Donnerstag, 5. Februar 2015

Gone Girl - Das perfekte Opfer (2014)

http://www.imdb.com/title/tt2267998/

Wie gut kennt man den Menschen, den man liebt, wirklich? Diese Frage stellt sich Nick Dunne (Ben Affleck) an seinem fünften Hochzeitstag, dem Tag, an dem seine schöne Frau Amy (Rosamund Pike) spurlos verschwindet. Unter dem Druck der Polizei und des wachsenden Medienspektakels, bröckelt Nicks Darstellung einer glücklichen Ehe. Durch seine Lügen, Täuschungen und sein merkwürdiges Verhalten stellt sich jeder bald dieselbe unheimliche Frage: Hat Nick Dunne seine Frau ermordet?

Was ist Manipulation? Natürlich, in erster Linie ist jede Interaktion zwischen zwei oder mehreren Menschen eine Manipulation überhaupt, aber dies geschieht dann eher unterbewusst und sogar unbewusst. Bei "Gone Girl" gelingt es Regisseur David Fincher irgendwie seiner Fantasie freien Lauf zu lassen und zeigt damit etwas, wovor im Grunde jeder Angst hat: schlaue Menschen, die ihre Intelligenz aus purer soziologischer Lust und noch dazu ausschließlich zwischenmenschlich destruktiv nutzen. Ein sehr schöner Albtraum hat sich in diesem Film manifestiert.

Mit "Gone Girl" liefert David Fincher wieder einmal einen überaus gut gelungenen Film, den man sich unbedingt anschauen sollte. "Gone Girl" ist einmal mehr ein etwas anderer Fincher Film, der jedoch erzähltechnisch auf höchstem Niveau spielt. Dazu ist er zwar extrem ruhig inszeniert, aber gerade daraus zieht der Film seine nervenzerreißende Spannung. Von Anfang bis zum Ende gibt es einen klaren roten Faden, den Fincher auch zu keiner Zeit aufgibt. Hinzu kommt eine richtige schöne 180°-Kehrtwendung und dazu noch eine unglaublich weitere überraschende und zugleich erschütternde Szene. Dadurch gelingt Fincher und dem Film etwas, das ich lange nicht mehr gesehen habe: ich als Zuschauer wusste nicht mehr, was ich wem überhaupt glauben sollte und was denn nun tatsächlich die Wahrheit ist. Genau das ist es, was den Film so unglaublich gut macht und einen vond er ersten Minute an vor dem Bildschirm fesselt. Zugegeben, mit knapp zweieinhalb Stunden Laufzeit ist es nicht gerade ein kurzer, knackiger Thriller, aber eben einer, der seine Spannungsschraube langsam immer fester anzieht und kein Stück los lässt.

Vor allem aber ging mir der Film psychisch sehr nahe, gerade das Schauspiel von Affleck und Pike verstärkten dies. Ich bin sicher kein Fan von Ben Affleck, aber hier liefert er eine grundsolide Leistung ab, vor der ich durchaus Respekt habe. Was diesen Film darüber hinaus aber so gut macht, ist aber nicht seine schauspielerische Leistung, sondern vor allem die von Rosamund Pike und Carrie Coon, die eine der sympathischsten Nebencharaktere verkörpert. Und selbst Neil Patrick Harris (den ich immer wieder gern sehe) macht seine Sache wieder einmal gut.

Alle spielen eben ihre Charaktere genau so, wie der Film es braucht: Wer sagt von denen nun die Wahrheit? Oder sind alle Lügner? Zu keinem Zeitpunkt glaubt man die gesamte Wahrheit zu kennen, alles ist irgendwie nur sehr vage, die Sympathien zu den Charakteren wechseln im Minutentakt. Auch deshalb ist der Film ein kleines (großes) Meisterwerk. Mein einzig kleiner Negativpunkt ist vielleicht das Ende. Nicht das es schlecht ist, aber es wirkt dann doch sehr konstruiert, vielleicht hätte man einen etwas radikaleren Weg wählen sollen.

Seltsam ist hier eigentlich nur eins, denn der Film ist sicherlich kein Krimi und auch kein Thriller, er ist eine Mischung aus beidem und irgendwie doch etwas ganz anderes, fast schon surreal angesichts der überbordernden Story. Aber diese Erzählweise jedoch und die damit einhergehende Verwirrung beim Zuschauer macht aus diesem Film einen erstklassigen Film. Eben ein Fincher-Film.

8,5/10

Nur die Erstauflage bietet dem Film eine schicke Verpackung, dieses Mal ein DigiPak: