Montag, 27. Juli 2026

Miss Bala (2019)

https://www.imdb.com/de/title/tt5941692/
https://letterboxd.com/film/miss-bala-2019/

Gloria (Gina Rodriguez) hat Mexiko nach dem Tod ihrer Eltern verlassen und ist in die USA ausgewandert. Doch als sie auf Besuch in ihrer mexikanischen Heimatstadt Tijuana ist, um ihre beste Freundin Suzu (Cristina Rodlo) zu besuchen, muss sie hautnah erleben, dass die Stadt immer noch von Gewalt dominiert wird. Die beiden Frauen werden entführt und als die Gangster entdecken, dass Gloria amerikanische Staatsbürgerin ist, wird sie gezwungen, für sie zu arbeiten. Gloria soll Drogen über die Grenze schmuggeln. Doch dabei fällt sie auch der DEA auf. Die Polizei zwingt sie nun ihrerseits, für sie zu arbeiten, um Drogenboss Lino (Ismael Cruz Córdova) ans Messer zu liefern. Gloria muss ihren eigenen Weg finden, um zwischen diesen Fronten zu überleben…

Mit "Miss Bala" wagt sich Regisseurin Catherine Hardwicke an das Remake des gleichnamigen mexikanischen Thrillers von 2011. Statt dessen nüchternem und gesellschaftskritischem Blick auf die Gewalt der Drogenkartelle setzt die Hollywood-Version stärker auf Action, Tempo und eine klassische Heldengeschichte. Das wirkt altbacken und gefühlt schon tausendmal gesehen, und unterhält deshalb leidlich. Handwerklich liefert "Miss Bala" aber solide Unterhaltung. Die Verfolgungsjagden und Schießereien sind routiniert inszeniert, das Tempo bleibt hoch und die Kulisse an der Grenze zwischen Mexiko und den USA sorgt für eine passende Atmosphäre. Dennoch verzichtet das Drehbuch weitgehend auf moralische Grauzonen und gesellschaftspolitische Schärfe und ersetzt sie durch bekannte Genreklischees und eine zunehmend unglaubwürdige Handlung. 

Auch die Nebenfiguren bleiben weitgehend eindimensional. Weder die Gegenspieler noch die Behörden erhalten genügend Tiefe, um echte Spannung oder emotionale Fallhöhe zu erzeugen. Zwar funktioniert der Film als kurzweiliger Actionfilm durchaus, doch gerade angesichts seines ernsten Themas hätte man sich mehr Mut und Konsequenz gewünscht. Ein etwas unterdurchschnittliches Stück Film, zum nebenbei weggucken.

4,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkColumbia Pictures/Canana/Misher Films

The Rite - The Rite: Das Ritual (2011)

https://www.imdb.com/de/title/tt1161864/
https://letterboxd.com/film/the-rite-2011/

Bei einer Teufelsaustreibungs-Schulung im Vatikan trifft Skeptiker Michael Kovak (Colin O’Donoghue) auf Pater Lucas Trevant (Anthony Hopkins), der eine ganz eigene Sicht der spirituellen Dinge vertritt. Obwohl Kovak zunächst kritisch auftritt, wird sein Weltbild von Trevant erfolgreich ins Wanken gebracht. Der erste Fall lässt nicht lange auf sich warten und stellt das ungleiche Duo auf die härteste Glaubensprobe ihres Lebens. Michael wohnt der von Trevant vollzogenen Dämonen-Austreibung einer Sechzehnjährigen (Marta Gastini) bei und zweifelt mit jeder Sitzung mehr an seinen rationalen Überzeugungen...

Exorzismusfilme müssen zwangsläufig den Vergleich mit William Friedkins "Der Exorzist" bestehen - einem Genreklassiker, dessen Einfluss bis heute ungebrochen ist. "The Rite" schlägt dabei einen etwas anderen Weg ein. Regisseur Mikael Håfström interessiert sich zunächst weniger für Schockmomente als für den Konflikt zwischen Glauben und Rationalität. Die Ausgangsidee, basierend auf den Erfahrungen des amerikanischen Priesters Gary Thomas, der am Vatikan eine Ausbildung zum Exorzisten absolvierte, verleiht dem Film zunächst eine ungewohnte Ernsthaftigkeit. Leider gelingt es ihm nur teilweise, dieses Potenzial auszuschöpfen. Immerhin dominiert Anthony Hopkins charismatische Präsenz nahezu jede Szene und verleiht seinem Pater Lucas eine faszinierende Mischung aus Gelassenheit, Exzentrik und innerer Zerrissenheit. Auch die stimmungsvolle Inszenierung des Vatikans und seiner historischen Schauplätze trägt viel zur Atmosphäre bei. Die düsteren Kirchen, Bibliotheken und Gassen Roms erzeugen eine glaubwürdige Kulisse, die dem Film mehr Gewicht verleiht als vielen vergleichbaren Genrevertretern. 

