Montag, 20. Juni 2016

Tears Of The Sun - Tränen der Sonne (Director's Extended Cut) (2003)

http://www.imdb.com/title/tt0314353/

Lieutenant A. K. Waters (Bruce Willis) soll mit seinem Navy-Seals-Elitetrupp nach Nigeria, um die amerikanische Ärztin Dr. Lena Kendricks (Monica Bellucci) sowie zwei Nonnen und einen katholischen Priester aus dem Krisengebiet zu retten. Doch die Ärztin will ohne ihre afrikanischen Schützlinge nicht abreisen. Waters muss die Ärztin anlügen, um sie zum Helikopter zu bewegen. Er versichert ihr, dass die Dorfbewohner mitfliegen könnten. Das stellt sich schnell als Lüge heraus. Als sie auf dem Rückflug ein Massaker in einem Missionsdorf entdecken, gibt Lieutenant Waters den Befehl zum Umkehren. Zusammen mit den Flüchtlingen macht sich die US-Eliteeinheit zu Fuß auf den mehrere Tage langen Marsch in Richtung des sicheren Kameruns. Als sie unterwegs weitere Gräueltaten entdecken, entscheiden sich die US-Militärs zum Eingreifen, obwohl das dem Befehl des Oberkommandos widerspricht...

Antoine Fuquas vierter abendfüllender Spielfilm "Tears Of The Sun" scheint ein reiner und actiongeladener Kriegsfilm zu sein. Ist er aber nicht. Er ist eher ein heute noch recht aktueller Kriegs-Thriller, der sich erst sehr spät mit blankem Gaballer abgibt. Aber hier, in diesen letzten paar Minuten, drückt Antoine Fuqua richtig aufs Gas und liefert eine gigantisch gut inszinierte und musikalisch perfekt untermalte Kampfsequenz ab. Doch ist diese - wie gesagt - nicht Hauptbestandteil oder gar Kernaussage des Films. Und damit unterscheidet sich dieser Film streckenweise sehr von vielen Vertretern des Genres, da er zu großen Teilen ohne überbordernde Action auskommt und somit nicht zur simplen Schießbude verkommt. Zum Glück.

Nein, "Tears Of The Sun" ist ein Anprangern afrikanischer Verhältnisse in Zeiten der Warlords und feindlicher Machtübernahmen durch Regimestürze, die billigend das Ableben tausender Menschen in Kauf nehmen. Und gerade weil sich Fuqua im Film insgesamt viel Zeit lässt, um eben über jene Menschen und deren Schicksal zu berichten, so Tunnelblickartig einem dies auch vorkommen mag, so spielt der Film in der einer der oberen Ligen der Kriegs-/Antikriegsfilme. Die Flucht vor den Grausamkeiten der nigerianischen Rebellen durch den dichten Urwald ist packend aufgemacht und schafft es jederzeit, den Zuschauer beid er Stange zu halten. Der Streifen versucht die Grausamkeit des Krieges viel mehr mit realistischen und gnadenlosen Szenen von zivilen Opfern, anstelle von permanent umherfliegenden Kugeln darzustellen und das funktioniert eindrucksvoll, wenngleich man wohl angesichts dieser sehr realen Bilder bestürzt sein dürfte. Denn Bilder, in denen die einheimische Zivilbevölkerung wie Vieh geschlachtet wird, gehen wirklich an die Substanz und hinterlassen einen einen tiefen Eindruck.

Gerade deswegen ist "Tears Of The Sun" für sich ein kleines Meisterwerk. Dazu sind die Darsteller gut gewählt, auch wenn man dem eher wortkargen Bruce Willis den Teamleader nichtz hundertprozentig abkaufen will. Lediglich Monica Bellucci erscheint etwas fehlbesetzt. Ihr Engagement scheint zwar real, aber offenbar erkennt ihre Figur nicht große Zusammenhänge und lebt hier für den Augenblick, ohne auch nur einen Millimeter weiter zu denken. Das ist etwas schade und trübt neben dem gerade gegen Ende etwas zu sehr aufspielenden Patriotismus das Gesamtergebnis. Man könnte dem Streifen auch verwerfen, ein weiterer US-Army-Werbefilm zu sein, doch schaut man hinter die Kulissen, ist es eher umgekehrt. Klar sind die Helden cool gezeichnet und agieren taktisch wie auch im Team perfekt - so wie man es sich wünscht - aber dennoch neigt man als Zuschauer dann doch eher dazu sie als Mittel zum Zweck zu betrachten, welches jedoch angesichts der Entscheidungsgewalt keinesfalls erstrebenswert ist. 

Der hier besprochene "Director's Extended Cut" ist satte 21 Minuten länger als die reguläre Kinofassung. Viele der neuen Szenen waren ursprügnlich bereits als Deleted Scenes vorhanden, sinnvoll ist die Integration für den Film aber auf jeden Fall. Der Film wird dadurch besser, wenn auch etwas behäbiger. Es wird nun genauer auf die Stammesfehden eingegangen und ein realistischeres Bild solcher Konflikte gezeigt, in dem nicht Gut gegen Böse kämpft, sondern eine Macht, die andere ablöst und beide Seiten die andere ethnische unterdrückte und ermordet hat. Dadurch lässt sich die neu hinzugekommene Freiheitsrede des Stammesfürsten für sein Volk der Ibo am Ende auch anders interpretieren, als es den Anschein hat. Er müsste durch Gewalt, die jetzige Herrscher entmachten und würde die Belange anderer ethnischen Gruppierungen ignorieren oder sie sogar verfolgen und vernichten, wie es sein Vater scheinbar getan hat und auch die, die ihn jetzt aus seinem Land vertrieben haben.

Die USA werden jetzt auch dezent, aber für mitdenkende Zuschauer erkennbar, als das dargestellt was sie sind: eine Supermacht, die sich mit allem arrangieren kann, solange es für sie von Vorteil ist und kein Problem damit hat, seine Maxime schnell zu ändern. Und in Nigeria, als größter Erdölexporteur, sind Vorteile für das eigene Land nicht schwer zu finden. Diese kritischen Untertöne fehlten in der Kinofassung noch fast vollständig. Die ewigen Nörgler, die in dem Film bisher nur eine erneute Selbstbeweichräucherung amerikanischer Soldaten-Tugenden sehen, werden damit aber sicher nicht zur Vernunft kommen. Warum aber soll man in einem amerikanischen Film amerikanische Soldaten zeigen, die sich nicht wie amerikanische Soldaten verhalten, nur damit überkritische Europäer keine Gehirnwäsche vermuten?

8/10