antagonisten-Linie nötig ist, aber man könnte dem entgegenhalten, dass diese Begriffe hier absichtlich vage sind. Der Protagonist ist die gesamte Familie und sogar der Planet, auf dem sie leben, und der Antagonist ist alles, was versucht, die natürliche Welt und die mit ihr verbundenen Wesen zu zerstören. Das ist alles nicht neu. Ja. Das hat man schon tausend Mal gesehen. Ja. Jemand kommt in zerstörerischer Absicht, die Protagonisten fliehen, werden widerwillig aufgenommen und am Ende kämpft und besiegt man den einst übermächtigen Feind. Fein. Aber Cameron erzählt diese altbackene Geschichte hier einfach gut.

Da die Sully-Kinder im Mittelpunkt stehen, wird die Rolle von Jake und Neytiri in der Geschichte proportional verkleinert, und das ist auch in Ordnung. Jake ist kein interessanterer Charakter als beim letzten Mal, aber er ist hier als Vaterfigur nützlich. Neytiri fühlt sich an wie die Figur aus einem Vermächtnis, die am wenigsten zu tun hat und sich hauptsächlich für ihre Kinder gegenüber einem kämpfenden Jake einsetzt. Die Anführer des Metkayina-Stammes sind aus einem ganz ähnlichen Holz geschnitzt wie Jake und Neytiri und wirken dadurch oft überflüssig.

Bei einer Laufzeit von 190 Minuten findet "Avatar: The Way Of Water" also fast immer die Zeit, die wichtigsten Handlungselemente zu wiederholen, aber das bedeutet, dass man manchmal nach dem Namen einer Figur oder ihrem Platz in der sozialen Hierarchie suchen muss. Cameron setzt darauf, dass der Zuschauer von dem, was ein Jahrzehnt des technologischen Fortschritts für die Umsetzung von Pandora auf der Leinwand geleistet hat, überwältigt sein werden, und die Ergebnisse sprechen für sich. Man sollte allerdings auch gewarnt sein, denn Camerons Gespür für Dialoge ist nicht besser geworden. Es gibt ein paar Zeilen über die man ungewollt lachen kann, aber sein Ansatz für die Charaktere hat fast etwas Charmantes an sich, der altmodisches Geschichtenerzählen mit bahnbrechender Technologie verknüpft. Massive Blockbuster überladen ihre Welten oft mit unnötigen Mythologien oder Hintergrundgeschichten, während Cameron gerade genug liefert, um sicherzustellen, dass diese unmögliche Welt glaubwürdig bleibt. Seine tieferen Themen über den Umweltschutz und der Kolonialisierung könnten verständlicherweise für einige Zuschauer zu oberflächlich sein - und die Art und Weise, wie er Elemente der indigenen Kultur aufgreift, könnte als problematisch angesehen werden, wogegen nichts einzuwenden ist. Aber wenn eine Familie den Film als Ausgangspunkt für Gespräche über diese Themen nutzt, dann ist er unter dem Strich positiver als die meisten Blockbuster, die überhaupt keine Denkanstöße liefern. Und es ist irgendwie schön, nach Pandora zurückzukehren, nun, da die Superhelden seit einem Jahrzehnt das kino dominieren.

Unterm Strich ist "Avatar: The Way Of Water" eine durchdachte, pompöse Rückkehr nach Pandora, die sowohl die im ersten Film etablierte Mythologie als auch den Platz der Familie Sully darin weiter ausbaut. Es ist vielleicht nicht die beste Fortsetzung, die James Cameron je gemacht hat (was eine sehr hohe Messlatte ist), aber es ist mit Abstand die deutlichste Verbesserung gegenüber dem Vorgängerfilm. Die einfache Geschichte lässt einen vielleicht "Klischee" schreien, aber als Vehikel, um einen in eine andere Welt zu entführen, ist sie erneut gut genug, um ihren Zweck zu erfüllen. "Avatar: The Way Of Water" ist ein James Cameron-Blockbuster, durch und durch. Und letztlich nichts weniger als ein guter, altmodischer Blockbuster, voll von filmischem Spektakel und Herz, und eine leichte Empfehlung für jeden, der für ein dreistündiges Abenteuer in eine andere Welt entkommen möchte.

