Samstag, 12. Dezember 2015

Spartacus (1960)

http://www.imdb.com/title/tt0054331/

Rom im ersten Jahrhundert vor Christus. In Thrakien muss der Sklave Spartacus (Kirk Douglas) in einem Steinbruch arbeiten. Batiatus (Peter Ustinov), der vom Verkauf von Gladiatoren für die römischen Arenenkämpfe in Capua lebt, kauft Spartacus, der eigentlich getötet werden soll, weil er einen römischen Aufseher ins Bein gebissen hatte. Als der römische Senator und Patrizier Crassus (Laurence Olivier) mit seinem Gefolge bei Batiatus erscheint, wünschen besonders die Frauen, einen Gladiatorenkampf zu sehen. Spartacus muss gegen den Äthiopier Draba (Woody Strode) antreten. Als er schon besiegt scheint, weigert sich Draba, Spartacus zu töten und geht stattdessen auf Crassus los. Spartacus beschließt daraufhin, mit den anderen Sklaven und seiner Geliebten in ihre Heimatländer zurückkehren und formiert ein ganzes Heer, um in die Freiheit zu ziehen. Doch der machtbesessene Crassus schickt seine Legionen gegen die Rebellen aus und es kommt zur blutigen Schlacht...

"Spartacus". Ein wahres Epos, ein grandioser Klassiker und der fünfte abendfüllende Spielfilm von Ausnahmeregiseur Stanley Kubrick. Nicht nur Ausstattungstechnisch auf einer Ebene mit "Ben-Hur", sondern von ebensolcher Faszination, trotz (damaliger) unfassbar langer Laufzeit von knapp dreieinhalb Stunden. Interessant ist sicher, dass Hauptdarsteller und ausführender Produzent Kirk Douglas ursprünglich den renomierten Regisseur Anthony Mann mit der Regie betraute und von ihm sind auch noch die Eingangssequenz im lybischen Steinbruch, sowie einige Szenen in der Gladiatorenschule von Capua im fertigen Film zu sehen. Aber schon nach ein paar Drehtagen, im Februar 1959, zerstritten sich Douglas und Mann aufgrund künstlerischer Differenzen und der Regisseur mußte seinen Hut nehmen. Douglas besann sich des jungen Stanley Kubrick, mit dem er zwei Jahre zuvor "Wege zum Ruhm" gedreht hatte und dieser nahm das Angebot an, obwohl ihm bewußt war, daß er als "letzter Passagier" an Bord gehen würde, was gleichzeitig bedeutete, den größten Einfluss mit mehreren Mitarbeitern teilen zu müssen und ebenso das fertig verfasste Drehbuch zu akzeptieren. Und so ist anhand seiner späteren Arbeiten noch zu ersehen, daß er bei "Spartacus" vom Skript, über die Regie, dem Schnitt und seinem Mitspracherecht in noch vielen anderen Kategorien, wie Musik, Beleuchtung, oder Kamera, nie mehr Kompromisse eingegangen ist, sondern stets sein eigener Herr geblieben war, was ihn, von ein paar Ausnahmen mal abgesehen, in der Filmhistorie zu einem ganz außergewöhnlichen Charakter macht.


"Spartacus" hat nach der damals obligatorischen und langen Ouvertüre ein ausgezeichnetes Titel-Design während der Credits von Saul Bass zu bieten,  antike, römische Statuen werden zu der kraftvollen Musik von Alex North in abwechselnder, aber entspannender Weise übergreifend dargestellt und kündigen förmlich an, daß nun etwas "Großes" folgen wird. Ja, der Film hat einige geschichtliche Ungenauigkeiten aufzuweisen. Aber so gut wie jeder Historienschinken, auch die aus neuerer Zeit, enthalten Fehler, über die hinweggesehen werden kann, wenn es sich um einen gut gemachten Streifen handelt. Ist das Publikum hier nicht etwas tolerant, dann braucht es sich diese erst gar nicht anzusehen, würde dadurch aber so manchen Klassiker, wie "Gladiator" usw. verpassen und das muß nicht sein. Der Cast in "Spartacus" ist spektakulär! Kirk Douglas überzeugt nicht nur durch physische Präsenz, er verkörpert gleichermaßen einen emotionalen, zornigen und suchenden Mann, der mit einer fantastischen Ausstrahlung ein abertausendfaches Sklavenheer anführt. Und dieser Rolle wird er vollkommen gerecht.

