Samstag, 14. Januar 2017

Boyhood (2014)

http://www.imdb.com/title/tt1065073/

Das Leben des sechsjährigen Mason Jr. (Ellar Coltrane) wird auf den Kopf gestellt, als seine Mutter Olivia (Patricia Arquette) mit ihm und seiner Schwester Samantha (Lorelei Linklater) in ihre Heimat Texas zurückkehrt, um noch einmal das College zu besuchen. Dort bekommen die Kinder immerhin auch ihren Vater Mason Sr. (Ethan Hawke), der seit der Scheidung kaum für sie da gewesen ist, wieder öfter zu Gesicht. Mason Jr. muss sich mit seiner neuen Lebenssituation arrangieren – und durchlebt so die zwölf Jahre, die aus einem kleinen Jungen einen Mann machen: Es stehen Campingausflüge mit dem Vater an, es wird das erste Bier getrunken, der erste Joint geraucht und auch die erste große Liebe erlebt. Doch die Männergeschichten von Olivia sorgen immer wieder für Probleme...

"Boyhood" ist ein bemerkenswertes Stück Film. Die Idee Richard Linklaters, die Jugend eines Jungen abzubilden, verwarf er schnell zugunsten einer anderen Vision. Das Zeigen des Heranwachsens dieses Jungens - gestreckt auf ganze zwölf Jahre. Und damit sind zwölf tatsächliche Jahre gemeint. Die Darsteller blieben über den gesamten Zeitraum die gleichen. Etwaige Komplikationen mit dem Filmstudio oder den Darstellern wurden durch flexible Verträge aus dem Weg geräumt, sodass sich alle Darsteller jedes Jahr für drei bis vier Tage trafen, um so jeweils einen Kurzfilm von etwa 15 Minuten zu drehen, welcher anschließend sofort nahtlos an den letzten angefügt wurde. Das ging ganze zwölf Jahre so. Das Drehbuch wurde zwar von Linklater entworfen, doch die Dialoge wurden größtenteils von den Darstellern selbst (und indirekt vom Leben) geschrieben. Herausgekommen ist dabei ein filmisches Experiment, das so vielleicht nur in langlebigen Fernsehserien (man denke hier an so manche Soap) zu sehen ist.

Als zehnjähriger Junge wird Ellar Coltrane eingeführt, drei Stunden später wird man den gleichen Jungen erleben, wie er seinen Highschool-Abschluss in den Händen hält. Doch im Gegensatz zu manch einer über Jahrzehnte gestreckten Serie wird die gesamte Zeit hier auf drei Stunden gestrafft, sodass sich Linklater mit "Boyhood" auch sämtlichen (geschriebenen wie ungeschriebenen) Filmgesetzen entzieht. Es gibt keinen übergeordneten dramaturgischen roten Faden (außer eben das Leben an sich), keine Klimax, keine Pointe zum Schluss. Viele kleine Weisheiten wurden jedoch in dem Film versteckt. Gesprochen und unausgesprochen. Und zu sehen, wie dieser Junge heranwächst und seine Ansichten, sein Äußeres, verändert, ist schon einzigartig und bildet das Leben so ab, wie es sonst vermutlich noch nie ein Film geschafft hat. Aber "Boyhood" nimmt sich auch zu viel Zeit für das was er zu bieten hat, denn der Film weiß ab irgendeinem Punkt nicht was er sein will. Einmal Coming Of Age, dann wieder Familiendrama, dann wieder etwas Coming Of Age, dann ein Liebesfilm. Dazu kommt, dass der Film nur sehr wenige Highlights hat, teilweise sehr kitschig ist und ein quasi nicht-existierendes Ende hat. Man erwartet also etwas zu sehen, was man nie bekommt. Das hat auch etwas, reicht aber eben insgesamt nicht für den Titel "Meisterwerk".

8/10