Samstag, 10. September 2016

Kingdom Of Heaven - Königreich der Himmel (Director's Cut) (2005)

http://www.imdb.com/title/tt0320661/

Im 12. Jahrhundert tobt ein Glaubenskrieg um die heilige Stadt Jerusalem. Europäische Kreuzritter versuchen, die Stadt, bei der Jesus gekreuzigt wurde, gegen die Truppen Saladins (Ghassan Massoud) zu verteidigen. Der junge Schmied Balian (Orlando Bloom) verliert zu dieser Zeit seine Frau und sein Kind. Ohne angemessene Beerdigung wird die Selbstmörderin von dem Priester (Michael Sheen) in die Verdammnis geschickt, wobei er sich selbst an ihrem Silberkreuz bereichert. Diese Tat macht Balian zum Mörder und treibt ihn von der französischen Provinz auf den langen Weg in das heilige Land, um Vergebung zu erlangen und um seinem Leben neue Orientierung zu geben. Auf dem Weg ins Heilige Land begegnet Balian in Frankreich dem Kreuzritter und seinem ihm noch unbekannten leiblichen Vater Godfrey von Ibelin (Liam Neeson). Im Sterben liegend schlägt er ihn zum Ritter. Schon bald wird Balian Diener des toleranten Königs Baldwin IV. (Edward Norton), der todkrank ist, aber dennoch versucht gegen fanatische Templer und ein Sarazenenheer anzukommen. Trotz der unglücklichen Liebe zu Prinzessin Sybilla (Eva Green) wird Balian zu einem achtenswerten Verfechter des Friedens zwischen den unterschiedlichen Religionen...

Ridley Scott hat einfach ein Händchen für eine starke Inszenierung von Historienfilmen und lieferte auch nach seinem Vorzeigefilm "Gladiator", der diesem Genre ja bekanntermaßen wieder neues Leben einhauchte, mit "Königreich der Himmel" einen absolut großartigen Geschichtsfilm ab. Man hätte nun die Möglichkeit, bereits an der Kinofassung des Streifen Gefallen zu finden. Diese Fassung stellt aber die wesentlich schlechtere Version des Films dar. Zu holprig erzählt, zu hektisch heruntergerasselt, Logiklöcher und eben auch nicht die von Ridley Scott favorisierte Fassung. Scott, teils sichtlich enttäuscht über die Kompromisse, die er für die um knapp 50 Minuten kürzere Kinofassung eingehen musste, betonte bei vielen Gelegenheiten, dass es sich bei seiner Version des Films (der "Director's Cut") nicht nur um Szenenverlängerungen, sondern um ganze Handlungselemente und historische Gegebenheit geht, deren Fehlen vor allem Kenner der Historie in der Kinofassung unangenehm auffielen. Aber Fox hielt es wohl für unangemessen, einen dreistündigen Film in die Kinos zu bringen.

Eine Entscheidung, die das Studio bis heute bereute, denn es fanden 2005 nur wenige Kinogänger an der Kinofassung von "Königreich der Himmel" Gefallen und straften ihn mit teils vernichtenden Kritiken ab. Erst im 2006er "Director's Cut" konnte der Streifen seine volle Pracht entfalten. Von größter Bedeutung hierbei ist die Wiedereingliederung von Sybilles Sohn in die Filmhandlung, der nach dem Tot König Balduin IV., selbst kurz König war, bevor seine Mutter ihn umbrachte, um ihm, selbst an Lepra erkrankt, dass gleiche Schicksal wie ihrem Bruder zu ersparen. Die Kinofassung verschweigt das Kind und sein tragisches Ende völlig um die Laufzeit im Kino möglichst nah am Idealmaß von etwas über 2 Stunden zu halten. Vor allem die Entfernung dieses Subplots hielt Scott schon immer für einen Fehler, ist sie doch auch für Sybilles Entscheidung, ihren verhassten Mann Guy zu unterstützen, enorm wichtig.

