Dienstag, 30. Dezember 2025

Man vs Baby (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt35047134/

Fortsetzung der Serie "Man vs Bee". Nachdem sein letzter Einsatz als Housesitter in einer Hightech-Villa dank einer lästigen Biene im Chaos endete, hat Trevor Bingley (Rowan Atkinson) den stressigen Job an den Nagel gehängt. Als Hausmeister an einer Schule sucht er nun Ruhe und Routine. Doch am letzten Schultag vor den Ferien bleibt das Jesuskind aus dem Krippenspiel einfach liegen - und Trevor steht plötzlich mit einem ungewöhnlichen Begleiter da. Zwischen Windeln, Weihnachtsdekoration und einem luxuriösen Penthouse, das es zu bewachen gilt, droht auch dieses Fest alles andere als besinnlich zu werden.

https://www.imdb.com/de/title/tt35073641/
1. Kapitel 1 (Chapter 1)
In den Tagen vor Weihnachten lebt Trevor Bingley nun in Hertfordshire, fernab von seiner Ex-Frau Jess und seiner Tochter Maddy. Ausgerechnet an seinem letzten Arbeitstag als Hausmeister an einer Grundschule teilt Jess ihm mit, dass sie und Maddy Weihnachten nicht zusammen verbringen können, da sie mit ihrem neuen Freund nach Barbados eingeladen ist. Für die Schulaufführung der Krippenszene versprach eine Mutter, ihr Baby als "Jesuskind" für die Dauer der Aufführung in der Schule zu lassen. Trevor holt das Baby von der Hintertür der Schule ab, und ist nur kurz verwundert, warum keine Mutter in der Nähe ist, sondern nur das Kind im Körbchen. Mitten in der Aufführung erhält Trevor einen Anruf von der neuen Muttergesellschaft von "Housesitters Deluxe", Grupo del Sanchez Romero. Sie lädt ihn ein, über Weihnachten als Ersatz-Haushälter in einem luxuriösen Haus in London einzuspringen. Trevor lehnt zunächst ab, nimmt die Einladung aber freudig an, nachdem ihm die Gage von 10.000 Pfund genannt wird. Nach Schulschluss bemerkt Trevor jedoch, dass das "Jesuskind" unbeaufsichtigt zurückgelassen wurde. Er versucht, die Mutter zu kontaktieren und erfährt dabei, dass diese ihr Baby überhaupt nicht abgegeben hat und muss schließlich das Jugendamt einschalten. In Eile, um nach London zu kommen, kommt ein Mitarbeiter des Jugendamtes, um das Baby abzuholen, doch Trevor stellt fest, dass es verschwunden ist. Der Mitarbeiter verliert nach einer längeren Suche die Geduld und verlässt das Haus, die Schulleitung ist bereits auf dem Weg zum Flughafen, das Jugendamt ist verlassen und Trevors Handy ist leer. So bleibt Trevor nichts anderes übrig, als das Baby mit nach London zu nehmen, wo er in das Haus der Familie Schwarzenboch eincheckt und den Job übernimmt. - 8/10

https://www.imdb.com/de/title/tt35623344/
2. Kapitel 2 (Chapter 2)
Bei seiner Ankunft im Haus der Schwarzenbochs trifft Trevor auf Petra, die Concierge der Familie. Aus Angst, Petra könnte das Baby bemerken, versteckt Trevor es in seinem Rucksack und übertönt dessen Laute mit seinen eigenen, was Petra misstrauisch macht. Sie zeigt ihm das Penthouse, für dessen Zugang man einen speziellen Schlüsselanhänger benötigt, und die vielen Annehmlichkeiten, die dort zur Verfügung stehen. Während Petra die Wohnung erklärt, krabbelt das Baby aus dem Rucksack und durch die Wohnung, aber Trevor findet es und versteckt es in einer Holzkiste. Nachdem Petra gegangen ist, bemerkt Trevor einen Geruch von dem Baby, beschließt aber, da es keine Windel hat, die luxuriösen Seidentücher der Familie als Ersatz zu verwenden. Nach einem Einkauf mit dem Baby erhält er einen Anruf des Londoner Jugendamtes, die das Baby jedoch erst am nächsten Nachmittag abholen können. Er legt das Baby in einen Korb von "Fortnum & Mason", der als Wiege dient, und benutzt instinktiv einen Champagnerkorken als Schnuller, um dem Baby nachts, wenn es weint, wieder gut schlafen zu können. Nachdem alle Schals als Ersatzwindeln aufgebraucht sind, bestellt Trevor welche bei Deliveroo, muss aber feststellen, dass er den Schlüsselanhänger für den Zugang zum Penthouse vergessen hat, als das Baby gerade die Treppe hochkrabbelt... - 8/10

https://www.imdb.com/de/title/tt35623345/
3. Kapitel 3 (Chapter 3)
Da Trevor den Schlüsselanhänger für das Penthouse nicht hat, ruft er Elsa an, die frühere Putzfrau der Schwarzenbochs. Sie ist die Einzige neben ihm, die einen Schlüsselanhänger für das Penthouse besitzt, da sie ihr Handy ebenfalls dort vergessen hat und ihr ein Kollege namens Lionel dabei geholfen hat. Elsa kommt und gibt ihm widerwillig den Schlüsselanhänger. Da Trevor jedoch vergisst, die Windeln einzusammeln, blockiert er den Aufzug mit seinem Schuh. Dieser rutscht jedoch in den Aufzug und lässt Trevor in der Lobby zurück. Trevor sucht Elsa daraufhin auf der Straße auf, um den Schlüsselanhänger zurückzubekommen. Doch zuvor hat ein Hund namens Archie Trevors Schuh im Aufzug gefunden und spielt damit. Maddy ruft Trevor an und informiert ihn, dass sich der Flug nach Barbados um einen ganzen Tag verspätet, da sie und Jess noch am Flughafen sind. Nachts wacht Trevor auf und sieht ein Paar, das aus seiner Wohnung zwangsgeräumt wurde und heimlich im selben Gebäude im Keller lebt. Sie stehlen Lebensmittel aus dem Kühlschrank. Anstatt die Polizei zu rufen, bietet Trevor ihnen mehr Essen an, darunter auch extra Babynahrung für ihr Kind. Überrascht von seiner Freundlichkeit verschwinden sie. Nachdem die Sozialarbeiterin Georgia Hakopian anruft und das Baby abholen soll, beschließt Trevor, es noch einmal im Einkaufswagen spazieren zu fahren. Dabei trifft er Archie wieder, der sich nun seinen anderen Schuh geschnappt hat, nachdem Trevor ihn zunächst abgeschüttelt hatte. Das Paar kehrt zurück und bedankt sich bei Trevor für seine Hilfe in der vergangenen Nacht. Trevor bietet an, auf ihr Baby aufzupassen, während sie einen Termin beim Wohnungsamt für eine neue Wohnung wahrnehmen. Als Frau Hakopian vom Londoner Jugendamt eintrifft, gibt Trevor ihr versehentlich das falsche Baby und bemerkt dies erst, als das Paar zurückkommt. Nachdem Frau Hakopian einen Strafzettel wegen Falschparkens bekommen hat, gelingt es Trevor, das Baby des Paares aus dem Auto zu holen, bevor er das richtige Baby zurückbringt. Währenddessen ist Hakopian jedoch bereits ohne Baby im Auto weggefahren, und Trevor erhält einen Anruf von Petra, die ihm mitteilt, dass die Schwarzenbochs unerwartet nach London zurückkehren... - 8/10

https://www.imdb.com/de/title/tt35623347/
4. Kapitel 4 (Chapter 4)
Nachdem Trevor die Nachricht erhalten hat, dass die Schwarzenbochs nach London zurückkehren werden, kontaktiert er ihre Haushälterin Janet, die aufgrund familiärer Verpflichtungen nicht ins Penthouse kommen kann. Sie übergibt ihm eine Liste mit Zutaten für ein Weihnachtsessen, das die Schwarzenbochs bei ihrer Ankunft zubereiten sollen, und Trevor schafft es, alles mithilfe von fünf Einkaufswagen ins Penthouse zu transportieren. Zur gleichen Zeit bemerkt Mrs. Hakopian, dass das Baby fehlt, und ruft die Polizei an, woraufhin die Suche nach einem vermissten Baby beginnt. In der Zwischenzeit bringt Trevor dem Paar in ihrer Unterkunft ein paar kleine Geschenke. Als Archie dem Hundefriseur übergeben wird, bemerkt er erneut Trevors verlorenen Schuh und folgt ihm bis ins Penthouse. Dort hinterlässt er im Aufzug eine Nachricht, damit sein Besitzer ihn abholt. Nun muss Archie sich sowohl um das Baby als auch um den Hund kümmern und schnappt sich dabei die Streichwurst, eine Lieblingsspeise der Schwarzenbochs. Trevor versucht, ihn mit einem Schuh-Schlüsselanhänger abzulenken, doch Archie verschlingt ihn dabei. Trevor bleibt nichts anderes übrig, als Archie mitzunehmen, um ins Penthouse zu gelangen. Annabel, die Besitzerin des Hundes, ruft an, um ihren Hund abzuholen. Um an den Schlüsselanhänger zu kommen, geht Trevor mit Archie spazieren, bis dieser schließlich Kot absetzt, in dem sich der Anhänger befindet. Trevor gelingt es auch, die Weihnachtsplätzchen zu ergattern und das Festmahl für die Schwarzenbochs vorzubereiten, die planmäßig um 17 Uhr eintreffen sollen. Petra ruft ihn an und teilt ihm mit, dass die Schwarzenbochs sich in letzter Sekunde entschieden haben, stattdessen nach New York zu fahren, wodurch Trevors Bemühungen umsonst waren. Kurz darauf meldet sich ein Polizist der Metropolitan Police und fordert ihn auf, das Baby abzugeben. Er bietet ihm einen Drink an, da die Besitzverhältnisse des Babys immer noch nicht eindeutig und weitere Ermittlungen erforderlich sind. Wenig später treffen das Paar, Lionel, Annabel, Mrs. Hakopian und später Jess zusammen mit Maddy im Penthouse ein, nachdem ihr Flug nach Barbados annulliert wurde. Trevor freut sich mit ihnen allen beim Weihnachtsfest, bei dem das Baby symbolisch in einer Krippe sitzt, umgeben von Trevors Angehörigen und Freunden. Plötzlich klingelt es and er Haustür und dvor steht die gesamten Familie Schwarzenboch, die in letzter Sekunde die Entscheidung getroffen hat, doch in London zu feiern... - 8/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Netflix

Sonntag, 28. Dezember 2025

The Long Walk - The Long Walk: Todesmarsch (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt10374610/

In einer nicht allzu fernen Zukunft herrscht ein repressives Regime über die Vereinigten Staaten von Amerika. Angeführt von dem namenlosen autoritären Major (Mark Hamill) sichert ein gnadenloser Polizeistaat seine Macht mit strengen Regeln – und einem brutalen Wettkampf. Jedes Jahr treten insgesamt hundert Jugendliche gegeneinander an, doch nur eine Person kann gewinnen: wer den Marsch überlebt. Ray Garraty (Cooper Hoffman) meldet sich freiwillig für das blutige Spektakel an, angelockt vom Versprechen von einem sorgenfreien Leben, in dem man alles bekommt, was man sich wünscht. Doch der Weg dorthin ist tödlich. Die Teilnehmer müssen dauerhaft ein Tempo von mindestens vier Meilen pro Stunde halten. Jede Unterschreitung führt zu einer Verwarnung. Wer sich drei davon einhandelt, wird hingerichtet - ohne Ausnahme. Ray macht sich als Nummer 47 auf den Weg und setzt alles daran, am Ende als Nummer 1 zu überleben.

