Sonntag, 8. Februar 2015

De Behandeling - Die Behandlung (2014)

http://www.imdb.com/title/tt3089778/

Zwei Jungen spielen an der Bahntrasse. Ein älterer Herr kommt dazu. Alles scheint harmlos, bis der Mann den Jüngeren im Indianerkostüm plötzlich packt und mit sich zieht. Es sollte damals das letzte Mal gewesen sein, dass Inspektor Nick Cafmeyer seinen kleinen Bruder sah. Nun wirft die schreckliche Entführung einer Familie, und der barbarische Tod ihres auf eine Astgabel gefesselten Kindes, Jahrzehnte später neues Licht auf den Cold Case von Cafmeyers Bruder, was den Ermittler emotional an seine Grenzen treibt. Doch für private Trauer und Wut bleibt keine Zeit, schon schwebt eine weitere Familie in Lebensgefahr. Wer ist der unheimliche “Troll”, auch genannt “der Beißer”, vor dem sich die Kinder der Umgebung fürchten? Cafmeyer muss tief in das kriminelle Untergrund-Netzwerk der Entführer vordringen und droht sich darin zu verliere...

Regisseur Hans Herbots hat mit "De Behandeling" einen Film geschaffen, der wahrlich an die Substanz geht und einen nicht kalt lässt. Der Regisseur breitet dabei erst einmal fein säuberlich und in ausschweifender Erzählweise ein düsteres Krimi-Szenario aus, bei dem die Thematik der Kindesentführung im Fokus steht und sehr stark an einen der ARD-Tatorte erinnert. Durch die intensive Inszenierung versprüht der Streifen trotz der simplen Abwandlung altbekannter Vorlagen eine bereits von Anfang an überaus packende Atmosphäre. Die Leistung von Geert van Rampelberg, der den ermittelnden Kommissar Nick Cafmeyer spielt, ist absolut überragend und er mimt seine Figur mit so unglaublich vielschichtigen Ecken und Kanten, dass es ein Hochgenuss ist, diesem Mann hier bei seiner grandiosen Arbeit zusehen zu dürfen. Gemeinsam mit ihm fällt es dem Zuschauer so nicht schwer, trotz gelegentlicher moralischer und logischer Anstößlichkeiten, mit dieser Figur zusammen hinabzusteigen, in eine Hölle aus Ohnmacht, Verzweiflung, Wut und Ratlosigkeit. Die kompromisslose Herangehensweise an die aufwühlende Thematik sorgt für die ein oder andere Szene, die einem schwer zusetzt, ohne explizit alles wirklich detailgetreu wiedergeben zu müssen. Herbots arbeitet die Vorlage vor allem über die Bildsprache heraus, zeigt viel durch Reaktionen und Blicke der Figuren, streut immer wieder geschickt falsche Fährten und erzeugt somit trotz des zurückgenommenen Tempos einen rastlosen, spannenden Fluss, an dessen Ende, nach stetigem Mitfiebern, schockierender Betroffenheit und nachdenklicher Anteilnahme eine Auflösung wartet, die nachwirkt.

8/10