Donnerstag, 15. Dezember 2016

[KINO] Rogue One: A Star Wars Story - Star Wars: Rogue One 3D (2016)

http://www.imdb.com/title/tt3748528/

Schwere Körperverletzung, Besitz gestohlener Güter, Fälschung imperialer Dokumente – Jyn Erso (Felicity Jones) legt sich mit Imperium und Widerstand an, ganz egal. Sie ist alles andere als eine Heilige, als sie von den Rebellen gefangengenommen wird. Andererseits: Der Kampf gegen das Imperium wird nicht mit Samthandschuhen gewonnen, das wissen die Widerstandskämpfer um Mon Mothma (Genevieve O'Reilly). Und außerdem war Jyns Vater Galen Erso (Mads Mikkelsen) maßgeblich daran beteiligt, die neue Superwaffe des Imperiums zu bauen, weswegen sein Insiderwissen und Jyns Verbindung zu ihm wertvoll sind. Insofern ist die undisziplinierte junge Frau, die sich seit ihrem 15. Lebensjahr allein durchschlägt, genau die Richtige für ein Team, das Galen finden und eine Himmelfahrtsmission ausführen soll: Das Imperium will den Todesstern testen und die Rebellen wollen wissen, was genau die Waffe kann – und wie man sie zerstört. Zusammen mit ihrer Gruppe, darunter ihr Aufpasser Captain Cassian Andor (Diego Luna), der blinde Krieger Chirrut Imwe (Donnie Yen) und dessen Kumpel Baze Malbus (Jiang Wen) sowie der umprogrammierte Ex-Sicherheitsdroide K-2SO (Alan Tudyk), zieht Jyn los. Der imperiale Militärdirektor Krennic (Ben Mendelsohn) aber will den Leak um jeden Preis verhindern, auch weil er Darth Vader im Nacken hat...

Nostalgische Momente und ein Todesstern. Die "Star Wars"-Maschinerie läuft seit knapp 2 Jahren endlich wieder auf Hochtouren und das erste Spin-off liefert exakt das was auch angekündigt wurde: eine Mischung aus Kriegsfilm und Heist-Movie, als organisch-grobkörniges Drama erzählt, mit eigener Ästhetik und Relevanz. Es mag sich anfangs komisch anhören, dass die Handlung von "Rogue One: A Star Wars Story" zwischen Episode III und Episode IV angesiedelt ist, aber es bietet auch neue Perspektiven und Möglichkeiten. Da aber damit der Plot auch bekannt ist, bleibt nur die Flucht nach vorn. Denn zwangsläufig bietet die Geschichte über den Diebstahl der Todesstern-Pläne (um seine Achillesferse zu finden und ihn zu zerstören) keinen breiten oder gar epischen Rahmen, dafür ist allerdings genug Anlass für bildgewaltige Schlachten. Der Verlauf ist vorherbestimmt, jeder "Star Wars"-Fan kennt das Ende, welches, nebenbei bemerkt, wohl eines der besten Übergänge zu dem bekannten "Star Wars" liefert, die man sich hätte vorstelen können. Plötzlich ist "Krieg der Sterne" ein homogenes Teil eines Ganzen und nicht mehr der Beginn einer Trilogie, die von einet Prequel-Trilogie angeführt wurde, um dann in einem Sequel ihren vorläufigen Höhepunkt zu finden.


Aber eben diesen Drahtseilakt zwischen 'bekannt' und 'neu' bewältigt Regisseur Gareth Edwards gekonnt mit einigen herrlichen Verweisen auf das bekannte Universum, bekannten Hintergrundfiguren aus den "alten" Filmen und archetypischen Figuren, die von Familie, Erlösung und Aufopferung geprägt sind. Universelle Motive des heldenhaften Kriegsfilms - nur hier eben im "Star Wars"-Universum angesiedelt. Edwards Regie ist mitunter auch anzumerken, dass er immer wieder unterschiedliche Interessen verfolgen muss. Der Prolog baut nämlich als düsterer, spannender Einstieg ein ordentliches narratives Fundament, nach zwanzig Minuten wird jedoch bereits neues Personal an vier weiteren Schauplätzen etabliert, die in der Folge teils nie wieder besucht werden. Das ist etwas zu hurtig und sprunghaft, sodass man, wenn man nicht von Anfang an am Ball bleibt, zumindest hier kurz den Überblick verlieren kann. Auch den humorvollen Ton seiner Vorgänger nimmt er im ersten und zweiten Akt zunächst an, obwohl Edwards im dritten und letzten Akt letzendlich mehr daran gelegen scheint, einen düsteren Kriegsfilm in einer weit entfernten Galaxie zu erzählen. Erzählerisch ist dieser Wandel etwas holprig, aber spannend und mitreißend und überaus cool.


