Dienstag, 7. April 2026

Anaconda (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt33244668/

Eine Freundesgruppe direkt in der Midlife-Crisis will aus ihrem Trott ausbrechen und noch mal was anderes machen wollen - allen voran Doug (Jack Black) und Griff (Paul Rudd). So beschließen sie zusammen den wilden Plan, ein Remake ihres Lieblingsfilms aus ihrer Jugend zu drehen: "Anaconda". Und weil es sie nach Abenteuer giert, soll das natürlich am authentischen Schauplatz mitten im Regenwald passieren. Tief im Amazonas angekommen, müssen sie aber – wie soll es auch anders sein – schnell um ihr Leben kämpfen. Denn nicht nur der Dschungel mit seinen Bewohnern selbst erweist sich als unerbittlicher Widersacher, sondern es treiben auch gefährliche Kriminelle hier ihr Unwesen. Natürlich gibt es auch die titelgebende Riesenschlange außerdem wirklich und verwandelt das kleine Abenteuer nun endgültig in ein gefährliches Spiel um Leben und Tod, bei dem es schnell nicht mehr nur um ein verrücktes Filmprojekt von Freunden geht.

Das Remake von "Anaconda" ist einer jener Filme, die mit einem Augenzwinkern an ihre eigene Lächerlichkeit erinnern und dadurch erst richtig charmant werden. Tom Gormicans Meta-Komödie nimmt den Kultklassiker von 1997 nicht als heiliges Erbe, sondern als perfekten Vorwand für ein chaotisches Freundesabenteuer: Eine Gruppe Midlife-Crisis-Opfer zieht in den Amazonas, um ein Remake ihres filmischen Idols zu drehen - bis eine echte Riesen-Anakonda die Dreharbeiten in ein echtes Schlangenabenteuer verwandelt. Was als selbstironische Hommage beginnt, entpuppt sich als herrlich unbeschwerte Runde aus Slapstick, Buddy-Chemie und genau genug Monster-Gore, um den Biss zu haben. Es ist kein Horror-Meisterwerk, aber eine Komödie, die ihre Schwächen als Stärke verkauft - und dabei lacht, bis die Lachtränen fließen.


Jack Black, ein Wirbelsturm aus Enthusiasmus und Tollpatschigkeit, spielt Doug McCallister, Paul Rudd, der ewige sympathische Chaot, seinen Jugendfreund Griff. Blacks hyperaktiver Traumtänzer, dessen "Lass uns das Ding drehen!"-Optimismus (wie schon in "King Kong") kollidiert mit Rudds trockenem Sarkasmus - das funktioniert wunderbar: ihre Chemie passt perfekt. Um dem Alltag zu entfliehen, schnappen sie sich die Filmrechte für "Anaconda" und chartern ein Boot in den Amazonas-Dschungel, um mit Freunden Claire (Thandiwe Newton), Kenny (Steve Zahn) und der mysteriösen Ana (Daniela Melchior) ihr Remake zu drehen. Mit winzigem Budget, improvisierten Kostümen und einem Cameo von Ice Cube als sich selbst entsteht ein meta-chaotisches Set: Doug als J.Lo-Stand-in, Griff als Jon Voight, alle stolpern durch Script-Änderungen und Technikpannen. Doch als eine gigantische Anakonda auftaucht - hungrig, aggressiv, mit lauten Jump Scares - wird aus Fake-Film echter Überlebenskampf. Newton bringt Claire scharfsinnige Coolness, Zahn Kenny als panische Comicfigur. Melchior bleibt als Ana etwas unterrepräsentiert, doch ihr Subplot mit brasilianischen Schurken (Selton Mello) gibt dem Chaos Struktur. Die Besetzung trägt Szenen wie die Boot-Reparatur oder das "Anaconda"-Sing-along mit solcher Leichtigkeit, dass man vergisst, wie klug der Humor getimt ist. 


Regisseur Tom Gormican dirigiert mit Augenzwinkern: Der Film parodiert B-Movie-Klischees - schlechte CGI-Schlangen, Script-Änderungen in letzter Minute, Cameos - und dreht sie zu Insider-Gags. Die echte Anakonda (besser animiert als 1997) beißt aggressiv zu, doch der Fokus liegt auf Komik: Laute Scares dienen dem Punchline, Gore ist cartoonesk. Der Amazonas fühlt sich lebendig an - neblig, sumpfig, bedrohlich -, und der Score mischt 90er-Nostalgie mit tropischem Beat. Es ist kein reiner Monster-Horror, sondern eine Komödie, die ihr Monster als Sidekick nutzt. Thematisch schimmert Midlife-Weisheit durch: Doug und Griff lernen, Träume trotz Chaos zu leben, Freundschaft über Fame zu stellen. Positive Botschaften wie Loyalität und Kreativität. Meta-Elemente spotten Hollywoods IP-Gier, ohne zu predigen - ein Spiegel für Fans, die Remakes lieben/hassen. 

