Samstag, 6. Oktober 2018

[KINO] Incredibles 2 - Die Unglaublichen 2 3D (2018)

https://www.imdb.com/title/tt3606756/

Nachdem die Superheldenfamilie von Bob Parr (Stimme von Craig T. Nelson) und Helen (Stimme von Holly Hunter) durch eine etwas aus dem Ruder gelaufene Aktion gegen den "Tunnelgräber" (Stimme von John Ratzenberger) wieder in den Schlagzeilen gelandet ist, wird das Schutzprogramm gegen sie aufgelöst. Superhelden sind teuer und machen mehr Schaden als sie nützen. Gegen dieses Urteil will ein schwerreicher Unternehmer namens Winston (Stimme von Bob Odenkirk) der Familie unter die Arme greifen. Mithilfe von Publicity-Aktionen von Elastigirl (Frau Parr) soll die Legalisierung der Superhelden finanziert werden. Unterdessen bleibt Bob (alias Mr. Incredible) zu Hause und beobachtet seine Kinder Violetta und Flash und entdeckt Jack-Jacks bis dahin verborgene Superkräfte. Die Familie ist gemeinsam mit dem Superhelden Frozone gezwungen, sich einem neuen Bösewicht, dem "Screenslaver", der ein düsteres Komplott geschmiedet hat, gegenüberzustellen.

14 Jahre sind vergangen, seit "The Incedibles" ihr erstes Leinwandabenteuer bestritten. "Die Unglaublichen", so der deutsche Titel, sind die Pixar-Superhelden-Familie, die in Teilen an "Mr. Fantastic" oder gar "Superman" erinnern - und soweit es den Autor / Regisseur Brad Bird betrifft, ist an dieser Stelle gar keine Zeit vergangen. Der Epilog des ersten Films ist nun gleichzeit der Prolog des zweiten und der Superschurke "Underminer" ("Tunnelgräber") schickt sich gerade an, Metroville zu unterjochen und die Incredibles setzen all ihre Superkräfte ein, um ihn aufzuhalten. Damit allein ist diese augenblickliche Fortsetzung gewissermaßen ein geschickter Weg, den jüngsten Superheldenboom des Kinos nicht anzuerkennen - es gibt kein Zwinkern oder Nicken zu den lukrativen Kinouniversen, die in der Zwischenzeit entstanden sind. Im Universum der Unglaublichen war und ist das goldene Zeitalter der Superhelden vorbei.


In mancher Hinsicht wünscht man sich fast, dass sich die Dinge etwas weiter bewegt hätten. Nach der blendenden Eröffnung fühlt sich "The Incredibles 2" anfangs übervorsichtig an den Herzschlag des ersten Films gebunden: Superhelden sind immer noch illegal und unsere Heldenfamilie verlässt sich immer noch auf mysteriöse, wohlwollende Milliardäre, um über die Runden zu kommen und sich gleichzeitig versteckt zu halten. Aber es gibt auch bedeutende Unterschiede: Hier sind die wohlhabenden Wohltäter die Geschwister Evelyn und Winston Deavor, die alle ihre eigenen Gründe haben, der Familie zu helfen, den Status eines Bürgers zweiter Klasse zu überwinden. Die Deavors bieten ein wenig PR-Rotation im "Incredibles"-Universum, indem sie Ressourcen, Lobbyisten und eine Menge Versicherungen zur Verfügung stellen, um ihr öffentliches Image wiederherzustellen, wobei Elastigirl, deren dehnbare Kräfte sie am wenigsten zerstörerisch für die alte Garde machen, die Galionsfigur ist. Und so beginnt eine neue Mission - aber wie dem Zuschauer die Grillfeste bei "The Fast And The Furious" bewusst gemacht haben, ist "Familie eben alles" und das ist auch (wie immer) das Credo dieses Familienfilms. Das Jonglieren von Verbrechensbekämpfungsaufgaben mit häuslichen Verpflichtungen stellt so manche Gelegenheit für nette Witze bereit, ebenso wie die komplexe Dynamik einer 5-köpfigen Familie, die immer Sekunden von einer neue häuslichen Krise entfernt ist. Mit Helen als neuem Boss bleibt Bob als "Ersatzelternteil" zurück, und er hat alle Hände voll mit einem launischen Teenagermädchen, einem verzweifelten Vorschuljungen und einem wilden und unberechenbaren Baby. Diese Neuaufteilung passt recht gut ins aktuelle Weltbild, wo es eben schon längst nicht mehr eine klassische Rollenverteilung gibt. Und das ist sehr gut so.

Die meisten Gags hat wie immer die Nebenfigur. Jack-Jacks wahnsinnig unbekannte, vielgestaltige Kräfte stehlen mehr als eine Szene, aber der Film findet auch Zeit für ruhigere, familieninterne Momente, wenn die Eltern sich beispielsweise Sorgen machen, zwischen Zahnpasta zu entscheiden oder einen neuen Job anzunehmen, eben Szenen, die Familien überall genau erkennen werden. Das Wunderbare mit dem Alltäglichen zu verbinden, war die eigentliche Errungenschaft von Pixar im Allgemeinen und dieser Charaktere im Besonderen, und es ist hier ein besonderes Highlight. Wenn es nun ein Ärgernis im zweiten Teil gibt, ist es diese beständige Superhelden-Filmkrankheit: der unterschwellige Bösewicht. Im Gegensatz zum ersten Film, der das verstimmte ehemalige Fan-Syndrom (einen brillanten, gut abgerundeten Feind) zeigte, ist es hier der schwer fassbare "Screensaver", einer libertären und anarchischen Figur, die die Ätherwellen übernimmt, die Zuschauer hypnotisiert und sie beschimpft, alles über ihre Smartphones oder Fernsehbildschirme aus zweiter Hand zu erleben. Es ist zwar ein passender Bösewicht, dessen Motive aber leider erst ziemlich spät im Film bekannt werden und dessen wahre Identität viel zu früh in Richtung Zuschauer telegrafiert wird. Aber all das bewegt sich mit solch freudiger Geschwindigkeit und Energie, dass es vielleicht auch egal ist.

Einige Skeptiker hatten sich gefragt, ob Pixar nach dem sexuellen Fehlverhaltensskandal um Gründer John Lasseter seine Magie verlor. "The Incredibles 2" lässt solche Sorgen absurd erscheinen. Der Beweis dafür, dass die Magie, die seine größten Filme auszeichnete, nicht im Mindesten nachgelassen hat. Das Geschick von Brad Bird für wild-kinetische, geniale Sequenzen bleibt nämlich ungetrübt, und sogar die verrückteren Momente halten geschickt das Gleichgewicht. Im Endeffekt gibt es ein paar Kleinigkeiten in einem über-vertrauten Setup und einen unterversorgten Bösewicht, über die man sich beschweren könnte, aber warum sollte man das, bekommt man doch insgesamt eine herrlich-lustige Familienparabel geboten, die so unterhaltsam wie jeder Superheldenfilm ist, den man dieser Tage sehen kann.

8/10