Gerade in der ersten Hälfte funktioniert "The Rite" deshalb überraschend gut. Statt auf permanente Schockeffekte zu setzen, entwickelt der Film seine Spannung langsam und stellt immer wieder die Frage, ob psychische Erkrankungen und religiöser Glaube tatsächlich klar voneinander zu trennen sind. Diese Ambivalenz gehört zu den interessantesten Aspekten des Films. Mit zunehmender Laufzeit verliert "The Rite" jedoch an Eigenständigkeit. Aus dem zunächst ruhigen Psychodrama wird immer mehr ein klassischer Exorzismusfilm, der sich auf bekannte Genreklischees verlässt. Verzerrte Stimmen, verrenkte Körper und die üblichen Dämoneneffekte ersetzen nach und nach die zuvor aufgebaute psychologische Spannung. Der vielversprechende Ansatz wird im letzten Drittel zugunsten konventioneller Horrormechanismen aufgegeben. Auch Colin O'Donoghue bleibt als Hauptfigur vergleichsweise blass, wodurch die emotionale Fallhöhe geringer ausfällt als erhofft. Dabei inszeniert Håfström routiniert, die Kameraarbeit unterstützt die bedrückende Stimmung und der Soundtrack setzt wirkungsvolle Akzente, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Wirklich erschreckend ist der Film allerdings nur selten. Statt nachhaltigem Grauen dominiert eine permanente, aber etwas gleichförmige Beklemmung, die nie ganz die Intensität erreicht, die Genreklassiker wie "Der Exorzist", "Der Exorzismus von Emily Rose" oder "The Conjuring" entfalten. Der ernste Blick auf Glauben, Zweifel und Exorzismus hebt den Film zunächst angenehm vom Genre-Einerlei ab, bevor er sich im letzten Drittel zunehmend den bekannten Konventionen unterordnet. So bleibt ein solide inszenierter, aber letztlich nur durchschnittlicher Beitrag zum Exorzismus-Genre, dessen größte Stärke eindeutig seine Hauptrolle ist.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkNew Line Cinema/Contrafilm/Mid Atlantic Films

Is This Thing On? (2025)

https://www.imdb.com/title/tt28083456/
https://letterboxd.com/film/is-this-thing-on-2025/

Manche Dinge scheinen einfach nicht für die Ewigkeit gemacht - unter anderem auch die Ehe von Alex (Will Arnett) und Tess (Laura Dern). Die beiden stehen nun vor den Scherben ihrer langjährigen Beziehung und der unausweichlichen Scheidung. Das treibt Alex in eine tiefe Sinnkrise, aus der er ausgerechnet in der New Yorker Comedy-Szene nach Auswegen sucht. Auch Tess erkennt nun, wie oft sie eigentlich zugunsten der strauchelnden Beziehung und des Familienzusammenhalts zurückstecken musste und was sie so verpasst oder gar sträflich ignoriert hat. Mit der Trennung lösen sich also natürlich nicht alle Probleme in Wohlgefallen auf. Manche werden dadurch erst sichtbar, manche entstehen auch neu. So müssen sich Alex und Tess mit Co-Parenting arrangieren und neben der regelrecht unendlich großen Identitätsfrage ebenso erkunden, wie inmitten dieses Chaos' wieder so etwas wie Liebe neu entstehen kann.