"Anaconda" beißt zwar nicht ganz so hart zu wie erwartet, lacht aber herzhaft über sich selbst. Black und Rudd glänzen, Gormican bastelt ein charmantes Chaos - perfekt für Meta-Fans. Es schluckt sein Erbe nicht ganz, spuckt es aber mit Witz aus: Ein unterhaltsamer Biss ins Leere, der trotzdem satt macht. 

6,5/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Columbia Pictures

Montag, 6. April 2026

Stromberg: Wieder alles wie immer (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt34991535/

Zwanzig Jahre sind vergangen, seit Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst) und sein Team von der Schadensregulierung der CAPITOL-Versicherung die deutsche Büro-Kultur auf den Kopf gestellt haben. Damals dominierten flapsige Sprüche, fragwürdige Umgangsformen und Kantinenessen ohne vegane Optionen. Nun steht ein Wiedersehen an, das klären soll, ob Stromberg und seine einstige Truppe sich ebenso verändert haben wie die moderne Arbeitswelt. Berthold "Ernie" Heisterkamp (Bjarne Mädel), Tanja und Ulf Steinke (Diana Staehly und Oliver Wnuk), Jennifer Schirrmann (Milena Dreissig) und Stromberg selbst treffen sich erneut - im Rahmen einer pompös inszenierten Reunion vor laufenden Kameras. Doch wie bei jeder Familienfeier kommen alte Konflikte, ungelöste Spannungen und reichlich Alkohol ins Spiel. Was als nostalgische Rückschau beginnt, gerät bald außer Kontrolle und endet in einem Chaos, das niemand vorausgesehen hat.

Gleich eines vorweg: dass mit der Film überhaupt ein paar Schmunzler abringen konnte, lag nur an einigen Interkationen zwischen Bjarne Mädel und Christoph Maria Herbst. Was man ihm zugute halten muss ist, dass "Stromberg: Wieder alles wie immer" eben nicht so tut, als wäre die Zeit stehen geblieben. Er ist weniger eine Rückkehr als ein Beweis dafür, wie schnell ein guter Einfall seine eigene Karikatur werden kann. Der Film weiß sehr genau, dass Bernd Stromberg nur deshalb funktioniert, weil er aus einer Kultur des kleinen Machtmissbrauchs stammt, aus dem Büro als moralischem Niemandsland, in dem ein Mann mit Halbglatze, Halbwissen und großer Klappe plötzlich so etwas wie Autorität beanspruchen durfte. 2025 wirkt diese Figur nicht nostalgisch, sondern wie ein Überbleibsel, das sich weigert, seinen Platz im Museum einzunehmen. Genau darin liegt der Reiz des Films - und auch sein größter Fehler. Das Publikum dürfte trotzdem einen weiteren Bürofilm erwartet haben, eine neue Runde jener präzisen, schmerzhaft komischen Beobachtung des Arbeitsalltags, die "Stromberg" einst so einzigartig machte. Stattdessen bekommt man einen Film, der sich zwar mit den alten Figuren zurückmeldet, aber zu oft den Eindruck erweckt, nur noch am Erbe zu hängen, das er selbst längst nicht mehr erneuern kann. 

Christoph Maria Herbst spielt Bernd Stromberg weiterhin mit bewundernswerter Kontrolle, doch genau diese Kontrolle lässt den Film paradoxerweise kalt wirken. Stromberg war einmal deshalb so unangenehm und lustig, weil er als Figur aus einem konkreten Milieu kam: dem kleinen Büro mit seinen kleinlichen Machtkämpfen, seinen peinlichen Hierarchien und seiner alltäglichen Unanständigkeit. Hier aber wirkt er wie ein Fossil, das man aus dem Schrank geholt hat, um zu prüfen, ob es noch denselben Effekt hat. Hat es nicht. Oder nicht mehr genug. Der Film verlässt sich sehr stark darauf, dass die bloße Rückkehr dieser Figur bereits ein Ereignis sei. Doch Wiedererkennung ist keine Dramaturgie. Das größere Problem ist, dass "Stromberg: Wieder alles wie immer" weder wirklich als Bürofilm funktioniert noch als scharfe Gegenwartsdiagnose. Wer eine neue, bissige Beobachtung des Arbeitslebens erwartet hatte, findet stattdessen einen Film, der seine Figuren durch Szenen schiebt, die eher wie Pflichtnummern wirken als wie lebendige Zuspitzungen. Es gibt Momente, in denen die alten Reibungen noch aufscheinen, doch viel zu oft wirken sie wie Wiederholungen ohne neuen Zweck. Man lacht gelegentlich, aber selten überrascht. Und bei einer Figur wie Stromberg ist Überraschung entscheidend, weil sein ganzes Prinzip auf dem unangenehmen Gefühl beruhte, dass im nächsten Satz schon wieder eine Grenze überschritten werden könnte. Hier kennt man die Grenze längst, und der Film hat nicht viel mehr im Sinn, als sie noch einmal zu umkreisen.

