https://www.imdb.com/title/tt6332764/
Die argentinische Gemeinde Epecuén ist eine Geisterstadt. Einstmals zählte der Ort zu den beliebtesten Ferienzielen des Landes. Tausende Touristen kamen Jahr für Jahr, um in den heißen Thermalquellen zu baden. Doch im November 1985 wurde Epecuén von einer zehn Meter hohen Springflut überschwemmt. Als das Salzwasser nach über dreißig Jahren zurückging, hinterließ es eine verwüstete Ruinenlandschaft. Jetzt ist eine Gruppe junger Dokumentarfilmer nach Epecuén gekommen, um einen Film über die zerstörte Stadt zu drehen. Die Gerüchte, dass dort immer wieder Besucher verschwunden sind, werden ignoriert. Als jedoch das Auto der Filmcrew eine Panne hat, wird die Exkursion zum grausamen Horrortrip. Denn Epecuén ist keinesfalls so menschenleer wie man angenommen hatte. Und die Bewohner betrachten die Neuankömmlinge als Beute …
Wenn man sich die Geschichte der Stadt Epecuén in Argentinien ansieht, klingt das nach typischem Futter für Filmemacher. 1921 gegründet, war die Basis der wirtschaftlichen Entwicklung der kleinen Stadt der nahegelegene Lago Epecuén, ein See, dessen Wasser nach dem Toten Meer den zweithöchsten Salzgehalt aufwies. Zunächst sollte das Salz gewonnen und als Produkt nutzbar gemacht werden. Parallel jedoch sprach sich die therapeutische Wirkung des Wassers herum und bald blühte Villa Epecuén touristisch auf. Mit dem Gesundheitstourismus kamen Hotels, Restaurants und Freizeiteinrichtungen. Der Boom wurde durch den Zweiten Weltkrieg noch verstärkt, da nun die Kurorte in Europa von Südamerika aus nicht mehr oder nur unter großen Gefahren erreichbar waren. Zeitweise kamen auf ca. zweitausend Einwohner fünftausend Gäste und die Stadt erhielt eine direkte Eisenbahnanbindung nach Buenos Aires. Da die 1930er und 1940er Jahre sehr niederschlagsarm waren, schrumpfte der Lago Epecuén ständig. Um den Badebetrieb in Villa Epecuén aufrechterhalten zu können, beschloss die Regierung der Provinz Buenos Aires den Bau des 25 Kilometer langen Ameghino-Kanals. Dieser sammelte Wasser aus weiter entfernten Seen und Flüssen und leitete es in ein System von sechs großen Seen, deren letzter der Lago Epecuén war. Dadurch sank zwar der Salzgehalt im See, der Hauptgrund für den Besucherstrom, aber das erschien gegenüber der weiteren Verlandung des Sees als das kleinere Übel. 1985 führten ungewöhnlich starke Regenfälle über Wochen zu einem stetigen Ansteigen des Wasserspiegels im See, der nur über einen kleinen, schlecht gewarteten Abfluss verfügte. Am 10. November 1985 brachen schließlich die Lehmdämme bei Villa Epecuén an mehreren Stellen und das Wasser ergoss sich in die Stadt. Binnen Stunden versank die Stadt in den Fluten und musste aufgegeben werden. Ein Wiederaufbau schien unmöglich und so versank Villa Epecuén für 25 Jahre im See. Seit 2009 zieht sich das Wasser durch regionale Regenarmut wieder zurück und gibt die Reste der Stadt frei. Sie zeigt sich verwüstet, aber gleichzeitig auch als Momentaufnahme des Tages ihres Untergangs. Straßen, Fahrzeugwracks, Möbel, Spielzeug und Werbetafeln blieben salzverkrustet erhalten und bieten einen unwirklichen Anblick. Reste von Bäumen scheinen auf ihren freigelegten Wurzeln zu stehen und am Stadtrand bietet die Ruine der ehemaligen Schlachterei ein beliebtes Fotomotiv und gleichwohl Thema des Filmposters.
In "Los Olvidados" steuert nun eine kleine Dokumentarfilm-Crew die Stadt Epecuén an. Eine der Überlebenden der Stadt, Carla (Victoria Maurette), führt die Crew in die Geschichte der Stadt ein. Nach einem kaum angenehmen Austausch mit den Einheimischen an einer Tankstelle vor der Stadt geht die Crew in die Ruinen und beginnt zu filmen. Aber ihr Fahrzeug bricht zusammen und sie bleiben gerade lange genug hier, um am eigenen Leibe zu erfahren, dass eine Familie von Psychokillern sich in der verlassenen Stadt niedergelassen hat. In der Stadt verstreut, kämpft die Crew fortan darum, am Leben zu bleiben. Mit ein paar Wendungen, die ihre Liebe für das Giallo-Genre zum Ausdruck bringen, zeigen die Onetti-Brüder, Nicolás und Luciano, ihren Hang zu modernen Psycho-/Horror-/Killerfilmen wie "The Texas Chainsaw Massacre" oder "The Hills Have Eyes". Gerade diese beiden Streifen schießen dem aufmerksamen Betrachter immer und immer wieder in den Kopf, denn - das muss man ehrlich sagen - vieles in "Los Olvidados" erinnert schon sehr an diese beiden Filme. Die Geschichte, die uns die Onetti-Brüder präsentieren ist also keinesfalls neu oder gar innovativ.Sie bewegt sich innerhalb der klassischen Prämissen des Genres, obwohl es einen letzten Effekt hat, den wohl so niemand erwarten würde. Trotzdem ist "What The Waters Left Behind" nur ein simpler Abklatsch. Von Drehbuch, Regie, Produzieren, Editieren und Scoring bis hin zum
fertigen Film haben die Onetti-Brüder eine visuelle Tapeserie miteinander verwoben, mit zwar teilweise
atemberaubender Fotografie (was die Kulisse eben so hergibt) aber ohne dabei viel Neues beizusteuern. Woran es auch mangelt, ist ein gewisser Szenenaufbau, die wenigen Sekunden vor einer Sequenz, die im Zuschauer Vorfreude oder Spannung aufbauen. Vieles ist offensichtlich, vieles vorhersehbar. Der Film kann auch nicht mit eindrucksvollen Monstern aufwarten, aber er beleidigt das Genre auch nicht gänzlich mit abscheulichen Charakteren und Schurken.
2,5/10




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