Sonntag, 4. Dezember 2016

Ghostbusters (Extended Cut) (2016)

http://www.imdb.com/title/tt1289401/

Abby Yates (Melissa McCarthy) hat schon immer an Gespenster geglaubt, es ist ihr ganz egal, ob man sie dafür belächelt. In einem heruntergekommenen Labor erforscht sie das Paranormale, unterstützt wird sie von der schrägen, aber genialen Ingenieurin Jillian Holtzmann (Kate McKinnon), die allerlei abgefahrene Anti-Geister-Waffen bastelt. Abbys alte Freundin Erin Gilbert (Kristen Wiig) hat das umstrittene Forschungsgebiet hingegen schon lange für eine Karriere als seriöse Physikerin aufgegeben, was einst zum Bruch zwischen den beiden Partnerinnen geführt hat. Doch als Erin kurz vor einer Festanstellung an der renommierten Columbia-Universität steht, wird sie von der gemeinsamen Geisterforschervergangenheit eingeholt. Sie bittet Abby um Hilfe, aber die wittert schnell eine ganz andere Gelegenheit und schleppt Erin mit zu einem Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert, in dem es zu einer Geistererscheinung gekommen sein soll. Nach diesem Termin ist nichts mehr so wie vorher: Die Frauen mischen als Ghostbusters New York auf und erhalten durch die resolute U-Bahn-Angestellte Patty Tolan (Leslie Jones) weitere Verstärkung.

Beinahe schon zu viel Kritik und Hass musste die "Ghostbusters"-Neuauflage schon vor der Kinopremiere im Sommer 2016 einstecken: das Ergebnis war letztendlich vorwiegend Gegenstand einer schon fast politischen Feminismus-Diskussion. Nach jahrzehntelangen Überlegungen zu einem dritten Teil entschied man sich für einen Reboot mit weiblichen Charakteren an der Stelle von Bill Murray, Dan Akroyd, Harold Ramis und Ernie Hudson zu realisieren. Es wäre auch schwer gewesen, die alte Crew zusammenzustellen. Ramis ist leider mittlerweile verstorben und die 3 verbliebenen "Ghostbusters" lehnten die Zusammenarbeit für einen weiteren Teil rigoros ab. Bereits kurz vor dem Kinostart im Juli 2016 wurde bekannt, dass Regisseur Paul Feig einen rund 15 Minuten längeren (und hier besprochenen) "Extended Cut" erstellt hat, mit dem man dann zur Heimkino-VÖ rechnen konnte. Ob diese frühzeitige Ankündigung letztendlich auch einen Einfluss auf das recht magere Kinokassenergebnis hatte oder die negative Grundhaltung vieler alter Fans und den prinzipientreuen Hatern Schuld ist - der Film floppte trotz insbesondere anfangs durchaus passablem Score auf ganzer Linie. Der ganz große Wurf ist die Neuauflage auch wirklich nicht geworden, allerdings auch nicht ganz so schlimm wie erwartet.

Aber wer hätte dann noch geahnt, dass eine erweitere Fassung einen mittelmäßigen Film noch schlechter macht? Sage und schreibe 51 abweichende Stellen, davon 23 Mal Alternativmaterial und 5 komplette Umschnitte mit einer Differenz zum Kinocut mit ca. 965 Sekunden. Und als Fazit kann man auch direkt festhalten, dass trotzdem kein großartig anderer Film entstanden ist. Wer also mit der Kinofassung nichts anfangen konnte, wird auch in der Langfassung defintiv nicht zum Fan werden. Am wesentlichsten auffällig ist bei den längeren Erweiterungen, dass Wiigs Charakter Erin in vielen Szenen in Fettnäpfchen tritt bzw. sozial unbeholfen dargestellt wird und das bemüht professionelles Auftreten bröckelt, welches sie gegenüber McCarthys Abby insbesondere in der ersten Hälfte aufrecht erhalten will. Dazu gehört auch ein zusätzlicher (und völlig sinnfreier) Subplot mit ihrem Freund. Die von Kate McKinnon dargestellte Jillian bekommt ebenfalls deutlich öfter die Chance, ihre Verrücktheit (und zum Augenrollen anregendes Product Placement) zu demonstrieren und ähnlich sieht es bei Chris Hemsworths Charakter Kevin aus, der hier noch dümmer agiert (obgleich dies eigentlich unmöglich erschien). Er bekommt zum Ende hin noch eine längere (auf Zwang lustige und daher öde) Tanzszene, welche während der Abspann-Sequenz zumindest im Ansatz auch schon in der Kinofassung angedeutet wurde. Zu guter Letzt kann man hier vielleicht noch eine weitere fast einminütige und damit fragwürdige Szene nennen, in der McCarthy jede Menge Schleim kotzt.

Man sieht also: der Kinocut war nicht nur aufgrund des Pacings definitiv die bessere Wahl, denn auch der Humor, der in der Kinofassung schon recht tief angesiedelt war, wird hier um einiges unterboten. Immerhin ist eine Fortsetzung mittlerweile gecancelled worden und auch wenn man sich zusammenriss und den Mädels immerhin eine Chance mit einer Sichtung des Streifens - egal in welcher Fassung - gewährte, so ist und bleibt das Reboot der "Ghostbusters" ein Flop. Einer mit Ansage.

4,5/10

Exklusiv bei SATURN gibt es den Film im Steelbook. Soweit, so noch nichts Besonderes, hätte dieses Steelbook nicht das Original-Logo der Ghostbusters als großer gummierter und detailgetreuer Magnet dabei. Außerdem beinhaltet das Set den Kino- und den Extended Cut des Films.