Sonntag, 5. Februar 2017

Bridge To Terabithia - Brücke nach Terabithia (2007)

http://www.imdb.com/title/tt0398808/

Beim Wettrennen kann es niemand in der Klasse mit Jess (Josh Hutcherson) aufnehmen, ansonsten aber hat der arme Bauernjunge einen schweren Stand unter seinen Schulkameraden. Dann muss er auch noch im Wettlaufen eine Schlappe hinnehmen - die neu zugezogene Leslie (AnnaSophia Robb) ist schneller als er. Doch schnell entpuppt sich das Mädchen als wahrer Glücksfall für Jess. Beide haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen und könnten einen besten Freund gut gebrauchen. Von nun an flüchten die zwei jeden Nachmittag vor den Eltern, der Schule und gemeinen Achtklässlern in das geheimnisvolle Fantasiereich Terabithia, das hinter ihren Häusern im Wald verborgen liegt, und kämpfen gegen gefährliche Rieseneichhörnchen und schwarze Schatten...

"Brücke nach Terabithia" hat vom Studio Walden Media ein hundsmiserables Marketing bekommen. Wollte man dem Zuschauer den Film doch als ein weiteres Fantasyspektakel á la "Die Chroniken von Narnia" verkaufen - und dabei ist der Film doch weit davon entfernt, so viel mehr und hat wesentlich besseres zu bieten hat als nur das. "Brücke nach Terabithia" ist ein sensibles, glaubwürdiges und berührendes und bewegendes Kinder-/Jugendrama, dessen Fantasyelemente zwar einen Kernpunkt bilden, dass Geschehen des Films aber niemals dominieren und nur punktuell eingesetzt werden um die Fantasiewelt die sich die Kinder hier zusammenerfinden für den Zuschauer nachvollziehbar und verständlich zu visualisieren. Dadurch ist der Film auch eine kleine Ode an die (kindliche) Fantasie. Der Film dreht sich aber nicht alleinig darum. Primär geht es um die wunderbare Freundschaft zweier Außenseiter die aus zwei völlig unterschiedlichen Welten kommen und doch so viel gemeinsam haben.

Jess, der aus eher ärmlichen Verhältnissen stammt, dessen Familie im Grunde täglich um Geld und ihre Existenz kämpft und von der Jess sehr vernachlässigt wird. Als wäre dieser Umstand für ihn nicht schon schlimm genug ist er in der Schule ein Einzelgänger und wird von seinen Mitschülern gehänselt und gemobbt. Auf der anderen Seite ist Leslie die aus gutem Elternhaus stammt, fürsorgliche und erfolgreiche Eltern hat, aber aufgrund ihrer immer fröhlichen und positiven und somit speziellen Art als auch ihrer überschäumenden Fantasie genauso ein Außenseiterdasein fristet wie Jess. Sie freunden sich an und erschaffen sich in einem Waldstück ihr eigenes, imaginäres Fantasierreich das sie Terabithia nennen, in dem sie viele aufregende Abenteuer erleben und ihre Ängste und Sorgen des Alltags vergessen.

Ein ganz großes Lob muss man hier einmal den Jungschauspielern aussprechen. Sind Kinderdarsteller oft eher nervig, sind sie hier das Salz in der Suppe. AnnaSophia Robb und Josh Hutcherson spielen ihre schwierigen Rollen glaubwürdig und absolut fabelhaft und man fühlt und fiebert mit ihnen und freut sich sogar richtig über ihre Freundschaft zueinander. Aber auch die andren Darsteller spielen allesamt toll. Vor allem Robert Patrick überrascht mit seiner Darstellung als ständig gestresster/besorgter und strenger Vater von Jess mit einer sensiblen und subtilen Darstellung, die man ihm so vielleicht gar nicht zugetraut hätte. Aber auch Zooey Deschanel als Lehrerin Mrs. Edmunds bringt mit ihrem Charme und ihrer Art ein gutes Feeling herüber.

Die punktuell eingestreuten CGI-Effekte sind vielleicht jetzt nicht mehr so ganz auf der Höhe der zeit, vielleicht sind diese auch dem Budget geschuldet, aber sie überzeugen dennoch, sind im Großen und Ganzen ordentlich gemacht und erfüllen ihren Zweck, das Land Terabithia zum Leben zu erwecken und gut zu visualisieren. Die Fantasyanteil ist es aber auch nicht was den Film stark macht. Es ist wie in dem Film mit den Stolpersteinen zum Erwachsenwerden umgegangen und das Thema Verlust behandelt wird - und wie man als Kind so eine Situation verarbeitet. Dies geschieht nicht unnötig kitschig, es geschieht glaubwürdig und äusserst bewegend und kann in der letzten halben Stunde auch jedem noch so großen Gefühlskrüppel die eine oder andere Träne entlocken. Auch das jeder sein Kreuz im Leben irgendwie zu schleppen hat wie z.B. der Rowdy aus der 8. Klasse, welche unter einem prügelnden Vater leidet, wurde gut transportiert.

"Brücke nach Terabithia" ist ein schöner und bewegender Film mit dem (abgesehen vom Marketing) selbst die Autorin des zugrundeliegenden Kinderbuches sehr zufrieden sein soll, weshalb davon auszugehen ist, das dessen Adaptierung auch recht adäquat ausgefallen ist. Hätte man den Film nicht so mies vermarktet und den Leuten etwas anderes suggeriert und den Film einfach als das beworben was er ist - er wäre weitaus erfolgreicher im Kino gelaufen. "Brücke nach Terabithia" ist ein absolut sehenswerter Film den man zwar den ganz Kleinen (ungeachtet der Freigabe "ohne Altersbeschränkung") vielleicht aufgrund der unerwartet schockierenden und traurigen zweiten Hälfte jetzt noch nicht zumuten würde, aber allen anderen bedenkenlos empfehlen kann, wenn sie mal wieder ein ernstzunehmendes Jugenddrama sehen wollen.

9,5/10