http://www.imdb.com/title/tt0119081/https://letterboxd.com/film/event-horizon/
Wir schreiben das Jahr 2047. Einige Jahre zuvor verschwand das Forschungsraumschiff "Event Horizon" spurlos. Jetzt wurde ein Signal empfangen und die amerikanische Raumfahrtbehörde reagiert sofort. Ein kompromissloser Captain, seine Elite-Crew und der Konstrukteur des vermissten Raumschiffs werden auf die Suche nach der Quelle des Signals geschickt. Ihr Auftrag: den Mega-Raumkreuzer zu finden und zu bergen. Was sie finden, ist unvorstellbarer Terror. Was sie retten müssen, ist ihr Leben. Denn irgendjemand oder irgendetwas wartet nur darauf, sie in eine neue Dimension unvorstellbaren Schreckens zu stoßen.
Regisseur Paul W.S. Anderson erschuf hier, in meinen Augen, seinen besten Film. Als "Event Horizon: Am Rande des Universums" 1997 in die Kinos kam, fiel die Resonanz überraschend verhalten aus. Kritiker bemängelten damals vor allem die überbordende Brutalität und die teilweise unausgegorene Handlung. Das Publikum blieb ebenfalls hinter den Erwartungen zurück. Doch wie so viele außergewöhnliche Genrefilme wurde auch Paul W. S. Andersons Werk erst Jahre später neu entdeckt und rückblickend wirkt der Film deutlich stärker, als sein damaliger Ruf vermuten ließ. Schon die Ausgangsidee gehört zu den größten Stärken des Films. Anderson verbindet klassische Science-Fiction mit Elementen des Geisterhauses und des übernatürlichen Horrors. Das Ergebnis erinnert einerseits an "Hellraiser" meets "Alien", andererseits an die Werke von H. P. Lovecraft und Clive Barker. Doch statt auf klassische Monsterjagden zu setzen, entwickelt sich der Schrecken zunehmend psychologisch. Die Crew wird mit ihren tiefsten Ängsten, Schuldgefühlen und Traumata konfrontiert, wodurch der Horror eine erstaunlich persönliche Dimension erhält - teilweise arg unlogisch und physikalisch blödsinnig, aber von Anfang an mit Vollgas unterwegs - zu einer sehr schrecklichen Version der Hölle..
Die Atmosphäre ist dabei nahezu durchgehend bedrückend. Die Event Horizon wirkt wie ein fliegendes Spukschloss aus Stahl - eng, dunkel und voller unheilvoller Details. Die Produktionsdesigner erschaffen eine Umgebung, die gleichzeitig futuristisch und gotisch wirkt. Lange Korridore, riesige Maschinenräume und groteske Architektur erzeugen ein permanentes Gefühl des Unbehagens. Viele spätere Science-Fiction-Horrorfilme haben sich sichtbar von dieser Bildsprache inspirieren lassen. Auch die Besetzung trägt entscheidend zum Gelingen bei. Laurence Fishburne überzeugt als besonnener Captain Miller, der versucht, trotz der immer extremer werdenden Ereignisse einen klaren Kopf zu bewahren. Sam Neill liefert als Dr. Weir eine seiner eindrucksvollsten Genre-Performances ab. Seine schleichende Entwicklung vom rationalen Wissenschaftler zur zunehmend fanatischen Figur gehört zu den Höhepunkten des Films und verleiht der Geschichte eine zusätzliche emotionale Ebene.
Besonders hervorzuheben ist die kompromisslose Inszenierung. Anderson scheut sich nicht davor, verstörende Bilder und intensive Gewaltdarstellungen einzusetzen. Viele der berüchtigten Szenen wurden für die Kinofassung sogar gekürzt, wodurch sich um den Film über Jahre ein regelrechter Mythos über verloren gegangene Sequenzen entwickelte. Dennoch lebt "Event Horizon" weniger vom Gore als vielmehr von seiner beklemmenden Atmosphäre und der ständigen Unsicherheit darüber, was Realität und was Wahnsinn ist. Wenn man überhaupt etwas zu kritisieren hätte, dann dass das Drehbuch zahlreiche faszinierende Ideen aufwirft, längst aber nicht alle Fragen beantwortet. Manche Figuren bleiben etwas eindimensional, und einige Dialoge wirken aus heutiger Sicht eher funktional. Auch das Finale setzt stärker auf Action, als es der zuvor sorgfältig aufgebaute psychologische Horror eigentlich verlangt hätte. Aber gerade diese Mischung macht jedoch aus heutiger Sicht einen Teil seines besonderen Reizes aus. "Event Horizon" wagt deutlich mehr als viele vergleichbare Studio-Produktionen seiner Zeit. Der Film entwickelt eine düstere Eigenständigkeit und erschafft Bilder, die sich tief ins Gedächtnis einprägen. Nicht ohne Grund gilt er heute als Kultklassiker, dessen Einfluss auf spätere Werke wie "Dead Space" oder zahlreiche moderne Sci-Fi-Horror-Spiele und -Filme immer wieder hervorgehoben wird.
"Event Horizon: Am Rande des Universums" ist am Ende ein wunderbar atmosphärisch dichter Science-Fiction-Horrorfilm, der seine Zuschauer mit einer einzigartigen Mischung aus kosmischem Schrecken, psychologischem Horror und düsterem Produktionsdesign in seinen Bann zieht. In wenigen Fällen funktioniert eben "Style-over-Substance". Dazu kommt ein passender Soundtrack, der in den Credits sogar noch von "The Prodigy" mit "Funky Shit" abgerundet wird - genau nach meinem Geschmack. Die intensive Inszenierung, die starken Hauptdarsteller und die bis heute verstörende Atmosphäre machen den Film zu einem echten Genre-Highlight. Wer düsteren Weltraumhorror abseits klassischer Alien-Geschichten sucht, findet hier einen der faszinierendsten Kultfilme der 1990er-Jahre.



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