Auch das Ensemble leidet unter dieser Müdigkeit. Bjarne Mädel ist als Berthold "Ernie" Heisterkamp nach wie vor hervorragend, weil er jene Mischung aus Verletzlichkeit und passiver Gegenwehr mitbringt, die fast automatisch die stärksten Szenen erzeugt. Aber selbst er bleibt in einem Material gefangen, das eher auf Wiederbelebung als auf Entwicklung setzt. Die übrigen Rückkehrer werden mit sichtbarer Sorgfalt eingesetzt, doch der Film traut ihnen nicht wirklich zu, mehr zu sein als Erinnerungsanker. Das ist das eigentliche Problem solcher späten Fortsetzungen: Sie wollen das Publikum mit Vertrautheit beruhigen, vergessen dabei aber, dass Vertrautheit allein selten Kino trägt. Sie ist ein Anfang, kein Ziel. Regisseur Arne Feldhusen inszeniert das Ganze mit professioneller Gelassenheit, aber auch mit einer gewissen Vorsicht, die dem Stoff nicht guttut. Man spürt, dass er die Mechanik kennt, doch man spürt ebenso, dass der Film nicht so recht weiß, wohin er mit dieser Mechanik will. Soll er bissiger sein als früher? Melancholischer? Selbstkritischer? Die Antwort scheint oft zu lauten: alles ein bisschen, aber nichts konsequent. So entsteht ein Film, der in der Tonlage schwankt, ohne daraus Energie zu ziehen. Gerade die satirischen Spitzen verlieren dadurch an Schärfe; sie kommen nicht wie präzise gesetzte Stiche, sondern eher wie Erinnerungen an frühere Treffer. Am enttäuschendsten ist vielleicht, dass der Film den Büroalltag nicht mit jener unerbittlichen Genauigkeit betrachtet, die man von ihm erwarten durfte. Ein guter "Stromberg"-Film müsste das Arbeitsleben so zeigen, dass man sich gleichzeitig amüsiert, schämt und ein wenig ertappt fühlt. "Stromberg: Wieder alles wie immer" kommt dieser Wirkung gelegentlich nahe, bleibt aber zu oft an der Oberfläche seiner eigenen Idee hängen. Die Welt, die er zeigt, ist nicht mehr die alte, aber der Film zieht daraus keine wirklich neue Konsequenz. Er registriert den Wandel, statt ihn bissig-satirisch auszubeuten.

So bleibt am Ende ein Werk, das vor allem eines nicht sein will und es dann doch wird: bequem. Es spielt auf Sicherheit, auf Nostalgie, auf den Wiedererkennungswert einer Figur, die längst ikonisch geworden ist. Aber genau diese Sicherheit ist das Problem. "Stromberg" war immer dann am stärksten, wenn er unbequem war, wenn er unangenehm, kleingeistig, aber zugleich präzise als Symptom einer bestimmten Arbeitskultur wirkte. Hier wird er wiederholt, nicht wirklich neu belebt. Und ein wiederholter Witz, so treffend er einst war, verliert irgendwann seine Giftigkeit. Das Ergebnis ist kein Desaster, aber eine verpasste Gelegenheit. Das Publikum bekommt nicht den Bürofilm, den es erwartet hat, und der Film gibt auch nicht überzeugend an, warum er etwas anderes sein sollte. Er ist zu sehr Fortsetzung, um Neues zu wagen, und zu wenig mutig, um sich als eigenständiger Kommentar zu behaupten. Am Ende bleibt vor allem der Eindruck, dass hier eine Figur zurückkehrt, die einst präzise in ihre Zeit geschnitzt war, nun aber in einer Form wieder auftaucht, die ihre beste Eigenschaft eingebüßt hat: ihre Aktualität.

4/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: MadeFor Film//Brainpool/Prime Video/SevenPictures/Banijay Media Germany

Pretty Lethal - Pretty Lethal: Schön Tödlich (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt26678938/

Die fünf Profi-Balletttänzerinnen Bones, Princess, Zoe, Chloe und Grace (Maddie Ziegler, Lana Condor, Iris Apatow, Millicent Simmonds, Avantika) sind mit ihrer Lehrerin Miss Thorna (Lydia Leonard) unterwegs zu einem wichtigen Tanzwettbewerb in Budapest. Mitten im bewaldeten Nirgendwo hat ihr Bus dann aber eine Panne hat und kann nicht mehr weiterfahren. Handyempfang gibt es im Funkloch fern der Zivilisation auch keinen und als es dann auch noch in Strömen zu regnen beginnt, finden sie notgedrungen Zuflucht in einer seltsam anmutenden Absteige. Geleitet wird sie von Devora Kasimer (Uma Thurman), die früher selbst einmal Tänzerin war, die aber irgendwie unheimlich wirkt. Schnell merken die Ballerinas, dass hier irgendetwas ganz und gar nicht stimmt, doch da ist es schon zu spät und die Gruppe muss um ihr Überleben kämpfen. Allerdings kommt den Frauen dabei ihre harte Ausbildung zugute und sie lernen schnell neue, diesmal äußerst tödliche Tanzschritte.

