Mittwoch, 31. Januar 2018

Alien³ (1992)

http://www.imdb.com/title/tt0103644/

Nachdem sie sich, Hicks und das Mädchen Newt im letzten Teil aus den Klauen der Aliens befreien konnte, schweben sie nun in einer Rettungskapsel im Tiefschlaf durchs All. Nach einem Brand leitet der Bordcomputer eine automatische Notlandung ein, direkt auf einem einsamen Gefängnisplaneten, wo die schlimmsten Verbrecher der Galaxis inhaftiert sind. Diese haben sich einem leicht mystischen Glaubenskodex verschworen und arbeiten unter recht rückständigen Verhältnissen in einer runtergekommenen Bleigießerei. Doch Ripley ist nicht, wie zuerst vermutet, die einzige Überlebende der Bruchlandung...

"Alien³" versucht, der Tradition von James Cameron zu folgen und alles anders zu machen, als sein Vorgänger. Soviel vorweg: Was James Cameron glänzend gelungen ist, geht in der hier gesehenen Kinofassung gründlich in die Hose, weshalb man diese Fassung von "Alien³" als den schwächsten Teil der Reihe ansehen kann. Infolge der problematischen Produktion und der kontroversen Umstände bei der Veröffentlichung wurde "Alien³" immer mehr zu einer Kuriosität unter den Alien-Fans. David Finchers Erstlingswerk hat heute aufgrund aufgeheizter Gerüchte über kreative Einmischung, verschollene Szenen und sogar einer vollkommen unterschiedlichen Schnittfassung, die angeblich die ursprüngliche Vision Finchers wiederherstellen sollte, Kultstatus erreicht. Viele waren allerdings der Meinung, dass Finchers Werk ernsthaften Schaden davongetragen hatte.

Fakt ist aber: es gibt keinen richtigen "Director's Cut" von Alien³. Aber es gibt eine vollständig restaurierte und überarbeitete Version des 1991 erstellten Rohschnitts von "Alien³", welche als "Director's Cut bezeichnet wird. Diese Version zeigt außerdem eine Kombination von außergewöhnlichen, bisher unveröffentlichten optischen Effekten und einigen kürzlich vervollständigten digitalen Effekten, die notwendig waren um das neue Material nahtlos in den Film zu integrieren. Doch zurück zur Kinofassung.

"Alien³" spielt auf einer Sträflingskolonie und wir haben es hier wieder mit nur einem Alien zu tun. Die Sträflinge sind sich selbst überlassen und stehen unter keiner lokalen Aufsicht, sie haben im Gegenzug jedoch in den Schmelzanlagen der Kolonie zu arbeiten. Vom Prinzip her bietet dieses Setting reichlich Platz für ausgefeilte Charaktere, psychologische Schockmomente und darstellerische Leistungen. In der Praxis ist von all dem leider nicht viel zu sehen. Die Charaktere bleiben oberflächlich, ansatzweise vorhandene Ideen werden nicht ausgearbeitet, und der Horror hält sich in starken Grenzen. Man merkt ganz deutlich, dass sich für "Alien³" insgesamt zehn Drehbuchautoren die Klinke in die Hand gegeben haben - und anscheinend hat niemand etwas davon gehalten, die Ideen seiner Vorgänger weiter auszubauen. David Fincher, dessen Regiedebüt "Alien³" darstellte, war mit dieser Situation anscheinend heillos überfordert. Erstmalig wurde das Alien in diesem dritten Teil auch nicht mehr vollständig durch Menschen in Puppenkostümen dargestellt, sondern digital animiert. Und dem kann man durchaus mit gemischten Gefühlen entgegen treten, da dieses CGI-Alien oft als solches auch deutlich erkennbar ist.

Was aber wirklich neu ist: Fincher hat versucht, in seinem Film mehr über die Natur der Aliens und vor allem über deren Beziehung zu ihrer Umwelt darzustellen. So ist die Beziehung zwischen Ripley und dem Alien diesmal eine ganz spezielle. Doch auch hier hätte man weitaus mehr aus der Story machen können. Das Ende, das ursprünglich das Ende der (damals so geplanten) "Alien"-Trilogie darstellen sollte, ist dann auch entsprechend "endgültig" und bietet dann auch noch eine interessante kleine Endszene zwischen Ripley und "ihrem" Alien. Das war's dann aber auch schon. Alles andere sind alte Bekannte: das 10-kleine-Negerlein-Prinzip, dieses Mal jedoch nicht in aller Konsequenz umgesetzt, angedeutete Nebenhandlungen, die ebenso abrupt enden, wie sie begonnen haben, die Jagd von Menschen auf das Alien/ Jagd vom Alien auf die Menschen, visuell wieder düster, rostig und schmutzig wie im ersten Teil - "Alien³" bietet bis auf das Setting leider kaum Neues und wirkt so zerstückelt, wie es seine Entstehungsgeschichte bereits erahnen ließ. Und das ist sehr schade.

6/10

Als exklusive und auf jeweils nur 1000 Stück limitierte Ausgabe erschien 2014 bei Zavvi in Großbritannien der Film in beiden Fassungen (Kinofassung und Special Edition) im geprägten Steelbook mit einem unglaublich schönen, weil schlichtem Artwork.