Donnerstag, 10. September 2026

Panic Room (2002)

https://www.imdb.com/de/title/tt0258000/
https://letterboxd.com/film/panic-room/

Die frisch geschiedene Mutter Meg Altman (Jodie Foster) zieht mit ihrer elfjährigen Tochter Sarah (Kristen Stewart) in ein traumhaftes Stadthaus in der New Yorker Upper East Side. Mit zu der Luxusausstattung des neuen Domizils gehört auch ein einbruchsicherer Raum, der perfekten Schutz bietet und mit modernster Technik ausgestattet ist. Doch dummerweise ist genau dieses Zimmer das Ziel einer Gangsterbande (Forest Whitaker, Jared Leto, Dwight Joakam), die in der ersten Nacht in die Villa einbricht. Meg und Sarah können sich in letzter Sekunde in den "Panic Room" retten und dort verbarrikadieren. Das hält die Einbrecher aber nicht davon ab, zu versuchen, in den Zufluchtsort vorzudringen...

David Finchers "Panic Room" ist vielleicht einer seiner weniger ambitionierten, aber dafür präzisesten Filme. Aus einer denkbar simplen Ausgangslage - eine frisch geschiedene Mutter und ihre Tochter werden in ihrem neuen New Yorker Stadthaus von Einbrechern überrascht - entwickelt Fincher ein beinahe chirurgisch konstruiertes Katz-und-Maus-Spiel. Meg Altman (Jodie Foster) und Sarah (Kristen Stewart) verschanzen sich im titelgebenden Schutzraum, während drei Eindringlinge versuchen, an das dort versteckte Geld zu gelangen. Was folgt, ist weniger Charakterdrama als ein hochkonzentriertes Spiel aus Raum, Bewegung und Strategie. Gerade diese Reduktion funktioniert hervorragend. Der Film wirkt wie eine Schachpartie, bei der beide Seiten das Spielfeld und die Regeln kennen und jede Entscheidung die Möglichkeiten des nächsten Zuges verändert. Genau daraus bezieht "Panic Room" seine Spannung: Fincher muss nicht ständig neue Überraschungen aus dem Hut zaubern, weil bereits die räumliche Konstellation genügend Möglichkeiten bietet. 

Jodie Foster trägt den Film mit einer bemerkenswert entschlossenen Performance. Meg ist keine klassische Actionheldin, sondern eine Mutter, die angesichts einer extremen Situation improvisieren muss. Kristen Stewart ist als Sarah ebenfalls überzeugend und verleiht der Beziehung zwischen Mutter und Tochter eine glaubwürdige Verletzlichkeit. Auf der anderen Seite stehen Forest Whitaker als vergleichsweise menschlicher Einbrecher Burnham, Jared Leto als nervöser Junior und Dwight Yoakam als der brutale Raoul. Besonders Whitaker verhindert, dass die Gegenspieler zu eindimensionalen Bösewichten verkommen. Finchers eigentliche Hauptfigur ist allerdings das Haus. Die Kamera gleitet durch Wände, Schlösser, Treppengeländer und Lüftungsschächte, als wäre die Architektur durchsichtig. Diese spektakulären Kamerafahrten sind nicht bloß Selbstzweck: Sie machen den Zuschauer mit dem Gebäude vertraut und verwandeln es anschließend in ein taktisches Spielfeld. Dabei ist *Panic Room* erstaunlich ökonomisch. Fincher und Drehbuchautor David Koepp benötigen kaum überflüssige Nebenhandlungen. Selbst der Hintergrund von Megs Scheidung und die Beziehung zu ihrem Ex-Mann Stephen dienen letztlich dazu, die emotionale Situation der Figuren zu definieren. Die klaustrophobische Konstruktion funktioniert deshalb nicht nur physisch: Meg hat sich nach ihrer Scheidung ein neues Zuhause geschaffen und wird ausgerechnet dort gezwungen, sich in einen Raum zurückzuziehen, der eigentlich Sicherheit garantieren sollte.

Ganz frei von Schwächen ist das Drehbuch allerdings nicht. Einige technische Lösungen sind arg bequem, manche Verletzungen und körperlichen Belastungen werden großzügig übergangen und bestimmte Entscheidungen der Figuren verlangen dem Zuschauer etwas gutwillige Mitarbeit ab. Auch dramaturgisch ist "Panic Room" weniger überraschend, als Finchers Ruf zunächst erwarten lässt. Wer "Sieben", "Fight Club" oder "The Game" erwartet, bekommt keinen ähnlich komplexen oder philosophisch aufgeladenen Thriller. Der Film interessiert sich primär für Spannung und Inszenierung. Das ist einerseits eine Einschränkung, andererseits seine große Stärke: "Panic Room" weiß ziemlich genau, was er sein möchte, und verliert sich nicht in unnötigem Tiefsinn. Damit avanciert "Panic Room" nicht zum Meisterwerk, aber zu einem nahezu perfekt gebauten Genrefilm. Jodie Foster überzeugt, Forest Whitaker sorgt für moralische Nuancen und Fincher macht aus einem einzigen Haus ein faszinierendes Labyrinth. Einige Drehbuchkonstruktionen sind nicht ganz wasserdicht und die spektakuläre Kameraarbeit ist gelegentlich demonstrativ - doch Spannung, Atmosphäre und handwerkliche Präzision stimmen. Ein intelligenter, ausgesprochen stilvoller Thriller, der auch mehr als zwei Jahrzehnte später noch hervorragend funktioniert.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkColumbia Pictures/Hofflund/Polone/Indelible Pictures

LOL Next (2026)

https://www.imdb.com/title/tt38956012/

"LOL Next" ist das neue Spin-off von LOL: Last One Laughing und startet mit einer jüngeren, stark aus Social Media und dem Internet kommenden Comedy-Generation. Statt Michael "Bully" Herbig übernimmt diesmal Hazel Brugger die Gastgeberrolle. Die zehn Teilnehmer müssen sich gegenseitig mit Stand-up, Improvisation, Figuren und spontanen Aktionen zum Lachen bringen - wer selbst lacht, fliegt allerdings bereits beim ersten Lacher raus. Mit dabei sind: Adrian Vogt / Aditotoro, Alina Bock, Torge Oelrich / Freshtorge, Helge Mark, Laura Larsson, Maria Ziffy, Marti Fischer, Paul Luca Fischer, Phil Laude und Sandra Safiulov / Selfiesandra.

1. Das crazy
Zehn witzige Social Media-Influencer akzeptieren die härteste Challenge ihres Lebens: Vier Stunden im LOL Next-Loft ohne Zugriff aufs Handy! Und als wäre das nicht crazy genug, verkündet Host Hazel Brugger auch noch einen Game-Changer: "Ein einziger Lacher reicht und ihr seid raus!" Jedes Kichern könnte das Letzte sein und Hazel warnt die Talents vor: "Leute, ich bin heut nah am Buzzer gebaut!" - 5/10

2. Das Huhn mit Schluckauf
Ein Talent stellt seine Doppelgängerin vor. Oder ist das ein Doppelgänger? Der kleine Unterschied ist wichtig, denn einer von den beiden darf lachen und die andere nicht! Klingt kryptisch? Ist aber so! Hazel haut in der zweiten Folge gleich mehrmals auf den Buzzer und das ist eine gute Nachricht - zumindest für uns Fans: Scheinbar gibt's hier einiges zu lachen...! - 5/10

