Montag, 6. Juli 2026

Futureworld - Futureworld: Das Land von Übermorgen (1976)

https://www.imdb.com/title/tt0074559/

Die Handlung spielt einige Jahre nach den katastrophalen Ereignissen von Westworld. Der Freizeitkonzern Delos hat seine Anlagen wieder aufgebaut und lädt ausgewählte Journalisten ein, die Sicherheit und Fortschrittlichkeit des neuen Freizeitparks "Futureworld" zu begutachten. Die Reporter Chuck Browning (Peter Fonda) und Tracy Ballard (Blythe Danner) werden jedoch misstrauisch, als Hinweise auf eine größere Verschwörung auftauchen. Schon bald entdecken sie, dass Delos weit mehr plant als die Unterhaltung zahlungskräftiger Besucher - und dass modernste Robotertechnologie möglicherweise dazu genutzt wird, die mächtigsten Menschen der Welt zu ersetzen.

Fortsetzungen stehen oft vor der schwierigen Aufgabe, die Welt eines erfolgreichen Films zu erweitern, ohne dabei dessen Reiz zu verlieren. Genau daran scheitert "Futureworld", zumindest teilweise. Drei Jahre nach Michael Crichtons einflussreichem Science-Fiction-Thriller "Westworld" kehrte das Delos-Universum zurück - diesmal unter der Regie von Richard T. Heffron. Statt erneut auf Spannung und technologischen Terror zu setzen, schlägt die Fortsetzung einen anderen Weg ein und entwickelt sich zu einer Mischung aus Verschwörungsthriller, Science-Fiction-Abenteuer und technologischem Zukunftsmärchen. Das Ergebnis ist durchaus unterhaltsam, erreicht jedoch nie die Klasse oder Intensität seines Vorgängers. Der stärkste Aspekt von "Futureworld" ist zweifellos seine Grundidee. Während "Westworld" vor allem von außer Kontrolle geratenen Maschinen handelte, beschäftigt sich die Fortsetzung mit Identitätsverlust, Klonen, Manipulation und der Frage, ob Technologie dazu genutzt werden könnte, politische und wirtschaftliche Machtstrukturen zu kontrollieren. Rückblickend wirken manche dieser Themen erstaunlich modern und greifen Ängste auf, die auch heute noch relevant erscheinen. 

Auch Blythe Danner hinterlässt einen positiven Eindruck. Ihre Figur Tracy Ballard bringt deutlich mehr Energie in die Geschichte als der oftmals etwas passiv wirkende Chuck Browning. Danner gelingt es, selbst in den ruhigeren Szenen Interesse aufrechtzuerhalten, und sie sorgt für einige der besten Momente des Films. Peter Fonda bleibt solide, wirkt jedoch nicht immer so engagiert, wie die Geschichte es eigentlich verlangen würde. Interessant ist zudem der historische Stellenwert des Films. "Futureworld" gehört zu den frühen Science-Fiction-Produktionen, die Computergrafiken einsetzten. Einige der digitalen Animationen waren damals technisch bemerkenswert und gelten heute als kleine Meilensteine der Filmgeschichte. Natürlich wirken diese Effekte aus heutiger Sicht sehr einfach, besitzen aber einen gewissen nostalgischen Charme. 

Leider offenbaren sich mit zunehmender Laufzeit auch die Schwächen des Films. Das größte Problem ist das Tempo. Während "Westworld" seine Bedrohung konsequent aufbaute und den Zuschauer permanent unter Druck setzte, verliert sich "Futureworld" häufig in Besichtigungen futuristischer Attraktionen und längeren Expositionsszenen. Die Spannung entwickelt sich nur schleppend, und viele der faszinierenden Ideen werden erst sehr spät wirklich relevant. Hinzu kommt, dass die Inszenierung stellenweise überraschend bieder wirkt. Der Film ist zu glatt und fast fernsehhaft inszeniert. Wo Michael Crichtons Original noch eine unangenehme, beinahe bedrohliche Atmosphäre erzeugte, wirkt "Futureworld" oftmals wie eine geführte Tour durch ein futuristisches Freizeitresort. Selbst die Verschwörung entfaltet nie ganz die Dringlichkeit, die ihr eigentlich innewohnt. Selbst das Finale hinterlässt einen etwas zwiespältigen Eindruck. Die Enthüllungen sind interessant und besitzen großes Potenzial, doch die Auflösung wirkt überraschend zurückhaltend. Die Geschichte deutet wesentlich größere Konsequenzen an, als sie dann letztlich tatsächlich ausspielt. Dadurch fehlt dem Schluss die Wucht, die man nach dem Aufbau der Handlung erwarten würde. 

