Sonntag, 19. Februar 2017

Blackhat (2015)

http://www.imdb.com/title/tt2717822/

Als Hacker die Computersysteme in einem chinesischen Atomkraftwerk austricksen und damit einen GAU provozieren, ist die chinesische Regierung alarmiert und setzt ihre Top-Experten für Cyber-Kriminalität ein: Chen Dawai (Leeholm Wang) und dessen Schwester Chen Lien (Tang Wie). Beide reisen in die USA, um sich dort Unterstützung zu holen. Die gleichen Täter manipulieren nur kurze Zeit später Börsenkurse an der Wall Street, was das FBI in Alarmbereitschaft versetzt. Vor vielen Jahren hatte das Computergenie Nicholas Hathaway (Chris Hemsworth) eine Rohversion des Codes des Hackerprogramms geschrieben und nun ist sein Typ erneut gefragt. Doch Hathaway sitzt gegenwärtig eine 15-jährige Haftstrafe ab. Um die Cyber-Bedrohung abzuwenden, gehen die Agenten einen Deal mit dem Computergenie ein. Er wird vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen, dafür spürt er die Täter auf und bringt sie zur Strecke. Doch was für Hathaway als eine Art sportliche Herausforderung beginnt, wird bald zu einem Spiel auf Leben und Tod. Die Angriffe finden nun nicht mehr nur im Netz statt, der Terror verlagert sich in die reale Welt. Die Jagd nach den Feinden führt Hathaway und sein Team von Chicago bis nach Hongkong.

Mit dem Filmtitel sind "Black Hat Hacker" gemeint - solche, die im Netz Schaden anrichten wollen und Michael Mann geht es bei seiner Geschichte vor allem um Moral. Leider ist seine Form der Schwarz-Weiß Malerei ganz und gar nicht mehr so zeitgemäß und so bekommt man keine oder kaum Innovation die Hintergrundfrage betreffend. Hier gibt es die Guten und die Bösen. Mann gibt in seiner Inszenierung einer Cyberattacke die alleinige Schuld an einer Kernschmelze eines Atomkraftwerkes – das hier angeblich auch noch von außen stattfinden sollte. Das ist filmisches Denken der 80er a la "War Games". Irgendwie absurd, aber als Grundidee noch zu verkraften.

"Blackhat" ist also eine reiner Actionthriller. Nichts weiteres. Er ist kein Film übers Hacken selbst. Ob der Film das Hacken richtig darstellt oder nicht ist doch im Grunde genommen auch egal. Der Film ist eher eine Schnitzeljagd und genau das wurde gut inszeniert. Chris Hemsworth mag vielleicht kein großer Charakterdarsteller sein, aber für diesen Film ist das was er abliefert absolut ausreichend. Trotzdem ist der Film einer von Michael Manns schwächsten Beiträgen. Denn von ihm kann man nun mal mehr erwarten als einen gewöhnlichen Actionthriller. Der Verzicht auf starke Charaktere wirkt sich hier leider negativ auf. Dennoch hat er hat einen sympathischen Cast aufgestellt. Doch schauspielerisch fällt hier keiner auf - alle Protagonisten sind einfach nur solide. Doch was Michael Mann inszenieren kann sind Actionszenen. Zwar erreichen sie nie die Qualität wie die in "Heat", dennoch sind sie mitreißend, wuchtig und im typischen Stil von Michael Mann

Man kann "Blackhat" viel vorwerfen, das Drehbuch ist gesäumt mit so mancher Entbehrlichkeit, mit narrativem Ballast und dramaturgischen Sackgassen, doch so emphatisch-konzentriert, so stilsicher und eindringlich, wie Michael Mann das Immaterielle gegen das Physische ausspielt (und andersherum), ist man doch irgendwo gezwungen, diesem unterkühlten Hacker-Thriller achtungsvoll auf die Schulter zu klopfen. Stuart Dryburghs famose Kamera fungiert als dokumentarisches Instrument, sie reißt mit, entlang der Neonröhren in den Pfützen des Asphalts, den spiegelnden Außenfassaden der Wolkenkratzer, den durchlöchterten Frachtcontainern und dem Showdown, ohne Keyboard, dafür mit analog geballter Faust. Wer also keinen Film übers Hacken an sich erwartet und die Qualitätsansprüche senkt, bekommt hier einen ziemlichen guten Actionthriller der vielleicht nicht ganz logisch, aber immer schön spannend ist.

7/10