Samstag, 3. Oktober 2026

GODZILLA 決戦機動増殖都市 - Gojira: Kessen Kidō Zōshoku Toshi - Godzilla: City On The Edge Of Battle - Godzilla: Eine Stadt am Rande der Schlacht (2018)

https://www.imdb.com/title/tt8015080/
https://letterboxd.com/film/godzilla-city-on-the-edge-of-battle/

Nachdem der Krieg gegen die Monster aussichtslos schien, kehrte die Menschheit - oder was davon übrig blieb - der Erde den Rücken zu. 20.000 Jahre später herrschen die sogenannten "Kaijus" über den blauen Planeten, ihrem Anführer dienend, dem König aller Monster - Godzilla. Als sich eine Gruppe von Menschen auf den Weg zurück auf die Erde macht, um den Planeten zurückzuerobern, müssen die Rückkehrer nicht nur die mächtigste aller Kreaturen bezwingen, sondern auch erkennen, dass sie doch nicht die letzten Menschen sind...

"Godzilla: Eine Stadt am Rande der Schlacht" macht genau dort weiter, wo "Godzilla: Planet der Monster" aufgehört hat: Haruo Sakaki (Mamoru Miyano) und seine Gefährten kämpfen auf der von Godzilla beherrschten Erde ums Überleben. Nach der verheerenden Schlacht stoßen sie auf die Houtua, Nachfahren der Menschen, die vor 20.000 Jahren auf der Erde zurückblieben. Ihre Waffen bestehen aus Nanometall - und damit aus dem Material des längst zerstört geglaubten MechaGodzilla. Die Idee ist eigentlich ziemlich cool. Ausgerechnet MechaGodzilla wird hier nicht einfach als riesiger Roboter präsentiert, sondern als technologisches Relikt, dessen Nanometall über Jahrtausende weiterexistiert. Daraus entwickelt der Film eine ungewöhnliche Mischung aus Kaiju-Film, Science-Fiction und postapokalyptischem Anime. Auch die Houtua bringen etwas mehr Leben in die zuvor ziemlich sterile Welt der Trilogie.

Leider bleibt "Godzilla: Eine Stadt am Rande der Schlacht" trotzdem auffällig langsam. Die Reise zum MechaGodzilla-Komplex wird mit viel Dialog, Erklärungen und philosophischen Diskussionen gefüllt. Manche davon treiben die Geschichte tatsächlich voran, vieles wirkt aber weiterhin wie ausgedehnte Vorbereitung auf den eigentlichen Film. Haruo bekommt immerhin etwas mehr Profil. Sein blinder Hass auf Godzilla wird zunehmend hinterfragt, und seine Beziehungen zu den anderen Figuren gewinnen an Bedeutung. Gerade dadurch wirkt die Geschichte stellenweise persönlicher als der Vorgänger. Gleichzeitig bleiben viele Nebenfiguren weiterhin erstaunlich blass, und auch die Liebesgeschichte zwischen Haruo und Yuko (Kana Hanazawa) entwickelt nicht die emotionale Wirkung, die sich der Film offenbar wünscht. Optisch ist das Ganze wieder eine Mischung aus Licht und Schatten. Die futuristische Erde, die riesigen Ruinen und die gewaltigen Maschinen können durchaus beeindrucken. Die CGI vermittelt außerdem ein gutes Gefühl für die enorme Größe von Godzilla. Bei menschlichen Figuren zeigen sich dagegen weiterhin steife Bewegungen und teilweise wenig ausdrucksstarke Gesichter. Selbst Godzilla bewegt sich relativ wenig – was zwar zu seiner Darstellung als nahezu unbewegliche Naturgewalt passen kann, aber nicht immer spektakulär aussieht.

