Samstag, 12. September 2015

Heat (1995)

http://www.imdb.com/title/tt0113277/

Neil McCauley (Robert De Niro) ist einer der besten Verbrecher in L.A. Seine Pläne sind so durchdacht, dass er immer spurlos davon kommen kann. Vincent Hanna (Al Pacino) ist ein akribischer Cop und einer der erfolgreichsten obendrein. Beide Männer sind besessen vom Verbrechen. Nur das Gesetz trennt sie. McCauley plant mit seinem Team (Val Kilmer, Danny Trejo, Tom Sizemore) noch einen großen Coup, doch als er sich in Eady (Amy Brenneman) verliebt, fällt es ihm schwer das Wesentliche im Auge zu behalten. Vincent Hanna steht kurz vor seiner dritten Scheidung und zu seiner Stieftochter (Natalie Portman) hat er keinen Draht. In Wirklichkeit ist Hanna mit dem Job verheiratet, seine wahre Familie sind die Cops (Mykelti Williamson, Wes Studi). Nach intensiven Ermittlungen bekommt Hanna eine Spur und zieht die Schlinge immer enger zu. Ein Katz- und Mausspiel entwickelt sich, das nur einer gewinnen kann...

Zwei Männer sitzen in einem Kaffee und führen ein scheinbar unspektakuläres Gespräch, bei dem sie sich gegenseitig aushorchen. Eine fast banal klingende Szene, die jedoch zu den größten Momenten der Filmgeschichte gezählt werden darf, weil diese Szene für das große Aufeinandertreffen zweier Filmlegenden steht. Robert De Niro und Al Pacino treffen in Michael Manns Meisterwerk "Heat" zum ersten Mal aufeinander und liefern sich ein schauspielerisches Kräftemessen per excellence. Neben der legendären Straßenschlacht in "Heat", ein gut zehnminütiger Schusswechsel mit atemberaubender Intensität, ist es vor allem diese Begegnung zwischen De Niro und Pacino, die zu den größten Szenen der Filmgeschichte zählen dürfte. Regisseur Michael Mann schuf 1995 mit "Heat" einen Thriller, der sicher als einer der besten aller Zeiten gilt und längst Klassiker-Status besitzt. Er ist eine raue und ebenso wehmütige Großstadt-Ballade, in der ein Cop und ein Gangster entdecken, dass sie Seelenverwandte sind, aber nun mal auf entgegensätzlichen Seiten des Gesetzes stehen. Das übergreifende Thema von "Heat" ist allerdings Einsamkeit. Jede Schlüsselfigur in diesem Film ist ein Sklave der eigenen Berufung und verdammt dazu, ausschließlich mit sich und dem selbstgewählten Kodex ein Leben fristen zu können.

Der Film spielt regelrecht mit diesem Aspekt und baut die große Konfrontation der beiden Hauptakteure langsam aber stetig auf. Ist es dann endlich soweit, entsteht ein wahrhaft großer Gänsehautmoment. Das Spannende an dieser Szene sind nicht nur die beiden Schauspielgiganten, sondern auch die Charaktere, die sie verkörpern. Beide sind nämlich im Grunde gleich, könnten sogar Freunde sein, ständen sie nur nicht auf unterschiedlichen Seiten des Gesetzes. Vincent Hanna und Neil McCauley sind stark gezeichnet, verfallen nicht dem typischen schwarz-weiß Muster, sie haben ihre jeweiligen Beweggründe, sind beide charismatisch, womit man letztlich beiden die Daumen drückt. Wie gut die Figurenzeichnung tatsächlich ist, untermauert am besten die besagte Restaurantszene. Hier sagen De Niros Blicke wirklich mehr als tausend Worte und zeugen von einer im Film entscheidenden Entwicklung seiner Figur. Die größte Freude löst aber die reine Tatsache aus, dass mit Robert De Niro und Al Pacino zwei Schauspiellegenden aufeinander treffen, die sich ein ebenbürtiges Duell liefern und auf dem Höhepunkt ihres Könnens agieren.

Auch wenn der Streifen eine stolze Laufzeit von 170 Minuten hat, gibt es wenige Filme von ähnlicher Länge, die derart präzise und vor allem ohne jegliche Längen geschrieben sind. Im Prinzip gibt es in "Heat" nicht eine einzige Szene, die überflüssig oder fehl am Platz wirkt. Mann findet in seinem perfekt strukturierten Drehbuch jederzeit die richtige Balance zwischen Spannung, logischer Handlungsentwicklung, charakterlicher Tiefe, zwischenmenschlicher Dramatik und meisterhaft choreographierter Action, wobei es ihm zudem auch noch gelingt, diverse, teils knapp angerissene Story-Fäden schlüssig zu einem Gesamtbild zu verknüpfen. Wie sich beide Hauptfiguren überraschend schnell füreinander öffnen, sofortige Parallelen entdecken, über ihre Träume philosophieren und fast schon eine Freundschaft entwickeln, dabei aber zeitgleich feststellen, dass einer den anderen in Zukunft töten muss, ist ein unvergesslicher Moment größter Filmkunst.

"Heat" ist eben ein makelloser Thriller, perfekt geschrieben, meisterhaft inszeniert, mit zwei perfekt besetzten Schauspielern den Hauptrollen und mit einem immer wieder feinen, melancholischen Unterton, den Michael Mann in seine einzigartigen Bilder packt. Ein völlig zurecht verehrter Klassiker.

9/10