3. Hier hat doch einer...
Die Generation LOL Next bekommt Besuch von der Presse und auf den Typ haben alle gerade noch gewartet - not! Aber irgendwie sieht dieser landesweit bekannte Schmierfink verdächtig auf-ge-weckt aus!? Sein stiller Abgang wird für alle Teilnehmer zur akrobatischen Heraufforderung. Davon erholt, bringt ein Nextie die ganze Bande mal so richtig auf Trab! Das ist ziemlich hü aber auch ein bisschen hott. - 5/10

4. Ein einziger Fiebertraum
Ein Blitz-Date läutet für alle Verbliebenen die letzte Folge ein! Leider ohne Happy End, denn einer von den beiden Verbalerotikern hat sein ABC nicht ganz im Griff. Plötzlich schaut Hazel vorbei - und schwupps, da waren's nur noch zwei! Fürs Finale schickt sie zwei Top-Comedians ins Loft, aber erst ein Wal sorgt dafür, dass eine(r) von den Beiden auf dem letzten Loch bläst... - 6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: amazon Video

バイオハザード: インフィニット ダークネス - Baiohazādo: Infinitto Dākunesu - Resident Evil: Infinite Darkness (2021)

https://www.imdb.com/de/title/tt13173144/
https://letterboxd.com/film/resident-evil-infinite-darkness/

Als Unbekannte auf geheime Daten des Weißen Hauses zugreifen, wird Bundesagent Leon S. Kennedy (Stimme im Original: Nick Apostolides) zum Sitz des US-Präsidenten entsandt, um den Vorfall zu untersuchen. Dort dauert es jedoch nicht lange, bis die Lichter ausgehen und Zombies das Gebäude angreifen. Kurz nachdem er die Attacke zusammen mit einigen anderen Agenten abwehren konnte, trifft Leon im Weißen Haus auf seine alte Bekanntschaft Claire Redfield (Stephanie Panisello), die nach wie vor Betroffene von Biowaffen-Anschlägen und anderen Katastrophen nach Kräften unterstützt. Claire zeigt ihm die mysteriöse Zeichnung eines Jungen vom anderen Ende der Welt, auf dem offenbar das Opfer einer Virus-Infektion zu sehen ist. Wie sich bald herausstellt, gibt es einen Zusammenhang zwischen dem rätselhaften Bild und dem Vorfall im Weißen Haus. Leon und Claire gehen der Sache auf den Grund...

https://www.imdb.com/title/tt13357924/
1. Episode 1(Episode 1)
Im Jahr 2000 wird ein US-Hubschrauber im Land Penamstan abgeschossen; die Besatzung wird von der einheimischen Bevölkerung angegriffen. Entgegen ihren Befehlen landet die Einheit „Mad Dogs“ und versucht, die Besatzung zu retten. Sechs Jahre später arbeitet Claire als Helferin in Penamstan und stößt auf Hinweise, dass die Überlebenden des anhaltenden Konflikts biologisch-organischen Waffen (B.O.W.s) ausgesetzt waren. Kurz darauf wird das Weiße Haus Ziel eines Hackerangriffs, woraufhin sich mehrere Mitarbeiter infizieren. Da Hinweise auf China hindeuten, werden Leon, Shen May und Jason – der Held von Penamstan - mit einem U-Boot auf eine Geheimmission geschickt. Vor dem Aufbruch trifft Leon im Weißen Haus auf Claire, die ihn über ihre Entdeckung informiert. - 6,5/10

https://www.imdb.com/title/tt14806446/
2. Episode 2 (Episode 2)
Leon, Jason und Shen May steuern ihr U-Boot in chinesische Gewässer, während Claire Nachforschungen über das Schicksal der "Mad Dogs" anstellt. Deren Mission wird in einer Rückblende gezeigt: Die "Mad Dogs" hatten zwar einen Überlebenden gerettet, konnten jedoch nur dessen infizierten Körper zurückbringen. An Bord des U-Boots greifen rattenartige B.O.W.s an und töten die Besatzung. Leon, Jason und Shen May verlassen das U-Boot gemeinsam in einer Rettungskapsel, kurz bevor es sich selbst zerstört. Verteidigungsminister Wilson schiebt die Schuld für die Zerstörung einer nahegelegenen chinesischen Flotte zu. In einem Unterschlupf in Shanghai kommt ans Licht, dass Shen May und Jason gemeinsam daran arbeiten, Wilsons Verwicklung in die Geschehnisse in Penamstan aufzudecken; dort waren die "Mad Dogs" infiziert worden, als sie die Erprobung von B.O.W.-Soldaten störten. Leon weigert sich, Jason und Shen May zu unterstützen. Als er sie zur Rede stellt, erschießt er scheinbar Jason, während Shen May die Flucht gelingt. - 7/10