"The Long Walk: Todesmarsch" ist eine erstaunlich kompromisslose Stephen‑King‑Verfilmung: formal streng, emotional zermürbend und in ihrer Gesellschaftskritik so direkt, dass man sich eher beobachtet als unterhalten fühlt. Gerade im Vergleich zur Novelle wirkt der Film weniger wie eine Illustration der Vorlage, sondern wie deren destillierter Albtraum für das 21. Jahrhundert. Kings Novelle erzählt von einem totalitären Amerika, in dem 100 Jungen an einem Marsch teilnehmen, bei dem nur der letzte Überlebende gewinnt - alle anderen werden nach drei Verwarnungen erschossen. Die Stärke des Textes liegt in der Monotonie, der inneren Perspektive von Ray Garraty und der allmählichen Entmenschlichung durch ein Regime, das Gewalt als Volksfest verkauft. Francis Lawrences Film übernimmt diesen Kern fast unverändert, reduziert aber die Teilnehmerzahl auf 50 und verschiebt den Fokus stärker auf visuelle und gruppendynamische Momente. Die Handlung bleibt radikal linear: Der Film verlässt die Straße kaum, verzichtet weitgehend auf Subplots und vertraut darauf, dass die Erschöpfung der Figuren sich als Erschöpfung des Publikums fortsetzt - ein Risko, das King literarisch, Lawrence filmisch eingeht.


Cooper Hoffman spielt Raymond Garraty mit einer Zurückgenommenheit, die an Kings introspektiven Erzähler erinnert: Die Verzweiflung sitzt in den Schultern, nicht in großen Reden. Seine Entwicklung vom schüchternen Beobachter zum traumatisierten Überlebenden, der in seinem Sieg kaum noch eine Identität erkennt, ist keine Heldenreise, sondern eine schleichende Verformung – genau darin liegt die Tragik der Figur. David Jonsson als McVries bringt einen idealistischen, beinahe humanistischen Gegenpol ein, der das, was im Buch oft innere Dialoge sind, in klare, verletzliche Momente von Kameradschaft übersetzt. Charlie Plummer als Barkovitch wiederum verkörpert das hässliche Gesicht des Wettbewerbs: narzisstische Aggression als Überlebensstrategie, ein Junge, der lieber Täterpose einnimmt, bevor er Opfer wird. Über ihnen allen schwebt Mark Hamill als Major, eine eiskalte, fast abstrakte Autoritätsfigur: Er ist weniger Mensch als Symbol - die freundliche Maske des Systems, das lächelnd den Finger am Abzug hält.

Der vielleicht klügste Kniff des Films liegt im Umgang mit Gewalt: Der erste Tod eines Läufers wird drastisch und frontal inszeniert, als Schock, der den moralischen Boden wegzieht. Danach verschiebt Lawrence die Perspektive - weitere Erschießungen passieren immer häufiger im Hintergrund oder am Bildrand, als beiläufige Geräusche, als kurze Bewegungsfetzen - genau so, wie die Jungen selbst beginnen, die Gewalt auszublenden. Wo Kings Prosa ein innerer Dauermonolog des Schmerzes ist, arbeitet der Film mit Blicken, Stille und dem immer gleichen rhythmischen Geräusch der Schritte. Die Straße wird zur Bühne der Erosion: Freundschaften flam­men auf und verglühen, Gespräche brechen mitten im Satz ab, wenn jemand nicht mehr kann – eine Struktur, die an Filme wie "Komm und sieh" oder "The Road" erinnert, in denen das eigentliche Ereignis die langsame Zerstörung der Seele ist.


Kings Novelle war immer eine Allegorie auf Militarismus, Leistungswahn und eine Mediengesellschaft, die Leid zur Unterhaltung macht. Lawrence aktualisiert diese Themen, ohne sie zu plakativen Referenzen zu degradieren: Das Regime bleibt schemenhaft, doch die Inszenierung der Veranstaltung als Spektakel, als Event des Jahres, wirkt unheimlich vertraut in einer Zeit von Reality‑Shows, Social‑Media‑Streams und Gamification von Arbeit. Besonders scharf ist die Kritik an einer Kultur, in der der Wert eines Menschen an Leistungsfähigkeit gekoppelt wird - wer nicht mehr mitkommt, wird buchstäblich "aus dem System entfernt". In einer Gegenwart, in der wirtschaftlicher Druck, Prekarität und toxische Meritokratie den Ton angeben, liest sich "The Long Walk: Todesmarsch" wie eine bösartige Zuspitzung: Kein Algorithmus, keine KPI - nur die Schusswaffe als ultimative Kennzahl. Dass der Film im Kontext eines Amerika aufgefasst wird, in dem autoritäre Tendenzen und ein trumpistisch geprägtes Politikklima diskutiert werden, verstärkt die Lesart eines Staats, der Jugend als Wegwerfressource behandelt. 

Das veränderte Ende ist ein entscheidender Unterschied: Wo King auf Andeutung setzt, formuliert der Film die Konsequenz expliziter aus, ohne in billige Katharsis zu fliehen. Die Hoffnungslosigkeit bleibt, vielleicht sogar geschärft, weil das Bild des letzten Schritts unmissverständlich ist - eine Verweigerung jeder romantischen Überhöhung des "Sieges". 


Aus dieser Perspektive heraus ist "The Long Walk: Todesmarsch“ sicher kein perfekter Film, aber ein selten mutiger - einer, der die Einfachheit seiner Prämisse als moralische Waffe nutzt. Wer sich darauf einlässt, erlebt keine bequeme Stephen‑King‑Adaption, sondern eine beinahe asketische Studie darüber, wie ein System Menschen bricht, indem es sie dazu bringt, ihren eigenen Untergang Schritt für Schritt mitzugehen.

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts/Leonine
Poster/ArtworkLionsgate/Manitoba Film/Video Tax Credit Program/Media Capital Technologies

Donnerstag, 25. Dezember 2025

Snow White And The Seven Dwarfs - Schneewittchen und die sieben Zwerge (1937)

https://www.imdb.com/title/tt0029583/

Schneewittchen ist eine kleine Prinzessin, deren böse Stiefmutter sie in Lumpen hüllen und als Magd schuften ließ. Warum? Weil sie Angst hatte, dass das Mädchen eines Tages schöner sein könnte als sie selbst. Als diese Befürchtung der eitlen Königin durch ihren magischen Spiegel als wahr bestätigt wird, beauftragt sie einen Jäger, Schneewittchen im Wald zu töten. Doch der bringt den Mord nicht übers Herz und lässt das Mädchen entkommen. Schneewittchen entdeckt auf einer Lichtung ein leer stehendes Haus, in dem sie gemeinsam mit den Tieren des Waldes für Ordnung und Sauberkeit sorgt. Als die sieben Zwerge von der Arbeit heimkehren, sind sie von ihrem Hausgast schnell entzückt und nehmen Schneewittchen bei sich auf. Als die Königin erfährt, dass ihre Stieftochter noch lebt, ist sie außer sich: Mit Zauberkräften verwandelt sie sich in eine Hexe und macht sich auf den Weg in den Wald, um die böse Tat mit Hilfe eines giftigen Apfels selbst zu vollenden...

Es war der erste abendfüllende Zeichentrickfilm im klassischen Sinne: "Schneewittchen und die sieben Zwerge". Und dies ist kein bloßer Kinderfilm, sondern Walts Disneys revolutionärer Beweis, dass Animation ein vollwertiges Kunstmedium sein kann - ein 83-minütiges Märchen, das vor fast 90 Jahren die Hollywood-Welt erschütterte. Was "Schneewittchen und die sieben Zwerge" unvergesslich macht, ist Disneys Genie für Bewegung: Der Wald jagt die Flüchtende mit greifenden Ästen und leuchtenden Augen, die sich als freundliche Tiere entpuppen - ein einziges pulsierendes Lebewesen, das nie stillsteht. Die Zwerge verkörpern ihre Namen nicht nur im Titel, sondern in jeder einzelnen Geste: Brummbär brummelt mit verschränkten Armen, Seppl stolpert stumm durch die Szene, begleitet von einem Chor aus Tieren, die wie Sidekicks die Handlung spiegeln und verstärken.  Lieder wie "Hi Ho" ("Heigh-Ho") und "Kommt erst mein Prinz zu mir" ("Someday My Prince Will Come") treiben die Erzählung voran, während die Königin - Disneys erster großer Schurke - in ihrer Verwandlung zur Hexe pure Grausamkeit atmet.

