Samstag, 22. November 2014

Nymph()maniac - Nymphomaniac: Vol. II (Director's Cut) (2013)

http://www.imdb.com/title/tt2382009/

Der zweite Teil umfasst nun die letzten dreieinhalb Kapitel von Lars von Triers zweigeteilten Drama über die bewegte Lebensgeschichte der Nymphomanin Joe (Charlotte Gainsbourg). Die seelisch und körperlich verletzte Frau wird vom alternden Junggesellen Seligman (Stellen Skarsgard) aufgenommen und gepflegt. Sie berichtet ihm in langen Gesprächen davon, wie sie in ihrer langweiligen Beziehung zu Jerome (Shia LaBeouf) verödete und plötzlich die Lust am Sex verlor. Aus der Verzweiflung heraus suchte sie den Sado-Maso-Künstler K (Jamie Bell) auf, um über den Schmerz zur Lust zurückzufinden, gleichzeitig  vernachlässigte Joe allerdings ihr Baby. Im Gespräch erfährt die verzweifelte Frau indes auch einiges über ihren geheimnisvollen Retter und dessen Geheimnis. Seligman ist nämlich asexuell; er hatte noch nie Sex, was ihm eine ganz eigene Perspektive auf Joes Lebenswandel ermöglicht...

Wesentlich ernster und kaum noch mit einem zwinkernden Auge oder gar zu verspielt knüpft "Nymphomaniac: Vol. II" an seinen Vorgänger an. Mir haben beide Teile sehr gut gefallen und ich bewerte sie auch nahezu gleich, aber der hier besprochenen zweite Teil ist anders, allerdings nicht schlechter. Irritierend fand ich nur die Umstellung der Schauspielerin (von Stacy Martin auf Charlotte Gainsburg), was natürlich auch die schnelle Alterung (durch den Stress etc.) Joes verdeutlich soll. "Nymphomaniac: Vol. II" fängt mit seiner tiefgründigen Bandbreite da an, wo der erste Teil aufgehört hat und umwebt sexuelle Neigungen mit geschichtlichen Hintergründen und dem Dafürhalten großer Denker und Visionäre, sodass der Zuschauer darauf vorbereitet ist, den emotionalen, großen Hintergrund in sich aufzunehmen, um zu verstehen, was derjenige glauben und fühlen muss, dem eine solche Last der Nymphomanie auferlegt wird, dazu verbannt sich von der Gesellschaft abzustoßen, um mit sich selbst ins Gleichgewicht zu kommen oder eben im Strom mitzuschwimmen, dafür dann aber nicht sein "Ich" ausleben zu können.


Die untypische Herangehendsweise des Films an Themen wie die Tabuisierung von Worten oder Pädophilie hat mir gefallen, da es - in  gewisser Weise - ein wohlüberlegte Meinung wiederspiegelt. Und dann war da natürlich noch die letzte Szene. Die Szene, die den Zuschauer einfach ein paar Sekunden regungslos dasitzen lässt. Es scheint, als hätte Joe einen selbst erschossen. Aber es spiegelt die Bürde einer (schönen) Frau wieder: sie möchte nur ihr Herz ausschütten, und den Zuschauer/Zuhörer an ihrem Leben teilhaben lassen und er sieht sie als (übertrieben gesprochen) Sexsymbol. Man weiß nicht genau, wann sich des Antagonisten asexuelles Wesen zu dem Monster gewandelt hat, das man gegen Ende sieht und natürlich handelt Joe naiv in dem Moment als sie zu einem Fremden nach Hause geht und ihm ihre Lebensgeschichte erzählt. Aber andererseits auch nachvollziehbar, kennt man das gesamte Konstrukt: Joe hat nur einen Freund gesucht, nicht mehr. Sie wollte jemanden in ihrem Leben, der ihr ernsthaft zuhört. Ja, einige der Szenen das Films scheinen tatsächlich übertrieben, allerdings schließen sie nicht die Möglichkeit aus, dass so etwas passieren könnte und auf mich wirkte der Film an keiner Stelle unrealistisch.