https://www.imdb.com/title/tt14806448/
3. Episode 3 (Episode 3)
Claire untersucht das Haus des letzten Überlebenden der „Mad Dogs“ (neben Jason), doch dieser hat bereits Suizid begangen. Es kommt ans Licht, dass die Soldaten der Einheit während ihres Einsatzes in Penamstan infiziert wurden. Währenddessen folgt Leon Shen May zum Haus ihres Großvaters. Nachdem er sich gewaltsam Zutritt verschafft hat, stellt sich heraus, dass Shen Mays Bruder jener Soldat war, der von den "Mad Dogs" gerettet wurde; er war jedoch bereits mit dem Virus infiziert und verwandelte sich, als die "Mad Dogs" ihn zur Basis zurückbrachten. Shen Mays Großvater brachte ihn später nach China, und die "Mad Dogs" arbeiteten als Wilsons private Militärtruppe, um weiterhin mit Medikamenten versorgt zu werden, die den Ausbruch ihrer eigenen Infektion verhinderten. Shen May arbeitete mit Jason zusammen, um Wilson zu entlarven. Als Shen May Leon die Informationen anbietet, mit denen Wilson überführt werden könnte, wird das Haus zerstört; Shen Mays Großvater und ihr Bruder kommen dabei ums Leben. Leon und Shen May entkommen mit den Beweisen und bereiten sich darauf vor, Wilson bloßzustellen, während Claire von Wilsons Männern gefangen genommen wird, nachdem sie versucht hat, ihn wegen seiner Machenschaften zur Rede zu stellen. - 6,5/10

https://www.imdb.com/title/tt14806450/
4. Episode 4 (Episode 4)
Claire erwacht in einem Labor, nachdem sie von Wilsons Männern gefangen genommen wurde, während Präsident Graham ein Friedensabkommen mit der Regierung von Penamstan vorbereitet. Wilson enthüllt, dass er Supersoldaten züchtet, um sie gegen die Feinde der Vereinigten Staaten einzusetzen. Er versucht, Claire zur Zusammenarbeit zu bewegen, doch sie lehnt ab. Jason taucht wieder auf und verwandelt sich in eine B.O.W., gerade als Leon und Shen May eintreffen. Jason infiziert Wilson und kämpft gegen Leon und Shen May, während er versucht, seine Existenz der Welt zu offenbaren. Leon rettet Claire, nachdem Jason Shen May getötet hat. Gemeinsam versuchen sie zu verhindern, dass Jason sich der Öffentlichkeit preisgibt, während das Labor durch Säure zerstört wird. Leon und Claire entkommen, während Graham das Friedensabkommen mit Penamstan schließt. Wilson bleibt im Verborgenen und ist auf von Tricell bereitgestellte Hemmstoffe angewiesen. Nach ihrer Genesung trennen sich die Wege von Leon und Claire; Leon weigert sich, die Informationen über Wilsons Komplott zu veröffentlichen, schwört jedoch, sie zu nutzen, um den weiteren Einsatz von B.O.W.s zu unterbinden. - 6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork: Netflix/Quebico/TMS Entertainment/Capcom