Und genau das ist für einen Godzilla-Film ein Problem: Godzilla ist viel zu selten der eigentliche Star. Die Monster-Action wird zugunsten von Strategie, Technologie und Worldbuilding zurückgefahren. Wenn der Film endlich richtig loslegt, funktioniert das Geschehen deutlich besser. Die Vulture-Mechs, Nanometall-Technologie und die Auseinandersetzung mit Godzilla liefern einige schöne Science-Fiction-Ideen, aber über weite Strecken wartet man doch darauf, dass aus dem interessanten Konzept endlich ein großer Kaiju-Film wird. Dafür hat die Geschichte einen interessanten düsteren Grundton. Die Menschheit versucht nicht einfach, einen Monsterangriff abzuwehren, sondern ihre verlorene Heimat zurückzugewinnen. Gleichzeitig wird die Frage gestellt, ob die Menschen überhaupt noch in diese veränderte Erde gehören. Das gibt dem Film mehr thematische Tiefe als einem gewöhnlichen Monsterkampf, macht ihn aber auch ziemlich schwerfällig. Kritiker waren deshalb geteilter Meinung: Während manche das Worldbuilding und die stärkere Charakterorientierung lobten, kritisierten andere gerade die Ernsthaftigkeit, das fehlende Vergnügen und den Mangel an spektakulärer Kaiju-Action. Als Mittelteil einer Trilogie funktioniert der Film letztlich besser als als eigenständiges Abenteuer. Er erweitert die Welt sinnvoll, führt MechaGodzilla als zentrale Idee ein und bereitet das große Finale vor. Gleichzeitig merkt man ihm ständig an, dass er genau das tut: Er bereitet vor. Eine abgeschlossene Geschichte mit einem wirklich befriedigenden Höhepunkt bekommt man hier nicht.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Polygon Pictures/TOHO

GODZILLA 怪獣惑星 - Gojira: Kaijū Wakusei - Godzilla: Planet Of The Monsters - Godzilla: Planet der Monster (2017)

https://www.imdb.com/title/tt5979874/
https://letterboxd.com/film/godzilla-planet-of-the-monsters/

Im letzten Sommer des 20. Jahrhunderts wurde die Menschheit mit einer gänzlich neuen Bedrohung konfrontiert: Riesige Monster, „Kaiju“ genannt, tauchten plötzlich auf und begannen unter der Führung von Godzilla den Planeten in Schutt und Asche zu legen. Die Menschen versuchten vergeblich, gegen die neue Übermacht anzukämpfen, aber 2048 müssen sie sich ihre Niederlage eingestehen – die Erde wird nun von den Monstern beherrscht. Deswegen planen sie, ein neues Zuhause im Weltall zu suchen und eine Gruppe Auserwählter, zu denen auch Haruo Sakaki (Stimme im Original: Mamoru Miyano) gehört, macht sich auf zu dieser verantwortungsvollen Mission. Als sich der Zielplanet als Reinfall entpuppt, bleibt nur noch eine Möglichkeit: Godzilla mit allen Mitteln zu bekämpfen und so die Kontrolle über die Erde zurückzuerlangen. Für Haruo eine Herzensangelegenheit - schließlich wurden seine Eltern von der Riesenechse getötet und nun sinnt er auf Rache…

Mit "Godzilla: Planet der Monster" wagt sich das japanische Monster-Urgestein erstmals in einen vollständig computeranimierten Spielfilm - und verlegt die Handlung gleich 20.000 Jahre in die Zukunft. Nachdem Godzilla und andere Kaiju die Erde verwüstet haben, flieht die Menschheit ins All. Als sich der vermeintliche Zufluchtsort als unbewohnbar erweist, kehren die Überlebenden unter Führung des verbissenen Haruo Sakaki (Mamoru Miyano) zur Erde zurück. Dort wartet allerdings keine vertraute Heimat mehr, sondern ein völlig neuer Planet, an dessen Spitze Godzilla steht. Die Grundidee ist tatsächlich reizvoll. Statt Godzilla erneut in einer modernen Großstadt wüten zu lassen, entwirft der Film eine postapokalyptische Science-Fiction-Welt mit interstellaren Reisen, fremden Spezies und einer Erde, die sich über Jahrtausende völlig verändert hat. Besonders die Vorstellung, dass die Natur nach dem Verschwinden der Menschen ein neues Gleichgewicht entwickelt hat, verleiht dem Film einen interessanten ökologischen Unterton.

Leider bleibt vieles davon an der Oberfläche. Das Drehbuch von Gen Urobuchi liefert zwar zahlreiche große Konzepte, verliert sich aber häufig in technischen Erklärungen, politischen Diskussionen und militärischen Planungen. Die Figuren wirken dagegen erstaunlich blass. Haruo ist als von Rache getriebener Held zunächst nachvollziehbar, wird durch seine kompromisslose Art aber schnell anstrengend. Die Nebenfiguren bleiben meist auf ihre Funktion innerhalb der Handlung reduziert, weshalb der emotionale Einsatz der Menschheit um ihre Rückkehr zur Erde nur begrenzt mitreißt. Optisch ist der Film durchaus interessant, aber nicht durchgehend überzeugend. Die 3D-CGI-Animation ermöglicht beeindruckende Größenverhältnisse und verleiht Godzilla eine gewaltige, fast naturkatastrophale Präsenz. Gerade die Kämpfe und die Darstellung des riesigen Godzilla Earth gehören zu den stärkeren Momenten. Gleichzeitig wirken Bewegungen und Gesichter teilweise steif, während die Figuren in manchen Szenen eher wie Spielfiguren aus einem Videospiel aussehen. Die technische Umsetzung ist ambitioniert, erreicht aber nicht immer die Ausdruckskraft klassischer 2D-Animation.

Wenn Godzilla schließlich ins Geschehen eingreift, funktioniert der Film am besten. Seine schiere Größe, die wuchtigen Attacken und die bedrohliche Präsenz vermitteln zumindest ansatzweise das Gefühl, es mit einer nahezu unbezwingbaren Naturgewalt zu tun zu haben. Allerdings wird Godzilla über weite Strecken eher als fernes strategisches Ziel behandelt denn als ständig präsente Bedrohung. Wer vor allem spektakuläre Monster-Action erwartet, muss sich deshalb in Geduld üben. Auch die Inszenierung schwankt zwischen atmosphärischer Science-Fiction und recht trockener Exposition. Die fremdartige Erde, die Ruinen und die riesigen Landschaften erzeugen gelegentlich starke Bilder. Dazwischen stehen jedoch lange Dialogpassagen, militärische Besprechungen und Erklärungen, die den Erzählfluss immer wieder ausbremsen. Der Film fühlt sich dadurch eher wie der Auftakt einer größeren Geschichte an als wie ein in sich vollständig befriedigendes Abenteuer.

Trotzdem ist "Godzilla: Planet der Monster" kein völlig misslungener Neustart. Die Verlegung in die Zukunft, die neue Interpretation Godzillas und die Verbindung aus Kaiju-Film und Weltraumoper zeigen Mut. Auch die Musik von Takayuki Hattori unterstützt die epische Dimension des Geschehens. Nur gelingt es dem Film nicht, seine interessante Welt mit entsprechend starken Charakteren und einer konstant packenden Dramaturgie zu verbinden.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Polygon Pictures/TOHO

Digger (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt31450459/
https://letterboxd.com/film/digger-2026/

Der in die Jahre gekommene, verschrobene, milliardenschwere Erdölmagnat Digger Rockwell (Tom Cruise) hat durch seine skrupellosen Geschäftstaktiken eine Umweltkatastrophe verursacht, die unter anderem das ewige Eis der Polarkappen schmelzen lässt und Tsunamis verursacht, die wiederum Atomkraftwerke beschädigen. Nun steht die Menschheit kurz vor dem Aus, die Welt versinkt im Chaos, alle bereiten sich schon auf die kurz bevorstehende Apokalypse vor, einzelne Nationen bringen Truppen in Stellung. Nun verlangt der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika (John Goodman) von Digger Rockwell, die Suppe, die er allen eingebrockt hat, selbst auszulöffeln und den Planeten zu retten. Dieser nimmt die Herausforderung an, denn als Egomane käme es ihm ganz recht, als großer Retter der Menschheit dazustehen.

"Digger" ist alles andere als der typische Tom-Cruise-Film. Regisseur Alejandro González Iñárritu schickt den Superstar als exzentrischen Öl-Milliardär Digger Rockwell in eine absurde Weltuntergangssatire: Nachdem eine von Rockwells Unternehmungen eine globale Umweltkatastrophe ausgelöst hat, versucht ausgerechnet der Verantwortliche, sich zum Retter der Menschheit aufzuschwingen. Damit verbindet Iñárritu schwarze Komödie, Gesellschaftssatire und Katastrophenfilm zu einem ziemlich wilden Genre-Mix. Tom Cruise geht dabei sichtbar ins Risiko. Mit Bauch, Perücke, Prothesen und stark veränderter Stimme hat er mit seinem üblichen Leinwandimage kaum noch etwas gemeinsam. Entscheidend ist aber, dass die Verwandlung nicht bloß ein Gimmick bleibt: Cruise spielt Rockwell als selbstverliebten, größenwahnsinnigen und gleichzeitig erstaunlich verletzlichen Mann. Gerade diese ungewöhnliche Performance gehört zu den am häufigsten gelobten Elementen des Films.