Anders als harmlose Gute-Nacht-Geschichten webt der Film echte Furcht ein: Die Königin, besessen von Eitelkeit, befiehlt Mord und entreißt Schneewittchen das Leben mit einem Apfel, nur um in einem Gewitter vom Felsen zu stürzen - ein Fall, der ihre Hässlichkeit enthüllt. Schneewittchen selbst, naiv und gütig, wünscht sich Erlösung, doch es sind ihre Umgebung und der Kuss, die sie retten; der Prinz wirkt blass, ein bloßes Vehikel fürs Happy End.  Die Musik untermalt Höhen und Tiefen perfekt, von zarten Melodien bis zu chaotischen Stürmen. Als erster abendfüllender Zeichentrickfilm, produziert mit Multiplane-Kameras für Tiefe und über 750.000 Zeichnungen, war "Schneewittchen und die sieben Zwerge" ein Wagnis: Hollywood nannte es "Disneys Torheit" - Kritiker, Brancheninsider und sogar Walt Disneys eigene Familie und Mitarbeiter zweifelten an dem Projekt. Sie waren überzeugt, dass niemand 90 Minuten lang einen Cartoon im Kino ansehen würde, und hielten das Vorhaben für geschäftlichen Selbstmord - doch es wurde zum größten Hit der 1930er, gewann einen Ehren-Oscar und begründete das Animationszeitalter. Trotz simpler Handlung und Kindertauglichkeit ist "Schneewittchen und die sieben Zwerge" ein zeitloses Juwel, das Schrecken und Freude in perfekter Balance hält.

8/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Disney

Donnerstag, 18. Dezember 2025

Avatar: Fire And Ash (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt1757678/

Die Sullys finde weiterhin Unterschlupf beim Clan der Metkayina an der Küste Pandoras. Dennoch tun sie sich schwer, zu einer Art Normalität zu finden, denn der Tod von Neteyam (Jamie Flatters) während des Kampfes gegen die Resources Development Administration (RDA) der Menschen wiegt immer noch schwer. Jake (Sam Worthington), Neytiri (Zoe Saldaña), Lo’ak (Britain Dalton), Tuk (Trinity Jo-Li Bliss), Spider (Jack Champion) und Kiri (Sigourney Weaver) müssen alle ihren eigenen Weg finden, mit diesem bitteren Verlust umzugehen. Schließlich entscheiden die Sullys, dass es vor allem für Spider an diesem Ort nicht mehr sicher genug ist. Er soll zurück in die Festung der Omatikaya gebracht werden. Doch auf dem Weg dahin werden sie vom Mangkwan-Clan, dem Volk der Asche, angegriffen. Der Clan hat sich von der Lebensweise der Na'vi abgekehrt, seit ein Vulkanausbruch ihre Heimat in Schutt und Asche gelegt hat. Und auch die RDA hat noch nicht das letzte Wort gesprochen...

Der dritte Teil der "Avatar"-Saga von James Cameron, "Avatar: Fire & Ash", ist ein Triumph der Form und ein Symptom der Erschöpfung zugleich. Er zeigt ein Kino, das technisch immer weiter wächst, aber erzählerisch in seinem eigenen Ökosystem gefangen bleibt. Die Geschichte wird direkt an die Ereignisse in "Avatar: The Way Of Water" angeknüpft (ursprünglich waren beide Filme sogar als ein Teil geplant, erst beim Schreiben des Drehbuchs entschied James Cameron, die Story aufzuteilen, weswegen die Filme besonders eng verbunden sind). Im Verhältnis zu "Avatar" und "Avatar: The Way Of Water" wirkt "Avatar: Fire & Ash" wie der Moment, in dem eine ursprünglich einfache Parabel unter dem Gewicht ihrer eigenen Mythologie zu knirschen beginnt. Der erste Film war im Kern eine geradlinige Kolonialismus-Geschichte: eine "Pocahontas"-Variante im Weltraum, klar, archaisch, bewusst klischeehaft, getragen von der schieren Kraft der Weltentdeckung. "Avatar: The Way Of Water" hat dieses Muster nicht aufgelöst, sondern ausgedehnt: Ein Ortswechsel (Wald zu Ozean), neue Stämme, wieder Familienbedrohung, wieder militärische Präsenz, wieder ein großes Zerstörungsfinale - aber emotional geerdet durch das Familienmotiv und gestützt von einer noch reicheren audiovisuellen Palette. "Avatar: Fire & Ash" ist nun der erste Teil der Reihe, der spürbar unter der Last der Wiederholung steht. Die Welt ist etabliert, die Technik perfektioniert, das zentrale emotionale Thema - Familie als Heiligtum - längst eingeführt. Was fehlt, ist eine echte narrative Entwicklung dieser Prämissen: Stattdessen variiert der Film bekannte Konfliktarchitekturen, verlagert sie auf neue Stämme und Schauplätze und versucht, Intensität vor allem über Quantität zu steigern.

Stärker als seine Vorgänger rückt "Avatar: Fire & Ash" die Perspektive von Spider in den Vordergrund - der menschliche Sohn zwischen den Welten, zerrissen zwischen der Na’vi-Familie, die ihn großgezogen hat, und dem Vater, der in ihm eher ein Werkzeug als ein Kind sieht. Diese Entscheidung ist klug: Sie gibt dem gigantischen Spektakel eine menschliche, verletzliche Mitte und macht einen Konflikt spürbar, der über die einfache Dichotomie "Der Mensch ist böse / die Na’vi sind gut" hinausgeht. Die Frage, was Loyalität bedeutet, wenn Herkunft und Erziehung auseinanderfallen, ist im Keim deutlich komplexer als alles, was der erste "Avatar" sich erzählerisch zugemutet hat. Doch der Film traut dieser Figur nicht immer genug. Wie schon bei Kiri im zweiten Teil wird eine interessante innere Spannung zwar eingeführt, aber selten so konsequent in dramatische Entscheidungen übersetzt, dass der Zuschauer das Gefühl hat: Ohne Spider würde die Geschichte eine andere Richtung nehmen. Stattdessen fällt der Film wieder und wieder auf vertraute Muster zurück - Entführungen, moralische Zwickmühlen, Opfergesten im Finale -, die Spiders Konflikt eher illustrieren, als ihn strukturell zu tragen. Die emotionale Achse ist da, aber sie wird nach dem Lehrbuch belastet, nicht wirklich erforscht.

James Cameron ist ein Regisseur der Klarheit: Seine besten Filme - "Aliens", "The Abyss", "Terminator 2: Tag der Abrechnung", "Titanic" - leben von einer fast brutalen Simplizität in der Dramaturgie, die in der Inszenierung zu opernhafter Größe aufgeladen wird. In "Avatar: Fire & Ash" bleibt diese Klarheit formal erhalten, doch sie kippt zunehmend in Monotonie. Der Film arbeitet wieder mit einer lang vorbereiteten Eskalationsspirale: Ein erster Angriff, ein Rückzug, ein erneuter Vorstoß, eine persönliche Geiselnahme, ein ausgedehntes Finale, das mehrfach scheinbar endet und dann noch eine Steigerungsstufe findet. Was bei "Avatar" noch wie eine klassische, fast altmodische Abenteuergeschichte wirkte und bei "Avatar: The Way Of Water" durch das Meer-Setting und die Einführung der Kinder emotional aufgefrischt wurde, fühlt sich im dritten Anlauf weniger wie Struktur als wie noch mehr Schablone an. Der Zuschauer erkennt die Mechanik: Eine Figur wird isoliert, bedroht, gerettet; ein Clan wird in die Knie gezwungen, sammelt sich, schlägt zurück; Natur und Spiritualität liefern den bildmächtigen, moralischen Unterbau. Die Dramaturgie ist effektiv, aber man spürt, dass sie sich seit Teil Eins kaum verändert hat - sie wurde nur größer, lauter, dichter.

Die größte Stärke der "Avatar"-Reihe war immer das Gefühl, in eine glaubwürdige, sinnlich überladene Welt einzutauchen, in der jedes Biolumineszenz-Partikel, jede Kreatur, jeder Stamm Teil eines konsistenten Ökosystems ist. "Avatar: Fire & Ash" erweitert diese Welt erneut - der Asche-Clan bringt eine visuelle und kulturelle Variante der Na’vi ein, die bedrohlicher, härter, roher wirkt als die bisher bekannten Stämme. Feuer, Ruß, karge Landschaften: Die Bilder stellen eine Art apokalyptisches Spiegelbild der üppigen, wasserreichen Paradiese der Vorgänger dar. Doch genau hier macht der Film seine zentrale Schwäche sichtbar: Das Worldbuilding überragt die Geschichte. Die neuen kulturellen und politischen Spannungen innerhalb der Na’vi bieten enormes Potenzial - eine Abkehr vom einfachen Kolonialismus-Schema hin zu inneren Konflikten, zu Machtverschiebungen, zu der Frage, wie eine bedrohte Kultur selbst Gewalt ausübt. Statt diese Linien konsequent durchzuziehen, nutzt der Film sie oft als Hintergrundtextur für ein vertrautes Grundmuster: Äußerer Feind, innerer Zwist, großes Bündnis im Angesicht der Vernichtung. Es entsteht der Eindruck, dass Pandora immer reicher, die Handlung aber immer dünner wird.

Darstellerisch bleibt die Reihe auf ihrem Niveau, was fast paradoxerweise die erzählerischen Defizite unterstreicht. Zoe Saldañas Neytiri ist weiterhin emotionaler Kern: Wut, Trauer, Schutzinstinkt - alles schlägt direkt durch die digitale Maske, so dass der Zuschauer kaum je vergisst, dass hier echte Körper und Gesichter performen. Stephen Langs Quaritch wird im Verlauf der Trilogie zur tragischeren, innerlich zerrissenen Figur, ohne je komplett seine Funktion als personifizierter Rachetrieb zu verlieren. Oona Chaplin als Varang bringt eine neue, kalte Intensität ins Ensemble; ihr Clan wirkt glaubhaft als Macht, die nicht nur Opfer, sondern auch Täter ist. Der Widerspruch liegt darin, dass diese komplexeren Figurenkonstellationen oft auf relativ simplen Motivketten beruhen: Rache, verletzter Stolz, Loyalität zur Familie, Misstrauen gegenüber dem Fremden. Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes - große Mythen funktionieren seit Jahrhunderten nach solchen Schemata -, aber "Avatar: Fire & Ash" suggeriert mit seiner epischen Laufzeit und Weltfülle eine psychologische Tiefenschärfe, die das Drehbuch nicht konsequent einlöst. Man spürt, wie oft Figuren nicht handeln, weil ihre innere Logik sie dazu zwingt, sondern weil der Plot eine bestimmte Konstellation benötigt.