Mit "Is This Thing On?" beweist Bradley Cooper einmal mehr, dass ihn weniger große dramaturgische Wendungen als die leisen Zwischentöne menschlicher Beziehungen interessieren. Dieses Mal erzählt er eine deutlich kleinere, persönlichere Geschichte über eine zerbrechende Ehe, Neuanfänge und die heilende Kraft des Humors. Das Ergebnis ist eine warmherzige Tragikomödie, die weniger auf große Pointen als auf emotionale Ehrlichkeit setzt - und gerade dadurch lange nachwirkt. Im Mittelpunkt steht Alex (Will Arnett), der nach dem Ende seiner Ehe eher zufällig auf die New Yorker Stand-up-Comedy-Szene stößt und dort nicht nur ein neues Hobby, sondern auch eine Möglichkeit findet, sein Leben neu zu ordnen. Gleichzeitig versucht seine Ex-Frau Tess (Laura Dern), ihren eigenen Weg zwischen Familie, Selbstverwirklichung und der Frage zu finden, wie Liebe nach einer Trennung aussehen kann. Der Film verzichtet dabei wohltuend auf melodramatische Zuspitzungen und konzentriert sich stattdessen auf alltägliche, oft schmerzlich vertraute Situationen.

Den größten Anteil daran haben die beiden Hauptdarsteller. Will Arnett liefert eine seiner nuanciertesten Leistungen ab und zeigt eindrucksvoll, dass hinter seinem komödiantischen Talent ein hervorragender Charakterdarsteller steckt. Laura Dern steht ihm in nichts nach und verleiht Tess eine Mischung aus Verletzlichkeit, Stärke und Unsicherheit, die den Film emotional trägt. Ihr Zusammenspiel wirkt natürlich und glaubwürdig - selbst dann, wenn die Figuren mehr schweigen als sprechen. Auch inszenatorisch überzeugt Cooper mit viel Zurückhaltung. Die Kamera beobachtet ihre Figuren aufmerksam, ohne sich in den Vordergrund zu drängen, während die Comedyclub-Szenen angenehm authentisch wirken und die Balance zwischen Humor und Melancholie gekonnt halten. Die Pointen dienen nie nur dem Lachen, sondern spiegeln die emotionale Entwicklung der Figuren wider - ein irgendwie sehr ansprechendes Konzept.

Trotz der etwas mehr als zwei Stunden Laufzeit wirkt die Geschichte zwar stellenweise etwas ausgedehnt aber nie unnötig, jedoch verschwinden einige Nebenfiguren fast ebenso schnell wieder, wie sie eingeführt werden. Auch die emotionale Dynamik zwischen Alex und Tess verliert im Mittelteil zeitweise an Kraft. Dennoch bleibt "Is This Thing On?" ist eine sympathische, kluge und angenehm erwachsene Tragikomödie, die weniger von ihrer Handlung als von ihren Figuren lebt. Bradley Cooper inszeniert mit sicherem Gespür für leise Töne, während Will Arnett und Laura Dern zwei bemerkenswert ehrliche Darstellungen abliefern. Der Film erreicht nicht ganz die emotionale Wucht von "A Star Is Born", überzeugt aber als fein beobachtete Geschichte über Verlust, Selbstfindung und die Erkenntnis, dass ein Neuanfang manchmal mit einem Mikrofon beginnt.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkSearchlight Pictures/Archery Pictures/Lea Pictures/TSG Entertainment

Sonntag, 26. Juli 2026

The Thin Red Line - Der schmale Grat (1998)

https://www.imdb.com/de/title/tt0120863/
https://letterboxd.com/film/the-thin-red-line/

Die C-Kompanie einer US-Division soll die Marine beim Erobern der pazifischen Solomoneninsel Guadalcanal unterstützen. Die Soldaten sind allesamt unterschiedlich und jeder hat eine andere Intention: Private Witt (James "Jim" Caviezel) verschwindet gerne zum einfachen Naturvolk der Insel, First Sergeant Edward Welsh (Sean Penn) deckt ihn dabei und hat sonst aber wenig Hoffnung, Private Jack Bell (Ben Chaplin) möchte so schnell es geht wieder zurück zu seiner Frau und Lieutenant Colonel Gordon Tall (Nick Nolte) will Karriere machen. Die Kompanie soll eine Hügelkette erobern, aber der japanische Widerstand ist zu hartnäckig...