Sein Antagonist ist der grandiose Laurence Olivier als der einflußreiche Politiker Marcus Licinius Crassus, der mit seinem von Ehrgeiz zerfressenen Ego, die Macht in Rom an sich reissen will und dem der Sieg über Spartacus dazu nutzen soll, sein Ziel zu erreichen. Olivier führt dem Publikum in seiner Rolle des vermögenden und mächtigen Patriziers ungezählte Charakterfacetten vor und besonders seine Eifersucht und der Neid auf Spartacus, diesem Sklaven, für dessen Frau er zudem noch eine vermeintliche Liebe empfindet, all diese Dinge, die ihn fast verrückt zu machen scheinen, sind immer wieder ein Highlight in "Spartacus". Peter Ustinov erhielt 1961 den Oscar für seine schrullige, aber amüsante und liebenswerte Darbietung des Lentulus Batiatus, Leiter der Gladiatorenschule in Capua. Charles Laughton als Volkstribun Sempronius Gracchus liefert sich mit seinem Konkurrenten Laurence Olivier inner- und außerhalb des Senats verbale Auseinandersetzungen, die einfach faszinieren können. Tony Curtis ist als Haussklave Antoninus zu sehen, der das Kämpfen erlernen will, um sich den Rebellen anzuschließen, die alle denselben Traum haben: dem tristen Leben als tiergleicher Sklave und dem entmenschlichten Rom den Rücken kehren zu können.

"Spartacus" verfügt neben eindrucksvollen Massenszenen auch über wohldosierte Action in Form von aufregenden Kämpfen (und die haben es teilweise in sich!), aber im Mittelpunkt stehen stets intellegente, sinnbringende Dialoge zwischen ausgeprägten Charakteren, die zu keinem Zeitpunkt langweilen, sondern faszinieren und und einige interessante, beeindruckende Schlüsselszenen einleiten. Handwerklich und ausstattungstechnisch ist er dabei nahezu perfekt. Nur selten (und schon gar nicht zu dieser Zeit) sah man solch pompöse Kulissen, solch aufwändige Kostüme und solch hingebungsvolle Schauspieler. Der Film wird somit immer zu den größten und besten Filmen aller Zeiten gehören. Ein spannender, wichtiger, aber vor allem zeitloser und emotionaler Streifen, der seine eindringliche Wirkung nie verlieren wird. Und wenn dann die letzten Szenen über den Bildschirm laufen, wenn Varinia ihrem gekreuzigten Spartacus ihren gemeinsamen Sohn zeigt und ihm eröffnet das dieser frei ist, dann ist das ein mehr als würdiger und passender Abschluss dieses gigantischen Werkes. Kurz gesagt: "Spartacus" ist ein Ereignis! Und zu Stanley Kubrik, der das wohl nicht ganz so empfand, möchte man sagen: für ein "Notwendiges Übel" war das gar nicht schlecht, Herr Kubrick!

9/10

Im limitierten Steelbook erschien der Film zum 55. Jubiläum mit einer unfassbar guten Bildqualität, die alles bisher Dagewesenen in den Schatten stellt. Während die "alte" Blu-ray schon die DVD in Punkto Bildqualität ein großes Stück weit hinter sich lies, ist die neue "55th Anniversary Restored Edition" noch besser, schärfer und damit quasi makellos. "Spartacus" hat man sicher noch nie so gesehen und man muss Universal Pictures hier einfach für die tolle Arbeit, die bei der Restaurierung dieses Klassikers geleistet wurde, loben.