Das ist genau die Art von Film, die man sich vorstellt, wenn man "Ballerinas vs. Gangster" hört: Ein Haufen zickiger Tänzerinnen landet in einem unheimlichen Gasthaus und muss ihre tänzerischen Skills zu tödlichen Waffen umfunktionieren - ein Konzept, das so absurd ist, dass es funktionieren muss, und tatsächlich tut es das, mit einem Übermaß an Gore, Choreografie und Uma Thurman, die wie eine verrückte Primaballerina aus der Hölle präsentiert wird. Vicky Jewson liefert hier typisches Streamer-Thriller-Futter - verrückt, blutig, unterhaltsam, aber letztlich zu seicht, um mehr als ein unterhaltsamer Abend mit einem Actionfilm zu sein.

Die jungen Darstellerinnen verkörpern eine dysfunktionale Truppe, die lernt, zusammenzuarbeiten; doch Uma Thurmans Devora stiehlt jede Szene mit herrlicher Bosheit. Die Mädels - ihre Gegenspielerinnen - sind aber als Charaktere entweder nicht nicht lächerlich genug oder eben zu ernst, um einen wirklich für ihre Figur zu begeistern, doch ihre physische Präzision (Ballett als Kampfsport) überzeugt. Jewson inszeniert dynamisch: fantasievolle Kills (Zehennägel-Torture Porn dank Ballettfüßen), ordentlich choreografierte Fights, kitschige Baroque-Ästhetik. Das Tempo ist, nach einer etwas zu langen Exposition straff und liefert dann aber Schlag auf Schlag blutige Action. Der Humor kommt auch nicht zu kurz, der Gore-Level passt. Wäre nur nicht der Plot so dünn, die Charaktere austauschbar und würde der Film etwas mehr Tiefe jenseits des Gemetzels bringen - er wäre besser und erinnerungswürdiger.

"Pretty Lethal" thematisiert oberflächlich Teamwork und Empowerment, bleibt aber bei den Ballerinas, die den Gangstern zeigen, wer hier wirklich härter ist - ein Guilty Pleasure, das seine Absurdität kennt und regelrecht umarmt. Kein Meisterwerk, aber ein spaßiger Streamer für Action-Fans. Und mehr konnte (und sollte) man eigentlich auch nicht erwarten.

6/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: amazon Video/87North

Dienstag, 31. März 2026

Captivity (2007)

https://www.imdb.com/de/title/tt0374563/

In einem Club wird das junge Model Jennifer Tree (Elisha Cuthbert) von einem psychopathischen Killer betäubt und mit in sein Haus genommen. Dort sperrt der Entführer die schöne Frau in eine Hightechzelle, die so eingerichtet ist, dass sich Jennifer zunächst in einem Hotelzimmer wähnt. Als das Model erkennt, wie die Lage wirklich aussieht, fängt sie an zu randalieren - und wird wieder betäubt. Wer nun denkt, der Urlaubstrick wäre das einzige, was sich der Psychogeiselnehmer ausgedacht hat, irrt. Jennifer steht eine grausame Zeit bevor. Ob ihr Mitgefangener Gary (Daniel Gillies) bei der Flucht helfen kann?

"Captivity" ist genau das, was man von einem Torture Porn-Film auf dem Höhepunkt des Genres und im Zuge des Mitschwimmens auf der "SAW"-Welle erwartet - und leider auch genau das, was ihn so enttäuschend macht: Eine schöne Frau wird entführt, gefoltert, und der Film verwechselt Ekel mit Spannung, ohne je eine Geschichte zu erzählen, die über das bloße Aussetzen von Elisha Cuthbert an sadistische Freuden hinausginge. Roland Joffé, der einst mit "The Killing Fields" und "The Mission" zu den Meistern des epischen Dramas gehörte, landet hier in der Vorhölle des Direct-to-Video-Horrors. Er wartet mit relativ harmlosen Folterporno-Klischees auf und liefert dazu mäßige Spannung, nichts, an was man sich 2 Minuten nach dem Abspann erinnern würde. Cuthbert ist das einzige Highlight: Ihre Jennifer leidet glaubwürdig, ohne zu übertreiben - eine Performance, die mehr verspricht als das Skript hält. Gillies und Vince sind austauschbar sadistisch, ohne Tiefe. 