Auch die Nebenrollen sind stark besetzt. Riz Ahmed, John Goodman, Sandra Hüller, Jesse Plemons und Sophie Wilde bekommen neben Cruise genügend Raum, wobei besonders Ahmed und Goodman für einen nachhaltigen Eindruck sorgen. Allerdings hat der Film ein grundsätzliches Problem mit seiner Figurenzeichnung: Viele Charaktere funktionieren eher als satirische Typen denn als wirklich ausgearbeitete Menschen. Das passt zum absurden Ansatz, kostet der Geschichte aber emotionale Tiefe. Visuell ist "Digger" dagegen eine Wucht. Emmanuel Lubezki fotografierte den Film komplett in VistaVision und entwickelt gemeinsam mit Iñárritu eine ungewöhnlich opulente, teilweise groteske Bildsprache. Produktionsdesign, Kostüme, Masken und Kameraarbeit sind ausgesprochen aufwendig und unterstreichen den surrealen Charakter der Geschichte. 


"Digger" ist ein gutes Beispiel für einen Film, bei dem die Ambition zugleich seine größte Stärke und Schwäche ist: Tom Cruise liefert eine ungewöhnlich exzentrische Performance, Iñárritu inszeniert visuell extrem eigenwillig - doch Satire, Komödie und Weltuntergangsdrama finden nicht immer zu einer überzeugenden Einheit. 

Inhaltlich zielt Iñárritu deutlich auf Themen wie Macht, Gier, Verantwortung und Umweltzerstörung. Rockwell verkörpert dabei einen Menschen, der die Katastrophe zunächst selbst verursacht und anschließend unbedingt beweisen möchte, dass nur er sie wieder beseitigen kann. Das ist als Satire durchaus reizvoll, wird allerdings teilweise sehr plakativ präsentiert. Der Film vertraut seinem Publikum nicht immer genug und erklärt manche seiner Aussagen lieber noch einmal, anstatt sie aus den Figuren und Situationen heraus wirken zu lassen. Das größte Problem ist deshalb der Ton. "Digger" möchte gleichzeitig absurd komisch, politisch bissig, emotional, apokalyptisch und philosophisch sein. Einzelne Szenen funktionieren hervorragend, andere wirken dagegen merkwürdig deplatziert oder schlicht nicht besonders lustig. Auch die Dramaturgie ist bewusst unberechenbar und nimmt einige sehr eigenwillige Abzweigungen. Das macht den Film interessant, verhindert aber ebenso einen wirklich runden Erzählfluss. 

Und trotz seiner Schwächen ist gerade dieser Mut bemerkenswert. Nach Jahren, in denen Tom Cruise vor allem mit spektakulärem Blockbusterkino verbunden wurde, liefert er hier eine ausgesprochen schräge Charakterrolle. Und Iñárritu geht nicht den sicheren Weg, sondern versucht, aus einem potenziellen Hollywood-Starvehikel etwas deutlich Eigenständigeres zu machen. Nicht jede Idee sitzt, aber "Digger" ist zumindest niemals langweilig oder beliebig. Am Ende bleibt eine visuell beeindruckende, hervorragend gespielte und angenehm riskante Satire, die ihre großen Ideen nicht immer elegant zusammenbekommt. "Digger" ist manchmal zu laut, zu bemüht und zu eigenwillig - gleichzeitig aber genau deshalb interessanter als ein weiterer glattpolierter Katastrophen-Blockbuster.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Warner Bros. Pictures/Legendary Pictures/TC Productions/M Productions/Domain Entertainment

Not Without My Daughter - Nicht ohne meine Tochter (1991)

https://www.imdb.com/de/title/tt0102555/
https://letterboxd.com/film/not-without-my-daughter/

