Montag, 20. Mai 2013

Chronicle (Extended Version) (2012)

http://www.imdb.com/title/tt1706593/

Die Freunde Andrew, Steve und Matt machen während einer wilden Partynacht eine mysteriöse Entdeckung. In einer Höhle finden sie ein außergewöhnliches Objekt, das eine besondere Wirkung auf sie ausübt. Schon bald entwickeln die drei übernatürliche Fähigkeiten. Doch der anfängliche Spaß an den neuen Kräften wird bald zur größten Herausforderung ihres Lebens. Wie weit dürfen sie mit ihren Fähigkeiten gehen? Als einer der drei Jugendlichen anfängt seine Macht zu missbrauchen, entbrennt ein Streit, der in einer Katastrophe zu enden droht...

"Chronicle" lief auf dem FantasyFilmFest nights 2012 und - wie sich vielleicht einige erinnern werden - fand ich den nach der ersten Sichtung gar nicht so sehr prall. Denn "Chronicle" ist eigentlich gar kein Superheldenfilm, sondern eine Mischung aus einem "Coming-of-Age" Drama und dem Psychogramm eines Losers und potentiellen Highschool-Amokläufers. Im Zentrum des Films stehen dabei deswegen auch nicht die Entwicklung der Superkräfte, sondern Andrews Persönlichkeitsentwicklung. Hierbei bedienen sich die Macher (Regisseur Josh Trank und Drehbuchautor Max Landis) meiner Ansicht nach zu vieler Klischees: die erwartete aggressive Vaterfigur die das Selbstwertgefühl des eigenen Kindes zerstört und die dazugehörige schwache Mutter, die beschützt werden muss - allenfalls plakative Elemente, die Andrews Sinneswandel erklären und irgendwie rechtfertigen sollen, doch unterm Strich wie ein konstruiertes Kapitel aus dem Lehrbuch für pädagogische Psychologie wirken. So fällt es schwer, sich emotional trotz der lobenswerten Schauspielleistung von Hauptdarsteller Dane DeHaan auf die Gefühlswelt von Andrew einlassen.

"Chronicle" ist in seiner Erzählung der etwas anderen Superheldengeschichte leider auch nicht wirklich herausstechend. Schon die großen filmischen Vorgänger wie "Spider-Man" oder Bruce Banner/"Hulk" mussten sich auf der Leinwand schon mit ihrer dunklen Seite auseinandersetzen, also weiß man in etwas wie es ausgehen wird. Somit sticht der Film einzig durch seine Hauptcharaktere heraus, außergewöhnliche Teenager, die uns mit ihrem anfänglich tapsigen Umgang mit ihren Superkräften einige Lacher entlocken, beispielsweise wenn sie mit ihren kinetischen Kräften Baseball spielen oder einen Teddy im Spielzeugladen zum Leben erwecken. Wenn von der missglückten Sozialstudie mal abgesehen wird, lässt sich Chronicle somit insgesamt als durchaus gelungenes Unterhaltungskino bezeichnen. Nicht mehr und nicht weniger. Der hier besprochene Extended Cut fügt zwar ein paar erklärende Worte ein und zeigt ein wenig Neues, aber wertet den Film auch nur um einen halben Punkt auf. Hätte der Regisseur bloß auf die Handkamera verzichtet. 

6,5/10