Camerons spätes Werk ist vom Motiv der Familie besessen. Schon in "Avatar: The Way Of Water" wurde das Mantra "Die Sullys halten zusammen" zum emotionalen Leitmotiv, und "Avatar: Fire & Ash" führt diese Linie fort und verschärft sie. Familie ist hier zugleich Schutzraum, moralischer Kompass und Achillesferse: Fast jeder dramatische Höhepunkt entsteht aus einer Bedrohung für Kinder, Partner oder Wahlverwandte. Das verleiht dem Spektakel Bodenhaftung, macht aber auch deutlich, wie eng der thematische Rahmen geworden ist. Während "Avatar" noch eine klassische Reise vom Ich zum Wir war und "Avatar: The Way Of Water" die Verantwortung des Elternseins in einer feindlichen Welt thematisierte, wirkt "Avatar: Fire & Ash" stellenweise wie eine Wiederholung derselben Lektion: Familie ist alles, die äußere Welt ist gefährlich, Loyalität wird im Blut bezahlt. Was fehlt, ist der nächste gedankliche Schritt - etwa die Frage, wann familiäre Loyalität selbst zu einem blinden Fleck wird, der kollektive Verantwortung verhindert. Der Film deutet solche Ambivalenzen an, wenn innerna’vianische Konflikte eskalieren, zieht aber selten die Konsequenz, sie auch moralisch wirklich unbequem zu machen.

Formal bleibt Cameron immerhin auf einem Niveau, das die meisten Blockbuster schlicht alt aussehen lässt: Die Organisation der Action, die räumliche Klarheit, der Einsatz von IMAX, 3D und High Frame Rate, die Präzision des Schnitts - all das ist technisch nahezu makellos. "Avatar: Fire & Ash" bietet Bilder, für die das Kino erfunden worden zu sein scheint: infernalisch leuchtende Schlachtfelder, glühende Asche über schimmernden Körpern, das Nebeneinander von Naturidylle und Kriegstrauma in einer einzigen Einstellung. Doch je weiter die Reihe fortschreitet, desto deutlicher stellt sich eine Frage: Wozu dient das alles? Beim ersten "Avatar" war die Antwort einfach: Wir schauen einem Mann zu, der eine neue Welt entdeckt und dadurch ein besserer Mensch wird. Im zweiten Film lernt eine Familie zu überleben, indem sie sich anpasst und ihre Schwächen eingesteht. Beim dritten Film ist die Antwort weniger klar. Das Spektakel ist atemberaubend, aber es erzählt zunehmend Variationen desselben Konflikts. Der Eindruck entsteht, dass die formale Innovation schneller vorankommt als die Ideen, die sie tragen sollen.

Im Kontext der ersten beiden Filme lässt sich "Avatar: Fire & Ash" als Wendepunkt lesen: Es ist der Moment, in dem die "Avatar"-Reihe endgültig zur eigenen Mythologie wird - reich an Symbolen, Stämmen, Ritualen, bedeutungsschweren Visionen -, ohne sich gleichermaßen um die innere Notwendigkeit jeder neuen Wendung zu kümmern. Die Geschichte entwickelt sich weniger organisch aus den Figuren und mehr aus der Notwendigkeit, eine übergeordnete Saga über mehrere Teile zu spannen. Das Ergebnis ist ein Film, der gleichzeitig beeindruckt und ermüdet. Er demonstriert, wie weit Blockbuster-Kino technisch gediehen ist, und erinnert doch daran, dass selbst die beeindruckendste Welt irgendwann nach einer Geschichte schreit, die mehr ist als eine weitere, wenngleich sehr kunstvoll arrangierte Belagerung. "Avatar: Fire & Ash" ist ein Film, den man sich mit offenem Mund ansieht - und dabei spürt, dass die Augen voller Wunder sind, während der Kopf sich wünscht, das Herz bekäme etwas riskanteres, unerwarteteres zu tun. Dennoch wieder visuell eine Wucht und der Gedanke, dass genau für solche Filme IMAX 3D existiert.

7,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Twentieth Century Studios/Disney

Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt14364480/

Der Priester Jud Duplenticy (Josh O'Connor) bekommt einen neuen Auftrag von der Kirche. Er soll Monsignore Jefferson Wicks (Josh Brolin) und dessen Gemeinde unter die Arme greifen. Dort trifft er auch auf die äußerst fromme Martha Delacroix (Glenn Close), den geschäftigen Hausmeister Samson Holt (Thomas Haden Church), die permanent unter Strom stehende Anwältin Vera Draven (Kerry Washington), den ambitionierten Politiker Cy Draven (Daryl McCormack), den städtischen Arzt Nat Sharp (Jeremy Renner), den äußerst erfolgreichen Autoren Lee Ross (Andrew Scott) und die Cellistin Simone Vivane (Cailee Spaeny). Es ist dieses Gemeinschaft, die besonders erschüttert ist von einem Mord, der in der Stadt geschieht. Dessen Umstände sind jedoch derart rätselhaft, dass sich die Polizeichefin Geraldine Scott (Mila Kunis) auch nicht mehr zu helfen weiß. Also deckt sie das große Besteck auf und ruft den legendären Detektiv Benoit Blanc (Daniel Craig) um Hilfe.

"Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery" ist ein Krimi, der seinen eigenen Atem zählt - langsamer, schwerer, spiritueller - ohne den federnden Witz des ersten "Knives Out" ganz zu verlieren. Der Film fühlt sich an wie ein Gebet, das als schwarzhumoriger Krimi verkleidet ist. Regisseur Rian Johnson verlegt den dritten Benoit‑Blanc‑Fall in ein religiös aufgeladenes Umfeld rund um eine katholische Gemeinde und einen charismatisch-gefährlichen Monsignore, dessen Tod den Plot in Gang setzt. Der Ton ist deutlich düsterer und ernster als in den Vorgängern, mit starkem Fokus auf Themen wie Glaube, Machtmissbrauch, Schuld und Erlösung. Humor ist weiterhin präsent, aber er wirkt wie Zwischentöne in einem ansonsten von Zweifel und moralischer Schwere bestimmten Stück.

Johnson scheint seine eigene Erfolgsformel bewusst zu unterlaufen: weniger Gag-Feuerwerk, mehr atmosphärischer Druck und strukturelle Experimente (etwa die an Kreuzweg‑Stationen erinnernde Kapitelstruktur). Die klassischen Puzzelteile des Whodunit werden sorgfältig gelegt, aber statt eines reinen Rätselspaßes entsteht ein Film, der das Publikum auffordert, über Spiritualität, Institution und persönliches Gewissen nachzudenken. Johnson verschränkt gekonnt Form und Inhalt: Der Krimi ist nicht nur über Glauben - er ist in seinem geduldigen, kreisenden Erzählen selbst ein Akt des Zweifelns.

Daniel Craig spielt Benoit Blanc hier härter und introvertierter; seine Südstaaten‑Sprechweise klingt weniger verspielt, mehr wie das Werkzeug eines Mannes, der gelernt hat, in Systemen zu lesen, nicht nur in Menschen. Die Chemie mit Josh O’Connor als innerlich zerrissenem jungen Priester Jud Duplenticy ist das emotionale Herz des Films - ihre Dialoge verhandeln nicht nur Verdachtsmomente, sondern die Frage, ob Moral ohne Glauben oder Glaube ohne Moral überhaupt Bestand haben kann. Glenn Close bringt als rechte Hand des Monsignore eine scharfe, beinahe fanatische Energie ein, die jede Szene kippen lassen kann; sie ist die Figur, bei der man die Formulierung "Es gibt keine kleinen Rollen, nur kleine Schauspieler" direkt bestätigt sieht.

Die Bildgestaltung nutzt Kirchenräume, Sakristeien und sakrale Architektur, um eine klaustrophobische Spiritualität zu erzeugen: Licht fällt wie ein Verhör aus den Fenstern, Schatten wirken wie unausgesprochene Sünden. Die Kamera verweilt länger auf Gesichtern und Ritualen, weniger auf kinetischer Bewegung; das ergibt einen langsamen, beinahe kontemplativen Rhythmus, der den Film näher an ein religiöses Kammerspiel als an eine klassische Gesellschaftssatire rückt. Die ländlich‑parochiale Umgebung ersetzt das dekadente Herrenhaus des ersten Films und die gläserne Insel des zweiten durch eine Gemeinschaft, deren Machtstrukturen unsichtbarer, aber nicht weniger toxisch sind.

Man könnte somit den neuen Film nicht als Revolution, sondern als Re‑Kalibrierung der Reihe betrachten: weniger Crowd‑Pleaser als die ersten beiden, aber mutiger in Ton und Themenwahl. Er ist zweifelslos der atmosphärisch stärkste Teil der Reihe, aber ein schwächerer Krimi der Trilogie - doch Casting und inszenatorische Sicherheit lassen über dieses Manko hinwegsehen. Damit bleibt zu hoffen, dass Johnsons und Craigs Zusammenarbeit noch lange Zeit Früchte tragen wird. Solange dieses Duo bereit ist, mit Setting, Ton und Thema zu experimentieren, wirkt Benoit Blanc wie eine Figur, die - ganz im Sinne klassischer Detektive - immer wieder in neue Milieus versetzbar ist, vom Kirchenchor bis zum Silicon‑Valley‑Boardroom.

7,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Netflix

Dienstag, 16. Dezember 2025

The Simpsons - Die Simpsons, Season 29 (2018)

https://www.imdb.com/title/tt0096697/

Die Simpsons sind eine typische gelbe amerikanische Vorstadtfamilie. Der im örtlichen Atomkraftwerk arbeitende, einfältige Homer (Stimme im Original: Dan Castellaneta / deutsche Fassung: Norbert Gastell, später: Christoph Jablonka) ist übergewichtig, liebt das Bier und seine Couch. Mutter Marge (Julie Kavner / Elisabeth Volkmann, später: Anke Engelke) umsorgt alle und schmeißt den Haushalt. Sohn Bart (Nancy Cartwright / Sandra Schwittau) hat nichts als Unsinn im Kopf, während seine jüngere Schwester Lisa (Yeardley Smith / Sabine Bohlmann) die Klassenbeste ist. Und Baby Maggie kann zwar kaum laufen und nicht sprechen, ist ansonsten aber nicht auf den Kopf gefallen. Inmitten ihrer von allerlei verschrobenen Gestalten bevölkerten Heimatstadt Springfield schlittern die Simpsons von einer turbulenten Situation in die nächste...

