Donnerstag, 26. Dezember 2013

Bernie - Leichen pflastern seinen Weg (2011)

http://www.imdb.com/title/tt1704573/

Nichts bleibt unbemerkt in dem texanischen 7000-Seelen-Dorf Carthage. Nichts. Auch nicht die Ankunft von Bernie Tiede (Jack Black), ein liebenswerter, sympathischer, immer zuvorkommender Kerl, der das örtliche Bestattungsunternehmen übernimmt. So lernt er auch die reiche Marjorie Nelson (Shirley MacLaine) kennen, die gerade ihren Ehemann verloren hat und in dem wenig beneidenswerten Ruf steht, die verhassteste Frau des ganzen Städtchen zu sein. Für Bernie ist es allerdings Liebe auf den ersten Blick. Zur Verwunderung des ganzen Dorfes macht der junge Mann der alten Vettel den Hof. Als Marjorie Bernie allerdings zu sehr auf die Pelle rückt, reagiert er mit einer Wahnsinnstat. Von der das Dorf niemals etwas erfahren darf...

"Bernie" braucht ein bisschen Zeit um wirklich zu beginnen. Anfangs wirkt diese dokumentarische Erzählweise noch etwas konfus und man fragt sich, warum dieser Film überhaupt interessant sein soll. Im Verlauf wird aber klar, dass es eine tolle, tragische, aber auch lustige, Charakterstudie eines wirklich einmaligen Menschen ist. Der Film hebt glücklicherweise nicht den Zeigefinger und schafft es dadurch auch nicht zu nerven. Daß die Figurenzeichnung dabei recht schwarz-weiß gerät, ist Teil des thematischen Konzepts: zwei Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, finden sich in einer symbiotischen Lebenspartnerschaft wieder. Er, Bernie, die personifizierte Herzensgüte und Konfliktunfähigkeit trifft auf die herrische, verbitterte und besitzergreifende Marjorie, die ein Nein weder zu akzeptieren bereit ist, noch kaum jemals eines zu hören bekam. Matthew McConaughey als erzkonservativer und aufmersamkeitshaschender Staatsanwalt Danny Buck ist erstaunlicherweise der eigentliche Antagonist in dieser auf einer wahren Begebenheit beruhenden Geschichte. Obwohl er eigentlich der einzige Bürger von Carthage ist, der dem Gesetz buchstabengetreu zur Durchsetzung verhelfen möchte, sähen man ihm insgeheim nur zu gerne beim Scheitern zu. Aber letztlich ist es vor allem Jack Blacks erstaunlich zurückgenommener Darstellung von Bernie zu verdanken, daß der Film trotz seines durchgängig leicht überspitzenden ironischen Tonfalls so gelungen, abgerundet und so herzergreifend menschlich wirkt.

7/10