Joffé und Kameramann Denis Lenoir schaffen keine Atmosphäre - der Keller ist steril, Folter-Szenen klinisch, ohne Spannungsbogen. Dazu kommt ein Twist, den man meilenweit vorhersehen kann, Sound und Schnitt fehlen Rhythmus - es gibt viel zu kritisieren. Als Torture Porn fehlt ihm Reflexion - keine Kritik an Voyeurismus, nur Exploitation. Cuthberts Engagement rettet wenig; Joffé versagt kläglich. Ein trauriges Relikt des Genres, das seine eigene Leere beweist.

2/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Lionsgate/Captivity Productions/Foresight Unlimited/Russian American Movie Company

Montag, 30. März 2026

Sei Donne Per L’assassino - Blood And Black Lace - Blutige Seide (1964)

https://www.imdb.com/de/title/tt0058567/

Die Contessa Christiana Cuomo (Eva Bartok) und ihr Partner Max Morlacchi (Cameron Mitchell) leiten in Rom eine exklusive Modeagentur voller glamouröser Models. Die scheinbar perfekte Welt aus Seidenroben und Fototerminen wird brutal zerstört, als die Models Isabella, Nicole, Peggy und weitere systematisch ermordet werden - von einem maskierten Killer in schwarzem Umhang, der mit phallischen Werkzeugen wie Scheren, Meißeln oder Peitschen grausame, inszenierte Morde begeht. Die Polizei unter Kommissar Silvestri (Thomas Reiner) ermittelt im Kreis der Verdächtigen: Neben den Agenturchefs kommen Models, Liebhaber und Angestellte infrage. Isabellas blutiges Tagebuch enthüllt ein Netz aus Drogenhandel, Erpressung und sexuellen Intrigen. Jeder Mord folgt einem Ritualmuster - die Leichen werden in der Agentur präsentiert -, während Panik und Misstrauen wachsen. Am Ende zeigt sich: Gier und Verrat innerhalb der glitzernden Fassade treiben den Killer an, in einem finalen Blutbad, das die wahren Täter entlarvt...

Mario Bavas "Blutige Seide" gilt als der protokollreine Ursprung des Giallo-Genres: ein farbexplodierender Kriminalfilm, der schöne Models in einem römischen Modesalon zu inszenierten Opfern eines maskierten Killers macht und mit jedem Mord zeigt, dass Stil hier Plot und Charakter bei Weitem übertrumpft. Bava, der italienische Maler mit der Kamera, schuf 1964 ein visuelles Manifest, das Slasher, Whodunit und Gothic-Horror zu einem Genre verschweißte - präzise, blutig, unvergesslich, aber mit Figuren, die kaum mehr als elegante Leichname sind. Der Film ist mit knapp 90 Minuten straff  gehalten, aber Plot dient nur der Optik und liefert perfekte Giallo-Zutaten. 

Die Models sind austauschbare Schönheiten - Objekte männlicher Begierde mit eindeutig sexuellem Subtext und tödlicher Rache -, Bartok und Mitchell verkörpern dekadente Eleganz, Reiner den routinierten Cop. Die Todeskämpfe entblößen die Models, die Morde sind teilweise richtig sadistisch.  Und diese sind auch die größte Stärke des Films, denn jeder Tod spiegelt die Laster der einzelnen Opfer wider. Doch die fehlende Dramaturgie und mangelnde Tiefe in Charakteren fallen negativ ins Gewicht. Auch der Plot hangelt sich von einem Kill zum nächsten und hat sonst keine weitere spürbare Funktion. Dafür ist Bavas Genie audiovisuell: Antonio Rinaldis Kamera malt mit Licht - Grün-Gelb-Rot-Schwarz als abstrakte Tafeln, Neonbeleuchtung, geometrische Kompositionen, Inszenierung der Morde als eine Art Ballett: Kamerafahrten durch Maskenlöcher, surreale Sets, Les Baxters nervöser Score. Das passt alles perfekt. Letztlich lässt sich dieser Urvater des Giallo aber durchaus als Satire auf die gesamte Modewelt der 60er sehen: Schönheit als Fluch, Frauen als Ware, Gier als Killer. Bava pfeift 1964 auf Realismus und schafft mit "Blutige Seide" eine für damalige zeit moderne Inszenierung, bei der Nihilismus auftrumpft: der Tod siegt immer. 

"Blutige Seide" ist rein storytechnisch ein eher lahmer Film mit blassen Charakteren. Doch auf der Haben-Seiten ist er visuell revolutionär, genre-definierend, stilistisch ekstatisch und ein Film, der mit jedem Bild atmet (und blutet).

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Emmepi Cinematografica

Samstag, 28. März 2026

They Will Kill You (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt31728330/

Asia Reaves (Zazie Beetz), eine Ex-Strafgefangene, braucht dringend einen Neuanfang und nimmt eine Stelle als Haushälterin in einem luxuriösen, aber merkwürdig abgeschotteten New Yorker Hochhaus an. Das Gebäude, "The Virgil", ist eine exklusive Wohnanlage, in der über Jahre hinweg immer wieder Menschen spurlos verschwunden sind - ein Umstand, von dem Asia zunächst nichts weiß. Schon kurz nach Arbeitsantritt merkt sie, dass mit den Bewohnern und den vielen verschlossenen Bereichen des Hauses etwas nicht stimmt: seltsame Rituale, flüsternde Nachbarn, Überwachungskameras an jeder Ecke und ein dichtes Netz aus Regeln, das ihr Verhalten kontrollieren soll. Allmählich entdeckt Asia, dass im Virgil ein satanischer Kult residiert, der das ganze Hochhaus als Tempel und Todesfalle nutzt und regelmäßig Menschenopfer bringt - und dass sie für die bevorstehende Nacht als nächste Opfergabe vorgesehen ist...

Regisseur Kirill Sokolov, der bereits mit "Why Don't You Just Die!" als Freund des überdrehten Splatter-Slapsticks aufgefallen ist, inszeniert seinen "They Will Kill You" als bösartige Genre-Achterbahn, so laut und exzessiv, dass man den Film eher erlebt als analysiert. Er tut auch gar nicht erst so, als wollte er subtil sein und liefert  einen 100‑minütiger Adrenalinschub aus Horror, Action und pechschwarzer Komödie, der eine Frau in e in Hochhaus steckt und das Gebäude in einen einzigen, blutgetränkten Todesparcours verwandelt. Zazie Beetz spielt mit vollem Einsatz ihre Asia in einer Mischung aus Verletzlichkeit und zäher Überlebensenergie. Sie ist aber keine unverwundbare Actionheldin, sondern eine Frau, die Panik kennt und trotzdem weitermacht, weil sie keine andere Wahl hat - mit zunehmender, fast stoischer Brutalität, die trotzdem nie die Menschlichkeit verliert. 

Das Ensemble um sie herum ist ein vergnügt böses Bestiarium: Heather Graham als Sharon, eine kultische Anführerin, die entfesselt zwischen Stepford-Lächeln und hysterischem Fanatismus schwankt; Tom Felton als Kevin, ein ungestümer Jünger, dessen nervöse Energie in jeder Szene droht, in Gewalt zu explodieren. Patricia Arquette und Paterson Joseph sorgen für zusätzliche Schrägheit und Machtausübung im Kultgefüge, während Myha’la als mögliche Verbündete oder Rivalin Asias Ambivalenz in das Ensemble bringt. Eine der Stärken des Films liegt darin, dass Sokolov seine Schauspieler das Maximum geben lässt: Jede Nebenfigur ist ein bisschen zu laut, zu exzentrisch, zu überzeichnet - aber in einem Film, der sich als ein Mix aus "Kill Bill" und "Ready Or Not" (dessen Fortsetzung bereits in ein paar Tagen ins Kino kommt) inszeniert, fühlt sich gerade diese Übertreibung richtig an.

Sokolov liebt Setpieces, und "They Will Kill You" ist voll davon. Das Gebäude wird zur Bühne für alle denkbaren Arten für physische Konfrontationen: Aufzüge, Zwischenräume, Flure, Treppenhäuser und Penthäuser verwandeln sich in Arenen, in denen jede Tür ein neues, oft blutig-komisches Szenario öffnet. Ein Adrenalinrausch voller actiongeladener Kämpfe, jede Menge Blut und Gemetzel sowie zahlreicher Momente, in denen man laut lachen muss. Die Kamera ist agil, aber nicht unlesbar; der Schnitt ist schnell, aber gerade noch nachvollziehbar: Man spürt in jeder Sequenz Sokolovs Musikvideo-Erfahrung und seinen Hang zur Cartoon-Gewalt. Das Design des Hauses und der Rituale ist bewusst überzeichnet: Masken, Roben, Altäre und Gänge wirken wie eine Mischung aus satanischem Escape Room und Vergnügungspark. Das ist nicht subtil, aber stimmig: Der Film will mehr Achterbahn als Albtraum sein; das Grauen ist physisch, aber selten existenziell. 


Die vielleicht heikelste Balance in "They Will Kill You" ist der Ton. Der Film ist ein non-stop Actionspektakel, ohne zu viele Pausen. Sokolov und Co-Autor Alex Litvak schreiben Dialoge, die pointiert, manchmal bewusst trashig sind und immer wieder das Grauen unterlaufen. Das erinnert schon bald an eine wilde Mischung aus "Evil Dead" und "Itchy & Scratchy": totales Over-the-Top-Cartoon-Gemetzel, bei dem abgerissene Körperteile, Waffen und slapstickhafte Slasher-Momente fast immer mit einem Lacher enden. Das funktioniert hervorragend, solange man den Film als Spektakel, nicht als psychologischen Horror versteht. Wer mehr Story erwartet, wird dagegen massiv enttäuscht werden: Der Plot ist minimal, Vorhersehbarkeit wird bewusst in Kauf genommen, um Kill-Choreografie und Gags in den Vordergrund zu stellen. Unter der Oberfläche gibt es Ansätze von Kommentar: Asias Rolle als Außenseiterin, die das System von innen zerschlägt, hat Züge des klassischen Final Girl, erweitert um ein deutliches "Eat The Rich"-Vergnügen, das seit "Ready Or Not" zum modernen Horror gehört. Doch dieser Kommentar ist so unterschwellig und marginal, dass er kaum ins Gewicht fällt. Tieferliegende Fragen nach Kultpsychologie oder Opfer/Täter-Dynamiken werden angerissen, aber nie wirklich verfolgt. 