Trotz dieser Schwächen bleibt "Futureworld" ein durchaus noch sehenswerter Science-Fiction-Film seiner Zeit. Er mag nicht die Spannung von "Westworld" besitzen, bietet aber einige interessante Zukunftsvisionen und eine Verschwörungsgeschichte, die ihrer Epoche teilweise voraus war. Gerade Fans klassischer 70er-Jahre-Science-Fiction dürften Gefallen an den charmanten Ideen, den futuristischen Designs und der nostalgischen Atmosphäre finden. Als nostalgischer Science-Fiction-Thriller funktioniert er durchaus, als große Fortsetzung bleibt er jedoch hinter seinen Möglichkeiten zurück.

5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkAmerican International Pictures/The Aubrey Company

Sonntag, 5. Juli 2026

Westworld (1973)

https://www.imdb.com/title/tt0070909/

Im Freizeitpark der Zukunft kann jeder den Helden spielen! Ob Cowboy, Ritter oder römischer Herrscher - der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Die Gegner und Statisten sind allesamt Androiden, die "verletzt" oder gar "getötet" werden können, während den Menschen durch eine spezielle Sensorik in den Waffen nichts geschehen kann. Peter Martin (Richard Benjamin) und John Blane (James Brolin) beschließen den Wilden Westen unsicher zu machen. Durch einen Systemfehler geraten die Androiden außer Kontrolle und die Sicherheitsprotokolle für die Waffen werden aufgehoben. Aus dem Spiel wird plötzlich tödlicher Ernst. Der mechanische Revolverheld (Yul Brynner), den Peter bereits zweimal im Duell geschlagen hat, macht sich - gemäß seiner Programmierung - auf die Suche nach seinem Gegner, um Rache für die Niederlage zu nehmen...

Lange bevor Michael Crichton mit "Jurassic Park" ein weltweites Phänomen erschuf, beschäftigte ihn bereits eine Frage, die bis heute nichts von ihrer Faszination verloren hat: Was passiert, wenn Technologie versagt und die Kontrolle über künstlich erschaffene Welten verloren geht? Die Antwort lieferte er 1973 mit "Westworld", einem Science-Fiction-Thriller, der nicht nur als Regiedebüt Crichtons beeindruckte, sondern auch den Grundstein für zahlreiche spätere Filme und Serien legte. Aus heutiger Sicht wirkt manches technisch überholt, doch die Ideen hinter dem Film sind erstaunlich modern geblieben. Was "Westworld" auch mehr als fünf Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung so interessant macht, ist die enorme Weitsicht seiner Grundidee. Themen wie künstliche Intelligenz, Automatisierung und die Gefahren technologischer Abhängigkeit wirken heute aktueller denn je. Besonders eindrucksvoll bleibt die Figur des namenlosen Revolvermannes, gespielt von Yul Brynner. Mit seinem schwarzen Outfit und seinem emotionslosen Blick wird er schnell zur eigentlichen Hauptattraktion des Films. Anfangs dient er lediglich als Attraktion für die Besucher, doch sobald die Systeme versagen, entwickelt er sich zu einer unaufhaltsamen Bedrohung. Seine stoische Präsenz verleiht dem Film eine Spannung, die bis heute hervorragend funktioniert. 

Dabei nimmt sich "Westworld" zunächst überraschend viel Zeit für den Aufbau seiner Welt. Crichton interessiert sich sichtbar für die Möglichkeiten seines futuristischen Freizeitparks. Die ersten Szenen wirken fast wie eine Werbebroschüre für Delos und laden den Zuschauer dazu ein, sich selbst vorzustellen, wie es wäre, in eine perfekt simulierte Vergangenheit einzutauchen. Diese ausführliche Einführung verleiht der späteren Eskalation zusätzliches Gewicht. Gleichzeitig sorgt sie jedoch dafür, dass der Film im ersten Drittel etwas gemächlicher wirkt. Sobald die Katastrophe beginnt, entwickelt sich "Westworld" jedoch zu einem spannenden Verfolgungsthriller. Die zweite Hälfte lebt vor allem von der simplen, aber effektiven Idee eines Gegners, der niemals müde wird, niemals aufgibt und immer näher kommt. Die Spannung entsteht weniger durch Action als durch die stetig wachsende Ausweglosigkeit der Situation. In dieser Hinsicht funktioniert der Film auch heute noch erstaunlich gut. 

Natürlich merkt man dem Film sein Alter an. Die Figuren bleiben teilweise recht oberflächlich, und einige Dialoge wirken aus heutiger Sicht etwas hölzern. Auch die Spezialeffekte besitzen nicht mehr dieselbe Wirkung wie in den 1970er-Jahren. Gleichzeitig liegt darin aber auch ein gewisser Charme. Besonders interessant ist, dass "Westworld" zu den ersten Filmen gehörte, die digitale Bildbearbeitung einsetzten - ein kleiner technischer Meilenstein, dessen Bedeutung oft übersehen wird. Letztlich bleibt "Westworld" ein faszinierender Science-Fiction-Klassiker, dessen Einfluss auf das Genre kaum überschätzt werden kann. Viele seiner Konzepte wurden später von anderen Filmen und Serien weiterentwickelt, doch die ursprüngliche Vision besitzt bis heute ihren ganz eigenen Reiz.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Metro-Goldwyn-Mayer

Piranha 3DD - Piranha 2 (2012)

https://www.imdb.com/title/tt1714203/

Es ist wieder etwas im Wasser! Und dieses Mal ist niemand vor den fleischfressenden Fischen mit messerscharfen Zähnen sicher. Denn jetzt schwimmen die monsterhaften Räuber aus der Urzeit stromaufwärts, in Richtung des Big Wet Water Parks, einer der meistbesuchten Attraktionsorte des Sommers. Fast ein Jahr nach den Geschehnissen im Lake Victoria macht sich eine Schar der äußerst angespannten und vor allem blutdürstige Piranhas auf, um ein Wasser-Massaker anzurichten und dabei kein einziges Körperteil unverschont zu lassen. Die resolute Maddy (Danielle Panabaker) und ihre beiden Freunde Kyle (Chris Zylka) und Barry (Matt Bush) beschließen dem blutigen Wahnsinn ein Ende zu bereiten und gehen dabei in die Offensive. Mit allen Mittel, die sie zu Verfügung haben, tauchen sie tief hinab, um es mit den überproportionierten Fleischfressern aufzunehmen...

Mit "Piranha 3D" gelang Alexandre Aja 2010 ein überraschend unterhaltsames Remake, das seinen B-Movie-Charme mit kreativen Splattereffekten und einer gehörigen Portion Selbstironie verband. Die Fortsetzung "Piranha 3DD" versucht, diesen Erfolg zu wiederholen - setzt dabei jedoch fast ausschließlich auf das Motto "mehr ist mehr". Mehr Gore, mehr Albernheiten, mehr nackte Haut und noch absurdere Ideen. Das Problem ist nur: Mehr bedeutet eben auch nicht automatisch besser. Schon nach wenigen Minuten wird deutlich, dass Regisseur John Gulager gar nicht erst versucht, die Geschichte ernst wirken zu lassen. "Piranha 3DD" versteht sich als überdrehte Horrorkomödie, die bewusst jede Grenze des guten Geschmacks überschreiten möchte. Immer wieder gibt es augenzwinkernde Anspielungen auf das Horrorgenre, absurde Dialoge und völlig überzogene Splattereinlagen. Immerhin verleugnet er seine trashige Identität nie.

Die praktischen Gore-Effekte sind stellenweise ordentlich umgesetzt und liefern einige erfreulich blutige Momente. Gerade das Finale setzt noch einmal auf kreativen Splatter und übertriebene Gewalt, die bewusst an klassische B-Movies erinnert. Wer genau diese Art von Unterhaltung sucht, wird zumindest punktuell seinen Spaß haben. Leider reichen diese Qualitäten nicht aus, um die zahlreichen Schwächen zu überdecken. Das größte Problem ist das Drehbuch, das kaum mehr als eine lose Aneinanderreihung alberner Einfälle bietet. Die Handlung wirkt konstruiert, die Figuren bleiben eindimensional und viele Witze zünden schlicht nicht. Statt den selbstironischen Ton des Vorgängers fortzuführen, driftet "Piranha 3DD" häufig in plumpen Klamauk ab. Gastauftritte von Christopher Lloyd und David Hasselhoff sorgen zwar für nostalgische Schmunzler, letztlich wirken sie aber eher wie Gimmicks als echte Bereicherungen. Gerade Hasselhoffs selbstironischer Auftritt gehört zwar zu den unterhaltsameren Momenten des Films, kann den Gesamteindruck jedoch nicht entscheidend verbessern.

