Donnerstag, 25. Januar 2018

Baby Driver (2017)

http://www.imdb.com/title/tt3890160/

Fluchtwagenfahrer Baby (Ansel Elgort) hat einen Tinnitus, weswegen er ständig über Kopfhörer Musik hört. Doch dies macht ihn trotz seiner jungen Jahre auch zu einem der besten in seinem Job: Zu den Klängen seiner persönlichen Playlist rast er jedem Verfolger davon, ein Talent, welches Gangsterboss Doc (Kevin Spacey) auszunutzen weiß. Bei ihm steht Baby in der Schuld und daher muss er für Doc Aufträge als Fluchtwagenfahrer ausführen und zum Beispiel Buddy (Jon Hamm), dessen Freundin Darling (Eiza Gonzalez), den fiesen Griff (Jon Bernthal) und den unberechenbaren Bats (Jamie Foxx) bei ihren Coups kutschieren und anschließend dafür sorgen, dass sie den Cops entkommen. Dabei hat sich Baby in Kellnerin Debora (Lily James) verliebt und will eigentlich aussteigen. Doch vorher gibt es noch einen letzten Auftrag zu erledigen...

Ähnlich in der Form, was Joseph Gordon-Levitt 2012 in "Premium Rush" auf dem Fahrrad vorwegnahm, sieht man nun als konsequente Konzept-Weiterführung mit Shooting Star Ansel Elgort als "Baby Driver" im Auto. Auch diese wiederum ebenso leicht autistisch gefärbte Comic-Variante hat ihr Herz schön angenehm am rechten Fleck. Nur schon die rasante Eingangssequenz zeigt dem Zuschauer gleich, wo es hier in den nächsten 100 Minuten lang gehen wird. Aber nicht nur die ungewöhnliche Action setzt Maßstäbe, langweilig wird es auch dank den äusserst spassigen Dialogen nicht.

Hier kam Director Edgar Wright natürlich vor allem das unvergleichliche Talent von Jamie Foxx zu Gute, seine wundervoll absurde One-Man-Show-Szene in einem Schnellimbiss ist schon fast der (versteckte) Höhepunkt des Films. Die Kumulation weiterer schrägen Figuren (wie etwa Eiza González mit ihrem Typ als moderne Bonnie and Clyde-Variante) mit dem immer um sie als Mittelpunkt zentrierten, sich selten artikulierenden Teenager "Baby", der vordergründig nur seinen Job macht und sich immer seine Sache zu dem übertriebenen Schmierentheater denkt, wird damit quasi zur psychologisch beruhigenden, guten Seele stilisiert. Der Soundtrack (voll mit ungewöhnlichen Soul-Perlen und etwas Punk fernab des gängigen Radio-Mainstream-Grundwissen-ABC's) ist diesmal so toll konzipiert, dass er auch für echte Musik-Nerds zur Herausforderung wird.

Die einzige befremdliche Note des Films ist wohl der Abgesang von Kevin Spacey. Wie man mittlerweile erfahren musste, brauchte er seine Rolle als Machtmensch über jüngere Leute gar nicht wirklich gross spielen. Schon im Las Vegas-Film "21", trumpft er als charismatischer Führer der Truppe auf. Smart, cool und skrupellos. Mit dem heutigen Wissen hinterlässt dies natürlich einen faden Beigeschmack, und gerade wenn er hier in einer Drohung zu Ansel sagt "You were always my baby!", holt einem die Gegenwart (auch ohne moralischen Zeigefinger) wohl in aller Ungemütlichkeit ein.

8/10