Samstag, 10. März 2018

Billy Lynn's Long Halftime Walk - Die irre Heldentour des Billy Lynn (2016)

http://www.imdb.com/title/tt2513074/

Im Alter von nur 19 Jahren findet sich Billy Lynn (Joe Alwyn) als Soldat im Irakkrieg wieder, wo der Tod an jeder Ecke nur darauf wartet, ein neues Opfer zu fordern. Nach einem schrecklichen Feuergefecht werden Billy und seine Kameraden jedoch als Helden der Nation gefeiert und, zurück in den USA, auf eine landesweite Sieges-Tournee geschickt. Die Amerikaner feiern Billys Einheit euphorisch – dabei könnte die pompöse Inszenierung der Tour nicht weiter von der grausamen Realität des Krieges entfernt sein, die auch Billys pazifistische Schwester Kathryn (Kristen Stewart) scharf verurteilt. Doch was genau ist im Irak geschehen? Und sind Billy und seine Mitstreiter wirklich die Helden, zu denen sie in der Öffentlichkeit gemacht werden? Nach und nach werden immer neue Erkenntnisse über die Geschehnisse am Golf enthüllt. Während der aufsehenerregenden Halbzeit-Show bei einem Football-Spiel kommt dann die ganze Wahrheit ans Licht...

Das Anti-Kriegs-Drama "Die irre Heldentour des Billy Lynn" von Meister Ang Lee zeigt, wie mit einer Gruppe vermeintlicher Helden um perspektivlose junge Leute als neues Menschenmaterial (die Bezeichnung "Personal" wäre hier nur zynisch) für Kriegseinsätze geworben wird. Was diese Gruppe junger Männer zu Helden macht? Man weiß es nicht so genau. Ihr Erfolg im Kriegseinsatz scheint eher mäßig gewesen zu sein. Auch die viel beschworene Heldentat Billy Lynns war allenfalls teilweise von Erfolg gekrönt. Die Soldaten selbst, die aus einfachsten Verhältnisse zu entstammen scheinen, sind heillos überfordert. Im Kriegseinsatz - und in ihrem Heimatland erst recht. Es scheint, als wissen sie gar nicht so recht wie ihnen geschieht. Letztlich treiben sie wie Flipperkugeln durch die Handlung. Und os kann sich auch der Zuschaeur kaum entscheiden in welche Richtung er gehen will. Auf der einen Seite spricht "Die irre Heldentour des Billy Lynn" viele Anti-Kriegsthemen an, geht emotional an alles ran, was die Kriege unsere Zeit infrage stellt und sowie er den Menschen immer schon als Opfer hinterlässt. Auf der anderen Seite vermischt er aber auch den Ruhm die Gloria und die Kameradschaft zu dem was die Jungs zurück in die Schlacht führt. Gut und schlecht wird wieder so sehr miteinander verwoben, dass es einmal mehr keine eindeutige Message für den Betrachter gibt.


Klar ist nur, dass die Kritik am eigenem Land, für das es sich nur sehr leichtgläubig zu kämpfen lohnt, doch sehr nachhaltig wiedergegeben wurde. Amerika kommt überhaupt nicht gut weg und wirkt als großes Ganzes nur noch als leere Showhülse. Da zieht man gerne wieder in den Krieg, nur familiäre Bindungen sind es, wie überall in der Welt, für die es sich noch zu kämpfen lohnt. Der Rest scheint immer mehr zu verkommen. Hier stimmt die Message und im Ganzen verfehlt der Film sein Ziel auch nicht, alles unserer Zeit, aber auch alles zu hinterfragen. Protagonist Billy fällt daher auch und zunächst naiv auf die Annäherungsversuche der Cheerleaderin herein, die die meisten seiner Altersgenossen mit weniger Militär- und dafür mehr Lebenserfahrung wohl deutlich schneller durchschaut hätten. Seine Kameraden haben - außer Gewalt - keinerlei Strategie gegen die Provokationen durch die Bühnenarbeiter oder den großmäuligen Zuschauer parat. Selbst der ranghöchste Offizier dieser Einheit hat wenig bis gar nichts entgegenzusetzen, als er und seine Leute von dem Filmproduzenten oder von der Organisatorin der Stadion-Show vereinnahmt werden sollen. Lediglich im Gespräch mit dem Ölinvestor kontert er auf deftige Weise.