Eigentlich führt die Amerikanerin Betty Mahmoody (Sally Field) in den USA eine glückliche Ehe mit dem Iraner Moody (Alfred Molina). Aber als die junge Familie, zu der auch Tochter Mahtab (Sheila Rosenthal) gehört, in den Iran zu Moodys Verwandten reist, kippt die Stimmung. Ohne seine Frau oder Tochter zu informieren, hat Moody seinen Job als Arzt in einem amerikanischen Krankenhaus gekündigt. Denn die Reise war längst als dauerhafte Rückkehr in den Iran geplant, zu der Betty niemals bereit gewesen wäre. Nach der Ankunft in Moodys arabischer Heimat setzt er seine Frau unter Druck und will si dazu bringen, dem iranischen Frauenbild entsprechend zu leben. Sie soll ihn als unumstrittenes Oberhaupt anerkennen. Da Betty ihre Tochter Mahtab nicht zurücklassen will, reist sie nicht einfach aus, sondern geht zum Schein auf Moodys Forderungen ein. Insgeheim plant sie aber eine Flucht mit Mahtab, um nicht nur sich, sondern auch ihre Tochter aus der Unterdrückung zu befreien...

"Nicht ohne meine Tochter" ist ein Film, der auch mehr als 30 Jahre später noch erstaunlich funktioniert und beklemmend wirkt - auch wenn der Film damals wie heute sehr klischeehafte, pauschalisierende und anti-islamische, ja, sogar rassistische Haltungen einnimmt. Ich würde den Film hier bewusst auch in seinem historischen Kontext betrachten. Sally Field spielt hier Betty Mahmoody, eine amerikanische Mutter, die mit ihrem iranischen Mann Moody (Alfred Molina) und der gemeinsamen Tochter für einen vermeintlich kurzen Familienbesuch in den Iran reist. Dort eröffnet ihr Moody plötzlich, dass sie bleiben werden - und aus der Reise wird ein Kampf um Freiheit und die gemeinsame Tochter. Brian Gilbert inszeniert das zunächst fast wie ein Familiendrama, bevor sich die Geschichte immer stärker zum Flucht- und Überlebensthriller entwickelt. Gerade dieser langsame Übergang funktioniert hervorragend. Aus alltäglichen Situationen werden zunehmend Bedrohungen, während Betty merkt, dass sie kaum noch Kontrolle über ihr eigenes Leben besitzt. Der Film baut die Spannung dabei weniger über Action als über die ständig wachsende Ausweglosigkeit auf. 

Sally Field spielt Betty nicht als unerschrockene Actionheldin, sondern als verängstigte Frau, die Schritt für Schritt lernen muss, sich gegen ihre Situation zu behaupten. Gerade die Mischung aus Angst, Wut und Entschlossenheit trägt den Film. Alfred Molina ist als Moody ebenfalls stark, wobei seine Figur zunehmend zum klassischen Antagonisten gezeichnet wird. Die kleine Sheila Rosenthal als Tochter Mahtob sorgt zusätzlich für eine emotionale Dimension, weil Bettys Flucht dadurch nicht nur der eigenen Freiheit, sondern auch dem Schutz ihres Kindes gilt. Handwerklich ist das Ganze eher solides 90er-Jahre-Kino als große Filmkunst. Die Bilder sind funktional, Jerry Goldsmiths Musik unterstützt die Spannung wirkungsvoll und die Inszenierung findet besonders in den Fluchtszenen einen guten Rhythmus. Gleichzeitig wirkt manches heute ziemlich plakativ und melodramatisch. Der Film möchte seine Zuschauer emotional packen - und scheut sich dabei nicht vor deutlichen Gesten und sehr klaren Gut-und-Böse-Zuordnungen. Genau hier liegt auch das größte Problem. "Nicht ohne meine Tochter" erzählt konsequent aus Bettys Perspektive, aber dadurch entsteht ein ausgesprochen einseitiges Bild des Iran und seiner muslimischen Bevölkerung. Die emotionale Wirkung passt, jedoch wird praktisch keine muslimische Figur positiv dargestellt. Das ist für mich mehr als nur eine historische Randnotiz. Der persönliche Erfahrungsbericht von Betty Mahmoody bildet zwar die Grundlage der Geschichte, doch die Verfilmung macht daraus teilweise ein sehr schematisches Bild einer fremden Kultur. Selbst Figuren, die Betty helfen, erscheinen eher als Ausnahmen innerhalb einer grundsätzlich feindselig dargestellten Gesellschaft. 

