Freitag, 1. Mai 2015

GoodFellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia (1990)

http://www.imdb.com/title/tt0099685/

Jimmy (Robert De Niro) und Tommy (Joe Pesci) können machen, was sie wollen. Sie sind Mitglieder der New Yorker Quartier-Mafia, brauchen auf niemanden Rücksicht zu nehmen und verdienen eine Menge Geld. Henry Hill (Ray Liotta) ist von diesem Leben fasziniert und arbeitet daran, es ebenfalls führen zu können. Er wird in die Mafia aufgenommen und macht Karriere - schon bald organisiert er selbst Banküberfälle. Wer dabei im Weg steht, wird "weggeräumt", umgebracht. Dabei sind Jimmy und vor allem Tommy nicht zimperlich. Sie verstehen ihr Handwerk, einschließlich Mord, und kennen weder Pardon noch Gewissen...

"Goodfellas". Mit diesem Film wendete Martin Scorsese erstmals die Inzenierungsart an, die er später in seinen Filmen "Casino" und noch später in "The Wolf Of Wall Street" aufgegriffen hat: Er erzählt die Geschichte des Auf- und Abstiegs eines Kriminellen. Er betrachtet das Leben eines Jungen, der in berührung mit mafiösen Elementen kommt, dessen Aufstieg und natürlich dessen unweigerlichen Fall. Das Besondere bei Scorsese ist dabei, dass er niemals mit erhobenen Zeigefinger oder einer Überdosis Moral daher kommt, sondern stattdessen dem Zuschauer einen kleinen Streich spielt. Die Erzählstimme des Henry Hill, welcher auf einen echten ehemaligen Gangster basiert, die die Figuren und Ereignisse auf oft witzige Art und Weise erklärt, sorgt dafür dass der Film größtenteil romantisch verklärt über das Leben als Gangster erzählt. Morde sind ein natürlicher Bestandteil und wenn man die Beweise verschwinden lässt ohne Folgen, man bekommt Kohle ohne Ende und so wirkt selbst ein mehrjähriger Gefängnisaufenthalt wie ein Mordsspass (und nützliche Kochtipps bekommt man dabei auch noch). Die einzigen sichtbaren Probleme sind dabei bis zum letzten Drittel nur die Probleme mit der betrogenen Ehefrau. Eben erst im letzten Drittel fängt die "Fantasie"-Welt an zu bröckeln. Doch der gerichtliche Verrat an alten Freunden ist letztendlich auch nur eine Tat, um den eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Die Liebe zum Gangsterleben legt er nicht mehr ab. So bleibt es den Zuschauer überlassen zu urteilen ob so ein Leben erstrebenswert ist.

Basierend auf wahren Begebenheiten erzählt uns Scorsese die Geschichte des Mafioso Henry Hill (Ray Liotta) und zwar über eine unglaubliche Zeitspanne von 30 Jahren. 30 Jahre Schmuggel, Korruption, Glücksspiel, Schutzgelderpressung, Raubüberfälle und Auftragsmorde in den Wirren der Ostküstenmetropole New York und seiner Umgebung. 30 Jahre gebunden an die "Familie", unfähig einem privaten Leben außerhalb des Geschäfts ernsthaft nachzugehen. Diese drei Dekaden in für Genreverhältnisse knackige 146 Minuten zu verpacken, ist alleine schon eine enorme Herausforderung, die Scorsese mit Bravour meistert und uns einen der besten Mafiafilme aller Zeiten auftischt. Seine Art zu inszenieren erinnert stark an „Casino“, den der Altmeister nur fünf Jahre später drehte: Diese ganz eigene Erzählweise aus dem Off mit ihrem langsamen Duktus, die perfekte Kamera und ihre einzigartigen Plansequenzen, die rar gestreuten, aber stets kaltblütigen Gewaltspitzen und nicht zuletzt diese spezielle, humoristische Art und Weise, alltägliche mafiöse Strukturen zu erklären und sie als das Normalste der Welt darzustellen. Selbst wenn sie ab und zu (gerade im Mittelteil) etwas zu dominant vorherrscht, so wird auch die familiäre Seite von Hill, die Beziehung zu seiner Frau und seinen Kindern, glaubwürdig dargestellt.

Ohnehin wird Authentizität in "GoodFellas" ganz groß geschrieben und das liegt nicht nur an der Vorlage für das Drehbuch, sondern auch am Dreigespann der namhaften Hauptprotagonisten, die jeden Filmfan ins Schwärmen kommen lassen. Dass Robert De Niro sich in der Rolle als Mafioso sichtlich wohlfühlt, wissen wir schon längst, Ray Liotta war wohl nie besser. Aber einer spielt sie alle an die Wand: Joe Pesci als Tommy DeVito ist der große Star im Film. Es macht unheimlichen Spaß diesen kleinen, mordenden Giftzwerg, der wegen jeder Kleinigkeit sofort an die Decke geht, zuzuschauen. In "Casino" durfte er eine ganz ähnliche Rolle noch einmal verkörpern; es scheint fast so,als wäre ihm diese Art von Charakter auf den Leib geschneidert und er spielt dank seiner Ausstrahlung und seinem Improvisationstalent auch heir auf allerhöchstem Niveau. Dass Robert De Niro sich in der Rolle als Mafioso sichtlich wohlfühlt, weiß der geneigte zuschauer ja schon längst, aber Ray Liotta als Protagonist Henry Hill war wohl nie besser. An dieser Stelle muss man den Beauftragten des Castings loben, denn der Darsteller des jungen Hill (Christopher Serrone) sieht Ray Liotta unfassbar ähnlich, sodass man glauben könnte, Liotta wäre es selbst - in jungen Jahren.

Das Drehbuch, eines der wenigen in dem sich Scorsese selbst beteiligt hat, liefert witzige Dialoge und Zitate, wobei am besten die Voice Over sind, ganz besonders wenn es um Charakterzüge und Personenbeschreibung geht. Michael Ballhaus, der Kameramann, verewigte sich außerdem mit einem legendären, minutenlangen Tracking-Shot. Auch beim Soundtrack griff Scorsese zu seiner Lieblingsvariante, dem Einsatz von vorhanden Songs. Jeweils passend zum Jahrzehnt der jeweiligen Szene setzte er zeitgenössische Rock 'n Roll- und Pop-Nummern ein. Der Zuschauer erleben hier unter anderem "Gimme Shelter" ("The Rolling Stones") als den Scorsese-Song schlechthin. Den Abspann untermalt Sid Vicious' Cover von "My Way", welcher im genannten Kontext wie die sprichwörtliche Faust auf's Auge passt.

"GoodFellas" ist ohne Umschweife ein kleines Meisterwerk des Filmes und des Gangsterkinos, welches durch seine spannende, interessante Erzählweise und kurzweilige Insenierung einen Kontrast zu den anderen 3 Überfilmen des Gangsterfilmes ("Der Pate", "DerPate II" und "Es war einmal in Amerika"), welche durch Dramatik und ruhige Inszenierung glänzen, und ist ohne Frage einer der besten Filme (wenn auch nicht der Beste), die Scorsese je abgeliefert hat.

9/10

Diese Edition, die mit einem Fotobuch und Produktionsnotitzen, einem "persönlichen Brief" von Martin Scorsese und - ganz wichtig - dem Film mit einem neuen 4k-Scan kommt, repräsentiert aktuell das Nonplusultra für den Film.