Als Terrence Malicks "The Thin Red Line" Ende der 1990er-Jahre erschien, stand der Film zwangsläufig im Schatten von Steven Spielbergs "Der Soldat James Ryan". Beide erzählen vom Zweiten Weltkrieg - doch ihre Ansätze und Schauplätze könnten unterschiedlicher kaum sein. Während Spielberg den Krieg mit schonungsloser Unmittelbarkeit erfahrbar macht, interessiert sich Malick vor allem für das Innenleben seiner Figuren. Sein Film ist weniger Kriegsdrama als philosophische Meditation über Leben, Tod und die Natur des Menschen. Im Mittelpunkt steht die Schlacht um Guadalcanal im Pazifikkrieg (Operation Watchtower), doch klassische Helden oder eine geradlinige Handlung sucht man in "Der schmale Grat" vergebens. Stattdessen begleitet der Film eine Vielzahl von Soldaten, deren Gedanken, Ängste und Hoffnungen den eigentlichen Kern der Geschichte bilden. Dieser ungewöhnliche Erzählansatz ist äußerst mutig und wohl auch einzigartig, faszinierend und bis dato völlig neu.

Dabei ist die größte Stärke des Films seine außergewöhnliche Inszenierung. Malick und Kameramann John Toll erschaffen Bilder von beinahe hypnotischer Schönheit. Die tropischen Landschaften, das hohe Gras und die stille Natur stehen in ständigem Kontrast zur Brutalität des Krieges und verleihen dem Film eine fast poetische Atmosphäre. Unterstützt wird dies von Hans Zimmers eindringlicher Musik, die den emotionalen Grundton perfekt trifft, ohne sich jemals in den Vordergrund zu drängen. Auch schauspielerisch bewegt sich "Der schmale Grat" auf höchstem Niveau. Jim Caviezel, Sean Penn, Nick Nolte, Elias Koteas, Ben Chaplin und viele weitere bekannte Gesichter bilden ein beeindruckendes Ensemble, in dem sich niemand in den Vordergrund drängt. Statt großer Heldengesten stehen leise Momente, Zweifel und Verletzlichkeit im Mittelpunkt - eine Herangehensweise, die den Film deutlich von Klassikern wie "Platoon", "Apocalypse Now" oder "Full Metal Jacket" unterscheidet.

Mit einer Laufzeit von fast drei Stunden verlangt der Film jedoch Geduld, und seine häufigen philosophischen Monologe sowie die episodische Struktur können stellenweise etwas distanziert wirken. Er ist ein faszinierendes Experiment, aber die fehlende erzählerischen Geschlossenheit ist auch ein Grund, warum er sein volles Potenzial nicht zur Gänze ausschöpft. Dennoch bleibt Der schmale Grat" ein außergewöhnlicher Beitrag zum Thema und Genre Kriegsfilm. Anders als "Der Soldat James Ryan", der den Zuschauer mitten ins Kampfgeschehen wirft, oder "Dunkirk", der Spannung aus Zeit und Raum entwickelt, stellt Malick die existenziellen Fragen seiner Figuren in den Mittelpunkt. Gerade diese philosophische Perspektive macht den Film bis heute einzigartig. Ja, "Der schmale Grat" ist schwierig. Er ist kein klassischer Kriegsfilm, sondern eine bildgewaltige Reflexion über Krieg, Menschlichkeit und die Zerbrechlichkeit des Lebens. Nicht jede erzählerische Entscheidung überzeugt, doch die herausragende Inszenierung, das exzellente Ensemble und die außergewöhnliche Atmosphäre machen Terrence Malicks Werk zu einem der eigenständigsten Antikriegsfilme der letzten Jahrzehnte.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkFox 2000 Pictures/Phoenix Pictures/George Stevens Jr. Productions/Geisler-Roberdeau Productions

Sniper 3 (2004)

https://www.imdb.com/de/title/tt0408196/
https://letterboxd.com/film/sniper-3/

Der Scharfschütze Thomas Beckett (Tom Berenger) wird von den NSA-Beamten William Avery (Denis Arndt) und Richard Addis (William Duffy) beauftragt, eine verdeckte Operation durchzuführen, um einen mutmaßlichen Terroristen zu eliminieren. Der Terrorist entpuppt sich als Freund von Beckett, und der eigentliche Zweck der Mission ist etwas anderes als das, was Beckett gesagt wurde.