Staffel 29 der beliebten Fernsehfamilie.

https://www.imdb.com/title/tt7156270/
29.1 Die Sklavsons (The Serfsons)
In einer Fantasiewelt finden die Serfsons Marges Mutter Jacqueline vor, die langsam zu Eis erstarrt. Der Arzt erklärt, sie sei von einem Eismonster gebissen worden und müsse ein Amulett tragen, um es aufzuhalten. Homer kann das Geld für das Amulett nicht auftreiben, also nutzt Lisa ihre magischen Fähigkeiten, um Blei in Gold zu verwandeln. Jacqueline erhält ihr Amulett und legt es an, während König Quimby Lisa wegen Hexerei abführt. Die Bauern rebellieren und besiegen die Zauberer des Königs, werden aber von seinem Drachen aufgehalten. Jacqueline legt ihr Amulett ab und opfert sich, um den Drachen zu töten. Sie erkennen, dass der Drache ihre Quelle der Magie ist, doch Lisa schlägt vor, eine Gesellschaft auf wissenschaftlicher Grundlage zu gründen. Stattdessen erwecken die Bauern den Drachen wieder zum Leben, der das Dorf niederbrennt. - 6,5/10

https://www.imdb.com/title/tt7156264/
29.2 Sad Girl (Springfield Splendor)
Als Lisa immer wieder Albträume hat, schicken Homer und Marge sie zu einer Therapieschülerin, weil sie sich keine Therapeutin leisten können. Diese rät Lisa, ihre Gefühle zu Hause zu zeichnen. Da Marge nicht gut zeichnen kann, fertigt sie die Zeichnungen an, während Lisa spricht. Auf dem Weg zur Therapieschülerin fallen die Zeichnungen aus Lisas Tasche. Kumiko findet sie und veröffentlicht sie, weil sie sie für einen Comic hält. Lisa ist begeistert, als sie sieht, wie die Leute ihn kaufen. Auf einer Fan-Convention streicht Lisa die ganze Anerkennung ein, was Marge sehr verletzt. Später möchte ein Theaterregisseur ein Theaterstück basierend auf dem Comic inszenieren, konzentriert sich dabei aber auf den Zeichenstil und nicht auf Lisas Charakter. Bei der Premiere ist Lisa traurig, dass ihre Figur im Stück keine Rolle spielt. Um sie aufzuheitern, malt Marge Lisas Gesicht auf einen Scheinwerfer, ruiniert damit aber das Stück. - 6,5/10

https://www.imdb.com/title/tt6225292/
29.3 Talent mit Pfiff (Whistler’s Father)
Homer entdeckt, dass Maggie pfeifen kann. Er möchte berühmt werden und nimmt sie mit zu einer Talentshow. Als er das Verhalten anderer Showbusiness-Kinder und ihrer Eltern beobachtet, versucht er, sie davon abzuhalten, scheitert aber. Auf der Bühne kann Maggie jedoch nicht pfeifen, weil ein Zahn wächst. Als sich das Publikum gegen sie wendet, verteidigt Homer sie. Währenddessen bittet Fat Tony Marge, ein Postamt neu zu dekorieren, das er erworben hat, nachdem er sie ein Zimmer in der Springfield Elementary dekorieren sah. Nach getaner Arbeit entdeckt sie, dass das Gebäude ein Bordell ist. Sie überzeugt ihn jedoch, es zu schließen, indem sie ihm zeigt, dass seine Mutter einen Brief vom Papst in einem Briefkasten im Gebäude aufbewahrt hat. - 6/10

https://www.imdb.com/title/tt6890620/
29.4 Der Exorzismus von Maggie Simpson (Treehouse Of Horror XXVIII)
"Die Exorzistin": Maggie ist von Pazuzu, einem rachsüchtigen Dämon, besessen. Bevor er getötet wird, sagt Ned Flanders, dass sie einen Exorzismus braucht. Ein Priester befreit Maggie von dem Dämon, und nachdem dieser in Bart gefahren ist, sagt er, dass er noch böser sei als er selbst. "Coralisa": Lisa entdeckt eine alternative Realität, in der die Simpsons netter sind, aber Knöpfe als Augen haben. Sie beschließt, dort zu bleiben, indem sie ihre Augen gegen Knöpfe tauscht. Als die anderen Simpsons Lisas Verschwinden bemerken, folgen sie ihr in die alternative Realität. Homer tötet dabei versehentlich einige der alternativen Simpsons. Er beschließt, alle zurück in die ursprüngliche Realität zu holen. "Mmm… Homer": Beim Grillen eines Hotdogs schneidet sich Homer versehentlich einen Finger ab und brät ihn mit. Er beschließt, ihn zu essen und beginnt, weitere Teile seines Körpers zu kochen, weil ihm der Geschmack gefällt. Mario Batali bietet an, den Rest seines Körpers in seinen Restaurants zuzubereiten, und die Stadtbewohner beginnen, andere Menschen zu essen. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt7480030/
29.5 Grampa ist ganz Ohr (Grampy Can Ya Hear Me)
Das Seniorenheim schenkt Opa zum Geburtstag Hörgeräte. Im Haus der Simpsons merkt Opa, dass die Familie ihn nicht mag, und verlässt daraufhin das Haus. Er landet in einer Bar, und der Barkeeper ruft Homer an, damit dieser ihn nach Hause fährt. Dort angekommen, erfährt Opa, wie sehr die Familie ihn vermisst hat, und sie umarmen sich. Unterdessen entdeckt Direktor Skinner, dass seine Mutter ihm einen Zulassungsbescheid der Ohio State University vorenthalten und damit seine vielversprechende Karriere in der Marching Band sabotiert hat. Er zieht in den Abstellraum der Schule. Als er seine Mutter zur Rede stellt, zeigt sie Reue. Skinner vergibt ihr und zieht unter seinen Bedingungen wieder ein. - 6,5/10

https://www.imdb.com/title/tt7548148/
29.6 Blau im Amt (The Old Blue Mayor She Ain’t What She Used To Be)
Nachdem Bürgermeister Quimby Marge beleidigt hat, beschließt sie, gegen ihn für das Bürgermeisteramt zu kandidieren. Nachdem sie versprochen hat, den Reifenbrand zu löschen, gewinnt sie. Ein Souvenirstandbesitzer versucht, Marge daran zu hindern, das Feuer zu löschen. Nachdem der Besitzer die Sympathie der Bevölkerung gewonnen hat, verliert Marge die Unterstützung der Wähler. Um die Stadt zurückzugewinnen, hält Marge eine Rede in ihrer Küche, in der sie Homer beschimpft, was gut ankommt. Später fühlt sich Marge unwohl, weil die Leute über Homer lachen, und hält deshalb eine Rede, in der sie ihm ihre Liebe gesteht, was die Leute nicht mögen. In der Zukunft wird enthüllt, dass Marge ihres Amtes enthoben wurde und Quimby den Posten zurückerhielt. - 6,5/10

https://www.imdb.com/title/tt7368116/
29.7 Die Pin Pals (Singin’ In The Lane)
Homer vereint sein altes Bowlingteam, die Pin Pals, mit Moe als Trainer wieder. Sie schlagen sich gut, geraten aber in Rivalität mit einem Team reicher Banker. Sie sollen im Finale gegeneinander antreten, und Moe wettet seine Bar darauf, dass die Pin Pals gewinnen werden. Während des Spiels setzen die Banker Barney außer Gefecht. Moe, der glaubt, zu verlieren, malt sich aus, dass sein Leben ohne die Bar besser wäre. Trotz Moes Versuchen, sie verlieren zu lassen, gewinnt Homer das Spiel. In der Bar feiert das Team mit Moe, weil er ihr Freund ist, und sie unternehmen einen Flug in der Schwerelosigkeit, um den gewonnenen Wetteinsatz zu belohnen. - 6,5/10

https://www.imdb.com/title/tt7343996/
29.8 Lisa legt los (Mr. Lisa’s Opus)
Eine ältere Lisa schreibt ihren Bewerbungsaufsatz für Harvard. Sie erinnert sich daran, wie alle ihren siebten Geburtstag vergessen haben. An ihrem vierzehnten Geburtstag entdeckt Lisa, dass Marge Homer verlassen will. Sie rät Homer, mit dem Trinken aufzuhören. Mit Neds Hilfe gelingt es ihm, was seine Ehe rettet. Später wird Lisa in Harvard aufgenommen. Beim Einzug in ihr Studentenwohnheim fühlt sie sich ihren Kommilitonen unterlegen. Ihre Familie ermutigt sie, und sie hilft ihrer Mitbewohnerin, der es genauso geht. - 7/10

https://www.imdb.com/title/tt7480064/
29.9 Gone Boy (Gone Boy)
Während einer Autofahrt mit Homer muss Bart dringend urinieren und geht deshalb in den Wald. Dort fällt er in einen Gullydeckel und entdeckt einen Militärbunker. Da Bart verschwunden ist, suchen die Stadtbewohner nach ihm, darunter auch die Gefängnisinsassen wie Sideshow Bob. Milhouse findet Bart im Gullydeckel und kehrt in die Stadt zurück, um Hilfe zu holen. Inzwischen wird Bart für tot erklärt. Als Milhouse im Haus der Simpsons ankommt, umarmt Lisa ihn tröstend, damit er ihr nichts von Bart erzählt. Sideshow Bob kann Barts Tod nicht akzeptieren, findet Milhouse und zwingt ihn, ihm Barts Aufenthaltsort zu verraten. Milhouse und Bob steigen in den Gullydeckel hinab, während Bart und Milhouse im Bunker an der Rakete befestigt sind. Bob versucht, die Rakete abzufeuern, befreit aber, von Schuldgefühlen geplagt, die Kinder, bevor sie abhebt. Erleichtert kehrt Bob ins Gefängnis zurück. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt7156278/
29.10 Ha-Ha Land (Haw-Haw Land)
Die Simpsons besuchen eine MINT-Konferenz, wo Lisa sich in den älteren Musiker Brendan verliebt. Als Nelson die beiden zusammen sieht, wird er eifersüchtig, da er früher mit Lisa zusammen war, und versucht, sie für sich zu gewinnen. Bart entdeckt derweil seine Leidenschaft für Chemie. Als sich Schulleiter Chalmers jedoch nach dem Trinken von Säure verletzt, verdächtigen Homer und Marge Bart. Bei einer Talentshow der Schule treten Brendan und Nelson auf, während Bart eine Chemievorführung gibt. Brendan wird disqualifiziert, weil er außerhalb des Schulbezirks wohnt, und Lisa ist traurig über seinen Weggang. Nelson schneidet schlecht ab und möchte sich verbessern, um Lisa für sich zu gewinnen. Bart hingegen zeigt eine gute Leistung, nachdem Marge an seine Unschuld glaubt. Hausmeister Willie gesteht, Chalmers vergiftet zu haben. Barts Vorführung endet jedoch mit einem Streich, der die Schule mit Schaum füllt. - 6,5/10