Ebenfalls deutlich erweitert wurden die Szenen zu Beginn in Frankreich. Die Beweggründe Bailans seinem Vater Godfrey ins heilige Land zu folgen, wurden im "Director’s Cut" deutlich besser ausgearbeitet. So erfährt man im "Director’s Cut" nun, dass der Priester, der die Beerdigung von Bailans Frau gleich zu Beginn des Films beaufsichtigte, in Wahrheit der Bruder von Bailan ist. Auch Godfreys Verwandtschaft mit dem Lehnsherren der Region lässt sein Verhältnis mit Bailans Mutter damals in einem anderen Licht erscheinen. Genauso wie verlängerte Gespräche Bailans, die seine Vergangenheit genauer beleuchten, sorgen diese deutlich erweiterten Szenen im ersten Akt dafür, dass vieles im späteren Verlauf der Geschichte nachvollziehbar ist, etwas was in der Kinofassung nicht immer der Fall. Vor allem Bailans Talent im Umgang mit schwerem Kriegsgerät, ist jetzt kein Mysterium mehr. In weiteren neuen Szenen wird auch die Liebesbeziehung von Sybille und Bailan sorgfältiger bearbeitet und ihrem Mann Guido und ihrem Bruder mehr Spielzeit eingeräumt. Unerwähnt darf auch nicht bleiben, dass die Kinofassung damals in den USA für das R-Rating stark zensiert werden musste. Einzelne Gewaltspitzen wurden kräftig gekürzt und verändert, während in normalen Kampfszenen oft nur das Blut wegretuschiert wurde – ähnlich wie es bereits bei "King Arthur" getan wurde. Die zensierte R-Rated Fassung erhielt hierzulande eine Freigabe ab 12 Jahren. Eine Prüfung des "Director’s Cut" ergab dann eine FSK-16-Freigabe.

Fern von alldem ist die Geschichte rund um den jungen Balian, dessen Werdegang, die Kreuzzüge allgemein, die vielen Hintergrundinformationen und vor allem die damaligen und heute immer noch aktuellen Ansichten der Menschen untereinander, die Intoleranz anderer Glaubensrichtungen und Sichtweisen und der damit verbundene Hass auf eben jene Menschen bzw. Religionen sind wirklich sehr Interessant und dazu noch glaubhaft herübergebracht worden, wenn auch kleinere Klischees leider nicht ausbleiben.

"Königreich der Himmel" ist zweifelsohne auch einer von Orlando Blooms besten Filmen, aber ein starker Charakterdarsteller wird er wohl nie werden, dazu fehlt im ganz klar das gewisse Etwas und, soweit man das beurteilen kann, vielleicht sogar das nötige Talent. Allgemein ist der Film toll besetzt, angefangen mit der wundervollen Eva Green bis hin zu Jeremy Irons, Liam Neeson oder Edward Norton, der sogar in einer solchen Rolle auf ganzer Linie überzeugt und seinem Talent freien lauf lässt. Auch die phänomenal inszenierten Schlachten, vor allem die Belagerung Jerusalems, sind absolut herausragend und gehören ohne Zweifel zu den besten Filmschlachten aller Zeiten. Kulissen, Kostüme, (teils - und das merkt man sofort - von "Hannibal" recycelter) Soundtrack und natürlich die unverwechselbare Atmosphäre der Kreuzzüge, gespickt mit vielen interessanten und stark gespielten Charakteren trägt zum positiven Gesamtbild dieses Filmes bei. "Königreich der Himmel" ist - gerade in der hier vorliegenden, rund 50 Minuten längeren Fassung - schlicht ein starker Historienfilmen, der seine ganze Klasse und seine unbändige Wucht aber eben auch nur im "Director's Cut" entfaltet und somit ein wirklich gelungener, mitreißender, spannender und allgemein toll erzählter Streifen ist.

8/10

Im Rahmen der "Limited CINEDITION"-Reihe von FOX kam auch dieser Film in den Genuß der schicken Mediabook-Aufmachung mit Lenticular-Front, Sentitype und Booklet. Diese ist allerdings schon seit Ewigkeiten ausverkauft.