7,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Twentieth Century Fox
Poster/ArtworkTwentieth Century Fox

Freitag, 6. März 2015

Avatar (2009)

http://www.imdb.com/title/tt0499549/

Rund vier Jahre von der Erde entfernt liegt Pandora - ein Planet, dessen reichhaltige Unobtanium-Vorkommen die existenziellen Rohstoff-Sorgen der Menschheit im Jahr 2154 auf einen Schlag lösen würden. So bricht eine Gruppe von Wissenschaftlern auf, um mit den Ureinwohnern Pandoras, den hochgewachsenen und in Stämmen organisierten Na’vi, Verhandlungen über die Kolonisation ihrer Heimat aufzunehmen. Darunter ist der an den Rollstuhl gefesselte Ex-Marine Jake Sully (Sam Worthington). Anstelle seines verstorbenen Bruders schlüpft nun Jake in die Haut eines Avatars - eines geklonten Na’vi-Körpers, der gleichzeitig als Vehikel und als diplomatisches Instrument dient. Bei seinem ersten Ausritt in den Dschungel trifft er auf die Eingeborene Neytiri (Zoe Saldana), zu der er sofort einen Draht findet. Doch die Zeit drängt: Das Militär unter Führung von Colonel Quaritch (Stephen Lang) scharrt längst mit den Hufen...

Wenn man James Cameron's "Avatar" das erste Mal sieht, fühlt man sich in etwas so, wie wenn man zum allerersten Mal "Star Wars" sieht. Damals wie heute ging das Publikum mit gemischten Gefühlen ins Kino und vor allem auch über Camerons Film wurde im Vorfeld wild spekuliert - genau wie über sein "Titanic". Doch genau wie mit "Titanic" brachte Cameron seine Zweifler zum Schweigen, indem er schlicht einen außergewöhnlichen Film abgeliefert hat. Es gibt immer noch mindestens einen Mann in Hollywood, der weiß, wie man 237 Millionen Dollar sinnvoll ausgibt. "Avatar" ist, trotz seiner viel-kritisierten und eigentlich althergebrahcten Story, nicht einfach nur eine sensationelle Unterhaltung, er ist auch ein technischer Durchbruch. Er hat eine durch und durch grüne und Antikriegs-Botschaft. Er ist prädestiniert dafür, einen Kult zu begründen. Er enthält so viele visuelle Details, dass es sich lohnt, ihn mehrmals anzuschauen. Er erfindet eine neue Sprache, Na'vi, wie es "Herr der Ringe" tat, obwohl man gnädigerweise bezweifeln darf, dass diese Sprache von Menschen gesprochen werden kann, selbst von Teenagern. Er schafft neue Filmstars. Er ist ein Ereignis, einer jener Filme, die man unbedingt sehen muss, um mit der Unterhaltung Schritt zu halten. Da es mittlerweile 3 Fassungen von diesem grandiosen Film gibt, schaut man die Kinofassung aber eigentlich - und das muss man schmerzlich zugeben - nur noch wegen dem 3D-Wow-Effekt.

Die Geschichte spielt im Jahr 2154 und handelt von einer Mission der US-Streitkräfte zu einem erdgroßen Mond in der Umlaufbahn um einen massiven Stern. Diese neue Welt, Pandora, ist eine reiche Quelle für ein Mineral, das die Erde dringend benötigt. Pandora stellt nicht einmal eine geringe Bedrohung für die Erde dar, aber wir schicken trotzdem ehemalige Söldner, um sie anzugreifen und zu erobern. Übermütige Krieger setzen Maschinengewehre ein und steuern gepanzerte Luftschiffe auf Bombardierungsflügen. Dass Cameron dies als Allegorie auf die heutige Politik nutzt, ist nur zu offensichtlich. Pandora beherbergt einen Waldplaneten, der friedlich von den Na'vi bewohnt wird, einer blauhäutigen, goldäugigen Rasse schlanker Riesen, von denen jeder vielleicht drei Meter groß ist. Die Atmosphäre ist für Menschen nicht atembar, und die Landschaft macht den Menschen zu Pygmäen. Um in dieser Welt zu existieren, benutzen sie Avatare - Na'vi-Nachbildungen, die organisch gewachsen sind und von Menschen gesteuert werden, die in einem tranceartigen Zustand auf dem Schiff bleiben. Während sie als Avatare agieren, sehen, fürchten, schmecken und fühlen sie wie die Na'vi und verfügen über die gleichen körperlichen Fähigkeiten. Diese letzte Eigenschaft ist für den Helden Jake Sully (Sam Worthington), der querschnittsgelähmt ist, befreiend. Er wurde rekrutiert, weil er genetisch mit einem toten identischen Zwilling übereinstimmt, für den ein teurer Avatar geschaffen wurde. Im Avatar-Zustand kann er wieder gehen, und als Bezahlung für diese Aufgabe erhält er eine sehr teure Operation, um die Beweglichkeit seiner Beine wiederherzustellen. Theoretisch ist er nicht in Gefahr, denn wenn sein Avatar zerstört wird, bleibt seine menschliche Gestalt unversehrt. Theoretisch. Auf Pandora beginnt Jake als guter Soldat und wird dann zum Eingeborenen, nachdem ihm die geschmeidige und mutige Neytiri (Zoë Saldana) das Leben gerettet hat. Er stellt fest, dass es tatsächlich stimmt, was der aggressive Col. Miles Quaritch (Stephen Lang) ihnen gesagt hat, nämlich dass fast jede Lebensform hier ihn zum Mittagessen haben will. Die Na'vi überleben auf diesem Planeten, weil sie ihn gut kennen, in Harmonie mit der Natur leben und die Kreaturen, mit denen sie ihn teilen, gut kennen. In dieser und unzähligen anderen Aspekten ähneln sie den amerikanischen Ureinwohnern. Wie diese zähmen sie eine andere Spezies, um sie herumzutragen - keine Pferde, sondern anmutige, fliegende, drachenähnliche Kreaturen. Die Szene, in der Jake eines dieser großen Biester einfängt und zähmt, ist eine der großartigsten Sequenzen des Films.

Wie damals "Star Wars" und später "Herr der Ringe" setzt auch "Avatar" auf eine neue Generation von Spezialeffekten. Cameron hatte dies angekündigt, und viele haben an ihm gezweifelt. Er tut es. Pandora besteht zu einem großen Teil aus CGI. Die Na'vi werden durch Motion-Capture-Techniken überzeugend verkörpert. Sie sehen wie spezifische, überzeugende Individuen aus, umgehen aber den unheimlichen Uncanny-Valley-Effekt. Und Cameron und seine Künstler meistern die schwierige Herausforderung, Neytiri zu einer blauhäutigen Riesin mit goldenen Augen und einem langen, geschmeidigen Schwanz zu machen, und dennoch - irgendwie sexy. Mit 163 Minuten fühlt sich der Film schon in der Kinofassung nicht zu lang an. Er enthält so viel. Die menschlichen Geschichten. Die Geschichten der Na'vi, denn die Na'vi werden auch als Individuen entwickelt. Die Komplexität des Planeten, der ein globales Geheimnis birgt. Die ultimative Kriegsführung, bei der sich Jake dem Widerstand gegen seine ehemaligen Kameraden anschließt. Kleine anmutige Details wie ein schwebendes Wesen, das aussieht wie eine Kreuzung aus einem wehenden Löwenzahnsamen und einer treibenden Qualle und das Gute verkörpert. Oder erstaunliche schwebende Steininseln. "Avatar" hat zwar genau dasselbe Problem wie viele andere Filme vor ihm, nämlich das im dritten Akt keine Geschichte mehr erzählt wird, sondern nur noch Action über den Zuschauer hereinbricht. Aber bis dahin hat "Avatar" so viel in die Entwicklung seiner Figuren investiert, so dass es wichtig ist, was sie im Kampf tun und wie sie es tun. Es geht um mehr als nur darum, welche Seite gewinnt.

Schlußendlich ist es hier doch so: Jedes Detail, jeder Effekt, alles ist punktgenau eingesetzt und sorgt immer wieder für ein wohliges Gefühl, wenn man in Pandora eintaucht. Mittendrin statt nur dabei ist eindeutig die Devise gewesen und das wurde perfekt und visuell überbordernd erreicht. "Avatar" ist rein Storytechnisch immer noch kein innovativer Film; im Gegenteil. Es ist ein rein optischer und akustischer Augenschmaus. Aber das wurde schon einmal hier im Blog besprochen und das will ich nun nicht weiter ausdehnen. "Avatar" ist und bleibt ein Film zum immer wieder ansehen. Und jede Fassung hat ihre Vor- und Nachteile. Aber der 3D-Effekt hier lässt einen ab und zu doch wieder mal in Pandora reinschauen.

7,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Twentieth Century Fox
Poster/ArtworkTwentieth Century Fox

Donnerstag, 21. November 2013

Avatar (Extended Collector's Cut) (2009)

http://www.imdb.com/title/tt0499549/

Rund vier Jahre von der Erde entfernt liegt Pandora - ein Planet, dessen reichhaltige Unobtanium-Vorkommen die existenziellen Rohstoff-Sorgen der Menschheit im Jahr 2154 auf einen Schlag lösen würden. So bricht eine Gruppe von Wissenschaftlern auf, um mit den Ureinwohnern Pandoras, den hochgewachsenen und in Stämmen organisierten Na’vi, Verhandlungen über die Kolonisation ihrer Heimat aufzunehmen. Darunter ist der an den Rollstuhl gefesselte Ex-Marine Jake Sully (Sam Worthington). Anstelle seines verstorbenen Bruders schlüpft nun Jake in die Haut eines Avatars - eines geklonten Na’vi-Körpers, der gleichzeitig als Vehikel und als diplomatisches Instrument dient. Bei seinem ersten Ausritt in den Dschungel trifft er auf die Eingeborene Neytiri (Zoe Saldana), zu der er sofort einen Draht findet. Doch die Zeit drängt: Das Militär unter Führung von Colonel Quaritch (Stephen Lang) scharrt längst mit den Hufen...

