Donnerstag, 18. Dezember 2025

Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt14364480/

Der Priester Jud Duplenticy (Josh O'Connor) bekommt einen neuen Auftrag von der Kirche. Er soll Monsignore Jefferson Wicks (Josh Brolin) und dessen Gemeinde unter die Arme greifen. Dort trifft er auch auf die äußerst fromme Martha Delacroix (Glenn Close), den geschäftigen Hausmeister Samson Holt (Thomas Haden Church), die permanent unter Strom stehende Anwältin Vera Draven (Kerry Washington), den ambitionierten Politiker Cy Draven (Daryl McCormack), den städtischen Arzt Nat Sharp (Jeremy Renner), den äußerst erfolgreichen Autoren Lee Ross (Andrew Scott) und die Cellistin Simone Vivane (Cailee Spaeny). Es ist dieses Gemeinschaft, die besonders erschüttert ist von einem Mord, der in der Stadt geschieht. Dessen Umstände sind jedoch derart rätselhaft, dass sich die Polizeichefin Geraldine Scott (Mila Kunis) auch nicht mehr zu helfen weiß. Also deckt sie das große Besteck auf und ruft den legendären Detektiv Benoit Blanc (Daniel Craig) um Hilfe.

"Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery" ist ein Krimi, der seinen eigenen Atem zählt - langsamer, schwerer, spiritueller - ohne den federnden Witz des ersten "Knives Out" ganz zu verlieren. Der Film fühlt sich an wie ein Gebet, das als schwarzhumoriger Krimi verkleidet ist. Regisseur Rian Johnson verlegt den dritten Benoit‑Blanc‑Fall in ein religiös aufgeladenes Umfeld rund um eine katholische Gemeinde und einen charismatisch-gefährlichen Monsignore, dessen Tod den Plot in Gang setzt. Der Ton ist deutlich düsterer und ernster als in den Vorgängern, mit starkem Fokus auf Themen wie Glaube, Machtmissbrauch, Schuld und Erlösung. Humor ist weiterhin präsent, aber er wirkt wie Zwischentöne in einem ansonsten von Zweifel und moralischer Schwere bestimmten Stück.

Johnson scheint seine eigene Erfolgsformel bewusst zu unterlaufen: weniger Gag-Feuerwerk, mehr atmosphärischer Druck und strukturelle Experimente (etwa die an Kreuzweg‑Stationen erinnernde Kapitelstruktur). Die klassischen Puzzelteile des Whodunit werden sorgfältig gelegt, aber statt eines reinen Rätselspaßes entsteht ein Film, der das Publikum auffordert, über Spiritualität, Institution und persönliches Gewissen nachzudenken. Johnson verschränkt gekonnt Form und Inhalt: Der Krimi ist nicht nur über Glauben - er ist in seinem geduldigen, kreisenden Erzählen selbst ein Akt des Zweifelns.

Daniel Craig spielt Benoit Blanc hier härter und introvertierter; seine Südstaaten‑Sprechweise klingt weniger verspielt, mehr wie das Werkzeug eines Mannes, der gelernt hat, in Systemen zu lesen, nicht nur in Menschen. Die Chemie mit Josh O’Connor als innerlich zerrissenem jungen Priester Jud Duplenticy ist das emotionale Herz des Films - ihre Dialoge verhandeln nicht nur Verdachtsmomente, sondern die Frage, ob Moral ohne Glauben oder Glaube ohne Moral überhaupt Bestand haben kann. Glenn Close bringt als rechte Hand des Monsignore eine scharfe, beinahe fanatische Energie ein, die jede Szene kippen lassen kann; sie ist die Figur, bei der man die Formulierung "Es gibt keine kleinen Rollen, nur kleine Schauspieler" direkt bestätigt sieht.

Die Bildgestaltung nutzt Kirchenräume, Sakristeien und sakrale Architektur, um eine klaustrophobische Spiritualität zu erzeugen: Licht fällt wie ein Verhör aus den Fenstern, Schatten wirken wie unausgesprochene Sünden. Die Kamera verweilt länger auf Gesichtern und Ritualen, weniger auf kinetischer Bewegung; das ergibt einen langsamen, beinahe kontemplativen Rhythmus, der den Film näher an ein religiöses Kammerspiel als an eine klassische Gesellschaftssatire rückt. Die ländlich‑parochiale Umgebung ersetzt das dekadente Herrenhaus des ersten Films und die gläserne Insel des zweiten durch eine Gemeinschaft, deren Machtstrukturen unsichtbarer, aber nicht weniger toxisch sind.

Man könnte somit den neuen Film nicht als Revolution, sondern als Re‑Kalibrierung der Reihe betrachten: weniger Crowd‑Pleaser als die ersten beiden, aber mutiger in Ton und Themenwahl. Er ist zweifelslos der atmosphärisch stärkste Teil der Reihe, aber ein schwächerer Krimi der Trilogie - doch Casting und inszenatorische Sicherheit lassen über dieses Manko hinwegsehen. Damit bleibt zu hoffen, dass Johnsons und Craigs Zusammenarbeit noch lange Zeit Früchte tragen wird. Solange dieses Duo bereit ist, mit Setting, Ton und Thema zu experimentieren, wirkt Benoit Blanc wie eine Figur, die - ganz im Sinne klassischer Detektive - immer wieder in neue Milieus versetzbar ist, vom Kirchenchor bis zum Silicon‑Valley‑Boardroom.

7,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Netflix

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