Sonntag, 25. Februar 2018

68 Kill (2017)

http://www.imdb.com/title/tt5189894/

Chip (Matthew Gray Gubler) pumpt für seinen Lebensunterhalt Klärgruben aus – nicht gerade sein Traumberuf, aber er will sich auch nicht beschweren, schließlich steht mit Liza (AnnaLynne McCord) eine sexy Freundin an seiner Seite. Dass die total herrisch ist und ihn im Grunde genommen komplett kontrolliert, übersieht er gerne mal. Über ihrer Beziehung schwebt ein äußerst lästiger Schatten, denn Liza lässt sich ihr Einkommen durch einen schmierigen Wohltäter aufstocken. Eines Tages schlägt sie vor, ihrem Sugar Daddy ein sattes Sümmchen abzuzweigen – was Chip erstaunt, ist ihm diese Seite an seiner Freundin doch völlig unbekannt. Schnell ist ein perfekter Plan geschmiedet, doch natürlich läuft die Aktion aus dem Ruder: Plötzlich hat Chip ein Knarre in seinen Händen und eine Frau im Kofferraum. Ihm bleibt nicht einmal ein Tag, um diese Katastrophe doch noch abzuwenden...

Dass Überfälle in Genre-Filmen generell nie nach Plan verlaufen, ist eine geradezu heilige Regel, an die sich auch Trent Haaga in seiner wüsten Groteske "68 Kill" hält. Der Einbruch, den das Pärchen möglichst zügig und ohne Komplikationen durchziehen wollen, führt daher schnell zu einem blutigen Desaster. So enden der Freier und dessen Lebensgefährtin durch Lizas (AnnaLynne McCord) diabolisches Temperament als Leichen, während dem Paar im Haus zu ihrer Überraschung eine weitere unbekannte Frau begegnet, die sie als Geisel in den Kofferraum verfrachten. Mit deutlich erkennbarer Vorliebe am grellen Exzess stürzt sich der Regisseur mitten in das Szenario, in dem der chaotisch verlaufende Überfall erst den Auftakt einer noch viel turbulenteren Odyssee markiert, bei der Haaga bizarre Handlungswendungen, skurrile Situationen, überzeichnete Figuren sowie blutige Eskalationen aneinanderreiht.

In seinem ungezügelten Neo-Grindhouse-Noir verliert er zwischen den unterschiedlichen Genre-Bausteinen und einem teilweise holprigen Pacing aber bereits früh die Kontrolle über einen Film, der sich irgendwann nur noch in hanebüchene Entwicklungen flüchtet und Figuren präsentiert, die wie Abziehbilder aus einem schrägen Cartoon wirken und sich irgendwann in ebenso cartoonartiger Gewalt gegenseitig zerlegen. Mit dem zentralen Protagonisten-Duo versucht sich der Regisseur zudem an einer Umkehrung der altbekannten Geschlechterrollen aus typischen Horrorfilmen. Während Matthew Gray Gubler seine Figur des Chip als handzahmen, sensiblen Schönling verkörpert, der vor Gewalt zurückschreckt, wirft sich AnnaLynne McCord mit verruchter Boshaftigkeit in die Rolle von Liza und spielt ihre Figur als schrilles White-Trash-Flittchen, das unentwegt zwischen verführerischer Erotik und psychotischem Wahnsinn hin und her schaltet. Nach gut 25 Minuten verschwindet McCords Figur jedoch für fast eine ganze Stunde aus der Handlung, während sich Chip, der plötzlich vor seiner zuvor geliebten Freundin flüchtet, auf eine Art Road-Trip durch die abgründigen Regionen Amerikas begibt.

Auch wenn Haaga aufgrund der irrsinnigen Unberechenbarkeit des Drehbuchs gelegentlich einige spaßige Szenen gelingen, erschöpft sich "68 Kill" zu schnell in seiner brachialen, plakativen Over-the-Top-Mentalität. Des Weiteren erweist sich der feministisch gedachte Ansatz, Chip mit einer Reihe von Frauen zu konfrontieren, die ihm weitaus überlegen sind, als Debakel, das auf katastrophale Weise in die exakt gegensätzliche Richtung umschlägt. Mit seiner Darstellung von gewaltgeilen Frauen, die Männer unterdrücken oder mit ihren weiblichen Reizen manipulieren wollen, gibt sich der Regisseur eher misogyn als feministisch, was auch die bizarre Schlusspointe des Films unterstreicht, in der es letztlich nur darum geht, wie sich die männliche Hauptfigur über den Einfluss des weiblichen Geschlechts hinwegsetzt. Trotzdem ganz nett.

5,5/10