Wenn auch nur irgendein Film das Prädikat "Style Over Substance" verdient hat, dann James Cameron's "Avatar". Denn die Story ist eher mau und schon auf tausende verschiedene Arten so dagewesen. Was den Film allerdings so besonders macht, ist die Optik - und die ist wirklich bombastisch!

"Avatar" war das wohl am meisten erwartetet Filmprojekt in der letzten Dekade. Anfangs nur ein Gerücht, dass der Meister der "Aliens" an einem neuen SciFi-Epos arbeitet wurde es im Laufe der Jahre immer stiller um das Projekt, bis es dann plötzlich und pompös offiziell angekündigt wurde und schon mit optiosch beeindruckenden Trailern die Zuschauer zu Millionen ins Kino lockten. Die Erfolgsgeschichte des Films sucht seinesgleichen: es ist der Film, der weltweit bis heute 760 Millionen Dollar eingespielt hat - rund 100 Millionen US-Dollar mehr als Camerons nicht minder erfolgreicher Film "Titanic". Er hält sich bisher unangefochten auf Platz 1 in diversen Kategorien, unter anderem bestes Einspielergebnis eines 3D-Films, eines SciFi-Films, eines CGI-Films. Und er war 34 Wochen im Kino zu sehen - das hat bisher noch kein Film geschafft. Dabei ist die Story alles andere als innovativ. Im Gegenteil: sie ist sogar ziemlich banal und belanglos. Von vielen wird "Avatar" als "Pocahontas" im Weltraum betitelt - und das trifft eigentlich ziemlich gut den Handlungsstrang.

Doch es ist die Welt Pandoras, die den Film so grandios macht. Allein die Bioluminiszenz des Waldes bei Nacht ist ein Kunstwerk, in das man nur zu gern eintaucht. Aber nicht nur die Pflanzen, auch die einheimischen Tiere und das Volk der Na'Vi sind so toll gestaltet und mit so viel Liebe zum Detail umgesetzt, dass es eine Freude ist. Auch die Schauspieler wurden gut gewählt, allen voran Sam Worthington, der den Protagonisten Jake Sully - und später den Avatar - spielt, aber auch Stephen Lang als fieser General Quarich und Zoë Saldana als Neytiri und Sigourney Weaver als Grace machen ihre Sache sehr gut. Selbst Michelle Rodriguez, die eher für Rollen in reinen Actionfilmen bekannt ist, macht eine beeindruckende Figur.  Auch der Score von James Horner untermalt das optische Geschehen in allen Farben und bietet so einen der eindringlichsten und besten Soundtracks der vergangenen Jahre. So werden Schlachten eindrucksvoll begeleitet und ruhige Szenen rühren manchmal zu Herzen. Und doch ist der Film extrem vorhersehbar und hält so kaum Spannung aufrecht. Man weiß sowieso was passieren wird und konzentriert sich daher- und vermutlich gewollt - auf die Natur und Umgebung Pandoras, erfreut sich an der satten Action und trauert um die Zerstörung, die durch die Menschheit angerichtet wird.


Der Film existiert in 3 Fassungen. Der Kinocut, der wohl allen bekannt sein dürfte, der "Special Edition", die den Film schon um gute achteinhalb Minuten verlängert und den heir besprochenen "Extended Collector's Cut", der noch einmal siebeneinhalb Minuten drauflegt, also auf einen Gesamtunterschied von satten 16 Minuten zur Kinofassung ausmacht. Dazu gibt es zwei interessante Schnittberichte. (Kinofassung - Special Edition und Special Edition - Extended Collector's Cut). Die neuen Szenen sind phänomenal und bieten nicht nur stupides Gelaber, sondern beleuchten vielmehr Jake Sullys Vorgeschichte und bringen so ein wenig mehr Substanz in die Story. Die eindrucksvollsten Szenen sind aber die Erweiterungen auf Pandora, zum Beispiel die Jagd auf die "Sturmbeests" oder der Angriff der Hammerkopf Titanotheris.

Es ist also kein Film der Handlung, aber ein optischer und akustischer Augenschmaus. Auch wenn es (bisher) den Extended Collector's Cut nicht in 3D gibt und auch die Special Edition vorerst "nur" ohne Tiefenwirkung auskommen muss, so ist "Avatar"ein Film, den man sich immer wieder ansehen kann. gerade weil Pandoras Natur so glaubhaft und gigantisch gut geworden ist. Und so werden die auch bereits angekündigten Sequels nicht lange mit Informationen auf sich warten lassen. Vielleicht können sie ja den Box-Office-Rekord noch einmal toppen?

8/10

Quellen
Inhaltsangabe: Twentieth Century Fox
Poster/ArtworkTwentieth Century Fox