Der Ingenieur Neil Armstrong (Ryan Gosling) arbeitet Anfang der 60er Jahre als Testpilot für Jets und Raketenflugzeuge und hat mit seiner Frau Janet (Claire Foy) und den beiden Kindern Rick (Gavin Warren) und Karen (Lucy Stafford) eine liebende Familie hinter sich, die ihm den Rücke stärkt. Sein ganzes Leben ändert sich jedoch, als seine Tochter an einem Gehirntumor stirbt und die Familie nach einer Veränderung sucht. Diese bietet sich, als die NASA für ein Mondprogramm auf der Suche nach Piloten mit Ingenieurswissen ist. Neil nutzt die Chance und zieht mit seiner Familie nach Houston, wo er eine Ausbildung zum Astronauten beginnt. Nach etlichen Strapazen und Testflügen kämpft sich der professionelle Ingenieur bis an die Spitze und wird bald gemeinsam mit Buzz Aldrin (Corey Stoll) und Michael Collins (Lukas Haas) mit der Apollo-11-Mission zum Mond geschickt...
Wer bei "First Man" einen actionlastigen Film erwartet, der kennt entweder (noch) nicht die Arbeiten von Damien Chazelle oder wurde von den Trailern fehlgeleitet. "First Man"/"Aufbruch zum Mond" ist ein anderes Biopic, eine Art Charakterstudie, ein Drama über einen Mann, den seine Mitmenschen stets als fokussiert und ruhig beschrieben. Und es ist ein Film über die unglaublich lange, von herben Rückschlägen und Verlusten begleitete Vorlaufzeit, die es benötigte, um überhaupt einen Menschen auf den erdnahen Trabanten zu bringen. "First Man" ist etwas ganz besonderes. Ein ruhiger, unaufgeregter Film, mit ausschlagartigen Action- und Spannungsmomenten, die vor allem durch die Perspektive beeindruckt.
“The day we stop exploring is the day we commit ourselves to live in a stagnant world, devoid of curiosity, empty of dreams.” - Neil deGrasse Tyson


"First Man" setzt damit einer der größten technischen Errungenschaften der Menschheitsgeschichte ein würdiges Denkmal. Nun mag man hin und wieder auf den berühmtesten aller Verfilmungen der NASA, "Apollo 13" zurückblicken und versuchen, parallelen zwischen ihm und "First Man" zu ziehen. Was die Action, die Spannung und das Flair betrifft, ist "Apollo 13" "First Man" haushoch überlegen. Doch stütz sich "First Man" gar nicht auf diese Qualitäten, seine Stärke liegt in der Dramaturgie und der Charakterzeichnung, der Szenerie und des Erlebnisses. Nie zuvor war man so dicht am Astronaut-sein dran wie hier, nie zuvor saß man gemeinsam mit Armstrong in der engen Kapsel der Gemini-8 und erst recht nicht an Bord der Apollo 11. Überzeugende Schauspielleistungen, ein erfrischend anderer Soundtrack für die Raumfahrtszenen und authentische Effektaufnahmen, welche anscheinend mit Original-Filmmaterial von 1969 ergänzt wurden, ergeben einen Film, der zeigt mit welchem Ehrgeiz die Pioniere der Raumfahrt ihr Ziel verfolgten und der dem Zuschauer die Faszination an der Raumfahrt näher bringt. Letztlich liegt es, wie so oft, am Zuschauer, ob er diese Reise wagen will. Wer knisternde Action und brachiale Szenen sehen will, der ist hier falsch. Wer Wert auf Atmosphäre, Dramaturgie legt und ein Faible für ruhige Filme mitbringt, der wird belohnt. Mit einem bildgewaltigen Werk, welches einfach eine technisch faszinierende Abenteuergeschichte mit wahrem Hintergrund zu erzählen hat. Und eine Geschichte über den Mann, der, beim finalen Sprung von der Leiter des Landers, die berühmten Worte sagte:
“That’s one small step for man… one… giant leap for mankind."
8,5/10
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