Den Grund dafür lässt er zwar vordergründig offen, jedoch liegt er auf der Hand: Die Behauptung, Ölindustrie und Militär seien (vereinfacht gesagt) in derselben Mission unterwegs kann und will er nicht unwidersprochen lassen. Sonst müsste er sich letztlich selbst eingestehen, dass er nicht (oder nicht nur - je nach Sichtweise) zum Schutz seiner Landsleute in der Heimat in den Kriegseinsatz geschickt wird, sondern dass damit von einigen Spekulanten und Geschäftemachern auch ordentlich Geld verdient wird. Auf Billys Frage, was er tun würde, wenn er eine Wahl hätte, kann und will er - passend dazu - keine Antwort geben. "Die irre Heldentour des Billy Lynn" ist ein Anti-Kriegsfilm der leisen Töne, der einen interessierten und aufmerksamen Zuschauer voraussetzt. So gesehen ist der Film geradezu prädestiniert fürs alternative Kino. Aufgrund seines unspektakulären Erzähltons wird er wohl auch nur wenige Fans finden. Zumindest keine, die hier einen ausgewachsenen kriegsfilm sehen wollen. Aber für ein halbwegs anspruchsvolles Nischenpublikum dürfte er durchaus interessant sein.

7,5/10

Donnerstag, 8. März 2018

Murphy's Law - Murphys Gesetz (1986)

http://www.imdb.com/title/tt0091575/

Der altgediente Cop Jack Murphy (Charles Bronson), der sich seit Jahren mit Alkoholproblemen herumschlägt, hat bei einem Auftrag einen Geiselnehmer getötet, dessen mafiöser Bruder jetzt Rache will. Als Murphys Ex-Frau und ihr Liebhaber ermordet werden, fällt der Verdacht schnell auf den Geschiedenen selbst, sollen doch die tödlichen Schüsse aus seinem Dienstrevolver gefallen sein. Kurz nachdem ihn seine Kollegen verhaftet haben, gelingt Murphy allerdings die Flucht und er setzt von nun an alles daran, den wahren Täter zu finden - der den Veteran seinerseits ebenfalls ins Visier genommen hat. Erschwert wird die Situation dadurch, dass Murphy an die Autodiebin Arabella (Kathleen Wilhoite) gefesselt ist, und zwar wörtlich. Gemeinsam versuchen sie, Mafia wie Polizei abzuschütteln und bringen sich dabei immer mehr in Schwierigkeiten...

"Murphy's Gesetz" besagt, dass alles, was schief gehen kann, auch schief geht. Und eben dieses Gesetz trifft auch auf den mürrischen Cop Jack Murphy (Charles Bronson) zu, den viele Jahre Dienst bei der Mordkommission geprägt haben. Die ständige Gewalt um ihn herum, sowie dass ihn seine Frau verlassen hat und als Stripperin im Nachtclub ihres neuen Lovers arbeitet, lassen ihn oft zur Flasche greifen, und bringt ihm jede Menge Spott auf seinem Revier ein. Jeden Morgen schleppt er sich verkatert zur Arbeit, doch eines Tages findet er sich auf der anderen Seite des Gesetzes wieder. Als seine Ex und ihr Liebhaber erschossen werden, wird er von den selben Cops verhaftet, mit denen er sonst zusammenarbeitet, und landet als Tatverdächtiger hinter Gittern. Da ihm niemand glauben will, ist die einzige Chance seine Unschuld zu beweisen und seinen Namen reinzuwaschen, auszubrechen und den wahren Täter selbst zu fassen. Allerdings gibt es da ein kleines, großes Problem. Und zwar ist er an die quirlige Quasselstrippe von Autodiebin Arabella McGee (Kathleen Wilhoite) per Handschellen gekettet, mit der seine Weichteile schon unliebsame Bekanntschaft machten. Zwangsläufig muss sie ihn also bei der Tätersuche begleiten und während er einer falschen Spur folgt und sich den Groll eines Mafioso aufzieht, ist die wirkliche Mörderin bereits hinter ihm her, weil sie sich an allen rächen will, die sie zehn Jahre zuvor hinter Gittern gebracht haben.