Hinzu kommt, dass die computergenerierten Effekte sichtbar hinter denen des Vorgängers zurückbleiben. Während "Piranha 3D" seine Mischung aus CGI und praktischen Effekten noch vergleichsweise stimmig präsentierte, wirken viele Szenen hier deutlich günstiger und weniger überzeugend. Dadurch verliert selbst der eigentliche Star des Films - die Piranhas - einen Teil seiner Bedrohlichkeit. Am Ende bleibt "Piranha 3DD" ein Film, der seine Zielgruppe kennt, dabei aber zu oft über das Ziel hinausschießt. Der Spaß am hemmungslosen Trash ist durchaus spürbar, doch ohne die straffe Inszenierung und das Gespür für Timing des Vorgängers verpuffen viele Ideen. Statt einer gelungenen Fortsetzung entsteht so ein Creature-Feature, das zwar gelegentlich unterhält, insgesamt aber deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt.

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkDimension Films/Mark Canton Productions/Intellectual Properties Worldwid

Piranha 3D - Piranha (2010)

https://www.imdb.com/de/title/tt0464154/

Wenn der Frühling beginnt, flippen die amerikanischen Studenten aus: Spring Break, das ist die ultimative Party-Zeit. Am sonst eher verschlafenen Lake Victoria treffen sich tausende Feierwütige zum Tanzen, Trinken und Schwimmen. Doch sie ahnen nicht, dass ein Erdbeben unter Wasser preisgegeben hat, was zwei Millionen Jahre im Verborgenen blieb - Schwärme von prähistorischen Piranhas, die ihre Beute in Sekundenschnelle mit rasiermesserscharfen Zähnen zerfleischen. Das Buffet ist eröffnet! Auf der potentiellen Speiseliste stehen unter anderem: Deputy Fallon (Ving Rhames), Sheriff Julie Forester (Elisabeth Shue), ihr Sohn Jake (Steven R. Mcqueen), der Porno-Produzent Derrick Jones (Jerry O'Connell) und zwei vollbusige Kalender-Hotties (Kelly Brook, Riley Steele)...

Es gibt Horrorfilme, die ernst genommen werden wollen - und dann gibt es "Piranha 3D". Alexandre Ajas Remake des Kultfilms von 1978 macht von der ersten Minute an klar, dass hier weder Tiefgang noch subtiler Horror im Vordergrund stehen. Stattdessen setzt der Film auf eine wilde Mischung aus Creature-Feature, Splatter, nackter Haut und augenzwinkerndem B-Movie-Charme. Das Ergebnis ist herrlich hemmungslos, allerdings auch nicht frei von Schwächen. Die Handlung ist dabei bewusst simpel gehalten und dient in erster Linie als Grundlage für spektakuläre Angriffsszenen. 

"Piranha 3D" nimmt sich selbst auch nie zu ernst und feiert den klassischen Exploitation-Horror mit sichtbarer Begeisterung. Wo andere Remakes versuchen, ihre Vorlagen zu modernisieren oder realistischer zu gestalten, dreht Aja sämtliche Regler bis zum Anschlag. Blutfontänen, abgetrennte Gliedmaßen und absurde Todesarten gehören hier ebenso zum Programm wie überzeichnete Figuren und jede Menge schwarzer Humor. Der Film liefert genau das, was sein Titel verspricht - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Besonders das große Massaker während des Spring Breaks zählt zu den Höhepunkten des Films. Die aufwendig inszenierte Sequenz verbindet Chaos, Splatter und makabren Humor zu einem der denkwürdigsten Creature-Feature-Momente der 2010er-Jahre. Die handgemachten Gore-Effekte sehen auch heute noch erstaunlich gut aus, selbst wenn die computergenerierten Piranhas nicht immer überzeugen.

Auch die Besetzung trägt zum Unterhaltungswert bei. Elisabeth Shue spielt ihre Rolle angenehm bodenständig und verleiht dem Film einen sympathischen Mittelpunkt. Adam Scott sorgt für trockenen Humor, während Jerry O'Connell als schmieriger Pornofilm-Produzent sämtliche Klischees genüsslich überzeichnet und einige der unterhaltsamsten Szenen für sich beansprucht. Allerdings stößt der Film mit seiner bewusst übertriebenen Ausrichtung auch an Grenzen. Die Figuren bleiben überwiegend oberflächlich und dienen meist nur als zukünftiges Fischfutter. Wer auf Spannung, Charakterentwicklung oder echten Horror hofft, dürfte eher enttäuscht werden. Statt Atmosphäre setzt der Film fast ausschließlich auf Schockeffekte, nackte Haut und immer größere Gewaltexzesse. Der Mittelteil hat auch etwas zu viel Leerlauf, bevor das große Finale schließlich sämtliche Zurückhaltung über Bord wirft. 