Lars von Trier spielt mal wieder mit der Erwartungshaltung des Zuschauers, wirft dessen Gefühle über den Haufen, manipuliert, schockiert, beleuchtet aus vielen Perspektiven und erweitert Blickwinkel, um dann letzten Endes alles wieder in sich zusammenstürzen zu lassen, wie ein mühselig aufgebautes Kartenhaus, bei dem auf jeder Karte ein intelligenter Satz steht. Ein Satz, den man in sich aufgesogen hat, der aber in der Tragik, die er einem hier wie Blei in den Magen gießt, ganz schnell wieder vergessen werden möchte.

Das macht von Trier wie immer in einer solch unkonventionell hochtrabenden Art, dass ich nicht wirklich weiß, ob ich ihn dafür loben oder schelten soll. Ist das Pseudo-Genialität? Denn ob man seine Filme nun mag oder nicht, von Trier gelingt es jedenfalls (und hier erneut), eine ganze Riege Hollywoodstars für seine fast schon dunkel wirkenden Machenschaften zu missbrauchen und er hebt sich selber von neuem auf eine höhere Stufe der Unberührbarkeit, als Thronsitz des scharfsinnigen dänischen Kinos. Das Gesamtwerk "Nymphomaniac" ist sicher ein Film, der sich unter Umständen wie ein Geschwür in der Magengegend des Zuschauers einnistet, dort für ziemliche Bauchschmerzen sorgt und außerdem mit seinem Ende blanke Fassungslosigkeit walten lässt. Fassungslosigkeit, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Ob man das schön finden soll oder nicht; wer weiß. Aber er polarisiert sicher ungemein.

8,5/10

Escape From New York - Die Klapperschlange (1981)

http://www.imdb.com/title/tt0082340/

New York 1997: Manhattan wurde von der US-Regierung in ein völlig abgeschottetes Hochsicherheitsgefängnis verwandelt. In der früheren Weltstadt hausen gewalttätige Schattengestalten, den Broadway zieren abgeschlagene Köpfe. Als die Air Force One mitten in diesem Ghetto aus Anarchie und Gewalt abstürzt, muss jemand den US-Präsidenten retten. Nachdem alle militärischen Mittel versagen, fällt die Wahl für dieses Wahnsinnsunternehmen auf Snake Plissken, einen hochdekorierten Ex-Lieutenant, der wegen seiner Verbrechen im Zivilleben selbst zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Bei Erfolg kann er seine Weste reinwaschen. Um sicherzustellen, dass Plissken seine Mission auch erfüllt, werden ihm kleine Sprengkörper implantiert. Snake hat weniger als 24 Stunden Zeit, den Präsidenten und sich selbst zu retten.

John Carpenters grandios fotografierter Klassiker aus dem Jahr 1981 mit grandiosen Cast, angeführt von Kurt Russell, Lee van Cleef, Harry Dean Stanton, Ernest Borgnine, Donald Pleasence und Soul-Legende Isaac Hayes. Überzeugen kann der Film vor allem durch seine Atmosphäre. Carpenter zeichnet eine düstere, dreckige Zukunftsvision, die er auch gekonnt in Szene setzt. Die flackernde, schwache Beleuchtung, das Spiel mit Licht und Schatten, der bewusste Einsatz von Farbe und eine stilsichere Kamera lassen das dystopische New York des Jahres 1997 bedrohlich, trostlos und schmutzig wirken. Carpenter wusste schon immer ganz genau, wie er filmische Mittel einzusetzen hat und damit den Zuschauer in seinen Bann ziehen kann. Auch der herausragende, hämmernde Soundtrack trägt seinen Teil dazu bei und erzeugt ordentlich Stimmung. Für das vergleichsweise geringe Budget sieht der Film schon sehr gut aus und überzeugt durch seine Atmosphäre und sein kritisches Sci-Fi-Szenario von einem sich selbst überlassenem Megaknast.