"Murphy's Gesetz" hat also eine ganz ausgefuchste Handlung, die sich zwischen Action-Thriller und erstaunlicherweise humorvollen Buddy-Movie bewegt. Dennoch sollte man von dieser routinierten Inszenierung nicht zu viel Originalität und Innovativität erwarten. Großartig finde ich auch die Konstellation von Mann und Frau, alt und jung, hartem Kerl und vorlauter Rebellin. Arabella hält den alten Knacker mit ihrer frechen Schnauze nämlich ziemlich auf Trab, und es macht Spaß, den beiden zuzusehen. Auch das Bronson diesmal nicht den ewigen Selbstjustiz glorifizierenden Rächer spielt, sondern diesmal selbst auf der Abschussliste steht, ist ein positiver Aspekt. Die Mischung aus bodenständiger Action, ruppigen Humor, guten Darstellen und gewisser Härte, weiß ganz einfach kurzweilig zu unterhalten. Besonders hervorzuheben ist außerdem die psychopathische Rächerin Joan Freeman (Carrie Snodgress), die eiskalt agiert und einen perfiden Plan entworfen hat. Ihr Gesicht wird zwar sehr früh gezeigt, doch Spannung entwickelt sich trotzdem, da man lange Zeit nicht weiß, wer sie ist und warum sie tut, was sie tut. Mit wem Murphy es hier zu tun hat, weiß man spätestens bei der Szene mit ihrer Bewährungshelferin. Jedes Mal, wenn sie in Erscheinung tritt, geht eine enorme und unberechenbare Bedrohlichkeit von ihr aus. Auch bei ihren abwechslungsreichen Morden, geht sie nicht zimperlich zu Werke. Das atmosphärische Finale im geschichtsträchtigen Bradbury Building, rundet das stimmige Gesamtbild ab.

7/10

Von CAPELIGHT PICTURES erschien der Film nun endlich auch hierzulande in HD in einem tollen Mediabook:

Mittwoch, 7. März 2018

Lolita (1962)

http://www.imdb.com/title/tt0056193/
Berühmte Verfilmung von Vladimir Nabokovs ebenso berühmtem Roman: Der geschiedene Literaturprofessor Humbert Humbert (James Mason) kommt in das Städtchen Ramsdale in New Hampshire und mietet dort ein Zimmer im Haus von Charlotte Haze (Shelley Winters). Seine Vermieterin hat es gleich auf Humbert abgesehen, aber der ist viel mehr von deren jugendlicher Tochter Lolita (Sue Lyon) fasziniert. Bald ist er von dem Mädchen förmlich besessen. Als Lolita von Charlotte ins Sommercamp geschickt wird, ist Humbert ganz krank vor Eifersucht. Schließlich holt er das Mädchen aus dem Ferienlager und will mit ihm durchbrennen. Das bleibt nicht unbemerkt und Clare Quilty (Peter Sellers) droht, Humbert bloßzustellen ...

Man sagt ja immer wieder, dass das Herz will, was es will. Doch die Liebe ist viel mehr als nur Küsse unterm Mondschein, sie ist etwas, was den Menschen geistig und seelisch beeinflusst und ihn zu Taten verleitet, wie man sie sich nicht vorgestellt hätte. Man darf das als gut und schlecht interpretieren. Natürlich darf man die Liebe nicht als etwas Schlechtes ansehen, doch darf man auch nicht den psychischen Einfluss, den sie ausübt, ignorieren. Die Liebe ist das Mächtigste auf der Welt, sagen viele. Während das einige als Kitsch ansehen, ist dies doch eher die Wahrheit. Auch hier im guten und schlechten Sinne. Und manchmal verliebtsich ein Mensch eben in eine Person, von der die Mehrheit der Meinung wäre, dass es falsch wäre, sich in sie zu verlieben. So waren viele Menschen von dem Roman "Lolita" empört, da viele sich nicht an den Gedanken gewöhnen wollten, dass sich ein Erwachsener in ein Kind verliebt.