Auch der Humor trifft nicht immer ins Schwarze. Manche Gags wirken bewusst albern oder geschmacklos, doch genau diese Selbstironie macht einen Großteil des Charmes aus. "Piranha 3D" weiß jederzeit, dass er im Grunde ein glorreiches B-Movie mit großem Budget ist und versucht gar nicht erst, etwas anderes vorzugeben. Damit ist "Piranha 3D" einer dieser Filme, die man entweder akzeptiert oder ablehnt. Wer intelligente Horrorunterhaltung sucht, wird hier kaum fündig. Wer dagegen Lust auf eine kompromisslose Mischung aus Creature-Horror, Splatter und schrägem Humor hat, bekommt genau das geliefert. Laut, blutig, albern und herrlich respektlos - eben ein selbstironisches Creature-Feature mit jeder Menge Gore und das macht erstaunlich viel Spaß.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkAtmosphere Entertainment MM/Chako Film Company/Dimension Films/Aja / Levasseur Productions

Samstag, 4. Juli 2026

Over Your Dead Body (2026)

https://www.imdb.com/title/tt34685692/

Die Beziehung des Pärchens Dan und Lisa (Jason Segel und Samara Weaving) hat die beste Zeit längst hinter sich. Um angeblich wieder zusammenzufinden, unternehmen die beiden einen Trip in eine abgelegene Hütte. Doch in Wahrheit hegen sie den Plan, den jeweils anderen umzubringen. Ein blutiges Chaos ist vorprogrammiert...

Es gibt Filme, die ihre absurde Prämisse sofort offen auf den Tisch legen und das Publikum eigentlich nur zu fragen scheinen, ob sie bereit sind, hier mitzugehen. "Over Your Dead Body", die US-amerikanische Neuverfilmung der norwegischen Komödie "The Trip: Ein Mörderisches Wochenende" aus dem Jahr 2021, gehört genau in diese Kategorie. Regisseur Jorma Taccone, bekannt für seinen Hang zu schrägem Humor, kombiniert hier eine rabenschwarze Ehekomödie mit Thriller-, Horror- und Actionelementen. Jedoch haben Remakes internationaler Genrefilme oft ein großes Problem: Sie übernehmen die Handlung nahezu unverändert, verlieren dabei aber jene Eigenheiten, die das Original besonders gemacht haben. Bei Over Your Dead Body liegt die Messlatte zusätzlich hoch, denn die Vorlage, Tommy Wirkola's norwegische schwarze Komödie "The Trip", genießt unter Genrefans mittlerweile Kultstatus. Das Original überzeugte mit rabenschwarzem Humor, kompromissloser Gewalt und einer herrlich gemeinen Sicht auf eine völlig zerstörte Ehe. Die amerikanische Neuverfilmung von Regisseur Jorma Taccone übernimmt viele dieser Zutaten - erreicht aber nicht ganz die Schärfe ihres Vorbilds. Die Ausgangslage bleibt daher weitgehend identisch und wer das Original kennt, wird schnell feststellen, wie eng sich die Neuverfilmung an die Vorlage hält. Viele Szenen, Wendungen und Dialogsituationen wurden nahezu direkt übernommen. Das ist einerseits positiv, weil die Grundidee von "The Trip" bereits hervorragend funktionierte. Andererseits entsteht dadurch gelegentlich der Eindruck, dass "Over Your Dead Body" nur selten eine eigene Identität entwickelt. Das Ergebnis ist ein unterhaltsamer, stellenweise urkomischer und erfreulich blutiger Genremix, der jedoch nicht immer die Balance zwischen seinen verschiedenen Tonlagen findet. 