Hauptdarsteller Kurt Russel spielt grandios, gerade weil er hier als fast schon legendärer Protagonist Snake Plissken eine Paraderolle spielt. Die anderen oben erwähnten Darsteller machen ebenfalls einen ordentlichen Job. Es scheint fast so, als hätte Carpenter in Donald Pleasence einen seiner Lieblingsakteure gefunden. Ein Wermutstropfen bleibt dennoch, denn die Charaktere des Films bieten leider kaum Charaktertiefe. Snake Plissken ist zwar ein unfassbar cooler Typ und eine ikonische Heldenfigur, die sehr gut in einen Actionfilm passt, aber über seine Vergangenheit oder seine Charakterzüge erfährt man reichlich wenig.


Noch flacher sind allerdings die Nebencharaktere, deren Charakterzeichnung selten über ihre Tätigkeit im Gefängnis bzw. ihren Beruf hinausgehen. Vor allem der Bösewicht ist völlig vergessenswert und schafft es nie, ein ebenbürtiger Gegenpart zu Plissken zu sein. Das grundlegende Szenario der Gefängnisstadt, aus der ein einzelner Mann den Präsidenten herausholen muss, ist dagegen klasse. Allerdings verliert sich das ganze relativ schnell in einer Mischung aus Schnitzel- und Verfolgungsjagd. Diese ist sehr klar, leider ziemlich vorhersehbar und wenig überraschend. Dennoch ist es eine Lust, Herrn Plissken bei der Arbeit zuzusehen.

Auch sind die Actionszenen recht ordentlich, wirken allerdings etwas "klein". Lediglich der Arenakampf ist ein Moment, der schon allein aufgrund seines Coolness-Faktors lange im Gedächtnis bleibt. Carpenter's Sci-Fi/Endzeit/Dystopie-Klassiker "Die Klapperschlange" bietet Spannung, eine großartige Inszenierung, einen tollen Score, tollen Cast und Kurt Russel in seiner besten Rolle. Er kann wunderbar (und auch immer wieder) unterhalten und durch seine Atmosphäre, die düstere Optik, die guten Darsteller und die coole Hauptfigur überzeugen. "Escape From New York" ist eine der wenigen Perlen des Actiongenres der 80er. Bezeichnenderweise stilprägend und gleichzeitig kommerziell weniger erfolgreich als seine vielen vielen hirnlosen Kollegen, die allein mit Bizeps und Geballer punkteten. Dieser Film hingegen zeichnet sich durch minimalistische Dialoge und einem tollen Synthi-Rock-Soundtrack aus. Und der ist und bleibt zeitlos, einfach genial.

"Call Me Snake" 

8,5/10

Von STUDIOCANAL erschien der Film ungeschnitten auf Ultra HD Blu-ray / Blu-ray mit jeder Menge Bonusmaterial auf einer Extra-Disc und dem originalen Soundtrack-CD in einem schicken Steelbook:


Quellen
Inhaltsangabe: Studiocanal

Freitag, 21. November 2014

How to Train Your Dragon 2 - Drachenzähmen leicht gemacht 2 (2014)

http://www.imdb.com/title/tt1646971/

Fünf Jahre später, nachdem die beiden Helden Hicks und sein Drache Ohnezahn die Drachen und Wikinger erfolgreich auf der Insel Berk zusammengeführt haben: während Astrid, Rotzbakke und der Rest der Gang sich gegenseitig im Drachenrennen (der neuen beliebten Sportart der Insel) herausfordern, fliegen die unzertrennlichen Freunde Hicks und Ohnezahn durch die Lüfte, um neue Welten zu entdecken. Als die beiden auf einer ihrer Abenteuerausflüge eine versteckte Eishöhle entdecken, in der hunderte neue wilde Drachen und der mysteriöse Drachenreiter zuhause sind, geraten sie in einen Kampf, den Frieden auf Berk zu bewahren. Hicks und Ohnezahn müssen zusammenhalten und sich für das einsetzen, woran sie glauben. Dabei erkennen sie, dass sie nur zusammen die Kraft haben, die Zukunft für die Menschen und Drachen zu verändern.

Der Film setzt (mit ein wenig Zeitversatz) nahtlos an den ersten Teil an, genauso wunderschön animiert, genau so interessant. Alles ist ein klein wenig erwachsener geworden: die Charaktere sind wirklich toll um 5 Jahre gealtert und auch sonst ist glaubhaft dargestellt wie sich alles in den 5 Jahren verändert haben könnte. Auch wenn man den ersten Teil schon eine kleine Weile nicht mehr gesehen hat, so kommt man unglaublich schnell wieder in die Story rein.

"Drachenzähmen leicht gemacht 2" ist stellenweise etwas besser, andererseits aber auch etwas überladen, was dazu führt, dass beide Filme in etwa auf dem gleichen hohen Niveau agieren, der zweite Teil aber nur deswegen einen halben Punkt verliert, weil eben alles nicht mehr ganz so neu und frisch erscheint. Eine große Stärke des Vorgängers war diese Leichtigkeit, dieses Zeit lassen für die Charaktere und deren Annäherungen. Das geht hier auf Kosten von mehr Action und mehr "Handlungssträngen" etwas verloren.

Was dann aber doch etwas stört, ist, dass die Geschichte von einem Höhepunkt zum nächsten getrieben wird. Da gehts mit der recht beiläufig erwähnten Tatsache der Nachfolge als Stammesführer los, dann die Drachenfänger, man findet seine totgeglaubte und verlorene Mutter, dann der gigantische Alpha-Drache, ein sterbender Vater, ein sich wandelnder Freund Ohnezahn, der Alphadrachen-Kampf, Alphadrachen-gegen-Ohnezahn-Finale und so weiter. Es ist toll, aber eine Winzigkeit zu viel für einen Film. Da wünschte man sich etwas mehr Ruhe und Zeit für die tollen Charaktere und die neuen Drachen sowieso. Aber gut, wenn dieses eher strittige Argument das Einzige ist, was man so Negatives an diesem ansonsten wirklich unterhaltsamen Animationsfilm findet, sagt das auch alles über seinen Charakter aus. Er ist ohne Zweifel eine würdige Fortsetzung und auf jeden Fall spannend, lustig und niedlich zugleich.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Dreamworks Animation / Universal Pictures

Poster/Artwork: Dreamworks Animation / Universal Pictures

Donnerstag, 20. November 2014

Nymph()maniac - Nymphomaniac: Vol. I (Director's Cut) (2013)

http://www.imdb.com/title/tt1937390/

An einem kalten Winterabend findet der charmante, ältere Junggeselle Seligman (Stellan Skarsgård) eine halb bewusstlose, zusammengeschlagene Frau namens Joe (Charlotte Gainsbourg) in einer dreckigen Seitenstraße. Er nimmt sich ihrer an, bringt sie zu sich nach Hause und pflegt die Schwerverletzte. Als diese irgendwann wieder zu sich kommt und Joe ihre Wunden behandelt, fragt er sie was geschehen ist. Joe fängt an, Seligman ihre Lebensgeschichte zu erzählen, ohne jegliche Scheu vor dem fremden Mann zu haben. Eingeteilt in acht Kapitel erzählt sie ihren Werdegang von der Geburt bis zu ihrem fünfzigsten Lebensjahr. Die eigene Lebensdiagnose als Nymphomanin ist geprägt von mannigfaltigen Facetten und erotischen Erlebnissen. Die mit Anekdoten gespickten Geschichten zeugen von ihren tief verborgenen Emotionen und Bedürfnissen...

Lars von Trier ist der Regisseur, der einen mit seinen Filmen immer tiefer in die Abgründe der menschlichen Psyche führt und "Nymphomaniac" bildet hier defintiv keine Ausnahme. Es ist ein Film, der seltsam beginnt: nämlich mit einem 2-minütigem Schwarzbild, ohne Geräusche, ohne alles - und man gerät schon ins Grübeln, ob die Blu-ray nicht kaputt sei, da entstehen langsam weiche, ruhige Bilder von Regen, der Wänder herunterläuft  oder auf den Deckel einer Mülltonne prasselt, nur um im nächsten Moment dröhnend von Rammstein mit "Führe mich" zerbrochen zu werden. So beginnt "Nymphomaniac: Vol. I".

