http://www.imdb.com/title/tt1285009/
Kurz bevor die rebellische Tochter Kinsey (Bailee Madison) aufs Internat
geschickt wird, möchte die Familie - neben Kinsey noch Mutter Cindy
(Christina Hendricks) und Vater Mike (Martin Henderson) - einen
gemeinsamen Urlaub im Wohnwagenpark des Onkels verbringen. Der als
Versöhnungsurlaub geplante Trip endet jedoch im ultimativen Horror, als
sie bei ihrer Ankunft die Leichen des Onkels und der Tante entdecken.
Die hatten nämlich Besuch von den "Strangers", und die maskierten
Psychopathen werden auch die drei Gäste des Nachts besuchen...
Inspiriert
durch die Morde der Manson-Familie, nahm der 2008er
Low-Budget-House-Invasion-Horror "The Strangers" ein bekanntes Horrorfilmgerüst, formte es und machte es zu etwas Grimmig-effektivem und furchtbar Einprägsamen. Es
war ein knapp 85-minütiger Schocker über ein Paar, gespielt von den namhaften Schauspielern Liv
Tyler und Scott Speedman, die von drei maskierten Mördern gequält
wurden. Aber die
gruseligste Sache an diesem Film war nicht die intelligente Aufbau oder der Goreanteil im dritten Akt, sondern ein einfacher, abschreckender, wenngleich kurzer Dialog, der ebenfalls in der Marketingkampagne des Streifens weit verbreitet war. Während des Höhepunkts fragt Tylers Charakter, während sie gefesselt ist, ihre Angreifer, warum sie sie foltern. Dann folgt eine emotionslose Antwort: "Weil du zu Hause warst." Und genau dieses Fehlen einer vielleicht verschachtelten Motivation der Angreifer empfand man als viel
erschreckender als alles andere, als jeglicher Grund für einen solchen Terror. Das funktionierte, weil den Zuschauer die wahllose Natur der Gewalt
unsicher macht und vielleicht, weil, wie viele klassische Horrorfilme
gezeigt haben, umso weniger man weiß, desto erschreckender kann alles werden. Mit der Fortsetzung zu "The Strangers" wagte sich Regisseur Johannes Roberts nun an eine etwas vom Vorgänger losgelöste Fortsetzung und bringt mit "The Strangers: Prey At Night"
erneut die Killer mit den Gruselmasken zurück auf die Leinwand.
Die
Entwicklung der Fortsetzung von "The Strangers" (der Film erzielte 82 Millionen US-$ aus einem Budget von 9 Millionen US-$) wurde jedoch von Rückschlägen
geplagt und jetzt, 10 Jahre später, schleicht er sich beinahe unbemerkt in die Kinos,
vermarktet als "The Strangers", aber agierend als völlig eigenständiger Film. Er ist eine Art Runderneuerung, strukturell sehr ähnlich, die Elemente sind
alle vorhanden, aber beim zweiten Mal fehlt etwas ganz Wichtiges: die Angst, die der erste Teil viel viel besser erzeugen konnte. "The Strangers" ist zu einem Slasher geworden. Das ist nicht unbedingt schlecht, man kommt aber nicht umhin sich zu fragen, warum man ihn dann an "The Strangers" anknüpfte. Kinsey
(Bailee Madison), ein offensichtlich rebellischer Teenager, hat es mit ihren genervten
Eltern, Cindy (Christina Hendricks) und Mike (Martin Henderson) zu weit
getrieben und diese nehmen drastische Maßnahmen vor. Doch bevor ihre Tochter ins Internat geschickt wird, beschließt die Familie, zusammen mit ihr und ihrem Sohn Luke (Lewis Pullman) einen kurzen Wochenendeurlaub zu machen, um doch noch ein wenig Zeit miteinander zu verbringen. Dies erfährt man in dankenswert kurzen Minuten, während sich die Familie auf den Trailerpark zu bewegt. Sie fahren also in einen abgelegenen Wohnmobilpark und innerhalb weniger Minuten nach Ankunft wird ihr friedliches Wochenende durch ein Klopfen an der Tür
unterbrochen. Wer
sich nun noch daran erinnern kann, was nach dem schicksalhaften Anklopfen
im ersten Film passiert ist, wird eine ziemlich starke Vorstellung davon
haben, was kommen wird und ob es eine Erfahrung ist, die man wieder
ertragen möchte. Im Gegensatz zu Franchises, die bis zum Bruch überfordert sind,
wiederholt die Fortsetzung die Handlung des ersten Ausflugs
ohne weitere Tiefe - was bedeutet, dass hier vor allem der Goreanteil im Film als Motor
funktionieren muss, um den Zuschauer in Angst und Schrecken zu versetzen. Und das tut er auch. Gerade weil auch hier auf die Frage, "Why are you doing this to us?" mit einem blutverschmierten und schulterzuckenden Grinsen geantwortet wird: "Why not?"