Trotzdem würde ich dem Film nicht absprechen, dass er als Thriller funktioniert. Gerade die klaustrophobische Atmosphäre, Bettys zunehmende Isolation und die Angst um ihre Tochter entwickeln eine enorme Sogwirkung. Die eigentliche Flucht wird dadurch zum spannendsten Teil des Films. Gleichzeitig ist "Nicht ohne meine Tochter" emotional ziemlich manipulativ und moralisch wesentlich einfacher gestrickt, als sein realer Hintergrund vermuten lässt.  Er ist ohne Zweifel ein wirkungsvoller, hervorragend gespielter und stellenweise richtig spannender Fluchtthriller, dessen emotionale Wirkung bis heute funktioniert. Gleichzeitig ist die Darstellung des Iran und des Islam so einseitig, dass der Film seine eigene Geschichte unnötig vereinfacht. Ein zwiespältiger, aber durchaus packender 90er-Jahre-Thriller.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Ufland/MGM-Pathé Communications/Metro-Goldwyn-Mayer

Backwood Madness - Trolls Rising (2025)

https://www.imdb.com/title/tt5159720/
https://letterboxd.com/film/backwood-madness/

Während des Zweiten Weltkriegs stoßen finnische Soldaten in den Wäldern auf ein Volk mystischer Waldwesen und töten mehrere von ihnen. Jahrzehnte später kehrt die Vergangenheit zurück: Ein geheimnisvolles Mischwesen macht sich auf, das Gleichgewicht zwischen Menschen und Kreaturen wiederherzustellen. Doch zwischen Menschen, Trollen und anderen Wesen entbrennt ein blutiger Kampf, der tief in den finnischen Wäldern seine Spuren hinterlässt...

"Backwood Madness" ist definitiv kein Film, dem es an Ideen mangelt. Finnische Soldaten töten während des Zweiten Weltkriegs Angehörige des Troll-Volkes und lösen damit einen blutigen Rachefeldzug aus. Jahre später versucht ein Mischwesen, das Gleichgewicht zwischen Menschen und Waldwesen wiederherzustellen. Daraus macht Ari Savonen eine Mischung aus Folk Horror, Fantasy, Kriegsfilm und Splatter. Doch die nichtlineare Struktur mit mehreren Zeitebenen sorgt weniger für Spannung als für Verwirrung. Figuren, Beziehungen und Motivationen werden nur unzureichend eingeführt, sodass man gerade zu Beginn Mühe hat, überhaupt zu verstehen, wer hier gegen wen kämpft und warum. Selbst wenn sich später einige Zusammenhänge klären, bleibt die Geschichte unnötig zerfasert. Dabei steckt in der Grundidee durchaus Potenzial. Die Verbindung von Krieg, Naturzerstörung und der Rache der Waldwesen lässt sich problemlos als ökologische Allegorie lesen. Der Film interessiert sich aber deutlich mehr für Blut und Monster als für die interessanten Themen dahinter. Dialoge und Figuren bleiben entsprechend oberflächlich.

Wo "Backwood Madness" wirklich punkten kann, ist die handgemachte Effektarbeit. Die unterschiedlichen Trolle und Goblins sehen teilweise richtig stark aus, und gerade die Masken und praktischen Gore-Effekte vermitteln angenehm viel B-Movie-Charme. Auch die finnischen Waldlandschaften funktionieren hervorragend als Kulisse. Dazu kommt ein atmosphärischer Score, der dem ansonsten ziemlich chaotischen Geschehen zumindest gelegentlich Gewicht verleiht. Leider reicht das nicht für einen funktionierenden Film. Die Inszenierung wirkt häufig amateurhaft, das Schauspiel bleibt wechselhaft und die zahlreichen Zeitsprünge machen die ohnehin dünne Handlung noch schwerer zugänglich. Gerade bei einem Film, der über zehn Jahre hinweg produziert wurde, ist das Ergebnis technisch in einzelnen Bereichen erstaunlich, als geschlossenes Werk aber deutlich unausgereift und funktioniert für mich nur sehr eingeschränkt. 

3/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: SF Media Oy/Bright Fame Pictures

New Life (2023)

https://www.imdb.com/de/title/tt18973958/
https://letterboxd.com/film/new-life-2023-1/

Jessica Murdock (Hayley Erin) ist untergetaucht und auf der Flucht. Das FBI ist gewillt, die junge Frau endlich in Handschellen zu legen und schickt deshalb die mit allen Wassern gewaschene Spezialagentin Elsa Gray (Sonya Walger) in die Spur. Doch Elsa kämpft nicht nur gegen Jessicas Ausdauer, sondern auch gegen den eigenen Körper. Denn der arbeitet mit einer unheilbaren Krankheit gegen sie. Das FBI weiß davon nichts, doch Elsa kann dadurch immer schlechter ihren Job machen. Außerdem kann sie sich schon bald, je näher sie Jessica kommt, nicht mehr sicher sein, wirklich auf der Seite von Recht und Ordnung zu stehen…