Geht es ums Fischen? Geht es um Sex? Ist alles nur ein gewaltiges sprachliches Bild? Waren die hochgesteckten Ankündigungen übertrieben? Mann muß ehrlich sagen, "der Tabu-Film schlechthin" ist "Nymphomaniac: Vol. I" sicher nicht geworden, Lars von Trier hat schon pornografischere und weitaus brutalere Filme gedreht. Und das, obwohl die Sexszenen tatsächlich äusserst explizit und dadurch nicht nur fast pornographisch sind. Dennoch ist der Film eher ein Leidensweg über eine emotional völlig kaputte Frau, die ganz hervorragend von Charlotte Gainsbourg (die ältere Version) und von Stacy Martin (die jüngere Joe) verkörpert wird. Uma Thurman (deren Episode die wohl skurrilste ist, die ich jemals in einem Film sehen konnte - es war wie ein Autounfall, man konnte einfach nicht wegsehen) sticht hier allerdings em Meisten heraus, aber auch von Shia LaBeouf war ich wirklich positiv überrascht - vor allem, weil ich von ihm rein gar nichts halte. Die Inszenierung ist, im Kontext gesehen, sicher großartig, da die einzelnen Episoden so herrlich unterschiedlich gestaltet sind und dann dazwischen immer wieder durch die nüchternen, aber absolut treffsicheren Dialoge zwischen Joe und Seligman "unterbrochen" werden.


Der von Seligmann angestellte Vergleich von Sex und Mathematik, Fischen und Musik fand ich überaus interessant und seine Erklärungen wirkten immer - und auf eine seltsame Art - tatsächlich noch irgendwie wissenschaftlich. Ich habe nach all den schlechten Kritiken im Netz ein unnötig provokanten Film erwartet, der mehr eingängig als vielseitig ist. Aber ich wurde überrascht - und das im positivsten Sinne. Sehr nachvollziehbar und unvoreingenommen durchdringt der Film nur langsam den Weg ins Extreme. Und spätestens seit "Anti-Christ" ist man von Lars von Trier ja wesentlich Schlimmeres gewohnt. Trier verdient seine Anerkennung dadurch dass er seinen Titel als Meister der Symbolik gerecht wird und überhaupt zieht sich der rote Faden mit einem Tempo durch die Geschichte, was man von seinen Filmen eigentlich nicht gewohnt ist. Aber es geht ja um die Darstellung, Präsenz und Wirkung eines bestimmten Bildes. Der Film hat so einen durchaus interessanten Stil, und man muss von Trier einfach mal zugute halten, dass er tatsächlich recht detailverliebt ist. Außerdem wird hier wirklich eine faszinierende Atmosphäre erschaffen, die dann vor allem gegen Ende (des ersten Teils) hin ein ziemlich ungutes Gefühl beim Zuschauer verursacht.


Über "Nymphomaniac: Vol. I" (und sicher auch das Gesamtwerk) lässt sich definitiv diskutieren, aber der beworbene "Skandal" liegt nicht bei den Sexszenen, sondern vielmehr beim Inhalt und den grandiosen Dialogen. Man bekommt hier einen sehr interessanten und andersartig inszenierten Film geboten mit wirklich tollen Schauspielern und vor allem das Ende und die "Vorschau" im Abspann lässt einen hier noch so Einiges im zweiten Teil erwarten! Sicherlich ist der Film Geschmackssache, aber ich freue mich definitiv auf die Fortsetzung!

