Sonntag, 4. Mai 2014

Tyrannosaur - Eine Liebesgeschichte (2011)

http://www.imdb.com/title/tt1204340/

Joseph ist kein guter Mensch. Jähzornig pöbelt sich der einsame Trinker in Feinripp und Jogginghose durch ein verpfuschtes Leben, verzweifelt schier an einer Umwelt, deren pragmatische Ignoranz aus den kalten Schatten der verfallenden Sozialbauten erwächst. Hier im Viertel ist die Gewalt ein ständiger Begleiter, selbst wenn sie sich gegen das einzige Wesen richtet, das bedingungslos zu einem hält. In einem kurzen Moment tiefster Verletzlichkeit findet der Witwer Zuflucht im Second-Hand-Laden von Hannah. Vorbehaltlos begegnet die verheiratete Frau aus besseren Verhältnissen dem grobschlächtigen Arbeiter und bringt sein zynisches Weltbild ins Wanken. Und auch wenn Joseph sich anfangs dagegen wehrt, wird aus einer leisen Freundschaft tiefe Zuneigung. Doch als sich offenbart, welches schreckliche Geheimnis die zarte Frau in den dunkelsten Winkeln ihres Herzens verbirgt, muss Joseph erkennen, dass der Weg in eine bessere Zukunft durch düstere Untiefen führt.

Sperrig, schwierig, nicht greifbar, unsympathisch, unangenehm, ungemütlich und unmöglich in eine Schublade zu packen. Das trifft sowohl auf den Film als auch auf den Hauptcharakter zu. Bereits in den ersten Minute wird man vor eine unlösbare Aufgabe und vor die Frage gestellt, was man von Gesehenen halten und wie man das verarbeiten soll. Das wirft einenerst einmal aus der Bahn und man weiß überhaupt nicht, wohin. "Tyrannosaur" ist eine authentische, aus dem Leben gegriffene, bittere und emotional absolut grausame und krasse Geschichte, die ohne viel geschwollene  Worte auskommt und zudem noch einen total verstörenden Verlauf nimmt, sodass sie sich erst recht im Hirn und im Gemüt festsetzt. Das klingt jetzt alles negativ, ist es aber nicht, denn ich fand den Film klasse, auch wenn ich ihn nicht sonderlich mochte. Aber selbst Darstellerisch war er überragend: Peter Mullan spielt den unangenehmen und mit zahlreichen Ecken und Kanten versehenen Hauptcharakter, der aber irgendwo weit tief im Inneren einen weichen Kern zu haben scheint, beinahe schon abartig gut. Olivia Colman war auch richtig stark und Eddie Marsan als unberechenbarer und widerlicher Dreckskerl hat mich total geschockt, denn ihn kannte ich bisher nur in gänzlich anderen Rollen, die eher im Mainstream-Kino zu finden sind. Ein starker Film, der unter die Haut geht mit seiner emotionalen Härte. Und den ich bestimmt lange Zeit nicht sehen möchte, so gut er auch war.

8/10