Samstag, 3. September 2016

No Country For Old Men (2007)

http://www.imdb.com/title/tt0477348/

Der Vietnamveteran Llewelyn Moss (Josh Brolin) stößt bei der Antilopenjagd im Südwest-Texas des Jahres 1980 inmitten der Wüste auf ein Blutbad. Das, was er sieht, ist scheinbar der Schauplatz eines missglückten Drogendeals. Nicht unweit des Schlachtfelds befindet sich ein Koffer mit zwei Millionen Dollar. Moss nimmt den Koffer an sich - nicht ahnend, dass bereits der Profikiller Anton Chigurh (Javier Bardem) seine Spur aufgenommen hat. Chigurh ist eiskalt, sein Weg gepflastert von Leichen. Llewelyn steht jedoch nicht ganz allein da. Dorfsheriff Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones) weiß, in welcher Gefahr sich der Gejagte befindet und will ihn retten. Doch der Gesetzeshüter hinkt Chigurh stets einen Schritt hinterher. Er fühlt sich fremd in einer Welt, die einem solch unaufhaltsamen Killer nichts entgegenzusetzen weiß.

Der Name ist Programm. Dies ist kein Land für alte Männer. "No Country for Old Men" definiert nämlich irgendwie das Gerne Film neu. Selten war ein Film so spannend, so verworren, so mitreißend, so faszinierend und gleichzeitig so karg. Völlig zurecht wurde der Streifen der Coen-Brüder hier mit 4 Oscars (u.a. bestes Drehbuch, bester Film und beste Regie) ausgezeichnet. "No Country for Old Men" ist sicherlich ihr dichtester, spannendster und atmosphärischster Film. Allein die Art der Inszenierung gebührt schon jegliches Lob. Kameramann Roger Deakins fängt die schwülen Bilder von Texas in breiten, langsamen Einstellungen ein und ein besonderes Markenzeichen des Films ist, dass die Coens so gut wie vollständig auf musikalische Untermalung verzichtet haben. Dadurch entsteht eine für einen Thriller sehr außergewöhnliche Erzählweise, bei der auf Hektik oder ausgedehnte Action verzichtet wird. Die Geschichte ist geradliniger erzählt und der Skurrilitäts-Faktor liegt deutlich niedriger. Dafür ist die atmosphärische Dichte die hier geschaffen wird, einfach nur grandios und definitiv ein Markenzeichen dieses Films.

Das Katz- und Mausspiel, das sich zwischen Llewelyn und Anton Chigurh, dem Killer, entfaltet, ist dermaßen fesselnd und im weiteren Verlauf kommt es zu Szenen, in denen die Coens mit beinahe unerträglich spannenden und langsam inszenierten, kleinen Showdowns für absolute Höhepunkte sorgen. Wenn es zu actionreichen Momenten kommt, dann mit voller Wucht und dann auch erbarmungs- und schonungslos blutig. Zwischen den spannungsgeladenen und intensiven Momenten sticht auch ein Nebenplot hervor, bei dem zwei Sheriffs dem Verbrechen stets hinterherhinken, was durch genial geschriebene Dialoge für eine Menge Unterhaltung, vielleicht sogar fü ein kleines Schunzeln, sorgt.

Bei einem Streifen der Coens dürfen natürlich die markanten Figuren nicht fehlen. Josh Brolin spielt den grimmigen, entschlossenen Einzelgänger Llewelyn großartig, doch den Vogel schießt eindeutig Javier Bardem ab. Seine Darstellung des eiskalten, unberechenbaren Killers mit lächerlicher Frisur und ungewöhnlichem Mordwerkzeug muss man einfach selbst gesehen haben und Bardem wurde hierfür 2008 völlig zurecht mit einem Oscar belohnt. In weiteren Rollen glänzen vor allem Tommy Lee Jones als gealterter Sheriff Bell kurz vor dem Ruhestand, der immer wieder über sein Leben und Umfeld grübelt sowie Woody Harrelson als Hitman.

Wie gewöhnlich scheren sich die Coens kein bisschen um die Erwartungshaltung des Zuschauers. Gegen Ende wird brutal mit den Sehgewohnheiten des Genres gebrochen, jede Form von Höhepunkt ausgespart und der Film endet mit einem fast schon poetischen, ruhigen Dialog. In "No Country for Old Men" verschmelzen die dunstigen Texas-Aufnahmen, die ruhige, aber unglaublich spannende und packende Inszenierung sowie geniale Charaktere und Dialoge zu einem fiebrigen, intensiven Meisterwerk, das man einfach gesehen haben muss. Selten war die Arbeit der Coens in derartiger Höchstform zu bestaunen als bei diesem Film.

9/10