Unterm Strich ist "They Will Kill You" kein feiner Horrorfilm; er ist eine blutverschmierte, knochenbrechende, oft sehr witzige Genre-Maschine, die genau liefert, was Trailer und Titel versprechen. Zazie Beetz bekommt eine Starrolle, in der sie sowohl körperlich als auch komisch glänzen kann, das Ensemble trägt den Exzess, und Sokolov bestätigt seinen Ruf als Regisseur, der Gewalt in pure Kinetik und Cartoon-Energie übersetzen kann - ein lustvoll böser, handwerklich versierter Ritt durch einen satanischen Wohnturm, der zeigt, dass Splatter und Stil sich nicht ausschließen müssen.

7/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Skydance/New Line Cinema

Freitag, 27. März 2026

Rosemary's Baby - Rosemaries Baby (1968)

https://www.imdb.com/de/title/tt0063522/

Das bisher kinderlose Ehepaar Rosemarie (Mia Farrow) und Guy Woodhouse (John Cassavetes) ziehen zusammen in eine neue Wohnung im Herzen von New York. Wie sie bei der Besichtigung erfahren, hat das Haus eine mysteriöse Vergangenheit, was primär Rosemarie nicht davor abschreckt, sich dennoch dort niederzulassen. Als sie nach einem tödlichen Unfall einer Mieterin das ältere Ehepaar Minnie (Ruth Gordon) und Roman Castevet (Sidney Blackmer) kennenlernen, fühlen sich die neuen Bekannten geradezu euphorisch zu den Woodhouses hingezogen. Bei einem gemeinsamen Essen fällt Rosemarie nach dem Genuss einer Mousse au Chocolat in einen tiefen Schlaf, in dem sie träumt, dass sie vom Teufel vergewaltigt wird. Tatsächlich, so erfährt sie nach ihrem Erwachen, hat ihr Ehemann mit ihr geschlafen, weil dieser die Zeit des Eisprungs nutzen wollte. Als sie kurz darauf schwanger wird, nimmt das Unheil seinen Lauf.

"Rosemary's Baby" ist einer der seltenen Horrorfilme, bei denen die Bezeichnung "Klassiker" nicht nostalgische Höflichkeit, sondern eine nüchterne Beschreibung ist: Regisseur Roman Polanski verwandelt Ira Levins ohnehin effektiven Bestseller in ein Meisterstück über Paranoia, weibliche Ausgeliefertheit und den Horror, dass das Böse nicht in entfernten Krypten, sondern in gut geheizten Altbauwohnungen wohnt. Das permanente, unterschwellige Gefühl unvorstellbarer Gefahr um Rosemary Woodhouse herum - und genau dieses Gefühl, nicht einzelne Schocks, macht den Film so nachhaltig beunruhigend. Die Handlung ist auf den ersten Blick simpel: Rosemary (Mia Farrow) und ihr Mann Guy (John Cassavetes), ein Schauspieler, ziehen in ein altes New Yorker Apartmenthaus, den Bramford, dessen Geschichte von okkulten Vorfällen durchzogen ist. Sie freundet sich mit den schrulligen Nachbarn Minnie und Roman Castevet (Ruth Gordon, Sidney Blackmer) an, die erst aufdringlich, dann geradezu vereinnahmend werden - Kräutertränke, "freundliche" Ratschläge, ein dichtes Netz sozialer Kontrolle. Rosemary wünscht sich ein Kind, hat einen verstörenden Traum von einem satanischen Ritual und wacht mit Kratzspuren und Schmerzen auf; kurz darauf ist sie schwanger, Guy bekommt plötzlich beruflichen Erfolg, und ihr Umfeld - inklusive Frauenarzt Dr. Sapirstein - beginnt sie wie eine Patientin in einem Experiment zu behandeln. Der Film folgt ihrem wachsenden Verdacht: dass die Castevets ein Satanistenkult sind, dass Guy sie verraten hat und dass ihr Kind nicht "normal" sein wird. Wenn die berühmte finale Offenbarung kommt, wirkt sie nicht als Schock, sondern als unausweichlich: Das Grauen liegt darin, dass der Zuschauer im Grunde schon lange weiß, was passieren wird, und Rosemary nicht helfen kann.