John Rosmans "New Life" beginnt als rätselhafter Verfolgungsthriller: Jessica (Hayley Erin) ist auf der Flucht, während FBI-Agentin Elsa Gray (Sonya Walger) ihre Spur aufnimmt. Erst nach und nach wird klar, dass hinter der Jagd eine gefährliche Infektion steckt. Aus dem Thriller entwickelt sich so eine Mischung aus Seuchenhorror, Body Horror und persönlichem Drama. Die beiden Hauptdarstellerinnen Hayley Erin und Sonya Walger verleihen ihren Figuren trotz der teilweise etwas konstruierten Handlung glaubwürdige Emotionen. Besonders gelungen ist, dass der Film die drohende Katastrophe nicht über große Action, sondern über die persönlichen Schicksale seiner Figuren vermittelt. Auch der handgemachte Body Horror sorgt für einige unangenehme und durchaus effektive Momente.

Leider ist "New Life" erzählerisch nicht ganz so stark wie seine Ausgangsidee. Der Film hält seine Informationen lange zurück, wodurch die Spannung nicht immer wächst, sondern stellenweise einfach ins Stocken gerät. Die Hintergründe der Epidemie und des FBI-Einsatzes bleiben zudem teilweise zu vage. Was zunächst wie bewusstes Mystery wirkt, erscheint später gelegentlich eher wie eine dünne Drehbucherklärung. Atmosphäre und Inszenierung profitieren dagegen vom kleinen Budget: ländliche Schauplätze, zurückhaltende Kameraarbeit und eine insgesamt nüchterne Optik passen gut zum minimalistischen Ansatz. Gerade dadurch wirkt die drohende Katastrophe stellenweise angenehm realistisch. Ein sicher interessantes Genredebüt mit guten Darstellerinnen, einigen starken Body-Horror-Momenten und einer gelungenen Mischung aus Thriller und Seuchenfilm. Allerdings bremsen das gemächliche Tempo, einige konstruiert wirkende Handlungselemente und die etwas unbefriedigende Auflösung den Film deutlich aus. 

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Great Lakes Vacuum Supplies Unlimited/American Storyworks

El Convento - The Convent - Der Konvent: Im Namen des Teufels

https://www.imdb.com/de/title/tt29259211/
https://letterboxd.com/film/the-convent-2026/

1750: Eine Gruppe Nonnen lebt innerhalb der eigentlich so sicher und ruhig erscheinenden Mauern eines katholischen Klosters in der spanischen Provinz. Doch dann verfällt die Oberin Schwester Águeda (Ana Álvarez) während einer Messe plötzlich in eine religiöse Ekstase. Die Frau weint unablässig blutige Tränen und gewinnt damit große Aufmerksamkeit bei den Gläubigen der Gegend, die schnell von einem Wunder sprechen. Inspiriert von Águeda treffen zwei junge Novizinnen ein, um sich in ihren und den Dienst Gottes zu stellen. Es dauert nicht lange, da wirbeln die Neuankömmlinge den klösterlichen Alltag mächtig auf. Während Lucía (María Mercado) ganz und gar Águeda verfallen ist, beäugt Ana María (Nahia Bergasa) deren Treiben ungleich skeptischer und vermutet einen sinistren Hintergrund. Sie denkt, dass hinter dem Deckmantel des Glaubens dunkle Mächte am Werk sein könnten...

