Sonntag, 15. Februar 2015

Stardust - Der Sternwanderer (2007)

http://www.imdb.com/title/tt0486655/

Der Sternwanderer handelt von einen Mann, der seiner Geliebten verspricht, ihr einen Stern vom Himmel zu holen – im wahrsten Sinne! Sprechende Tiere, magische Bäume, unwiderstehliche Gnome und hinterhältige Kobolde in einer Welt jenseits der unseren. Vorlage für den märchenhaften Streifzug war Neil Gaimans ‘Stardust’, dessen Romane schon mehrfach Türen in betörende Fantasiereiche geöffnet haben. Der Sternwanderer nimmt einen mit in das magische Land Faerie, das durch eine Mauer von dem kleinen englischen Dorf Wall getrennt ist und zum Hauptschauplatz eines atemberaubenden Abenteuers wird. In einer schicksalhaften Nacht verspricht der junge Tristran (Charlie Cox) seiner großen Liebe Victoria (Sienna Miller), ihr als Beweis seiner Liebe den Stern zu bringen, der hinter der Mauer ins Reich der Feen, Hexen und Zauberer gestürzt ist. Gefahren, Wunder und Geheimnisse erwarten ihn auf der anderen Seite und sein gefallener Stern entpuppt sich als wunderschöne Yvaine (Claire Danes), die sich beim Aufprall das Bein gebrochen hat. Michelle Pfeiffer als böse Hexe, Robert De Niro als draufgängerischer Pirat – Spannung, Witz und Romantik in einem etwas anderen Märchen voller faszinierender Geschöpfe und Ideen...

Manche Fantasyfilme sind prädestiniert für die große Leinwand. In fernen, fiktiven Welten und Ländern können Regisseure klotzen statt kleckern, Spezialeffekt an Spezialeffekt reihen und ihre Protagonisten auf Green Screen - Reisen schicken, deren Ausgang meist über nicht weniger als das Schicksal allen Seins bestimmt. Neil Gaiman, Comic-, Roman- und Kinderbuchautor, schuf mit "Der Sternwanderer" aber eine erfrischend andere Parallelwelt, die sich mehr an Grimms Märchen als an Tolkiens Fantasy bedient und sich sowohl durch gut getimte humoristische Elemente, als auch durch unkonventionelle Unbarmherzigkeit an der richtigen Stelle vom Genre-Einheitsbrei der Märchen abhebt.

Regisseur Matthew Vaughn trifft mit seiner Verfilmung, für die Neil Gaiman selbst das Drehbuch verfasst hat, genau den richtigen Ton und schafft so einen unterhaltsamen, witzig-ironischen Genrebeitrag abseits der Blockbusterkonkurrenz. Ist der, für Nicht-Roman-Kenner womöglich verwirrende und abrupt endende Prolog um Tristrans Vater und die Umstände seiner Zeugung erst einmal abgeschlossen und der liebenswerte Tollpatsch als Protagonist eingeführt, inszeniert Vaughn dessen Reise flott, aber nicht zu rasant, und beizeiten bombastisch und laut, wenn die Geschichte danach verlangt, untermalt von einem treibenden, sich sehr in den Vordergrund drängenden Score von Ilan Eshkeri. Ganz ohne Kitsch kann ein Märchen natürlich auch nicht auskommen und da ist es nur angenehm, dass sich der Film durch eine ordentliche Prise (teilweise herrlich schwarzem) Humor immer wieder aufzulockern weiß.

Schauspielerisch gibt es nichts zu meckern, Michelle Pfeiffer brilliert mit Mut zur Hässlichkeit als böse Hexe Lamia, Claire Danes verleiht ihrem "Stern" eine Aura unantastbarer Schönheit und unbeschwerter Naivität, während Robert DeNiro als Kapitän Shakespeare, ein Element, das in Gaimans Romanvorlage nicht auftaucht, eine humorvolle Zwischensequenz einleitet und den Zuschauer vor dem großen Finale noch einmal verschnaufen lässt. Die Entscheidung, Tristan in dem Starensemble mit einem vergleichsweise unbekannten Schauspieler zu besetzen erweist sich als äußerst glückliche, denn die Wandlung des Charlie Cox vom unscheinbaren Dorftrottel zum starken Schönling mit Langhaarfrisur vollzieht sich im Laufe seiner Abenteuer glaubwürdig und nachvollziehbar. Die Moral von der Geschicht ist altbekannt, das Ende abzusehen, der Weg dorthin jedoch eines der bezauberndsten Fantasy-Märchen unserer Zeit.

9/10