Wie sollte Stanley Kubrick, der das gleichnamige Buch des russischen Schriftstellers Vladimir Nabokov 1962, 7 Jahre nach dessen Erstveröffentlichung verfilmte, diese außergewöhnliche Liebe rechtfertigen? Kubrick beantwortet diese Frage ganz simpel: gar nicht. Statt dass er die Geschichte um Humbert Humbert (grandios gespielt von James Mason), der sich in die Tochter (Sue Lyon) seiner Vermieterin Charlotte Haze () verliebt, verharmlost darstellt, macht er genau das Gegenteil. Man mag zwar sagen, dass die Erotik fehlen würde, doch zu damaliger Zeit hätte man nie zugelassen, dass sexuelle Interaktion zwischen Mann und Kind gezeigt wird. Doch gibt sich Kubrick Mühe, die sexuellen Interessen von Humbert subtil darzustellen. Sei es wenn er mit seiner Frau Charlotte kuschelt und seine Augen währenddessen nur auf das Bild von Lolita fixiert sind oder er in ihr Bett steigen will, als er mit ihr im Hotel übernachtet. Kubrick zeigt jedoch kein Interesse daran, sein Verhalten als unmöglich darzustellen, sondern setzt sich eher mit dem psychischen Druck der Liebe auseinander und in welchen Formen sie auftreten kann – eine Idee, die er erst knapp 35 Jahre später in "Eyes Wide Shut" noch weiter vertiefen konnte.

Mag Humbert zu Anfang noch seine Faszination über Lolita in sein Tagebuch schreiben, so verwandelt sich diese schnell in Obsession. Es geht sogar so weit, dass er sich schon Gedanken über den perfekten Mord macht, um seine Frau, die er ohne wirklich darüber nachzudenken, geheiratet hat, vermutlich nur um Lolita nahe zu bleiben, ein für alle Mal loswerden will - eine ziemlich verstörende Vorstellung. Ohne zu viel zeigen müssen, schafft es Kubrick, seine Botschaften klar und mit demselben Niveau an Schockemotionen zu vermitteln, wie wenn es ihm erlaubt gewesen wäre, so explizit wie möglich bei seinem Film vorzugehen.

Humberts Gefühle für Lolita führen dazu, dass er sein Bestes gibt, Lolita zu kontrollieren, als wäre sie sein Eigentum. Er springt hin und her zwischen der Vaterfigur und dem Liebhaber, dass man sich fragt, welche Seite von ihm in welcher Szene zum Vorschein kommt. Egal wie schwer der Film es dem Zuschauer machen will, dass man mit ihm als dem Protagonisten sympathisiert (eine Tradition, die Kubrick bei einigen von seiner späteren Filme fortgeführt hat), kann man kaum anders als sich für sein Benehmen und seine Entscheidungen zu faszinieren. Kubrick war nicht daran interessiert, sich ein Bild von der Realität zu machen, sondern wie er sagte, sich ein Bild vom Bild der Realität zu machen. Und schon gab es die ersten Anzeichen für den Aufstieg des Regisseurs, der sich nicht scheute, die Grenzen des filmischen Status Quo zu brechen und mit der Verfilmung des Romans, der viele Leser schockierte, seine ersten Schritte machte. Kubrick schuf mit "Lolita" also nicht nur einen außergewöhnlichen Liebesfilm, sondern entwickelte in gewissem Maße auch seine Liebe für den Film.

8/10

Sonntag, 4. März 2018

Время первых - Vremya pervykh - The Age Of Pioneers - Spacewalker 3D (2017)

http://www.imdb.com/title/tt6673840/

Im Zuge des Kalten Krieges entspinnt sich ein Wettrennen zwischen den USA und der UdSSR, den Kosmos zu erschließen. Die UdSSR scheint 1965 ihren Vorsprung weiter auszubauen, doch zwei Wochen vor dem geplanten Start einer Mission für den ersten Weltraumspaziergang eines Menschen in der Geschichte explodiert das Prüfungsschiff. Zeit, die Gründe dafür ausfindig zu machen, gibt es nicht. Das Schicksal der russischen Raumfahrt liegt nun in den Pilotenhänden Pavel Beljajevs (Konstantin Khabenskiy) und seines jüngeren Partners Aleksej Leonov (Evgeniy Mironov). Sie sind bereit, für ihre Nation Heldenstatus zu erringen, doch längst sind noch nicht alle Hürden genommen. Denn die vorangegangene Explosion ist nicht der einzige Rückschlag, den die Verantwortlichen im Zuge dieser Mission einstecken müssen...

