Donnerstag, 2. Juni 2016

Unknown (2006)

http://www.imdb.com/title/tt0450340/

In einer stillgelegten Fabrikhalle irgendwo in der Wüste wachen ohne jegliche Erinnerung fünf Männer auf. Der eine (Jeremy Sisto) ist mit Handschellen an ein Gitter gefesselt und hat eine Schusswunde. Ein zweiter (Joe Pantoliano) ist an einen Stuhl gefesselt. Die anderen drei sind nicht gefesselt, aber auch nicht unversehrt. Einer (Greg Kinnear) hat eine gebrochene Nase, auch den anderen beiden (Barry Pepper und James Caviezel) sieht man die Spuren eines Kampfes an. Aus der Lagerhalle scheint es keinen freien Weg nach draußen zu geben. Die Fenster sind vergittert, die einzige Tür mit einer Hightech-Anlage gesichert. Als nur einer (Caviezel) wach war, klingelte das Telefon. Der einzig Wache ging ran, eine Stimme teilte ihm mit, dass er alles unter Kontrolle behalten soll, am Abend werde man zurück sein. Zur gleichen Zeit irgendwo anders. Eliza Coles (Bridget Moynahan) deponiert das Lösegeld für ihren entführten Mann in einem Schließfach. Obwohl die Polizei alles haarklein überwacht, gelingt es einem Gangster (Peter Stormare), mit dem Geld zu fliehen. Doch zwei Cops (Kevin Chapman, Clayne Crawford) nehmen die Verfolgung auf.

Dies handwerklich wie schauspielerisch solide umgesetzte Werk kann sich, durch eine schöne Bildsprache, interessante Erzählstrukturen und einige Wendungen, ausreichend Aufmerksamkeit beim Publikum sichern. "Unknown" ist ein weiterer Film aus der Reihe der Plottwist-Thriller. Alles steht in Frage, am Ende kommt alles zusammen. Es ist der Flirt mit der Hermeneutik, der hier, irgendwo zwischen "Memento" und "SAW" (ohne jemals dessen Blutlevel zu erreichen) wieder für Interesse sorgen will. Und das funktioniert sogar ganz gut.

Regisseur Simon Brand verlässt sich auf einer sehr rauhen Anmutung und auf der Darstellung latenter und offener Aggression in ungemütlichem Ambiente. Sein Ensemble ist denkbar gut gewählt und insbesondere das grandiose Improvisationsduo Jim Caviezel und Barry Pepper sowie der exzellent gegen den Strich besetzte Greg Kinnear laufen zu Bestform auf. Bedauernswert ist lediglich, das Jeremy Sisto sich hier nur sehr begrenzt zeigen durfte. Wenn man etwas zu bemängeln hat, dann ist es die mangelnde Glaubwürdigkeit und auch etwas an fehlender Detailliebe. Auch etwas verwässert wird die Intensität des Streifens durch die parallel erzählte Suche der Polizei nach dem Entführungsopfer, an der sich auch die Gattin (Bridget Moynahan) beteiligt. Zu lange hat man den Eindruck, daß dieser ruppige Männerfilm durch die Ansicht einer attraktiven Frau notdürftig aufgelockert werden soll. Erst am Ende ergibt das alles Sinn. Und dann erst begreift man, worum es "Unknown" tatsächlich geht, nämlich um die essenzielle Bedeutung unserer Erinnerung - darum, wie wichtig es ist, zu wissen, wer man ist; daß die Erinnerung uns als Mensch, als Charakter ausmacht, ob uns das gefällt oder nicht. Und daß man, wenn einem das Gedächtnis abhanden kommt, Angst davor haben kann, wer man eigentlich ist. Und das schafft dieser Thriller dann wieder ganz gut.

7/10

Die erste Veröffentlichung aus dem Hause NAMELESS MEDIA ist dieser kleine, feine Thriller geworden, der dazu optisch schick in einem Mediabook verpackt wurde: