Dienstag, 14. Januar 2014

SE7EN - Sieben (1995)

http://www.imdb.com/title/tt0114369/

Detective William Somerset (Morgan Freeman), der kurz vor seiner Pensionierung steht, soll Detective David Mills (Brad Pitt) als seinen Nachfolger einarbeiten. Aufgrund von Spannungen beim ersten Leichenfund wird Mills auf einen anderen Fall angesetzt. Nachdem Somerset aber die zwei grausamen Mordfälle, als Strafen für die Todsünden Maßlosigkeit und Habsucht, miteinander in Verbindung bringen kann, scheint gewiss, dass noch fünf weitere Morde folgen werden. Außerdem deutet alles darauf hin, dass es sich bei dem Täter um einen überdurchschnittlich intelligenten und grausamen Mann handelt, der die Ermittler mit subtilen Hinweisen an den Tatorten zu lenken versucht. Nach einer Einladung zum Abendessen, initiiert von Mills’ Frau Tracy (Gwyneth Paltrow), bessert sich das Verhältnis zwischen dem karrierebewußten Heißsporn und dem desillusionierten zukünftigen Rentner. Doch obwohl sie jetzt, wenn auch nicht reibungslos, zusammenarbeiten, hinken sie dem Killer auch nach dem dritten Mord immer noch einen Schritt hinterher. In seiner Ratlosigkeit besticht Somerset einen FBI-Beamten, um an die Namen von Bibliotheksnutzern zu kommen, die sich Bücher über die Sieben Todsünden ausgeliehen haben. Ein Name fällt dabei auf: John Doe!

"Sieben" ist verstörend. Und das auf so eine andere Art und Weise, dass man sich noch so gut darauf vorbereiten kann, und dennoch: die Wahrheit schlägt so gnadenlos ins Gehirn ein, dass man einer Auseinandersetzung der behandelten Konflikte nicht entgehen kann. Die Psychologie dahinter ist an sich so offensichtlich, dass es umso erstaunlicher erscheint, wie einem während und vor allem am Ende des Films das Gehirn und der Atem regelrecht glattgebügelt wird. Schon am Anfang kann einen auf unbefangene Art und Weise der Schock treffen. "Sieben" zeigt danach, dass der Film mit jeder Sekunde noch einen drauf setzen kann. Das wirkt aber eben nicht billig oder wie ein "schneller-härter-besser-Prinzip", sondern ergibt sich einfach aus der Handlung. Der Film hat es auch gar nicht nötig, die Dinge explizit zu zeigen. Regisseur David Fincher weiss, dass allein die Ideen und das Wort zu absoluter Sprachlosigkeit führen können, wahrscheinlich erfolgreicher als irgendein gezeigtes Blutbad. Und in all dem Thrill kommt sogar der Humor, auch wenn er sehr sparsam eingesetzt wird, nicht zu kurz.

"Sieben" liefert einen sehr tiefen Blick in die menschlichen Abgründe, die man schon fast nicht mehr menschlich nennen kann. Die Charakterzeichnung ist schon allein ein Grund, diesen Film als Meisterwerk zu bezeichnen. Jede Figur ist so anschaulich und verständlich, so menschlich oder eben unmenschlich, dass man die perfekte Chance erhält, völlig in den jeweiligen Charakter und in dessen Welt einzutauchen. Daraus resultiert auch eine dermaßen dichte Atmosphäre, dass man sie mit einem Messer durchschneiden könnte. So düster und vollendet, so abstoßend real, mit einem Hauch von Horror. Letzteres macht vor allem Howard Shore möglich. Seine Musikuntermalung ist unglaublich faszinierend und passend. Und ehe ich Brad Pitt und Morgan Freeman unerwähnt lasse: Brad Pitt spielt absolut perfekt. Allein seine Mimik in der letzten Szene, seine absolute Dualität, seine Hin-und-Her-Gerissenheit. Die Art, wie er die Verarbeitung der schrecklichen Erlebnisse darstellt, einfach fantastisch! Morgan Freeman ist wie gewohnt ein Sympathieträger sondergleichen, ohne dabei schlecht zu spielen. Im Gegenteil, er ist so lebhaft und überzeugend, dass selbst Kevin Spacey Konkurrenz erahnen sollte. Und eben jener Kevin Spacey spielt natürlich den perfekten Antagonist ebenso genial, tatsächlich und richtig beängstigend...

Die Inszenierung geht in all dem Psychospiel dem Betrachter gegenüber beinahe unter. Sie hat aber einen wundervoll modernen Touch, ohne dabei den Sinn für ruhige Bilder zu verlieren und trägt mit Sicherheit auch zu der gigantischen Atmosphäre bei. Das Wunderbare an dem gerne erwähnten, schockierenden Ende ist, dass es nicht konstruiert wirkt. Es passt einfach und der Zuschauer fragt sich, warum er nicht selbst darauf gekommen ist. Weil er eben völlig in die Geschichte eingetaucht war und so schockiert vor dem Bildschirm zurück bleibt, während der Abspann läuft.

"Wenn die Leute einem zuhören sollen, reicht es nicht, ihnen einfach auf die Schulter zu tippen. Man muß sie mit einem Vorschlaghammer treffen. Erst dann können Sie sich ihrer Aufmerksamkeit gewiß sein."

Das Ende lässt mich immer noch absolut fassungslos zurück und der Film ist auch nach mehrmaligen Sehen nachhaltig schockierend. Man spürt, dass es ein Werk von David Fincher ist. Ein Meisterwerk. Volle Punkte!

10/10

Bei uns erschien dieser grandiose Film in einer einzelnen schnöden HD-Slim-Hülle ohne irgendwelche Gimmicks. Bei unseren Nachbarn in Spanien hingegen erschien diese Edition (natürlich inkl. dt. Ton). Darin ist auch der komplette Comic zum Film enthalten (in englisch), der passenderweise wie eines der Tagebücher von John Doe aussieht. Der Film selber steckt ebenfalls in einer HD-Slim-Hülle.