Dass auch die Russen in der Lage sind, gute Science-Fiction-Filme zu drehen, haben sie schon desöfteren bewiesen. Doch während die Amerikaner auf zahlreiche positive Ereignisse in ihrer Raumfahrtgeschichte zurückblicken können, muss sich Russland auf einige wenige interessante Ereignisse konzentrieren. Eines davon schildert "Время первых" - "Spacewalker". Das, was für die Amerikaner einst die Mondlandung war, das war für die Sowjetunion die berühmte Mission "Восход 2" (Woschod 2"), deren Ziel es war, als erste unter Beweis zu stellen, dass Menschen in der Lage sind, sich frei im Weltraum zu bewegen, dort zu arbeiten und zu überleben. Und das sogar, frei schwebend ohne sich an der Raumstation festzuhalten. "Spacewalker" schildert dabei die realen historischen Ereignisse der "Восход 2"-Mission, die tatsächlich im Jahre 1965 durchgeführt wurde und beinahe schief gegangen wäre. Mit ein wenig russischem Nationalstolz wird man sich bei "Spacewalker" also anfreunden müssen. Geradezu erstaunlich ist es aber, dass sich der Streifen damit durchaus zurückhält und sich stärker auf die Erlebnisse der beiden Kosmonauten fokussiert - und das sehr zur Freude von Science-Fiction-Fans.

Damit der Streifen dabei emotional gut funktioniert, spielen auch die beiden Kosmonauten als Hauptfiguren eine große Rolle. Bereits zu Beginn des Films geht "Spacewalker" möglichst intensiv auf seine beiden Protagonisten und ihren besonderen Sinn für Humor ein. Man könnte im ersten Drittel sogar beinahe meinen, es handele sich um ein richtiges Buddy-Movie, bei dem wir eine typische Komödie mit zwei besten, aber völlig verschiedenen Freunden sehen. Insgesamt kommt der Streifen aber zunächst etwas langsam in Gang, obwohl die Bindung an die Figuren im späteren Verlauf überaus wichtig ist. Durch die zahlreichen historischen Fakten der sowjetischen Raumfahrtmission macht der Science-Fiction-Film zu Beginn aber leider einen etwas trockenen Eindruck. Die großen Emotionen kommen später. Dafür aber lohnt es sich, am Ball zu bleiben.

Eingefleischte Genrefans werden nämlich trotzdem richtig viel Spaß an diesem Film haben, denn "Spacewalker" legt generell recht hohen Wert auf den Realismus. Das fängt beim Verhalten in der Schwerelosigkeit an und endet bei der glaubhaften physiologischen Verfassung der Kosmonauten während ihrer Mission. Und spätestens im zweiten Drittel darf man sich dann freuen, dass es tatsächlich noch eine recht lange Zeit in den Weltraum geht, wo wir spektakuläre Bilder aus dem Orbit zu sehen bekommen. Inszenatorisch gestaltet sich "Spacewalker" dabei zwar nicht so spektakulär, wie zuletzt "Gravity", doch die brenzlige Situation im Weltraum mit den Problemen in und außerhalb der Raumstation funktioniert dramaturgisch ausgesprochen gut. Stilistisch erinnert "Spacewalker" dabei am ehesten an die Sci-Fi-Filme der 80iger Jahre, wenngleich die optische Qualität deutlich darüber liegt. Für Genrefans also durchaus eine große Empfehlung und auf jeden Fall einen Blick wert.

Zusammenfassend geschrieben ist "Spacewalker" somit ein spannender und dramaturgisch solider russischer Science-Fiction-Film um die berühmte "Woschod 2"-Mission. Obwohl inszenatorisch nicht so stark, wie einst "Gravity" oder "Apollo 13" überzeugt "Spacewalker" mit seinem hohen Realismus und der guten Bindung an die Charaktere. 

7,5/10

Von CAPELIGHT PICTURES kommt der Film als Erstauflage im schicken Steelbook:

Sharktopus vs. Whalewolf (2015)

http://www.imdb.com/title/tt3292154/

Das Schicksal spielt dem meist betrunkenen Kapitän Ray Brady (Casper Van Dien) übel mit. Endlich hat er nach langer Zeit wieder einmal einen neuen Job und kann dafür sein Schiff für eine Seebestattung vermieten. Doch ehe die Zeremonie zu Ende gebracht werden kann, greift wie aus dem Nichts eine Hai-Kreatur mit Tintenfischtentakeln an und schnappt sich den Leichnam und gleich noch Teile der versammelten Trauergäste. Von einem Voodoo-Priester erhält Ray anschließend den Auftrag, das Monster zur Strecke zu bringen. Zur selben Zeit will die Wissenschaftlerin Dr. Elsa Reinhart (Catherine Oxenberg) den Baseballspieler Felix Rosa (Mario Arturo Hernádez) in Form bringen, indem sie seine DNA mit der eines Wales und eines Wolfs kreuzt. Das Experiment geht nach hinten los und schon bald treibt Rosa als Whalewolf sein Unwesen. Er und der Sharktopus prallen unweigerlich aufeinander...

Schon der erste Teil der "Sharktopus"-Reihe war irgendwie originell. Und - obwohl dies kaum glaubhaft erscheinen mag, aber andererseits, wieso gibt es von "Sharknado" aktuell bereits sechs Teile? - man setzte noch zwei weitere Teile drauf. "Sharktopus vs. Whalewolf" ist der dritte Ableger. Der Witz erschöpft sich im Titel. Nachdem die Vorsilbe Mega-, Monster- oder Killer- nicht mehr reichte, bediente man sich dieser sinnlosen Mixturen, aber auch dieser Teil kann in seiner Trashigkeit zumindest überzeugen.

Denn hier nehmen sich die Filmemacher absolut nicht ernst und sich selbst auf die Schippe (im Gegensatz zum zweiten Teil, der einfach viel zu ernst und absolut auf The Asylum Schlechtigkeitsniveau war). Die Story ist mal wieder hanebüchen. "Sharktopus" hat jetzt einen Twitteraccount und eine verrückte Schönheitsärztin erschafft ein hündchenartiges Geschöpf, halb Wolf, halb Orca. Und ein Alkoholkranker Kapitän (Casper Van Dien - musste es echt so weit kommen?) muss mit seinem Angestellten und einer Polizistin dann die Welt retten. Mit dabei sind auch ein Voodoopriester, Iggy Pop und ganz viele blöde Sprüche. Genial ist hier gemacht, dass sowohl Sharktopus als auch Whalewolf durchaus sympathische Monster sind. Hat man auch nicht so oft.  Der Film ist wirklich so bekloppt, dass er schon wieder Spaß macht.

Einige der Schauspieler scheinen direkt von einem Pornoset gecastet worden zu sein, die Synchro ist gruselig und es ist nicht zu viel, wenn man behauptet, dass man Tierhorror schon sehr lieben muss und Trash immer etwas abgewinnen sollte, um hier wirklich seinen Spaß haben zu können. Kann man machen, braucht aber die Stimmung dazu.

Trash-Wertung: 7,5/10
Real-Wertung: 3,5/10

Samstag, 3. März 2018

Get Out (2017)

http://www.imdb.com/title/tt5052448/

Der afroamerikanische Fotograf Chris (Daniel Kaluuya) und seine weiße Freundin Rose (Allison Williams) sind seit mittlerweile fünf Monaten ein Paar. Als Rose ihm ihre Eltern vorstellen möchte, stimmt Chris wohl oder übel zu, auch wenn ihn die Sorge umtreibt, wie Roses Eltern auf den schwarzen Freund ihrer Tochter reagieren werden. Doch zunächst erweisen sich Chris’ Bedenken scheinbar als völlig unnötig: Dean (Bradley Whitford) und Missy (Catherine Keener) bereiten den beiden einen herzlichen Empfang und scheinen sich an der Hautfarbe des Partners ihrer Tochter überhaupt nicht zu stören. Doch dann entdeckt Chris, dass die schwarzen Hausangestellten der Familie nicht nur die einzigen Schwarzen in der ganzen Umgebung sind, sondern auch seltsam abwesend und untertänig wirken. Irgendetwas scheint hier nicht mit rechten Dingen zuzugehen...

"Get Out" von Jordan Peele ist eine kurzweilige Thriller-Horror- und vielleicht auch Komödie mit einem gewaltigen Schuss Gesellschaftssatire, in der Hauptdarsteller Daniel Kaluuya durch einen obskuren Alptraum aus überspitzten Realitäten schreitet.

