Donnerstag, 9. Februar 2017

Les Rivières Pourpres - Die purpurnen Flüsse (2000)

http://www.imdb.com/title/tt0228786/

Weder Hände, noch Augen, stattdessen nur kauterisierte Stümpfe und mit Regenwasser gefüllte Höhlen. Den Körper mit tiefen Schnittwunden versehen und zu einer embryonalen Haltung zusammengeschnürt. Die Leiche, die in Guernon, einer tief in den Alpen liegenden, beinahe surreal anmutenden elitären Universitätsstadt, an einer Felswand hängend gefunden wird, gibt Sonderermittler Pierre Niémans (Jean Reno) verständlicherweise Rätsel auf. 300 km entfernt wird im Örtchen Sarzac etwa zur selben Zeit das Grab eines vor 20 Jahren verunglückten Mädchens gewaltsam geöffnet, und Hakenkreuzschmierereien auf der Grabstätte verweisen augenscheinlich direkt auf die ortsansässige Skinhead-Gruppe. Doch wie passen der Einbruch ins Schularchiv und der Diebstahl eben dieses Mädchen betreffender Unterlagen in das Bild? Auch Kommissar Max Kerkerian (Vincent Cassel) steht vor einem Rätsel. Im Laufe der Untersuchungen kreuzen sich die Wege der beiden Ermittler und gemeinsam dringen sie ein in die abstruse Welt elitärer Phantasmen, um vor der bizarren Kulisse der Alpen schließlich das Geheimnis der purpurnen Flüsse zu ergründen.

Eine Anfangsszene, die stark an Stanley Kubricks Psychohorror-Film "The Shining" erinnert. Die Kamera verfolgt aus einer Helikopterperspektive die Fahrt eines Autos eine gebirgige Landstraße entlang. Aber im Auto sitzt nicht Jack Torrance auf seinem Weg zu einem abgeschiedenen Hotel, sondern Kommissar Pierre Niémans (Jean Reno), der zu einem bestialischen Mord in die französischen Alpen gerufen wird.

Atmosphärisch packend, stimmungsvoll, düster und spannend inszeniert, macht dieser Film also von Beginn an vieles richtig, was man von einem Thriller erwartet. Beginnt im Stile eines klassischen Krimis und verknüpft geschickt zwei augenscheinlich zusammenhangslose Fälle zu einem großen Fall in dem sich auch noch zwei Cops zusammenraufen müssen. Leider verrennt sich der Film zunehmend in seiner Inszenierung und wird zunehmend schwächer. Bis kurz vor Schluss wird eine stimmige Handlung präsentiert, die Aufmerksamkeit erfordert, um die vielen Details zu einem Bild zusammenzusetzen. Dann schert sie doch noch aus - gemessen am bisherigen Plot wirkt das Ende unpassend überkonstruiert. Es wirkt einerseits völlig übertrieben und unglaubhaft, da mit den Wendungen und Überraschungen doch etwas sehr abgetrieben wurde, gleichzeitig jedoch während der finalen Auflösung auch etwas unfreiwillig komisch. Schade, dass dieser Film mehr sein wollte, als ein bloßer Thriller und damit das Gegenteil erreicht. Dies, und dass relativ schnell klar ist wer hinter den Morden steckt, nagt trotzdem etwas am Gesamteindruck.

7/10