Aber die grundlegende Prämisse von "Rogue One", die ja bereits in "Star Wars: Episode III: Die Rache der Sith" angedeutet wurde und die als "Bekannt" abgestempelte Basis für "Star Wars: Episode IV: eine neue Hoffnung", ist auch klar: eine Gruppe von Kämpfern will mit ihrem Himmelsfahrtkommando einen Völkermord abwenden. Dieser Hoffnungsschimmer ist das emotionale Herzstück von "Rogue One". Dazu muss zunächst von Planet zu Planet gehüpft werden. Zukunft trifft auf Vergangenheit in einem mehr als ansprechenden, beinahe fühlbar wirkenden Design und Setting. Jeder Charakter bekommt eine kurze, eigene Geschichte. Das ist knapp und effizient bzw. funktional gehalten, aber je mehr der Film dann auf sein Finale zusteuert, verliert er seine Figuren emotional aus den Augen. Stattdessen wandelt er triumphierend durch die Schatzkammer nostalgischen Reichtums, den "Star Wars" nun mal als filmhistorisches Meisterwerk anbietet. Die emotionalen Konflikte der Figuren verblassen im Vergleich zum Höhepunkt des Films, dem dritten Akt, wenn der gesamte Krieg vor tropischer Kulisse und im Weltall mündet. Wo sich allerdings "Star Wars: Episode VII: Das Erwachen der Macht" gern auf die glühende Lumineszenz des Lichtschwerter-Fan-Services ausruhte, findet "Rogue One" seinen eigenen Rhythmus, seine eigene Identität, seinen eigenen Stil. Und der liegt sicherlich nicht im Storytelling oder empathischen Mithecheln um seine Figuren, sondern in seinen atemberaubenden Effekten, kraftvoll inszenierten Kämpfen und seiner überraschend düster-schmierigen Optik, die ja bereits von einer noch düsteren Version 5 Monate vor Kinorelease auf Anweisung des neuen Rechteinhabers Disney etwas familientauglicher zurechgestutzt wurde. Zumindest ist damit die FSK12-Freigabe mehr als berechtigt.


Etwaige subtile Zwischentöne, wie ein Diskurs über die schmutzigen Handlungen von Widerstand oder ein möglicher Kommentar zu aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen werden erschlagen vom intensiven und dreckigen Schlachtengemälde. Allerdings waren politische und anti-kriegerische Analogien oder Diskurse nie die allgemeine Botschaft der "Star Wars"-Filme. Frei von metaphysischen und spirituellen Diskurs, beinahe gänzlich frei von irgendwelchen Jedi-Kräften, brettert der Streifen mit der puren Willenskraft des Widerstandes auf sein tragisches Ende zu. Das ist im Jahr 2016  natürlich politisch-korrekter, multikulturell und Geschlechtertechnisch-sauber besetzt und erzählt mit einem typischen Soundtrack. Diesen sollte ursprünglich übrigens Alexandre Desplat komponieren, im September 2016 wurde jedoch bekannt, dass Michael Giacchino seine Arbeit übernimmt, der bereits die Musik für den Film "Star Trek: Into Darkness" komponiert hatte und im Film "Star Wars: Episode VII: Das Erwachen der Macht" in einem Cameo-Auftritt zu sehen war. Giacchino hatte die Filmmusik nach eigenen Aussagen in nur vier Wochen komponiert. Das merkt man ihr nicht an. Es ist eine nahezu perfekte Adpation von Williams klassischem Score, dessen Themen in Giacchinos Werk immer wieder Anklang finden.

Insgesamt schafft es der Film also, sowohl "Star Wars"-Fans zu beeindrucken, wie auch Leute, die einfach nur die große Action und Ballerei sehen wollen. Manchmal bricht "Rogue One" bewusst die Traditionen des Franchises, dann bedient er wieder die etablierten Regeln. Der Film ist ein kleiner, mutiger Schritt in die richtige Richtung und sticht in diesem bis auf wenige Ausnahmen recht schwachen Kinojahr durchaus als imposanter, außergewöhnlich inszenierter und ungewohnt düsterer Blockbuster hervor. Vor allem die pausenlose, dreckige Action und die detailverliebten Szenerien auf den verschiedenen Planeten, an denen man sich dank Greig Frasers hervorragender Kamerarbeit nicht satt sehen kann, wissen zu begeistern. "Rogue One" ist ein überraschend cleverer Cocktail aus den besten Elementen der Originale, mit eigenständigen Genre-Ideen und Spezialeffekte auf modernsten Niveau. Und er schafft es an das Feeling der Original-Trilogie anzudocken, die fast unmittelbar nach dem Ende des Films beginnt. Hervorragend!

8,5/10