Regisseur Johannes Roberts, der letztes Jahr mit dem Hai-Thriller "47 Meters Down" einen Überraschungshit erzielte, zeigt sich vom ersten Frame an
mit dem Genre vertraut. Er
ist zwar weit entfernt von der Fortsetzung, die man erwarten könnte,
und wenn überhaupt, gibt es hier nur eine glanzvollere Optik als beim
Original. Ansonsten sollte man "The Strangers: Prey At Night" immer als eigenständigen Film betrachten. Der Film ist jederzeit darauf bedacht ein gewisses Spannungsniveau zu halten -
was man für so viele gruselige Filme heutzutage nicht gerade behaupten kann - und Roberts
versucht, die Schlüsselsequenzen des Films mit kunstvollem Auge zu
inszenieren. Dafür nutzt er auch herrliche 80er-Jahre Musik mit Hits von Bonnie Tyler, Tiffany oder Kim Wilde, die sich dank der Intensität mancher Begegnungen ins Hirn brennen und den Zuschauer nicht kalt lassen können. Der Film hat also einen Genreüblichen strikten Aufbau, der den Zuschauer jederzeit bei der Stange hält und die Laufzeit von erneut nur 85 Minuten reicht auch völlig aus, um zu zeigen was zu zeigen ist. Leider muss der Film mit zahlreichen Goofs (und einmal sogar einem recht dummen Filmfehler) kämpfen, die man mit einem Augenrollen aber gerade noch hinnehmen kann.
Nicht erst seit
2008 ist Horror wieder profitabel geworden, es ist ein Freitagnacht-Grundnahrungsmittel geworden, welches man ab und zu gern konsumiert, und während hier den Fans des Originals ein wenig mehr von den Maskenkillern gegeben wird, so fühlt sich die Fortsetzung doch auf ein
jüngeres, blutrünstiges Publikum zugeschnitten an. Die
immer noch sehr blutige Gewalt beginnt früher, es gibt etwas mehr redundante Jumpscares und die
Erweiterung des Fokus von einem Paar auf eine vierköpfige Familie und ein Wohnmobilpark nimmt ein klein wenig die Spannung raus. Zudem versucht der Streifen den bizarren Versuch, den letzten Rest 80er-Jahre-Nostalgie eines damals üblichen Horrorstreifens zu entlocken, was nicht zur Gänze funktionieren will. Die
Darsteller liefern aber allesamt eine angemessene, ordentliche Leistung, vor allem Christina Hendricks
erweist sich als effektiv. Es
dauert aber leider auch nicht lange, bis alle Charaktere die üblichen, klischeehaften Horrorfilmentscheidungen
treffen, und es gibt keine neuen, überraschenden oder effektiven Kniffe am Aufbau oder an der Inszenierung, die
diese Dummheiten dem Publikum verkaufen könnte. Letztendlich ist "The Strangers: Prey At Night" ein ordentlicher, gut gelungener Horrorfilm, der eigentlich nur mit dem Problem zu kämpfen hat, dass er sich am ersten Teil messen lassen muss und "The Strangers" heißt. Kann man gut sehen.
6,5/10
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