9/10

Mittwoch, 19. November 2014

Pineapple Express (Unrated) - Ananas Express (Superbreit Edition) (2008)

http://www.imdb.com/title/tt0910936/

Der dauerbekiffte Dale lässt sich immer nur dann notgedrungen zu einem rein geschäftlichen Kurzbesuch bei seinem lakonischen Dealer Saul herab, wenn er mal wieder Nachschub braucht. Denn Saul versorgt ihn mit seinem Premium-Produkt – einer neuen, überaus seltenen Züchtung Gras namens Ananas Express. So weit, so gut. Doch als Dale eines Abends zufällig der einzige Zeuge eines Mordes wird, in den eine korrupte Polizistin und der gefährlichste Drogenbaron der Stadt verwickelt sind, ergreift er die Flucht und lässt in seiner Panik dummerweise eine Tüte Ananas Express am Tatort zurück. Schnell finden die Gangster heraus, woher das rare Zeug stammt, und heften sich an die Fersen von Dale und Saul, die ab jetzt auf ihrer Abschussliste ganz oben stehen. Während die beiden Kiffer um ihr Leben rennen, entdecken sie, dass sie nicht nur an Gras bedingter Paranoia leiden, sondern diesmal wirklich Grund zur Sorge haben. Und noch etwas Überraschendes finden Dale und Saul heraus: Falls es ihnen gelingt, diese Nacht heil zu überstehen, könnten sie eventuell sogar richtig gute Freunde werden.

Das Duo Seth Rogen und James Franco entwicklen sich von Film zu Film immer mehr und mehr zu meinen Lieblings-Comedy-Duo. Und wenn dann noch Danny McBride mitmischt, ist es nahezu perfekt. "Pinapple Express" ist eine Paradebeispiel dafür. Denn diese völlig verplante, übertriebene, weltfremde, von verrauchtem Allerlei aus Belanglosigkeiten getragene Story über einen der zur falschen Zeit am falschen Ort war, erspielt sich nach und nach immer mehr den Weg in mein Lieblingsfilm-Herz. Weil es anstatt sich abzunutzen jedes Mal mehr Spaß macht, Rogen und Francos Odyssee durch die vernebelten Straßen von L.A. zu begleiten. Man kann "Pineapple Express" natürlich primär als Frontal-Komödie mit fragwürdigem Humor und Weltbild empfinden. Man kann jedoch auch etwas unter die Oberfläche schauen, denn wirklich groß wird der Film durch die kleinen, exakt beobachteten und umgesetzten Nuancen, die man schnell verpassen kann.

Denn alles, was die zwei liebenswerten Freaks auf ihrer Reise an verpeilten Dingen tun scheint präzise an die Sinnlosigkeit der Entscheidungen von Leute angelehnt, die den ganzen Tag stoned sind. Wenn überhaupt mal von A nach B gedacht wird, bleiben die Zwei meistens irgendwo auf dem Weg in THC-verklebten, wirren Gedankenwindungen kleben: das fängt an, wenn die beiden den aufmüpfigen Red mit Duct-Tape an einen Stuhl fesseln und dabei (ganz wichtig) noch die Haare fixieren. Oder wenn sie, so schnell es geht, die Flucht ergreifen und dabei halt den Kumpel im Polizeiwagen vergessen. Oder eben große Pläne für die Lösung der Probleme schmieden, aber mit laufendem Radio im Auto (für 18 Stunden!) einpennen und somit natürlich die Batterie den Weg alles Irdischen gehen lassen.

Es lässt sich schwer in Worte fassen warum - aber Autoren Judd Apatow, Seth Rogen und Evan Goldbergh treffen skriptseitig eigentlich ohne Pause voll ins Schwarze und sorgen so für einen Brüller nach dem Anderen. Die Liste an Fails ist endlos, aber wer würde auch sein Leben vor schießenden Gangstern schützen, wenn er noch seiner Oma im Altenheim die Uhren umstellen muss? Dazu noch das dauerhafte Geschwafel über Gott und die Welt, was einfach verkiffter Schwachsinn ist (den der Redende aber als ultra-philosophisch ansieht), die omnipräsente Homoerotik, die Skurrilität, Überdrehtheit und Wahnsinn und neben dem Dialogwitz auch noch beknackte Gags am laufenden Band machen "Ananas Express" zu einem grandiosen FIlmspaß. Feuer frei.

