Samstag, 26. Mai 2018

May - May: Die Schneiderin des Todes (2002)

https://www.imdb.com/title/tt0303361/

Die unscheinbare und schüchterne May (Angela Bettis) hat eine schwere Kindheit. Sie kämpft schwer mit der Behinderung ihres einen Auges und wird von den anderen Kindern gemieden. Aus dem Besitz ihrer Mutter (Merle Kennedy) bekommt sie schließlich eine Porzellanpuppe geschenkt und die Anweisung, sich stets an dieser Puppe zu orientieren, sie als eine Art Freundin zu betrachten. Das hat große Auswirkung auf die Psyche des jungen Mädchens. Mit Anfang 20 verliebt sie sich dann zum ersten Mal und entwickelt eine Vorliebe für einzelne Köperteile, unter anderem für die schönen Hände von Adam (Jeremy Sisto). Als diese Vorliebe zur Obsession wird, droht allen Beteiligten große Gefahr.

Hinter dem reißerischen (deutschen) Titel "May: Die Schneiderin des Todes" verbirgt sich nicht etwa ein Horror-Slasher, sondern ein melancholisch-grausames Märchen, in dem die tragisch-vereinsamte May (Angela Bettis) im Mittelpunkt steht. Ein sensibel-einfühlsam erzähltes, morbid-humorvolles Außenseiter-Porträt/Drama, verrückt-entrückt-entzückend von Angela Bettis gespielt. In Lucky McKees Debütfilm bekommt die dünne Fassade der Normalität schnell Risse und endet konsequent in einen poesievoll-makaberen Blutrausch. Begleitet von einen coolen Soundtrack wird der Zuschauer mit gestuften Wahnsinn konfrontiert, bleibt aber immer empathisch mit der Hauptperson.

"May" ist kein besonders aufregender oder spektakulärer Film, aber gerade das macht ihn sympathisch. Auf jeden Fall ist die Mischung aus Psychodrama und Horror interessant und das Drehbuch dazu wurde solide geschrieben. Gerade Angela Bettis ist es zu verdanken, dass das so gut funktioniert, denn sie spielt die titelgebende May echt stark. Daneben ist die Figurenzeichnung solide, die Inszenierung passend und die Atmosphäre eigenwillig. Auch wenn in der ersten Stunde nicht sonderlich viel passiert, ist das niemals langweilig und zum Ende hin lässt man dann doch noch etwas die Sau raus. "May" ist nicht frei von Längen, hat aber einen Sinn für guten, schrägen Humor und macht sich so selbst zu einem interessantem Film, den man mal gesehen haben sollte.

7/10

Von NSM Records kommt der Film hierzulande ungeschnitten und in HD auch im auf 222 Stück limitierten und nummerierten Mediabook: