Sonntag, 15. Januar 2017

Black Swan (2010)

http://www.imdb.com/title/tt0947798/

Ernsthafte Hoffnungen macht sich Nina (Natalie Portman) nicht auf die Hauptrolle als zugleich weißer und schwarzer Schwan in der ambitionierten Neuauslegung von Tchaikovskys "Schwanensee". Als ihr exzentrischer Ballett-Regisseur Thomas (Vincent Cassel) ihr den Part trotzdem anbietet, ist sie ganz fassungslos vor Glück. Doch bald merkt Nina, dass professioneller und privater Druck Tag für Tag rapide ansteigen. Zuhause steht sie ständig unter der Aufsicht ihrer herrischen Mutter (Barbara Hershey), die ihr eigenes Scheitern als Tänzerin mit der Karriere ihrer Tochter kompensiert wissen will. Und dann ist da noch Thomas’ neuer Ensemble-Darling Lily (Mila Kunis), die wie ein düsterer Gegenentwurf zur eingeschüchterten Hauptdarstellerin auftritt. Die Premiere naht – und Nina entwickelt zunehmend paranoide Züge...

Wenn Daren Aronofsky am Werk ist, dann kommt dabei eigentlich immer etwas ganz Besonderes dabei heraus. Mit "Black Swan" gelingt ihm eine nahezu perfekte Mischung aus Horror und Psychothriller. In ästhetischen Bildern schickt er Natalie Portman durch einen fiebrigen Alptraum ihrer eigenen Begierde und wird dabei von Sekunde zu Sekunde immer faszinierender.

Nina Sayers (Natalie Portman) ist eine talentierte, jedoch schüchterne Ballett-Tänzerin an der New York Ballett Company. Ihren Traum von der Hauptbesetzung als Schwanenkönigin in Tschaikowskis "Schwanensee" ordnet sie alles unter. So lernen wir sie in den ersten Minuten des Films als unreifes, aber eifriges Mädchen kennen, die von ihrer Mutter auf manische Weise angeleitet wird, offensichtlich ihren eigenen Traum als Tänzerin auszuleben. Bei den Proben zu "Schwanensee" macht sie sich allerdings wenig Hoffnung auf die Rolle, da der Regisseur des Stücks Thomas (grandios: Vincent Cassel) immer wieder betont, dass sie zwar perfekt für die Rolle des 'Weißen Schwans' sei, ihr jedoch die Düsternis und das Verlangen des 'Schwarzen Schwans' fehle. Als sie zu ihrer Überraschung doch nominiert wird, beginnt der albtraumhafte mentale Absturz der jungen Tänzerin. Ein Wandel, der sowohl durch Drehbuch wie auch Bildsprache perfekt erzählt und verdeutlicht.

Ohne die Handlung vorweg nehmen zu wollen, erlebt der Zuschauer nun die Transformation der unschuldigen Nina, die eigentlich sinnblidlich für die unglückliche weiße 'Schwanenkönigin' steht, in den 'Schwarzen Schwan'. Dabei wird der Zuschauer von Aronofsky brilliant in Ninas, zuerst verunsicherte und leicht verzerrte, anschließend paranoide und surreale Gedankenwelt entführt. Das Ganze geschieht mit einer Eleganz, die einem Ballettstück gleich kommt. Eine Geschichte, die sich in 3 Akte einteilen lässt. Wie bei einem echten und wahrhaftigen Drama. 1. Intro 2. Erste Auswirkungen und Wahnvorstellungen bis hin zu 3. Höhepunkt, Wendung und Schluss. Der Film verliert nie seinen Ton und geht keinerlei Kompromisse ein. Schnitt und Kameratechnik sind brilliant. Das ist das Ende einer unglaublich stilvoll erzählten Geschichte über Liebe, Sehnsucht, Verzeiflung und Wahnsinn. Einzigartig in Szene gesetzt, unglaublich gespielt und Konsequent eingefangen und beendet.

Auch "Schwanensee" selbst ist nicht etwa einfach nur ein Ballett-Stück, es verbindet Trauer, Glück und Wahnsinn zugleich. Besonders die Musik von Tschaikowski entfacht dabei eine psychodramatische und zugleich in die tiefsten Abgründe des Menschen gleitende Musik. Natalie Portmann spielt hier die Rolle ihres Lebens. Ihre Metamorphose in den 'Schwarzen Schwan' hätte ein Overacting-Desaster werden können. Stattdessen gelingt es ihr perfekt die Verwandlung der Tänzerin in ihr dunkles laszives Ebenbild zu vollziehen. Portmanns Hingabe ist in jedem Moment des Films zu spüren. Sie schafft die Gratwanderung zwischen den beiden Extremen spielend in die Handlung einzuflechten und hat ihren Oscar mehr als verdient gewonnen. Auch sämtliche Nebencharaktere sind durchweg gut geschrieben und besetzt und zusammen mit der opernhaften Musik, die nur an einer sehr wirkungsvollen Stelle durch neumodisches Techno-Gewummer unterbrochen wird, beginnt ein albtraumhafter Abstieg in ästhetischer Schönheit. Kurzum: "Black Swan" ist ein weiterer Beweis dafür, dass Aronofsky einfach sein Handwerk versteht. Eine klare Empfehlung.

8/10