Einer der Gründe, warum "Rosemary's Baby" als Meilenstein gilt, liegt in Polanskis Inszenierung: Die Inszenierung ist auffallend natürlich, fast nüchtern: Manhattan der 60er, reale Straßen, enge Wohnungen, Dialoge, die wie Alltagsgespräche klingen. Der Film vermeidet plakativen Horror zugunsten psychologischer Spannung; Polanski bringt das Publikum dazu, die hysterischen, fantastischen Befürchtungen der Heldin für möglich zu halten, indem er die Welt um sie herum so glaubhaft und unspektakulär hält. Die Kamera bleibt meist auf Rosemarys Höhe, folgt ihr durch Türen, lässt wichtige Dinge bewusst außerhalb des Bildes passieren - ein formales Prinzip, das späteren Horror stark prägte: Angst vor dem, was man eben nicht sehen kann, nicht vor dem, was man meilenweit angelaufen kommen sieht. Jump Scares, Monster, Effekthascherei fehlen fast völlig; die Angst entsteht aus dem ständigen Verdacht, dass hinter jedem freundlichen Lächeln ein Komplott lauert. 

Mia Farrows Darstellung, mit ihrer zerbrechlichen Physis, dem Kurzhaarschnitt, der hohen Stimme, verkörpert eine Figur, in der sich Naivität, Intelligenz und zunehmender Wahnsinn mischen. Die Identifikation mit ihr ist so stark, dass ihr Kontrollverlust sich direkt auf den Zuschauer überträgt. John Cassavetes spielt Guy als charmanten Opportunisten: nie als offenen Bösewicht, sondern als Mann, dessen Ambitionen ihn Schritt für Schritt korrumpieren; seine Ambivalenz verstärkt die Ungewissheit - liebt er sie noch, oder ist sie nur noch Pfand in einem Pakt? Ruth Gordon, die für Minnie einen Oscar bekam, balanciert grotesken Humor und Bedrohung: eine liebevolle Nachbarin, deren aufdringliche Fürsorge und schrille Art oft komisch sind und zugleich das Gift einbringen, das Rosemary schluckt. Der Film nutzt Humor gekonnt, um Spannung zu entladen - nur um die nächste Drehung der Schraube umso schmerzhafter enger zu ziehen. Und hat Ruth nicht eine gewisse Ähnlichkeit mit Tante Gladys?

Jenseits des Satanismus ist "Rosemary's Baby" ein hochpolitischer Film seiner Zeit. 1968 flamme gerade eine zweite Welle des Feminismus auf; Debatten um die Pille und das Abtreibungsverbot kulminierten: Eine junge Frau, deren Körper, Schwangerschaft und Entscheidungen von Männern, Ärzten und Nachbarschaft kontrolliert werden. Rosemary glaubt zunächst, sie sei zu Hause sicher, doch das Apartment wird zum Gefängnis; der Film zerlegt das Ideal der autonomen 60er-Hausfrau und zeigt, wie patriarchale Kräfte hinter dieser Fassade wirken. Aber auf religiöser Ebene traf der Film einen Nerv: "Rosemary's Baby" fiel in eine Phase wachsenden Interesses an Okkultismus und gleichzeitiger Erosion traditioneller kirchlicher Autorität; er wurde von christlichen Gruppen als blasphemisch attackiert und mitverantwortlich für die spätere "satanische Panik" (auf die auch "Der Exorzist" mitschwamm) gemacht, weil er suggeriert, dass Satanisten nebenan wohnen könnten. Gerade dieser Alltags-Satanismus - kultistische Rituale in einer ganz normalen New Yorker Mietwohnung - verleiht dem Film seine bleibende Unruhe. 

"Rosemary's Baby" ist daher ein Meilenstein, der das Genre neu ausrichtete: weg von Gummimonstern, hin zu psychologischer Spannung und einer naturalistischen Oberfläche, hinter der das Übernatürliche nur langsam sichtbar wird. Spätere Werke wie "Der Exorzist", "Das Omen", aber auch moderner elevated Horror ("Hereditary", "Der Babadook") sind ohne diese Blaupause schwer vorstellbar. Man muss bedenken, der Film massentaugliches Kino war, das intensive Angst ohne die üblichen Effekte erzeugte; Polanskis Film ist eine Geschichte, in der das Ende nicht als Überraschung, sondern als schrecklich unvermeidlich funktioniert: Man weiß, was auf Rosemary zukommt, und das Grauen besteht darin, ihr beim Hineinschlittern zuzusehen. Diese Einsicht fasst bis heute die Erfahrung zusammen, "Rosemary's Baby" zu sehen - ein makellos komponiertes, schauspielerisch herausragendes und thematisch reiches Werk, das das Horrorgenre erwachsen machte - und es bis heute nicht nötig hat, auch nur einen einzigen Billigschreck einzusetzen.

9/10

Quellen:
InhaltsangabeFilmstarts
Poster/Artwork: Paramount Pictures