https://www.imdb.com/title/tt6890594/
29.11 Arche Monty (Frink Gets Testy)
Mr. Burns baut eine Arche für den Weltuntergang, da er glaubt, das Ende der Welt sei nahe. Professor Frink entwickelt eine Methode, alle Einwohner Springfields zu testen, nachdem Burns einen Test durchführen will, um zu bestimmen, wer mit ihm auf die Arche gehen soll. Homer, Marge und Lisa schneiden gut ab, während Bart am schlechtesten abschneidet. Frink vertauscht jedoch Homers und Barts Ergebnisse aufgrund von Homers schlechter Handschrift. Marge bringt Homer bei, besser zu schreiben, und er schreibt ihr romantische Briefe. Lisa, besorgt darüber, dass Ralph besser abgeschnitten hat als sie, zeigt Frink Beweise für Ralphs Glück, woraufhin er ihr mehr Punkte gibt, damit die Mängel seines Tests nicht aufgedeckt werden. Die Gewinner betreten die Arche, wo Burns erklärt, dass sie seine Sklaven sein werden. Sie beschließen zu gehen, also fliegt Burns allein mit seiner Arche, wird aber von einem Roboter erwürgt. - 6,5/10

https://www.imdb.com/title/tt7852294/
29.12 Manacek (Homer Is Where The Art Isn’t)
Megan Matheson gewinnt bei einer Gemäldeauktion vor Mr. Burns und Homer. Das Gemälde wird gestohlen, und Manacek wird mit den Ermittlungen beauftragt. Er befragt Matheson und Burns. Marge erklärt, warum Homer das Gemälde unbedingt haben wollte. Homer war von dem Gemälde besessen, nachdem er eine Schulklasse zu einem Kunstmuseum begleitet hatte. Lisa und Homer hatten sich durch das Gemälde angefreundet, doch die Gemälde wurden versteigert, um die Projekte der Stadt zu finanzieren. Manacek kommt zu dem Schluss, dass Homer unschuldig ist. Er enthüllt, dass Matheson das Gemälde wegen der Versicherungssumme gestohlen hat, Burns aber ein Auktionshaus nachgebaut und das Gemälde bereits vor ihr gestohlen hatte. Er enthüllt jedoch auch, dass Lisa das Gemälde vor ihnen gestohlen und durch eine Kopie ersetzt hatte. Sie wollte nicht, dass das Gemälde in der Villa eines reichen Mannes versteckt wird. Nachdem es in die Stadt zurückgebracht wurde, hängt es in der städtischen Fußballarena, finanziert durch den Erlös der Auktion. Lisa und Homer besuchen es dort. - 6,5/10

https://www.imdb.com/title/tt7343988/
29.13 Doppeltes Einkommen, kinderlos (3 Scenes Plus A Tag From A Marriage)
Homer und Marge besuchen ihre alte Wohnung und erinnern sich an die Anfänge ihrer Ehe. Marge arbeitete als Fotografin für Zeitschriften, während Homer in einem Start-up-Unternehmen tätig war. Nach Barts Geburt verlor Homer seine Stelle, weil er nicht mehr genug Zeit für die Firma hatte. Während Marge einen Künstler interviewte, zerstörte Bart dessen Kunstwerk, woraufhin Marge entlassen wurde und die Zeitschrift ihre Kunstanzeigenkunden verlor. Da Bart ständig Ärger machte, zeigte Reverend Lovejoy ein Video, das ihnen riet, ein zweites Kind zu bekommen, um Bart vielleicht zur Vernunft zu bringen. So wurde Lisa geboren. - 7/10

https://www.imdb.com/title/tt7156280/
29.14 Krusty macht ernst (Fears Of A Clown)
Direktor Skinner entlarvt Bart als Streichespieler. Beschämt klebt Bart den Lehrern Krusty-Masken ins Gesicht, was die Leute vor Clowns erschreckt und Krustys Show ruiniert. Auf Marges Drängen wird Bart in eine Entzugsklinik geschickt. Um Bart ein schlechtes Gewissen einzureden, überredet ihn der Arzt, Marge beinahe mit einem Streich zu verletzen. Bart plant, sich mit einer Rede bei allen zu entschuldigen, will sie aber stattdessen mit Wasserbomben bewerfen. Als er Marge sieht, plagt ihn das schlechte Gewissen, doch er kann den Streich nicht verhindern. Marge akzeptiert jedoch, dass das eben Barts Art ist. Unterdessen rät Lisa Krusty, ein ernsthafter Bühnenschauspieler zu werden. Während einer Aufführung bringt Krusty das Publikum versehentlich zum Lachen und erkennt, dass er kein ernsthafter Schauspieler ist. - 6/10

https://www.imdb.com/title/tt7953984/
29.15 Politisch unkorrekt (No Good Read Goes Unpunished)
Marge nimmt die Familie mit in eine Buchhandlung. Bart kauft „Die Kunst des Krieges“, um Homer zu manipulieren. Mithilfe des Buches überredet er Homer, ihn und Milhouse zu einer Videospielmesse mitzunehmen. Dort bringt er Milhouse dazu, Barts Plan zu verraten. Homer beginnt, sich wie Ned Flanders zu benehmen, während er das Buch liest, bis er und Bart einen Waffenstillstand schließen. Unterdessen kauft Marge ihr Lieblingsbuch aus ihrer Kindheit. Sie liest es Lisa vor und merkt, dass das Buch kulturell unsensibel ist. Sie überarbeitet eine neue Version für Lisa, die feststellt, dass das neue Buch bedeutungslos ist. An der Springfield University erfahren sie, dass Gelehrte das Originalbuch für Satire halten, aber niemand wirklich überzeugt ist. - 6,5/10

https://www.imdb.com/title/tt8068912/
29.16 Der Matratzenkönig (King Leer)
Homer und Marge erfahren, dass Moe einen heftigen Streit mit seinem Vater hat. Sie laden Moe und seine Familie zum Abendessen ein. Moe erzählt, dass seine Familie Matratzen verkauft hat. Seine Familie versuchte, ihn zu zwingen, ein Konkurrenzgeschäft zu sabotieren, aber er weigerte sich. Homer und Marge bringen die Szyslaks zur Versöhnung, und Moes Vater schenkt jedem seiner Kinder ein Geschäft. Moes Familie plant jedoch, ihn zu sabotieren, und so greifen sie gegenseitig ihre Geschäfte an. Marge versucht, den Konflikt zu schlichten, erkennt aber, dass sie nicht zusammenpassen. - 6,5/10

https://www.imdb.com/title/tt7343990/
29.17 Lisa hat den Blues (Lisa Gets The Blues)
Lisa erkrankt an einer Krankheit, die sie am Saxophonspielen hindert, was sie sehr traurig macht. Als der Flug der Simpsons nach New Orleans umgeleitet wird, rät Marge Homer, die Situation zu nutzen, um Lisa aufzuheitern. Sie hat eine Vision von Louis Armstrong, der ihr rät, auf Homer zu hören und die Stadt zu genießen. Sie trifft Bleeding Gums Murphys Neffen, der sagt, Lisa sei die beste Musikerin, die er kenne. Er ermutigt sie, auf seinem Saxophon zu spielen, und sie kann wieder gut spielen. - 7/10

https://www.imdb.com/title/tt8068902/
29.18 Rezeptfrei (Forgive and Regret)
Auf dem Sterbebett beichtet Opa Homer etwas, der ihm verspricht, es nicht weiterzuerzählen. Doch Opa erholt sich, was Homer wütend macht. Als die Familie scheitert, die beiden zur Versöhnung zu bewegen, enthüllt Homer, dass er und Mona früher Kuchen gebacken haben und sie ihm eine Schachtel mit den Rezepten geschenkt hat. Als sie weg war, warf Opa die Schachtel von einer Klippe. Wütend versucht Opa, die Schachtel zurückzuholen. Die Familie will ihn von seinem gefährlichen Vorhaben abhalten, findet aber nur die leere Schachtel. Auf dem Heimweg essen sie in einem Restaurant einen Kuchen, der genauso schmeckt wie Monas. Die Kellnerin erzählt, sie habe die Rezepte eines Tages vom Himmel fallen sehen und gibt sie Homer zurück. - 7/10

https://www.imdb.com/title/tt8259930/
29.19 Links liegen gelassen (Left Behind)
Als das Leftorium stillgelegt wird, hilft Homer Ned, einen Job in der Personalabteilung des Kraftwerks zu bekommen. Genervt von Neds Methoden betet Homer, dass Ned gefeuert wird. Als es soweit ist, nimmt Ned eine Reihe von Jobs an, die ihn deprimieren. Marge rät ihm, es Jesus gleichzutun und Lehrer zu werden. Er wird Aushilfslehrer an der Springfield Elementary School, kündigt aber, nachdem Bart ihm einen Streich spielen muss. Homer und Bart entschuldigen sich bei Ned und überzeugen ihn, wieder zu unterrichten, indem sie ihn an Edna erinnern. Mit Barts Hilfe entwickelt Ned einen Plan, wie er seine Klasse dazu bringt, ihm zu gehorchen. - 7/10

https://www.imdb.com/title/tt8259932/
29.20 Dänisches Krankenlager (Throw Grampa From The Dane)
Als Opa operiert werden muss, schlägt Lisa vor, ihn nach Dänemark zu bringen, damit er vom dortigen staatlichen Gesundheitssystem profitieren kann. Marge, Bart und Lisa sind von der Kultur begeistert und überlegen, dorthin zu ziehen, während Homer zögert. Opa gesteht, dass er sich eigentlich ein Tattoo von Mona entfernen lassen wollte. Daraufhin trinken er und ein trauriger Homer in einer Bar. Dort erwischt Marge Homer beim Tanzen mit einer anderen Frau. Während Homer und Opa sich auf die Heimreise vorbereiten, beschließt Marge zu bleiben. Opa rät Homer, nicht so stur zu sein wie bei Mona. Daraufhin geht er und sagt, er werde bei Marge bleiben. Ihr gefällt die Größe ihrer Wohnung jedoch nicht, und so kehrt die ganze Familie nach Hause zurück. - 6,5/10

https://www.imdb.com/title/tt8292612/
29.21 Der Tod steht ihm gut (Flanders’ Ladder)
Bart wird vom Blitz getroffen und fällt ins Koma. Lisa beschließt, mit ihm zu reden und ihm Albträume zu bereiten, weil er sie zuvor erschreckt hat. Er hat Visionen von Maude Flanders und anderen Geistern. Er erkennt, dass er den Geistern helfen muss, Frieden zu finden. Maude will sich an Homer rächen und hetzt die Schläger auf ihn, indem sie T-Shirts auf ihn schießen und ihn töten. Von Schuldgefühlen geplagt, hindert Bart Homer daran, in den Himmel aufzusteigen, doch Homer erwürgt Bart, weil er ihm die Chance vermasselt hat. Barts Zustand verschlechtert sich, und Lisa fleht ihn an, bei ihr zu bleiben. Als sie ihm ihre Liebe gesteht, bessert sich sein Zustand, und er wacht auf. Bart gibt zu, was sie getan hat, ist aber nicht wütend und möchte lernen, wie man anderen Menschen das antut, was sie getan hat. - 7,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Twentieth Century Fox/Disney+
Poster/ArtworkTwentieth Century Fox/Disney+

