Dienstag, 8. Mai 2018

Mr. Holmes (2015)

https://www.imdb.com/title/tt3168230/

Sherlock Holmes (Ian McKellen) hat es mittlerweile auf stolze 93 Jahre gebracht und lebt zurückgezogen in seinem Landhaus in Sussex. Über Heldengeschichten, die im Kino über ihn erzählt werden, kann der in die Jahre gekommene Meisterdetektiv nur den Kopf schütteln, ist doch das meiste glattweg erfunden. Nie trug er die legendäre Kappe und überhaupt bevorzugte er schon immer Zigaretten. Tagsüber widmet sich Holmes nun der Bienenzucht und weist Roger (Milo Parker), den Sohn seiner Haushälterin Mrs. Munro (Laura Linney), in die Geheimnisse der Imkerei ein. Die beiden sind die einzigen, die er in seiner Nähe duldet. Doch manches Mal kommen die Erinnerungen an alte Fälle gegen seinen Willen auf, insbesondere an diesen einen, in dem eine wunderschöne Frau in Gefahr war: Ann Kelmot (Hattie Morahan). Ob Holmes den ungelösten Fall noch knacken kann, obwohl sein Gedächtnis schwindet?

"Mr. Holmes" ist ein äußerst liebevoll und detailliert ausstaffierter Film über einen Sherlock Holmes mit einsetzender Demenz, der sich als Hobbyimker an die Küste von Dover zurückgezogen hat. Die neueste Verfilmung um die Detektivlegende beschäftigt sich vordergründig mit dem Altern eben jener. Ian McKellen arbeitet als ein auf 93 Jahre gealterter Sherlock Holmes die eigene Vergangenheit auf, kämpft mit dem Vergessen und erzählt die Geschichte schließlich auf seine Art neu. Die Erzählweise ist dabei derart ruhig, sanft und beherrscht, dass derjenige, der die letzten, meist actionreicheren Holmes Verfilmungen kennt, möglicherweise kaum glauben mag, dass es sich hier um den selben Charakter handeln mag. Diese Ruhe macht allerdings gar nichts, da sie dem Mythos zu einer nie dagewesenen Glaubhaftigkeit verhilft und ihn dadurch um einiges greifbarer macht, als es zum Beispiel die Guy Ritchie-Filme taten.

Im Gegensatz zu anderen Holmes-Verfilmungen steht hier nicht ein nahezu unlösbarer Fall im Vordergrund, der dann spektakulär aufgelöst wird, sondern "nur" das rätselhafte Sterben seiner Bienen. In mehreren Zeitebenen wird hauptsächlich Holmes als Mensch, die Bewältigung seiner Demenz, das Verhältnis zu seiner Haushälterin und deren Sohn sowie die Aufarbeitung eines unglücklich verlaufenen Falls bearbeitet. Verglichen mit dem "Hund von Baskerville" klingt das erstmal langweilig, ist es aber keineswegs und die Balance zwischen Drama und Krimi wird mit gelegentlichen Humoreinlagen aufgelockert. Wie nicht anders zu erwarten, hat Ian Mc Kellen die Leinwand ab der ersten Szene fest im Griff und wird von hervorragenden Nebendarstellern unterstützt, ein Sonderlob gilt Milo Parker, der den scharfsinnigen Roger angesichts seines Alters schon bemerkenswert charismatisch spielt.

Klassische Spannung braucht man bei "Mr. Holmes" nicht erwarten, im Vordergrund steht ein Drama, das Hauptdarsteller Ian McKellen eine nuancierte, ungemein vielschichtige und auch ironisch gebrochene Interpretation seiner Figur ermöglicht. Und auch wenn man den Film nicht unbedingt als hochspannend bezeichnen kann, so fesselt er doch auf eine emotionale Weise, die einen nach dem Abspann zufrieden zurück lässt.

8/10