Der übernatürliche Horrorfilm ist inspiriert von Ereignissen, die sich Mitte des 18. Jahrhunderts in einem Konvent im spanischen Corella (gelegen im äußersten Südwesten der heutigen autonomen Gemeinschaft Navarra) zugetragen haben sollen. Der Film von Luis Galindo und Ángel M. Chivite greift die Geschichte der satanischen Nonnen von Corella auf und verbindet sie mit klassischem religiösem Horror. Das Problem: Aus diesem wirklich interessanten Stoff macht der Film erstaunlich wenig. Lucía (María Mercado) und Ana María (Nahia Bergasa) kommen aus unterschiedlichen Gründen in das abgelegene Kloster. Während Lucía von Schwester Águeda (Ana Álvarez), der geheimnisvollen Oberin, und deren vermeintlichen Wundern fasziniert ist, bleibt Ana María skeptischer. Genau dieser Gegensatz ist eigentlich eine hervorragende Ausgangslage. Glaube trifft auf Zweifel, mystische Erfüllung auf blankes Überleben. Leider braucht "Der Konvent" ziemlich lange, um überhaupt in Gang zu kommen. Die erste Hälfte setzt vor allem auf Alltag, religiöse Rituale und die bedrückende Atmosphäre des Klosters. Das ist grundsätzlich nicht schlecht - im Gegenteil: Die Zurückhaltung hätte zu einem richtig schön langsamen, psychologischen Horrorfilm führen können. Nur fehlt es an Spannung. Statt einer stetig wachsenden Bedrohung bekommt man über weite Strecken vor allem sehr viel Warten. Dabei sieht das Ganze durchaus ordentlich aus. Die alten Gemäuer, engen Gänge, Kerzen, religiösen Symbole und das Spiel mit Licht und Schatten schaffen eine passende, klaustrophobische Atmosphäre. Kameramann Íñigo Hualde holt aus den begrenzten Schauplätzen einiges heraus. Gerade deshalb ist es schade, dass die Inszenierung diese visuelle Grundlage nur selten für wirklich starke Schreckmomente nutzt. 

Auch die Darstellerinnen können nicht wirklich dafür sorgen, dass das Drehbuch seine Schwächen kaschiert. Ana Álvarez ist als Schwester Águeda zweifellos die auffälligste Erscheinung und verleiht der Oberin eine interessante Mischung aus Frömmigkeit und Unberechenbarkeit. María Mercado und Nahia Bergasa machen als gegensätzliche junge Frauen ebenfalls einen ordentlichen Job. Gerade ihre Figurenbeziehung hätte aber wesentlich mehr Tiefe vertragen können. Die beiden sind eher Funktionen der Handlung als wirklich komplex ausgearbeitete Charaktere. Und dann kommt das Drehbuch. Je näher "Der Kovent" seinem Finale kommt, desto mehr verabschiedet sich der Film von seinem zuvor halbwegs kontrollierten Ton. Aus dem historischen Psychothriller wird zunehmend ein sehr konventioneller Dämonenhorror, der seine Geschichte mit immer drastischeren Ideen zu Ende bringen möchte. Der finale Twist soll offenbar alles noch einmal herumreißen, wirkt aber eher wie ein hektischer Versuch, die zuvor ziemlich zähe Handlung mit einem großen Knall abzuschließen. Ohne zu spoilern: Für mich funktioniert das weder als Überraschung noch als wirklich befriedigende Auflösung. Besonders ärgerlich ist das, weil die reale Vorlage wesentlich interessanter ist. Die sogenannten satanischen Nonnen von Corella waren im 18. Jahrhundert tatsächlich Gegenstand eines Inquisitionsverfahrens. Der Film nimmt diesen historischen Hintergrund allerdings eher als Sprungbrett für seine Horrorstory, statt sich intensiver mit den damaligen gesellschaftlichen, religiösen und psychologischen Umständen auseinanderzusetzen. Eine historische Aufarbeitung wäre hier mindestens genauso spannend gewesen wie die übernatürliche Variante. 

Das macht "Der Kovent" letztlich zu einem Film mit einer besseren Idee als deren Umsetzung. Die Atmosphäre stimmt teilweise, die Schauplätze passen hervorragend und gerade die ersten Ansätze zwischen Glauben, Zweifel und religiösem Fanatismus machen neugierig. Aber das Tempo ist zu gemächlich, die Figuren bleiben blass und der Horror entwickelt zu wenig Wirkung. Wenn dann ausgerechnet das Finale völlig überzieht, ist das vorhandene Potenzial endgültig verschenkt. Damit hätte "Der Konvent" mit seinem historischen Hintergrund und dem abgeschotteten Klostersetting durchaus ein atmosphärischer, psychologisch interessanter Horrorfilm werden können. Stattdessen bekommt man einen stellenweise hübsch fotografierten, aber spannungsarmen Genrebeitrag, der seine interessantesten Ideen nicht konsequent verfolgt und sich zum Ende hin immer stärker in vorhersehbaren Horror-Klischees verliert. 

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Elcon Films/Mother Superior/teleaut produzione/El Sueño Eterno Pictures