8,5/10

The Patriot - Der Patriot (Extended Version) (2000)

http://www.imdb.com/title/tt0187393/

South Carolina, 1776. Der Witwer Benjamin Martin (Mel Gibson), ein Veteran des blutigen Feldzugs gegen die Franzosen und die Indianer, lebt mit seinen sieben Kindern zurückgezogen auf seiner Plantage. Mit dem drohenden Krieg gegen die Engländer will der friedfertige Familienvater nichts zu tun haben. Doch als sich Benjamins idealistischer Sohn Gabriel (Heath Ledger) seinem Vater zum Trotz der kontinentalen Armee anschließt und der englische Colonel Tavington (Jason Isaacs) Gabriels jüngeren Bruder Thomas (Gregory Smith) in einem Akt grausamer Willkür erschießt, kann sich auch Benjamin dem Krieg nicht länger entziehen. Gemeinsam mit Gabriel führt er eine tapfere Rebellen-Miliz in den Kampf gegen die übermächtige englische Armee. Dabei entdeckt der Held wider Willen, dass er seine Familie nur beschützen kann, indem auch er für die Freiheit seiner jungen Nation kämpft...

Roland Emmerich versucht sich an einem Historienfilm und obwohl er sich nicht wirklich an auch nur irgendwelche historischen Fakten hält, so ist ihm dennoch ein spannender und gleichzeitig interessanter Film gelungen. Er verknüpft dabei die Ereignisse des Unabhängigkeitskrieges recht geschickt mit einer zusätzlichen fiktiven (und auch berührenden) Familiengeschichte. Meiner Meinung nach fand Emmrich auch irgendwie genau die richtige Mischung, um ebenso eine fesselnde Geschichte zu erschaffen.

Der Cast des Filmes ist dabei tatsächlich gut gewählt: Mel Gibsons tragende Leistung ist mehr als überzeugend. Er spielt die Rolle des Familienvaters ebenso so gut wie die des Soldaten. Er bringt die Gefühle Martins, all die Wut, die Trauer und den persönlichen Schmerz sehr gut zur Geltung. Jason Isaacs zeigt ebenfalls eine sehr starke Leistung als herzloser Brite Tavington. Allein seine bösartigen Mimiken sind grandios! Und Heath Ledger als Benjamins ältester Sohn liefert auch eine solide und glaubwürdige Darstellung ab. Aber die wohl zu Tränen rührendste Szene hat die kleine (damals 8-jährige) Skye McCole Bartusiak, als sie ihrem Vater hinterherruft, er möge nicht gehen. Auch der Soundtrack ist recht gut gelungen, aber natürlich kein Vergleich zu anderen Genrevertretern wie beispielsweise "Gladiator" oder "Braveheart". Dennoch gibt er den richtigen passenden Beigeschmack zur jeweiligen Situation. Wer sich hingegen am durchaus triefenden Patriotismus stören sollte, der sollte einmal ganz genau darüber nachdenken, ob der Titel des Films bei der Vorauswahl zum Ansehen vielleicht schon geholfen haben könnte.

"Der Patriot" ist meiner Meinung nach einer von Emmerichs besseren Filmen. Die (in der "Extended Version" fast 3-stündige und trotzdem nie langweilige) Story weiß bis zum Ende bestens zu unterhalten und hält einige dramatische Momente bereit. Die Schlachten haben Tempo und sind zu keiner Zeit langweilig oder gar zu übertrieben dargestellt. Wer sich für so etwas begeistern kann ist hier definitiv gut aufgehoben. Roland Emmerich hat ein tolles Historien-Epos inszeniert, ein stark gespielter, wuchtiger, packender, emotionaler und auch  blutiger Film.

