Samstag, 31. Dezember 2016

Now You See Me 2 - Die Unfassbaren 2 (2016)

http://www.imdb.com/title/tt3110958/

Es ist ein Jahr her, seit die "Vier Reiter" das FBI überlistet und die Herzen der Zuschauer mit ihrer magischen Vorstellung à la Robin Hood im Sturm erobert haben. Für die Zauberer J. Daniel Atlas (Jesse Eisenberg), Merritt McKinney (Woody Harrelson), Jack Wilder (Dave Franco) und Neuzugang Lula (Lizzy Caplan) geht es nun erneut auf die Bühne. Mit einem noch spektakuläreren Trick wollen sie die fragwürdigen Praktiken eines Technik-Magnaten aufdecken. Hinter dem Coup steckt Walter Mabry (Daniel Radcliffe). Das technisch versierte Wunderkind spielt jedoch ein doppeltes Spiel und will im Auftrag seines Vaters Arthur Tressler (Michael Caine), der mit den „Vier Reitern“ noch eine Rechnung offen hat, die Show sabotieren: Der spektakulärste Raubüberfall der Geschichte soll nicht nur den Ruf der Magier, sondern auch ihre Leben zerstören. Nun muss die Truppe ihr gesamtes Können aufbieten, um Mabrys perfiden Plan aufzudecken und gleichzeitig auch dem FBI zu entkommen, das immer noch hinter den Zauberern her ist.

Nachdem "Now You See Me" als völliger Überraschungshit das gut vierfache seiner Produktionskosten wieder eingefahren hatte, war relativ schnell klar, dass darauf bald eine Fortsetzung folgen würde. Nach Louis Leterrier übernahm aber beim zweiten Teil Jon M. Chu die Regie. Aber wieder mal ist die Fortsetzung ein typisches Negativ-Beispiel für ein zügig nachgeschobenes Sequel, das auch eigentlich komplett unnötig war. Eine unlogische und zerfahrene Story, der man kaum folgen kann und eine Zweitsichtung zum Verständnis eigentlich unumgänglich machen, mittelmäßige Kopien von erfolgreichen Szenen des Originals, ein sichtlich lustloser Cast und vor allem der fehlende Charme und Magie des ersten Teils machen dieses Sequel teilweise anstrengend.


Die Besetzung blieb gegenüber dem ersten Teil praktisch gleich, einzig die weibliche Reiterin wurde ausgetauscht, verkörpert wird der neue Charakter Lula durch Lizzy Caplan. Die Schauspielerin macht ihren Job zwar nicht schlecht, dennoch kann man ihr eine kleine nervende Eigenschaft nicht abreden, aber vielleicht soll Lula auch so rüberkommen, störend jedenfalls ist sie schon. Ebenfalls neu im Bunde ist Daniel Radcliffe, welcher Walter Mabry verkörpert. Das amüsanteste daran ist wohl, dass Radcliffe, welcher in den "Harry Potter"-Filmen den gleichnamigen Zauberschüler verkörperte, hier nicht als Magier, sondern als Gegner der eben solchen da steht. Seine Rolle verkörpert er von Anfang an gut und überzeugend. Das bereits bekannte Trio, bestehend aus Jesse Eisenberg, welcher J. Daniel Atlas spielt, Woody Harrelson, der Merritt McKinney verkörpert und Dave Franco, der Jack Wilder Leben einhaucht, spielt überzeugend und schafft es, das Publikum zu fesseln. Auch die "Profis" Mark Ruffalo als Dylan Rhodes, Michael Caine als Arthur Tressler und Morgan Freeman als Thaddeus Bradley sind wieder mit von der Partie und bringen Standfestigkeit in den doch noch einigermassen jungen Cast rein.


Nach dem holprigen Anfang fängt sich der Film glücklicherweise und wird gegen Ende hin spannender. Dennoch vermisst man den schönen Fluss, der einen im ersten Teil von Anfang bis Ende mitgezogen hat. Die Charaktere sind weniger interessant dargestellt, die Handlung nicht so spannend. Das, was sich im Vorgänger noch durch Witz und Stil ausgezeichnet hat, verkommt leider an vielen Stellen zu Kitsch und billigen Gags. Auch die einzigartigen Kombinationen aus Bühnenshow und Heists kommen zu kurz. Dennoch schafft es der Film, mit einigen Ecken und vielen Wendungen den Ablauf spannend zu gestalten, was dem Zuschauer Gelegenheit gibt, sich auf die Tricks zu konzentrieren - die leider zu oft sehr künstlich aussehen und man sich etwas mehr Budget für die gesamte CGI-Abteilung gewünscht hätte. Einige Szenen sind zwar überzeugend gelungen, im Grossen und Ganzen aber sind die Bildeffekte leider enttäuschend.


Noch schlimmer ist aber das lustlose Agieren des Casts - mit Ausnahme von Daniel Radcliffe, der wirklich positiv überrascht. Selbst die grossen Ikonen bieten hier nur schlechte Abziehbilder ihre Karriere: Caine ist mittlerweile zu alt, kann (oder will) nicht mal mehr das Gesicht zu einer anderen Mimik verziehen, Freeman leidet unter der völlig absurden Entwicklung seines Filmcharakters, das ist ihm auch deutlich anzusehen. Überzeugender ist - trotz dieser Lustlosigkeit - die Chemie im Film. Man merkt richtig, dass sowohl Schauspieler, als auch die Drehbuch Autoren und der Regisseur eine grosse Freude daran hatten, diesen Film zu drehen, was sich auch etwas in der Komik des Film wiederspiegelt, denn da gibt es dann doch noch einige gut platzierte Gags. Und dass bereits ein dritter Teil angekündigt wurde, lässt nunmehr mit weitaus weniger Erwartungen  auf ein positives Ende hoffen. Allgemein fehlt es dem Film an der Wertigkeit und dem Charme des Vorgängers. Ein Totalausfall ist die Fortsetzung - an sich betrachtet - bei Weitem nicht, enttäuscht im direkten Vergleich aber dennoch.


Leider muss man am Schluß auch noch bemerken, dass die Trailer erneut viel zu viel von den Hauptattrakltionen des Films zeigen und man hier tunlichst vermeiden sollte diese zu sehen, sofern man sich überraschen lassen möchte. Dann, und nur dann, kann der Film sicher noch ein Stück mehr verzaubern.

6,5/10