Samstag, 13. Dezember 2025

A Monster Calls - Sieben Minuten nach Mitternacht (2016)

https://www.imdb.com/de/title/tt3416532/

Der kleine Conor (Lewis MacDougall) lebt bei seiner kranken Mutter Elizabeth (Felicity Jones) und fühlt sich in der Schule alles andere als wohl – einige Kinder hänseln Conor, andere behandeln ihn wegen der Krankheit seiner Mama wie ein rohes Ei. Und auch zu Hause scheint sich alles nur noch weiter zu verschlimmern, vor allem wenn Conor bei seiner strengen Großmutter (Sigourney Weaver) sein muss. Als wäre dies alles nicht schon aufwühlend genug, hat Conor obendrein immer wieder Alpträume, in denen er an den drohenden Tod seiner Mutter erinnert und die alte Eibe vor dem Fenster lebendig wird, sich plötzlich in ein knorriges Monster (Stimme im Original: Liam Neeson) verwandelt. Das unheimliche Wesen zerstört die Umgebung – und erzählt Conor, worin der Unterschied besteht zwischen Realität und Märchen…

Unter der Regie von Juan Antonio Bayona, verwebt dieser grandiose Film Fantasy mit roher emotionaler Wahrheit in der Geschichte des 13-jährigen Conor O’Malley (Lewis MacDougall), dessen Mutter (Felicity Jones) an Krebs erkrankt ist und der sich einem sprechenden Monster aus einer Eibe gegenübersieht, das ihm drei Geschichten erzählt, um ihn zur Auseinandersetzung mit seinem inneren Albtraum zu zwingen. Der Film balanciert präzise zwischen kindlicher Imagination und der Unerbittlichkeit des Verlusts, ohne je in Sentimentalität abzugleiten, und erreicht eine Tiefgründigkeit, die Themen wie Schuld, Verleugnung und Loslassen durch Conors Perspektive beleuchtet. 

Denn Conor quält ein wiederkehrender Traum, in dem er jemanden nicht festhalten kann; das Monster (Stimme von Liam Neeson) erscheint pünktlich um sieben Minuten nach Mitternacht, erzählt Parabeln über Grauzonen zwischen Gut und Böse, Unsichtbarkeit und Opfer, die Conor zwingen, seine Verdrängung der mütterlichen Sterblichkeit aufzubrechen. Die dritte Geschichte kulminiert in Conors Ausbruch gegen Mobber, symbolisiert durch physische Zerstörung, die seine unterdrückte Wut externalisiert. Letztlich konfrontiert das Monster ihn mit der vierten Wahrheit: seinem Wunsch, das Leiden zu beenden, was nicht Hass auf die Mutter bedeutet, sondern menschliche Erschöpfung - eine nuancierte Erkundung von Trauer, die Bayona aus kindlicher Sicht authentisch macht.

Bayonas Inszenierung glänzt durch fantastische Sequenzen, in denen die Monster-Geschichten als aquarellartige, nostalgisch-märchenhafte Animationen wirken, kontrastierend mit der kargen Realität von Krankheit und Isolation. Diese Dualität unterstreicht die Tiefgründigkeit: Fantasie dient nicht der Flucht, sondern als Katalysator für Catharsis, wie Conors Zerstörung des Großmutter-Wohnzimmers zeigt, das seine innere Zerrissenheit materialisiert. Der Score und die Kamera fangen stille Momente der Verletzlichkeit ein, während Sigourney Weavers strenge Großmutter und Toby Kebbells distanzierter Vater Conors Welt nuancieren, ohne Klischees zu bedienen.

MacDougalls Leistung als Conor - verschlossen, doch von unterdrückter Wut durchzogen - trägt den Film, ergänzt durch Neesons vielschichtiges Monster, das väterlich-bedrohlich oszilliert. Die Tiefgründigkeit entfaltet sich in der Weigerung, einfache Heilung zu bieten: Conor lernt, Wahrheit auszusprechen ("Ich will nicht, dass du stirbst"), was Loslassen ermöglicht, ohne die Komplexität von Schuldgefühlen zu mindern. Bei 108 Minuten misst der Film Maß, vermeidet Übertreibung und respektiert sein jugendliches Publikum durch identifikationsstarke Botschaften über Trauerbewältigung.

9/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Participant/River Road Entertainment/A Monster Calls

Mittwoch, 10. Dezember 2025

Malum - Malum: Böses Blut (2023)

https://www.imdb.com/de/title/tt9472334/

Es ist noch nicht allzu lange her, da befreite der Cop Will Loren (Eric Olson) drei Mädchen aus den Klauen einer mörderischen Sekte. Kurz darauf startete er allerdings aus bis heute unbekannten Motiven einen Amoklauf mit vielen Toten auf der Wache, auf der er stationiert war. Als ihm die Munition auszugehen drohte, nahm er sich selbst das Leben. Nun steht seine erwachsene Tochter Jessica (Jessica Sula) vor ihrem ersten Tag als Polizistin. Sie wird allein sein, wenn sie die letzte Schicht in dem mittlerweile stillgelegten Gebäude übernimmt, in dem das Leben ihres Dads endete. Schon bevor sie die Wache erreicht, verläuft ihr Tag alles andere als reibungslos. Ein Besuch an Wills Grab endet in einer unschönen Konfrontation mit ihrer entfremdeten Mutter (Candice Coke). Nachdem sie auf dem Weg zum Revier dann von Sektenmitgliedern angefeindet wird und der Beamte, den sie ablöst, ebenfalls feindselig reagiert, beginnen die Dinge erst richtig seltsam zu werden. Jessica hatte sich freiwillig für diese Schicht gemeldet, da sie hoffte, so mehr über ihren Vater und seine letzten Stunden in Erfahrung zu bringen. Doch schon bald wird sie viel mehr herausfinden, als sie eigentlich wissen wollte …

"Malum" wirkt wie ein Film, der sich in seinem eigenen Alptraum-Gebäude eingeschlossen hat: eine Polizistin, eine Nacht, ein verfluchtes Revier - und die Frage, ob hier ein Ort heimgesucht wird oder ein Erbe. Die Grundidee ist schlicht, aber wirkungsvoll: Jessica Loren tritt ihren Dienst in einer fast aufgegebenen Polizeiwache an, um den letzten Nachtdienst zu schieben und gleichzeitig dem Rätsel um ihren Vater, einen gescheiterten Cop mit Kult-Vergangenheit, näherzukommen. Damit verschiebt das Remake von Anthony DiBlasis "Last Shift" den Fokus stärker auf familiäre Schuld und Trauma - die Wache ist nicht nur Spukort, sondern Tatort einer Geschichte, die Jessica persönlich betrifft.

Der Film entfaltet seine Spannung weniger über Handlung als über Eskalationsstufen der Wahrnehmung: Zuerst sind es nur merkwürdige Geräusche, gestörte Funkdurchsagen, verunsichernde Begegnungen, dann tauchen immer stärker körperlich präsente Manifestationen des Paymon-Kults und der Opfer des vergangenen Massakers auf. "Malum" baut das zu einer Art Geisterbahn in Polizeiuniform aus - mit praktischen Masken, derben Effekten und einem zunehmend surrealen Raumgefühl, das Kritiker teils als intensiver, teils als überladen empfinden. Der Horror sitzt dabei oft am Bildrand, im Halbdunkel der Gänge, bis der Film im letzten Drittel die Zurückhaltung aufgibt und in offenen Kult- und Monsterbildern kulminiert. Im Vergleich zu "Last Shift" setzt "Malum" auf mehr von allem: mehr erklärtes Kult-Lore, mehr Blut, mehr Visionen, ein deutlicherer Einblick in den satanischen Familienzirkel rund um Paymon. Das macht den Film zugänglicher als klassischen Spuk - das Böse hat ein Gesicht, eine Geschichte - nimmt ihm aber ein Stück der verstörenden Unklarheit, die das Original auszeichnete. Jessica ist stärker als tragische Heldin im Zentrum platziert, bleibt laut vielen Kritiken zugleich zu schematisch: Ihre Motivation ist klar, ihre inneren Widersprüche bleiben eher angedeutet als wirklich durchgespielt.

Handwerklich liegt "Malum" solide im gehobenen Independent-Bereich: Die reale, labyrinthartige Location verleiht der Wache Schwere und Textur, das Sounddesign - entfernte Schreie, hallende Schritte, verstörte Funksprüche - trägt viel zur Atmosphäre bei, auch wenn sich der Film spürbar auf konventionelle Jump Scares verlässt. Dichte und Intensität sind lobenswert, leider gibt es Redundanzen im Mittelteil und ein Finale, das eher Effektversprechen als thematische Zuspitzung einlöst. "Malum" ist damit ein noch sehenswertes, aber nicht essentielles Stück Genre-Kino - interessanter als viele Fließbandproduktionen, ohne den eigenen Stoff so radikal zu erneuern, dass die Existenz als Remake völlig gerechtfertigt wirkt.