7,5/10

Quellen
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Sony

Jin líng shí san chai - The Flowers Of War (2011)

http://www.imdb.com/title/tt1410063/

13. September 1937: Die frühere Hauptstadt Chinas, Nanjing, wird zu Beginn des zweiten Chinesisch-japanischen Krieges von japanischen Truppen überrollt, die an der zivilen Bevölkerung ein unbeschreibliches Massaker anrichten. Wie durch ein Wunder bleibt der amerikanische Leichenbestatter und leidenschaftliche Trinker John Miller (Christian Bale) in den Wirren der Invasion unverletzt und rettet sich in eine westliche Kirche. Hierhin findet auch eine Schar traumatisierter Schüler. Um sie zu schützen gibt Miller sich als Priester aus. Die Scharade funktioniert zunächst auch. Doch als 13 Prostituierte unter Führung von Yu Mo (Ni Ni) Zuflucht suchen, spitzt sich die Lage dramatisch zu...

Kriegsfilme scheitern meist an ihren eigenen Ansprüchen, eben den Krieg als die Hölle auf Erden darzustellen. Und wenn nicht Regisseur Yimou Zhang, bekannt für Filme wie "Hero" oder "The House Of Flying Daggers" die Zügel in der Hand gehalten hätte, so wäre auch "The Flowers Of War" sicherlich in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Doch Yimou gibt in seinem Kriegsdrama genug Potenzial, herbe Diskussionen zu entfachen. So bedient er sich mehr als einmal an den typischen Konventionen des Kriegsfilmes, in dem sich die eigenen Landsleute als heldenhaft und für die richtigen Werte kämpfend geben, die gegenerische Partei das Böse darstellt und der Protagonist (fantastisch gespielt von Christian Bale) die unvermeidliche Wandlung vom Tölpel zum Helden wider Willen durchmacht. Sicher, das kennt man aus vielen anderen Filmen, aber hier ist die Entwicklung das Spannende. Besonders da seine Figur an sich nicht so interessant ist, er aber trotzdem so viel daraus macht.

Zudem konnte er sich wohl nicht verkneifen, die Kampfszenen mit stilvollen Zeitlupenaufnahmen zu ergänzen, welche dem Ganzen eine grenzwertige Note verpassen, die sich vom Gefühl her am ehesten mit Vertretern der Filme vergleichen lässt, die unter pompösen Gedudel den getroffenen und fallenden Helden wieder und wieder aus zig-tausend Perspektiven zeigen, was allerdings das Ambiente des Kriegsfilmes als doch sehr zweifelhaft erscheinen lässt. "The Flowers of War" ist teilweise ziemlich blutig und manchesmal muss man schon kurz schlucken. Das ist aber nie nur Effekthascherei. Kritisieren kann man da vielleicht, dass der Film ein paar mal zu sehr in Richtung Action geht.

Dennoch folgt auf jede noch so überinszenierte Szene (und gerade dieser Aspekt hebt den Film doch um Welten gegenüber einigen Mitstreitern des Genres jüngster Jahre ab: gefühlstechnisch versteht es der Regisseur beängstigend genau, gewisse Emotionen beim Zuschauer hervor zu rufen, woran der wunderbare Soundtrack aus der Feder Qigang Chen's nicht ganz unerheblich ist) mindestens eine, welche jedwedes Erstaunen über den Bildersturm (welcher sogar vor diversen Yimou-typischen Farbspielereien nicht zurück hält) im Nu zunichte macht und in einem dicken Kloß im Halse des Zuschauers mündet. So ergibt sich eine eigensinnige Konvergenz aus Schönheit und absolutem Grauen inmitten des Krieges. Doch macht gerade diese Unvereinbarkeit der Dinge den Reiz des Filmes aus. 

Der Film stimmt also durchaus nachdenklich; die die Story ist enorm bewegend, zugleich aber auch äußerst unterhaltsam. Und vor allem optisch ist "The Flowers Of War" purer Genuss, die sagenhaften Bilder und die packende Stimmung machen den Streifen zu einem ganz besonderen Film, den ich ohne Zweifel weiterempfehlen kann. 

7,5/10