"Get Out" ist wohl der unkonventionellste Film der es diesmal in die Kategorie "Best Film" bei den Academy Awards geschafft hat. Er wird vielerorts als Komödie angepriesen, aber er ist in erster Linie eine Mischung aus Horror und Thriller. Nebenbei gibt es aber schon hin und wieder eine Brise schwarzen Humor. Mit "Get Out" ist eben ein Film geschaffen worden, der das Horror/Mystery- Genre, das gern eher den Ruf eines plumperen Genres genießt, auf ganz intelligente Weise aufzupeppen. Dieser Film wirkt sehr seltsam, weil man lange nicht weiß, warum es so abläuft wie es eben abläuft. Horror und Mystery werden hier mit einer sozialkritischen Perspektive gepaart. Allein das ist lobenswert und ebenso stark umgesetzt. 

Die Rassenproblematik wird hier auf eine Weise behandelt wie man sie bisher noch nicht gesehen hat. Die Handlung ist schon extrem außergewöhnlich und regt auf jeden Fall dazu an den Film ein weiteres Mal zu schauen. Da "Get Out" alles andere als ein gewöhnlicher Horrorstreifen ist, gibt es sicherlich einige die nicht viel mit ihm anfangen können. Wer aber unvoreingenommen an den Film geht könnte hier voll auf seine Kosten kommen. Kontrastprogramm mal auf eine ganz andere Weise, denn auch wenn sich "Get Out" nur als geniale Ideenskizze entpuppt, bietet der Film dennoch Ansätze die in Zukunft aufgegriffen werden sollten.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Blumhouse/Universal Pictures/Monkeypaw Productions

Freitag, 2. März 2018

Logan Lucky (2017)

http://www.imdb.com/title/tt5439796/

Die Brüder Jimmy (Channing Tatum) und Clyde Logan (Adam Driver) haben es wirklich nicht leicht: Der impulsive Jimmy neigt zu Gefühlsausbrüchen und verliert dadurch einen Job nach dem anderen, Clyde hingegen hat zwar einen festen Job als Barkeeper, wird aber von den Gästen schikaniert, weil er einen Arm verlor und er eine Prothese trägt. Ihre zunehmenden Geldsorgen wollen die Brüder beenden, indem sie beim bekanntesten NASCAR-Rennen der Welt, dem Coca-Cola 600, einen genialen Raubüberfall durchführen. Ihre Schwester Mellie (Riley Keough) soll helfen, weitere Unterstützung für seinen Coup erhofft sich das vom Pech verfolgte Duo vom legendären Bankräuber Joe Bang (Daniel Craig) – der allerdings erst befreit werden muss, weil er momentan hinter Gittern sitzt. Und auch nachdem das vollbracht ist, geht der Plan natürlich nicht so reibungslos über die Bühne, wie Jimmy und Clyde sich das vorgestellt haben...

"Logan Lucky" ist ein etwas trashiger Hillbilly-Heist-Movie, der zwar dem Grundrezept von "Oceans Eleven" folgt, jedoch durch seine schrullige Art und die eigenwilligen, aber gut gezeichneten Charaktere erheblich sympathischer daherkommt. Im Wesentlichen hebt er sich auch davon ab, dass es eben nicht, um den genialen Gauner geht, der einen abgefahrenen Plan entwickelt, den abgezockten Klischee-Bösewicht um sein Geld zu erleichtern. Vielmehr wird dieses ganze Konzept auf die Schippe genommen, wobei die Komik besonders durch die Nebenhandlung, die Nebencharaktere und die ungewöhnliche Ausgangslage entsteht. Channing Tatum und Adam Driver funktionieren super zusammen als etwas naive Redneck-Kleinkriminelle. Auch in den Nebenrollen ganz gut besetzt, allen voran Daniel Craig, der hier allen ein wenig die Show stiehlt.

Der Film ist eben mal wieder was qualitatives von Soderbergh, gelungen amüsant mit Seitenhieben gegen hippe, trendy Sachen die durch den angemessenen Dreck gezogen werden. Besonders schön sind die sehr ind en Vordergrund gerückten Seitenhiebe auf aktuelle Geschehnisse, den Vogel schießt aber die Diskussion im gefängnis um die Diskrepanz der Bücher zur Serie "Game Of Thrones" ab. Wer also auf das Genre des Heist-Movies steht, wird ihn trotz der nicht ganz neuen Geschichte, neben gelungener Cameoes sicher deswegen mögen, weil er weder der Erwartung eben nicht ums Verrecken auf Coolness getrimmt ist und so wahnsinnig herzlich wirkt.

8/10