6/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Skyra Entertainment/Welcome Villain

She Came From The Woods (2022)

https://www.imdb.com/de/title/tt14905554/

1987: Zusammen mit seiner Tochter Heather (Cara Buono) leitet Gilbert McCalister (William Sadler) ein Ferienlager für Jugendliche. Am letzten Sommerabend versammeln sich die Mitarbeiter*innen (u. a. Adam Weppler und Ehad Berisha) von Camp Briarbrook am Waldrand, um das Ende einer weiteren Saison mit reichlich Alkohol zu feiern. Angetrunken erlaubt sich einer von ihnen einen Witz, indem er den Geist der legendären Agatha heraufbeschwören will. Bei ihr handelte es sich angeblich um eine sadistische Krankenschwester, die vor langer Zeit in dem Camp angestellt war und auf grausame Weise gestorben sein soll. Mittlerweile würde sie Schauermärchen zufolge zwischen den Bäumen herumspuken und freche Kids zu sich holen. Aus dem makabren Spaß wird für die arglosen Jugendbetreuer schnell Ernst, als die gruselige Dämonin kurz darauf tatsächlich vor ihnen steht...

Grundsätzlich ein irgendwo sympathischer, aber dennoch uneben geratener Beitrag zum Nostalgie‑Horror: ein 80er‑Campfire‑Movie, der sein Herz sichtbar am rechten Fleck trägt, ohne die Raffinesse jener Klassiker zu erreichen, denen er nacheifert. Der Film ist weniger interessant darin, was er neu erfindet, als in dem, was er über unsere Sehnsucht nach den vertrauten Ritualen des Camp‑Slashers verrät. Die Figurenzeichnung setzt stark auf Archetypen: der überforderte Camp-Leiter, die engagierte Betreuerin, der zynische Spaßmacher, der Problemjugendliche - Typen, die eher als Bausteine eines Genres denn als tiefgründige Charaktere funktionieren. Die Besetzung spielt dennoch insgesamt solide, aber nur wenige Figuren erreichen echte emotionale Tiefe, weil der Film zu viele Rollen jongliert, um wirklich Nähe zuzulassen. Tonal schwankt der Film zwischen Horror und Komödie: Ein Teil der Spannung rührt aus den oft derben, selbstironischen Dialogen, doch nicht jeder Gag sitzt, und manche Reaktion der Figuren auf Gewalt und Tod wirkt eher wie Meta‑Humor, der die Immersion untergräbt.

Regie und Kamera zielen deutlich auf eine 80er‑Camp‑Atmosphäre: Neonfarben, Rock‑ und Synth‑Einflüsse, klassische Lagerfreizeit‑Montagen und das Setting im Wald verorten den Film klar als Retro‑Hommage. Die praktischen Effekte - Blut, Make‑up, Kills - sind ordentlich (gerade im Vergleich zu billigem CGI) was dem Film einen gewissen Charme verleiht. Gleichzeitig ist zwar die Inszenierung kompetent, aber visuell kaum markant: Die Bilder bleiben funktional, ohne jene ikonischen Einstellungen zu erzeugen, die man mit Genre‑Vorläufern verbindet. Im Vergleich zu Klassikern wie "Freitag der 13." oder modernem Camp‑Horror mit Meta‑Einschlag wie "The Final Girls" positioniert sich "She Came From The Woods" als liebevoller, aber kleinerer Genre‑Beitrag. Wie diese Vorbilder setzt der Film auf das Motiv des verfluchten Camps und die Konfrontation einer Clique mit einer Legende, verzichtet aber auf eine klar ikonische Killerfigur zugunsten eines übernatürlichen Fluchs und besessener Kinder, was ihn eher in Richtung "Kinder des Zorns" und übernatürlichen Slasher‑Hybriden rückt. Inhaltlich versucht der Film, Familiengeheimnisse und Generationenkonflikte in die Mythologie einzubauen, bleibt dabei jedoch weniger pointiert als seine Inspirationsquellen und erreicht nicht die  vielleicht gewünschte emotionale Resonanz. "She Came From The Woods" wirkt daher wie ein Film, dessen größter Vorzug seine Aufrichtigkeit ist: Er liebt das Genre sichtbar und schenkt seinen Figuren - trotz deutlicher Klischees - genug Menschlichkeit, dass man sie nicht bloß als Kanonenfutter wahrnimmt. Zugleich bleiben Strukturprobleme, tonale Schwankungen und begrenzte Originalität unübersehbar. Der Film ist durchaus unterhaltsam, aber letztlich austauschbar - ein ordentlicher Abend für Genrefans, aber kein Werk, das das Horror‑Lexikon neu schreibt. Vielleicht ist es angemessen, ihn so zu sehen, wie man ein Lagerfeuermärchen betrachtet: Es muss nicht vollkommen neu sein, damit es funktioniert - es muss nur mit genügend Energie erzählt werden, damit man für eine Weile vergisst, wie viele Male man diese Geschichte schon gehört hat.

5,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Mainframe Pictures

Dienstag, 9. Dezember 2025

Blue Velvet (1986)

https://www.imdb.com/de/title/tt0090756/

Der junge Jeffrey Beaumont (Kyle MacLachlan) findet auf einer Wiese ein abgeschnittenes Ohr. Nachdem er das Körperteil der Polizei übergeben hat, beschließt er, selbst der Sache weiter nachzugehen. Sandy Williams (Hope Lange), die Tochter eines Polizisten, bringt ihn auf die Spur der Nachtclubsängerin Dorothy Vallens (Isabella Rossellini), mit der er sich bald auf eine sado-masochistische Beziehung einlässt. Schnell bekommt Jeffrey mit, dass Dorothy von einem Perversen (Dennis Hopper) missbraucht und erpresst wird...

Man ist keine 5 Minuten in diesem Film drin und man weiß: das ist ein David Lynch. Und "Blue Velvet" ist auch einer der zentralen Filme im Œuvre David Lynchs, weil er das vermeintlich Idyl­lische der US-Vorstadt gnadenlos mit unterdrückter Gewalt, Sexualität und Trauma kollidieren lässt. Gleichwohl ist er ein Schlüsselwerk des amerikanischen Kinos der 1980er-Jahre. Entstanden mitten in der Reagan-Ära, seziert der Film das konservative Bild der sauberen Kleinstadt, indem er zeigt, was unter der gepflegten Oberfläche fault - im wahrsten Sinne des Wortes, wenn die Kamera vom grünen Rasen in die wimmelnde Insektenwelt unter der Erde fährt.

"Blue Velvet" erschien 1986, also in einer Phase, in der Hollywood sich einerseits dem Blockbuster-Kino verschrieb, andererseits aber ein eigenwilliges Autorenkino im Independent-Bereich zuließ. Lynch nutzt diese Freiheit, um klassische Genremuster - Krimi, Film noir, Melodram - mit surrealistischen Strategien zu verbinden und damit das Selbstbild der amerikanischen Mittelschicht in der Reagan-Ära als ideologische Konstruktion zu entlarven. Die bewusst altmodisch wirkenden musikalischen und visuellen Bezüge auf die 1950er- und frühen 1960er-Jahre verstärken den Eindruck, dass hier eine nostalgische, aber trügerische "heile Welt" unterlaufen wird, die nur noch als Zitat existiert. 

Die Story folgt dem Studenten Jeffrey Beaumont, der nach dem Fund eines abgeschnittenen Ohres in eine kriminell-sexuelle Unterwelt hineingezogen wird, die sich hinter der Fassade des Städtchens Lumberton verbirgt. Filmwissenschaftlich auffällig ist die konsequente Arbeit mit Dualitäten: hell/dunkel, Vorstadtidylle/urbaner Sumpf, Unschuld/Pervertierung, Traum/Realität - strukturiert durch visuelle Gegensätze, Tongestaltung und eine streng motivierte Farbdramaturgie. Die wiederkehrenden Einstellungen von Oberflächen (Rasen, Haut, Stoffe) und das motivische "Hinabsteigen" - in Wohnungen, Hinterräume, in das Innere eines Ohres - markieren den Übergang von der sichtbaren, sozial akzeptierten Realität in eine verdrängte, unbewusste Sphäre, was psychoanalytische Lesarten (vor allem die des Surrealismus) nahelegt. Kyle MacLachlan spielt Jeffrey als Mischung aus naivem Boy-Next-Door und latent fasziniertem Voyeur - seine Entwicklung vom neugierigen Beobachter zum moralisch kompromittierten Mitspieler macht die Attraktivität des "Dunklen" erfahrbar, ohne sie zu entschuldigen. Isabella Rossellini verkörpert die Nachtclubsängerin Dorothy Vallens mit einer Verletzlichkeit, die sich ständig mit masochistisch gefärbter Sexualität überlagert; ihre Figur fungiert als Projektionsfläche männlicher Fantasien, ist zugleich aber traumatisiertes Subjekt, das unter Erpressung und sexualisierter Gewalt versucht, minimale Handlungsfreiheit zu bewahren. Dennis Hopper setzt als Frank Booth einen radikal exzessiven, zugleich erschreckend präzise komponierten Sadisten in Szene, dessen kindische, in jedem zweiten Wort von einem "fuck" geprägten, Sprachmuster, Atemgerät-Rituale und plötzliche Gefühlsumschwünge ihn weniger als "Monster" denn als grotesk entgleistes Produkt derselben Kultur erscheinen lassen, die sich in Lumberton so gern als sauber und moralisch intakt inszeniert.

Aus filmwissenschaftlicher Perspektive gilt "Blue Velvet" heute als paradigmatisches Beispiel postmoderner Ästhetik im Kino: Zitatkultur, Genre-Hybridisierung, Ironie und bewusste Künstlichkeit verbinden sich zu einer Reflexion über Bilder und Begehren selbst. Der konsequent inszenierte Voyeurismus - vom Prolog über Jeffreys Spionieren bis zur Zuschauerposition - verwandelt das Publikum in Komplizen der neugierigen, lustvollen, zugleich schuldbewussten Blicke; der Film thematisiert damit die Bedingungen des Kinos selbst als Apparat der Sichtbarmachung und des Begehrens. "Blue Velvet" markiert so einen Übergang in Lynchs Werk: zwischen der noch relativ klassischen Narration von "The Elephant Man" und der radikalen Traumlogik späterer Filme wie "Lost Highway" oder "Mulholland Drive", bleibt aber gerade durch seine klare Grundkonstellation einer der zugänglichsten und gleichzeitig analytisch ergiebigsten Filme seines Schaffens.

8/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: De Laurentiis Entertainment Group/Orion Pictures