Der kleine Conor (Lewis MacDougall) lebt bei seiner kranken Mutter Elizabeth (Felicity Jones) und fühlt sich in der Schule alles andere als wohl – einige Kinder hänseln Conor, andere behandeln ihn wegen der Krankheit seiner Mama wie ein rohes Ei. Und auch zu Hause scheint sich alles nur noch weiter zu verschlimmern, vor allem wenn Conor bei seiner strengen Großmutter (Sigourney Weaver) sein muss. Als wäre dies alles nicht schon aufwühlend genug, hat Conor obendrein immer wieder Alpträume, in denen er an den drohenden Tod seiner Mutter erinnert und die alte Eibe vor dem Fenster lebendig wird, sich plötzlich in ein knorriges Monster (Stimme im Original: Liam Neeson) verwandelt. Das unheimliche Wesen zerstört die Umgebung – und erzählt Conor, worin der Unterschied besteht zwischen Realität und Märchen…
Unter der Regie von Juan Antonio Bayona, verwebt dieser grandiose Film Fantasy mit roher emotionaler Wahrheit in der Geschichte des 13-jährigen Conor O’Malley (Lewis MacDougall), dessen Mutter (Felicity Jones) an Krebs erkrankt ist und der sich einem sprechenden Monster aus einer Eibe gegenübersieht, das ihm drei Geschichten erzählt, um ihn zur Auseinandersetzung mit seinem inneren Albtraum zu zwingen. Der Film balanciert präzise zwischen kindlicher Imagination und der Unerbittlichkeit des Verlusts, ohne je in Sentimentalität abzugleiten, und erreicht eine Tiefgründigkeit, die Themen wie Schuld, Verleugnung und Loslassen durch Conors Perspektive beleuchtet.
Denn Conor quält ein wiederkehrender Traum, in dem er jemanden nicht festhalten kann; das Monster (Stimme von Liam Neeson) erscheint pünktlich um sieben Minuten nach Mitternacht, erzählt Parabeln über Grauzonen zwischen Gut und Böse, Unsichtbarkeit und Opfer, die Conor zwingen, seine Verdrängung der mütterlichen Sterblichkeit aufzubrechen. Die dritte Geschichte kulminiert in Conors Ausbruch gegen Mobber, symbolisiert durch physische Zerstörung, die seine unterdrückte Wut externalisiert. Letztlich konfrontiert das Monster ihn mit der vierten Wahrheit: seinem Wunsch, das Leiden zu beenden, was nicht Hass auf die Mutter bedeutet, sondern menschliche Erschöpfung - eine nuancierte Erkundung von Trauer, die Bayona aus kindlicher Sicht authentisch macht.Bayonas Inszenierung glänzt durch fantastische Sequenzen, in denen die Monster-Geschichten als aquarellartige, nostalgisch-märchenhafte Animationen wirken, kontrastierend mit der kargen Realität von Krankheit und Isolation. Diese Dualität unterstreicht die Tiefgründigkeit: Fantasie dient nicht der Flucht, sondern als Katalysator für Catharsis, wie Conors Zerstörung des Großmutter-Wohnzimmers zeigt, das seine innere Zerrissenheit materialisiert. Der Score und die Kamera fangen stille Momente der Verletzlichkeit ein, während Sigourney Weavers strenge Großmutter und Toby Kebbells distanzierter Vater Conors Welt nuancieren, ohne Klischees zu bedienen.
MacDougalls Leistung als Conor - verschlossen, doch von unterdrückter Wut durchzogen - trägt den Film, ergänzt durch Neesons vielschichtiges Monster, das väterlich-bedrohlich oszilliert. Die Tiefgründigkeit entfaltet sich in der Weigerung, einfache Heilung zu bieten: Conor lernt, Wahrheit auszusprechen ("Ich will nicht, dass du stirbst"), was Loslassen ermöglicht, ohne die Komplexität von Schuldgefühlen zu mindern. Bei 108 Minuten misst der Film Maß, vermeidet Übertreibung und respektiert sein jugendliches Publikum durch identifikationsstarke Botschaften über Trauerbewältigung.


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