Nach dem eher mittelmäßigen zweiten Teil gelingt "Sniper 3" eine kleine Kurskorrektur. Regisseur P.J. Pesce setzt wieder stärker auf die Stärken der Reihe: präzise Scharfschützen-Einsätze, eine persönliche Mission und den erfahrenen Thomas Beckett, der von Tom Berenger erneut souverän verkörpert wird. Zwar bleibt der Film eine klassische Direct-to-Video-Produktion mit überschaubarem Budget, insgesamt wirkt er aber fokussierter und spannender als sein unmittelbarer Vorgänger. Tom Berenger spielt solide mit seiner gewohnt ruhigen Präsenz und verleiht Beckett mehr Tiefe, indem dessen Vergangenheit stärker in den Mittelpunkt rückt. Auch Byron Mann sorgt als Partner für eine angenehme Dynamik, und einige der Scharfschützen-Sequenzen wissen durchaus zu überzeugen. Das Vietnam-Setting verleiht der Handlung zudem eine stimmige Atmosphäre und hebt den Film optisch etwas von anderen B-Actionfilmen seiner Zeit ab. Dennoch folgt das Drehbuch bekannten Mustern, viele Nebenfiguren bleiben blass und manche Wendungen sind früh vorhersehbar. Die Action fällt solide aus, erreicht aber weder die Spannung noch die Präzision des ersten "Sniper". Auch die Produktionswerte machen den Direct-to-Video-Ursprung jederzeit deutlich. Es ist ein solides Sequel, das mit Tom Berenger, einer persönlicheren Geschichte und einigen gelungenen Scharfschützen-Momenten punktet. Wirklich neue Akzente setzt der Film zwar nicht, als kurzweiliger Militär-Actioner funktioniert er jedoch besser als sein Ruf vermuten lässt.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Sandstorm Films/
Destination Films

Samstag, 25. Juli 2026

Girls With Balls (2019)

https://www.imdb.com/title/tt4725842/
https://letterboxd.com/film/girls-with-balls/

Das Frauenvolleyball-Team The Falcons, unter ihnen Dany (Dany Verissimo-Petit), erleidet mitten im Nirgendwo eine Autopanne mit ihrem Mini-Van. Blöderweise ist gerade Jagdsaison ... und die Jäger dieser Region denken gar nicht daran, Mensch und Tier zu unterscheiden. Sie sind Kannibalen – und für die Frauen beginnt damit das gefährlichste Spiel ihres Lebens.  Aber die Damen denken nicht daran, sich einfach abmurksen zu lassen. Und mit List, Tücke und ihren starken Schlagarmen könnte es sein, dass sie die Rollen von Jäger und Beute vertauschen können...

Mit "Girls With Balls" versucht Regisseur Olivier Afonso, Slasher, Splatterkomödie und satirischen B-Movie-Horror miteinander zu verbinden. Die Geschichte um ein Volleyballteam, das nach einer Autopanne von einer Gruppe fanatischer Hinterwäldler gejagt wird, setzt von Beginn an auf schwarzhumorige Übertreibung, reichlich Kunstblut und bewusst absurden Trash. Die Zutaten für einen kurzweiligen Mitternachtsfilm sind also vorhanden - die Umsetzung bleibt jedoch hinter ihren Möglichkeiten zurück. Positiv fällt zunächst das hohe Tempo auf. Mit einer Laufzeit von knapp 80 Minuten hält sich der Film nicht lange mit Erklärungen auf und liefert regelmäßig blutige Effekte sowie skurrile Einfälle. Auch das spielfreudige Ensemble sorgt dafür, dass die Figuren trotz ihrer klischeehaften Zeichnung sympathisch genug bleiben, um mit ihnen mitzufiebern. Man spürt den B-Movie-Charme und den sichtbaren Spaß, den die Macher an dem völlig überdrehten Konzept hat. 

Genau dieses Konzept wird jedoch nie konsequent genug ausgespielt. Weder funktioniert der Humor zuverlässig, noch entwickelt der Slasher-Part ausreichend Spannung. Viele Gags verpuffen, die Figuren bleiben zu oberflächlich und die Handlung wiederholt ihre Ideen, ohne echte Überraschungen zu bieten. Auch inszenatorisch fehlt es dem Film an Kreativität, sodass selbst die blutigen Effekte den fehlenden erzählerischen Unterbau nur teilweise kaschieren können. Er ist irgendwo unterhaltsamen, doch zwischen Horror, Komödie und Satire findet der Film jedoch nie die richtige Balance, sodass am Ende vor allem Fans schräger B-Movies auf ihre Kosten kommen. Für alle anderen bleibt ein kurzweiliger, aber ebenso schnell wieder vergessener Genrevertreter.