Wo das Remake allerdings punktet, ist bei seiner Besetzung. Jason Segel und Samara Weaving tragen den Film mit sichtbarer Spielfreude. Gerade die ersten 30 bis 40 Minuten gehören zu den stärksten des gesamten Films. Die verbalen Scharmützel zwischen Dan und Lisa sind bissig, witzig und manchmal unangenehm ehrlich. Man spürt, dass diese Ehe längst nicht mehr zu retten ist. Segel spielt seinen gescheiterten Filmemacher mit einer Mischung aus Frustration und Selbstmitleid, während Weaving erneut beweist, warum sie sich in den letzten Jahren als feste Größe im Genrebereich etabliert hat. Ihre Chemie sorgt dafür, dass selbst die absurdesten Situationen funktionieren. Auch handwerklich gibt es wenig zu beanstanden. Taccone inszeniert die Geschichte flott und nutzt die Mischung aus schwarzem Humor und expliziter Gewalt effektiv aus. Die praktischen Effekte sind gelungen, die Action bleibt übersichtlich und die zahlreichen Verletzungen bewegen sich bewusst im Bereich des grotesken schwarzen Humors. Trotzdem zeigt sich genau hier der größte Unterschied zum norwegischen Original. "The Trip" wirkte oftmals überraschend böse, unberechenbar und herrlich unangepasst. Die amerikanische Version ist zwar ebenfalls brutal, wirkt aber insgesamt etwas glatter und zugänglicher. Einige der unangenehmen Spitzen und der kompromisslose Zynismus der Vorlage wurden abgeschwächt oder stärker auf Unterhaltung getrimmt. Dadurch verliert die Geschichte ein Stück ihrer ursprünglichen Schärfe. Hinzu kommt, dass der Film nach seinem starken Auftakt etwas an Schwung verliert. Sobald die zusätzlichen Gegenspieler ins Spiel kommen, verschiebt sich der Fokus von der dysfunktionalen Ehe hin zu einem eher klassischen Home-Invasion- und Survival-Szenario. Das bleibt unterhaltsam, erreicht aber nicht mehr ganz die Raffinesse der ersten Hälfte. 

Dennoch gelingt es "Over Your Dead Body", seine Existenz als Remake zu rechtfertigen. Die moderne Besetzung, das hohe Tempo und die gelungene Mischung aus schwarzer Komödie und Splatter-Unterhaltung sorgen dafür, dass der Film auch unabhängig von der Vorlage funktioniert. Wer "The Trip" nie gesehen hat, bekommt hier einen äußerst kurzweiligen Genre-Mix geboten. Wer das Original kennt, dürfte sich dagegen immer wieder dabei ertappen, die beiden Filme miteinander zu vergleichen - und dabei meist den Norwegern den Vorzug zu geben.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork87North Productions/XYZ Films/74 Entertainment/IPR.VC/The Trip Productions

Der Nachname (2022)

https://www.imdb.com/de/title/tt14005338/

Zwei Jahre nach den Ereignissen von "Der Vorname" findet sich die ganze Familie Berger/Böttcher für einen Wochenendtrip auf der Finca von Dorothea (Iris Berben) auf Lanzarote zusammen. Sommer, Sonne und gute Laune sollen die nächsten Tage bestimmen, an denen Doro zudem eine große Ankündigung zu machen hat. Allerdings beginnt die Zeit unter der Sonne des Südens schon ziemlich chaotisch. Stephan (Christoph Maria Herbst), Elisabeth (Caroline Peters), Thomas (Florian David Fitz) und Anna (Janina Uhse) haben ihre eigenen Probleme im Gepäck, die ausgepackt werden wollen: Sie sind mittlerweile Eltern geworden, völlig abgebrannt, haben Eheprobleme oder ihren Job geschmissen. Die Zündschnur ist bei allen Anwesenden recht kurz und die Dauer bis zur Explosion ist nur eine Frage von Augenblicken. Zusätzlich werden noch einige Geheimnisse an die Oberfläche gezerrt und es kommt zu Katastrophen, mit denen nicht zu rechnen war.

Fortsetzungen erfolgreicher Komödien haben es selten leicht. Nach dem großen Erfolg von "Der Vorname" kehrte Regisseur Sönke Wortmann 2022 mit "Der Nachname" zu jener dysfunktionalen Großfamilie zurück, die bereits im Vorgänger für hitzige Diskussionen, politische Debatten und zahlreiche komische Momente gesorgt hatte. Die Erwartungen waren entsprechend hoch. Schließlich gehörte "Der Vorname" zu den erfolgreichsten deutschen Komödien der letzten Jahre und überzeugte vor allem durch seine scharf geschriebenen Dialoge und das hervorragend aufeinander abgestimmte Ensemble. "Der Nachname" knüpft in vielerlei Hinsicht an diese Stärken an, erreicht jedoch nicht ganz die Treffsicherheit und Frische des ersten Teils.

Wie bereits beim Vorgänger liegt die größte Stärke des Films in seinem Ensemble. Christoph Maria Herbst beweist erneut, warum er zu den besten Komödiendarstellern Deutschlands gehört. Seine Figur Stephan bewegt sich weiterhin zwischen Besserwisserei, Unsicherheit und herrlicher Selbstüberschätzung. Florian David Fitz bringt als Thomas gewohnt viel Charme und Schlagfertigkeit mit, während Justus von Dohnányi erneut für einige der trockensten und zugleich komischsten Momente des Films sorgt. Auch Caroline Peters und Iris Berben nutzen ihre Rollen geschickt, um die familiären Spannungen immer wieder anzuheizen. Besonders gelungen ist dabei das Zusammenspiel. Man merkt, dass die Figuren bereits etabliert sind und die Schauspieler ihre Dynamiken verinnerlicht haben. Viele der besten Szenen entstehen nicht durch große Gags, sondern durch die Reaktionen der Figuren aufeinander. Gerade die Wortgefechte und kleinen Spitzen innerhalb der Familie sorgen regelmäßig für Unterhaltung.

