Freitag, 2. Mai 2014

Alexander Revisited: The Final Cut (2004)

http://www.imdb.com/title/tt0346491/

Mit 25 Jahren hatte er bereits die ganze Welt erobert. Er ging als größte aller Legenden in die Geschichte ein, weil er die Zukunft der Menschheit für immer veränderte. Im 4. Jahrhundert v. Chr. besteigt ein gerade erst 20-Jähriger den Thron der Makedonier und bricht zu einem Feldzug auf, der die Welt für immer verändern sollte. Sein Name: Alexander. Mit seinem gewaltigen Heer von 40.000 Mann zieht er gegen seine Feinde. Die unzähligen und brutalen Schlachten scheinen oft aussichtslos. Doch durch Alexanders militärisches Genie und seinen unbändigen Willen bezwingt der gnadenlose Kriegsherr seine Gegner und unterwirft sie. Nach 11 Jahren des erbitterten Kampfes beherrscht er schließlich 95 Prozent der damals bekannten Welt.

"The world is yours. Take it!"

So klein wie Makedonien für Alexander, so groß war seine Biographie für Regisseur Oliver Stone. 2004 kam mit "Alexander" ein knapp 3-stündiges Epos in die Kinos und Jahre später kam mit "Alexander Revisited eine Fassung, die noch einmal knapp 40 Minuten länger war. Das Leben Alexanders des Großen kann man eigentlich ncith in einem einzigen Film erzählen. Es müsste ein Dreiteiler sein, eine Miniserie, aber auf keinen Fall ein einziger Film. Dies ist auch das größte Handicap dieses gigantischen Historienfilms, weshalb Oliver Stone letztlich nur einen sehr kleinen Einblick geben konnte. Denn obwohl er nur 33 Jahre alt wurde, ist - wie die Geschichte lehrt - Alexanders Leben so umfangreich und nachwirkend, dass ein Film allein bei weitem nicht ausreicht, die wichtigsten Stationen seines Werdegangs in Szene zu setzen. Das scheint wohl auch Stone klar gewesen zu sein, den vor allem zum Ende hin brachte er einige von einander getrennte Begebenheiten in einer Szene unter.

Was bei “Alexander” um so erstaunlicher ist, da es Oliver Stone nicht gänzlich gelungen ist, aus dem umfangreich vorliegenden historischen Material und einem 150 Millionen Dollar Budget eine spannende Geschichte zu basteln, die den Film über seine Länge hätte tragen können. Stattdessen ergeht sich das Werk über weite Strecken in gähnender Langeweile, die nur kurzzeitig von ein Paar stark inszenierten und gespielten Szenen unterbrochen wird. Denn ja, nicht alles ist schlecht an diesem Film. Ich behaupte sogar, dass Stone die wichtigsten Zutaten für ein großes Kinomenü zusammen hatte, nur ist es ihm nicht gelungen diese zu 100% zu komponieren, sodass vieles nur in Ansätzen stecken blieb.

Da ist der Cast, der mit durchaus sehr fähigen Darstellern besetz ist, nur machte Colin Ferrell als titelgebender Portagonist die meiste Zeit über einen eher lustlos und relativ unmotivierten Eindruck. Einzig in der Szene, in der er seine Krieger durch eine Ansprache zum Weitermarsch bewegen wiel kam das Charisma zum Vorschein, dass man vom wohl fähigsten Anführer den die europäische Geschichte hervorgebracht hat, auch erwartet. Auch die Streitszenen mit Philipp und Kleitos fand ich sehr gut gespielt. Ansonsten aber strengte er den Zuschauer mit Dialogen über Selbstzweifel und Identitätssuche an, die so vom historischen Vorbild nicht bekannt sind. Genial besetzt fand ich Olympias mit Angelina Jolie, deren Erscheinung sehr gut mit den Beschreibungen zum Vorbild einhergeht. Eine schöne durchtriebene und Männer-mordende Furie, vor der man als Sohn nur reißaus nehmen möchte. Allein ihre Blicke in manchen Szenen jagen einem einen kalten Schauer über den Rücken. Geschmälert wird dies allerdings von dem ständig vorhandenen Einduck der Unglaubwürdigkeit, der aufgrund des Altersunterschiedes zwischen “Mutter” und “Sohn” (1 Jahr) aufkommt, der - nach emienr bescheidenen Meinung - durch eine jüngere Besetzung des Alexanders zu beheben gewesen wäre. Val Kilmer versucht das Beste aus seiner eher kleinen Rolle zu machen, obwohl sein Philipp fast ausschließlich als ständing besofener Weiber- und Knabenschändender Wüstling daherkommt. Dabei war schon er einer der fähigsten Feldherren und vor allem Staatsmänner des antiken Griechenlands. Völlig fehlsbesetzt war Rosario Dawson als Roxane, deren Wrestlingauftritt den unfreiwilig humoristischen Höhepunkt des Films lieferte. Die Tanzszene war allerdings schön anzusehen und mehr hatte sie zum Glück nicht zu tun. Anthony Hopkins ist sicher einer der besten Schauspieler dieser Tage, aber seine Rolle als erzählender Ptolemaios war etwas undankbar geschrieben. Jaret Leto musste als "Sidekick" zum Glück nur gut aussehen und ein paar Stichworte für Farrell für dessen teils langatmige Selbstbetrachtungen geben und dann sterben.

"All greatness comes from loss."

Die Ausstattung war allerdings klasse und vielleicht auch das Beste am ganzen Film. Da wurde wirklich versucht ein wenig Geschichte lebendig zu machen. Ob Babylon mit seinem Ischtar-Tor (das Original ist im Pergamonmuseum in Berlin zu sehen), die Innenräume der Paläste oder die Kostüme und Ausrüstungen, die man antiken Abbildungen (hier seien das Alexandermosaik oder der Alexandersarkophag genannt) nachempfunden hatte. Die Musik von Vangelis ist gut. Nicht mehr und nicht weniger - und sie bietet dazu ein schönes Thema. Allerdings finde ich, dass zu einem solchen Film ein etwas epischerer und klassischerer Soundtrack aus der Feder von Shore oder Williams besser gepasst hätte.


Auch ist “Alexander” der erste mir bekannte Historienfilm indem die Statuen richtigerweise bemalt sind, den nur die Römer beliesen sie im weißen Mamor. Auch die Inszenierung der Schlacht von Gaugamela war eine Wucht, man hatte sogar versucht den Ablauf der Schlacht nachzuzeichnen und auch die Schlacht in Indien (Hydaspes) war hervorragend dargestellt, wenn auch in diesem Fall historisch nicht korrekt, da man nicht im Dschungel kämpfte. “Alexander” hat also einige Schauwerte fürs Auge zu bieten, scheitert aber wegen eines spannungsarmen Plots, den Zuschauer über die Filmlänge hinweg zu unterhalten. Schauspielerisches Potential wird über weite Strecken in nichtssagenden Dialogen verschenkt. Insgesamt leider nur ein sehr guter Historienfilm, der größer hätte werden können als er nun tatsächlich ist.

7,5/10

Einen sehr anschaulichen Vergleich zwischen Kinofassung und Final Cut gibt es hier: schnittberichte.com.