4/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkVolcano Films/C4 Productions/Noodles Production/Deal Productions/Saga Film/SCOPE Pictures

The Bluff (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt14181714/
https://letterboxd.com/film/the-bluff-2026/

Ercell "Bloody Mary" Bodden (Priyanka Chopra Jonas) hat ihrer Zeit als Piratin den Rücken gekehrt und sich auf den Cayman Islands ein neues Leben aufgebaut. Gemeinsam mit ihrem Ehemann T.H. (Ismael Cruz Cordova), ihrem Sohn Isaac (Vedanten Naidoo) und ihrer Schwägerin Elizabeth (Safia Oakley-Green) genießt sie eine Phase der Ruhe, fernab von Gewalt und alten Loyalitäten. Doch die fragile Sicherheit gerät ins Wanken, als ihr früherer Kapitän Connor (Karl Urban) unerwartet auftaucht. Von Rache getrieben, zwingt er Ercell, sich den Konsequenzen ihrer Vergangenheit zu stellen. Mit Connors Ankunft rückt auch die Bedrohung für ihre Familie näher. Um sie zu schützen, greift Ercell erneut auf Fähigkeiten zurück, die sie eigentlich hinter sich lassen wollte...

Piratenfilme haben es im modernen Kino schwer. Seit dem Erfolg von "Fluch der Karibik" sucht das Genre nach einer neuen Identität zwischen klassischem Abenteuer, düsterem Historienfilm und moderner Actionunterhaltung. "The Bluff" versucht genau diesen Spagat - und liefert dabei einen stellenweise packenden, aber letztlich zu vertrauten Streaming-Thriller ab. Aus dem klassischen Piratenabenteuer wird dabei schnell ein kompromissloser Rachethriller mit deutlichen Anleihen bei "Rambo" und modernen Survival-Actionfilmen. 

Priyanka Chopra Jonas ist da noch der positivste Aspekt des Films. Sie trägt den Film mit beeindruckender körperlicher Präsenz und verleiht Ercell sowohl Härte als auch Verletzlichkeit. Ihre Figur ist keine typische Actionheldin, sondern eine gebrochene Persönlichkeit, die zwischen ihrer gewalttätigen Vergangenheit und dem Wunsch nach einem friedlichen Leben steht. Auch Karl Urban überzeugt als bedrohlicher Gegenspieler, dessen kompromissloser Piratenkapitän dem Film die notwendige Gefahr verleiht. Regisseur Frank E. Flowers inszeniert die Action konsequent und überraschend brutal. Schwertkämpfe, Nahkämpfe und Überlebenssituationen sind deutlich härter als in vielen klassischen Piratenfilmen. Gerade diese Mischung aus Abenteuerfilm und blutigem Rachethriller verleiht "The Bluff" seinen eigenen Charakter. Gleichzeitig fehlt dem Film aber die große Abenteuerlust früherer Genreklassiker. Die Karibik wird eher als düstere Kulisse für einen Belagerungsthriller genutzt und weniger als faszinierende Welt voller Entdeckungen. 

Leider folgt das Drehbuch bekannten Mustern, viele Figuren bleiben eindimensional und die emotionalen Konflikte werden häufig nur angerissen. Statt die interessante Vergangenheit seiner Hauptfigur stärker zu erforschen, konzentriert sich der Film lieber auf die nächste Actionsequenz. Auch die visuellen Effekte können nicht immer überzeugen und erinnern daran, dass es sich trotz prominenter Besetzung um eine Streaming-Produktion handelt. Im Prinzip ein ordentlich inszenierter Action-Piratenfilm mit einer starken Hauptdarstellerin und einigen sehenswerten Kampfszenen. Seine düstere Atmosphäre und die kompromisslose Härte sorgen für kurzweilige Unterhaltung, doch die wenig originelle Geschichte und die schwache Figurenzeichnung verhindern, dass daraus ein wirklich herausragender Genrebeitrag wird.

2,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkAGBO/Cinestar Pictures/Big Indie Pictures/RocketScience