Inhaltlich versucht "Der Nachname", aktuelle gesellschaftliche Themen aufzugreifen, ohne dabei seine Leichtigkeit zu verlieren. Diskussionen über moderne Familienmodelle, Rollenbilder, Eheverständnisse und persönliche Freiheit bilden den Kern vieler Konflikte. Dabei gelingt es dem Film immer wieder, unterschiedliche Perspektiven auf humorvolle Weise aufeinanderprallen zu lassen. Kritiker lobten insbesondere die Dialoge, die trotz gelegentlicher Überzeichnung oft einen wahren Kern treffen und viele Situationen wiedererkennbar machen. Allerdings offenbart sich hier auch eine der Schwächen des Films. Während "Der Vorname" seine zentrale Prämisse konsequent nutzte und die Eskalation nahezu perfekt steigerte, wirkt "Der Nachname" gelegentlich etwas zerfasert. Die Handlung verteilt ihre Aufmerksamkeit auf mehrere Konflikte gleichzeitig, wodurch einzelne Erzählstränge nicht immer die notwendige Tiefe entwickeln. Manche Enthüllungen wirken zudem etwas konstruiert und dienen erkennbar dazu, die nächste Diskussion auszulösen. Auch der Überraschungseffekt des Vorgängers fehlt zwangsläufig. Viele Dynamiken und Konfliktmuster sind bereits bekannt, wodurch einige Szenen vorhersehbarer ausfallen. 

Dennoch bleibt "Der Nachname" über die gesamte Laufzeit hinweg kurzweilig. Das liegt vor allem daran, dass die Figuren trotz ihrer Überzeichnungen menschlich bleiben. Hinter den bissigen Kommentaren, Streitereien und Missverständnissen steckt immer wieder eine gewisse Wärme, die verhindert, dass die Charaktere zu Karikaturen werden. Gerade diese Mischung aus Komik und familiärer Vertrautheit macht den Reiz des Films aus. Damit avanciert der Film zu einer gelungenen, wenn auch nicht überragenden Fortsetzung. Der Film lebt von seinen hervorragenden Darstellern, seinem pointierten Humor und der Fähigkeit, alltägliche Familienstreitigkeiten auf unterhaltsame Weise zuzuspitzen. Zwar erreicht er nicht ganz die Klasse seines Vorgängers, bietet aber dennoch genügend Witz und Charme, um Fans des ersten Films zufriedenzustellen.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Constantin Film

Freitag, 3. Juli 2026

Conclave - Konklave (2024)

https://www.imdb.com/title/tt20215234/

Der Papst ist tot und Kardinäle aus allen Ecken der Welt eilen nach Rom, um dort zum Konklave zusammenzukommen und so eine neue Spitze für die katholische Kirche zu bestimmen. Kardinal Lawrence (Ralph Fiennes) hat alle Hände voll damit zu tun, das Prozedere zu leiten. Denn es geht hier nicht nur um einen seit Jahrhunderten geltenden Ablauf, sondern auch um knallharte Politik. Die Kardinäle schachern um Macht und Geld, während tausende Anhänger auf dem Petersplatz auf weißen Rauch warten. Hinter den verschlossenen Türen der Sixtinischen Kapelle prallen derweil Welten aufeinander - etwa der als liberal geltende Kardinal Bellini (Stanley Tucci) aus dem Lager des verstorbenen Papstes und erzkonservativen Kardinal Tedesco (Sergio Castellitto). Auch Adeyemi (Lucian Msamati) aus Nigeria, Trembley (John Lithgow) aus Quebec und Benitez (Carlos Diehz) aus Kabul buhlen um die Spitzenposition mit. Indes versetzen Terroristen mit Autobomben die Welt außerhalb der Kapelle in Angst und Schrecken...

Wenn man die Prämisse von "Konklave" hört - Kardinäle wählen hinter verschlossenen Türen einen neuen Papst -, klingt das zunächst nicht unbedingt nach einem nervenaufreibenden Kinoabend. Doch genau hier liegt die größte Überraschung von Regisseur Edward Berger. Aus einem jahrhundertealten religiösen Ritual macht er einen packenden Politthriller voller Intrigen, Machtspiele und moralischer Konflikte. Und das Ergebnis ist einer der intelligentesten und zugleich unterhaltsamsten Filme der letzten Jahre. Im Mittelpunkt steht Kardinal Lawrence, gespielt von Ralph Fiennes. Nach dem Tod des Papstes übernimmt er die Leitung des Konklaves und soll sicherstellen, dass die Wahl des neuen Kirchenoberhaupts ordnungsgemäß abläuft. Doch je länger die Abstimmung dauert, desto mehr Geheimnisse über die aussichtsreichsten Kandidaten kommen ans Licht. Hinter den ehrwürdigen Mauern des Vatikans entfaltet sich ein Netz aus persönlichen Ambitionen, politischen Interessen und lange verborgenen Wahrheiten. 


Was "Konklave" so faszinierend macht, ist die Art, wie der Film seine Geschichte erzählt. Obwohl große Teile der Handlung aus Gesprächen, Abstimmungen und strategischen Manövern bestehen, entsteht eine Spannung, die man eher aus klassischen Verschwörungsthrillern kennt. Jede neue Enthüllung verändert die Machtverhältnisse, jede Entscheidung kann den Ausgang der Wahl beeinflussen. Kritiker beschrieben den Film treffend als Mischung aus Politdrama, Krimi und Kammerspiel. Der größte Trumpf des Films ist jedoch Ralph Fiennes. Seine Darstellung von Lawrence gehört ohne Zweifel zu den stärksten Leistungen seiner Karriere. Fiennes spielt die Figur mit beeindruckender Zurückhaltung und verleiht ihr eine innere Zerrissenheit, die den gesamten Film trägt. Lawrence ist kein klassischer Held, sondern ein Mann, der zwischen Pflicht, Glauben und Zweifel seinen eigenen Weg finden muss. 

Doch nicht unerwähnt bleiben soll auch das Ensemble aus Nebendarstellern, welche auf ganzer Linie. überzeugen: Stanley Tucci, John Lithgow, Isabella Rossellini und Lucian Msamati sorgen dafür, dass jede Fraktion innerhalb des Konklaves ihre eigene Dynamik erhält. Selbst kleinere Rollen hinterlassen einen bleibenden Eindruck und tragen zur Glaubwürdigkeit der Geschichte bei. 


Visuell ist "Konklave" ebenfalls beeindruckend. Edward Berger inszeniert den Vatikan nicht nur als religiösen Ort, sondern als Schauplatz eines politischen Machtkampfs. Die prächtigen Hallen, die strengen Rituale und die exakt komponierten Bilder verleihen dem Film eine fast majestätische Atmosphäre. Gleichzeitig entsteht ein Gefühl von Isolation und Druck, das perfekt zur Handlung passt. Die elegante Kameraarbeit und die sorgfältige Bildgestaltung verstärken den Eindruck.

Doch ganz ohne Schwächen kommt auch der Film nicht aus. Manche Wendungen wirken etwas melodramatisch, und das Finale ist durchaus diskussionswürdig. Zudem verlangt die Geschichte eine gewisse Bereitschaft, sich auf viele Dialoge und politische Intrigen, und natürlich den kirchlichen Hintergrund einzulassen. Wer einen klassischen Thriller voller Action erwartet, wird hier nicht fündig. Dennoch gelingt es Berger fast durchgehend, das Interesse hochzuhalten und die Spannung kontinuierlich zu steigern. Interessant ist dabei, dass "Konklave" eine absolut faszinierende Mischung aus intelligenter Unterhaltung, starken Darstellern und überraschender Spannung ist. Er könnte als Paradebeispiel dienen, wie man anspruchsvolle Themen spannend und zugänglich inszenieren kann. Damit verbleibt beim Abspann ein Film, der beweist, dass große Spannung nicht von Explosionen oder Verfolgungsjagden abhängen muss. Stattdessen setzt er auf starke Figuren, kluges Schreiben und eine faszinierende Welt, die den meisten Zuschauern normalerweise verborgen bleibt.

"Konklave" ist ein intelligenter, hervorragend gespielter und überraschend fesselnder Thriller, der politische Intrigen mit existenziellen Fragen über Macht, Glauben und Verantwortung verbindet. Dank Ralph Fiennes in Höchstform, einer exzellenten Inszenierung und einer konstant spannenden Handlung gehört der Film zu den stärksten Dramen der letzten Jahre. Nicht jede Wendung sitzt perfekt, doch die Mischung aus Spannung und Tiefgang macht "Konklave" zu einem echten Highlight.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkFilmNation Entertainment/House Productions/Indian Paintbrush