Mittwoch, 9. September 2026

Babel (2006)

https://www.imdb.com/de/title/tt0449467/
https://letterboxd.com/film/babel-2006/

"Babel" erzählt drei Geschichten, die durch die globale Reise eines Gewehrs bzw. dessen lebensgefährliche Auswirkung alle miteinander verknüpft sind: Die Hirtenjungen Ahmed (Said Tarchani) und Yussuf (Boubker Ait El Caid) sind mit dem neuen Jagdgewehr ihres Vaters im marokkanischen Hinterland unterwegs und testen dieses sogleich auf seine Feuerkraft: Ziel ist ein weit entfernter Reisebus. Yussuf schießt, wenige Sekunden später hält das Fahrzeug und Menschen laufen in Panik heraus... Die wohlhabenden Amerikaner Richard (Brad Pitt) und Susan (Cate Blanchett) versuchen im Marokko-Urlaub ihre darbende Ehe wieder in den Griff zu bekommen, doch dieses Vorhaben gestaltet sich als schwierig. Zuhause in San Diego wartet das mexikanische Kindermädchen Amelia (Adriana Barraza) sehnlichst auf die Rückkehr ihrer Arbeitgeber, steht doch am Abend die Hochzeit ihres Sohnes Luis (Robert Esquivel) an. Ein tragisches Unglück in Marokko verhindert, dass Richards Schwester als Babysitter für die beiden Kinder Debbie (Elle Fanning) und Mike (Nathan Gamble) einspringen kann. Sie ist in Amerika damit beschäftigt, Bürokratie für die Rettung ihrer Schwägerin zu koordinieren. Susan ist im Reisebus von einer Kugel im Hals getroffen worden und wartet schwer verletzt in einem kleinen Wüstendorf auf medizinische Hilfe. Amelias Neffe Santiago (Gael Garcia Bernal) steht aber bereits in der Tür, um seine Tante zur Hochzeit zu fahren... In Tokio hat die taubstumme Chieko (Rinko Kikuchi) den Selbstmord ihrer Mutter emotional nicht verdaut. Der Teenager rebelliert, raucht, trinkt, nimmt nachmittags mit Altersgenossen in der Stadt Drogen. Ihr Vater Yasujiro (Koji Yakusho) ist ratlos...

Alejandro González Iñárritus "Babel" ist ein Film über eine Welt, in der Menschen ständig miteinander verbunden sind und sich trotzdem kaum verstehen. Ein Gewehrschuss im marokkanischen Atlas setzt eine Kette von Ereignissen in Gang, die vier Geschichten auf drei Kontinenten miteinander verknüpft: ein amerikanisches Ehepaar in Marokko, zwei marokkanische Hirtenjungen, eine mexikanische Kinderfrau und eine gehörlose Jugendliche in Tokio. Was zunächst wie Zufall erscheint, entwickelt sich zu einem eindringlichen Panorama über Kommunikation, Einsamkeit und die Folgen menschlicher Entscheidungen. Iñárritu setzt dabei seine etablierte, verschachtelte Erzählweise konsequent fort - diesmal allerdings auf wahrhaft globaler Ebene. Guillermo Arriagas Drehbuch verbindet die einzelnen Handlungsstränge geschickt, ohne sie einfach zu einer konventionellen Parallelhandlung zu machen. Besonders stark ist, wie sich dieselbe Situation je nach kulturellem Standpunkt völlig anders darstellt. Ein Unfall wird zum internationalen Politikum, während die unmittelbar Betroffenen zunächst nur versuchen, irgendwie mit den Konsequenzen fertigzuwerden. Nicht abstrakte politische Systeme stehen im Zentrum, sondern Menschen, die aus ihrer jeweiligen Lebensrealität heraus handeln. 

Getragen wird das von einem außergewöhnlichen Ensemble. Brad Pitt und Cate Blanchett spielen das amerikanische Ehepaar Richard und Susan nicht als glamouröse Hollywoodtouristen, sondern als zwei Menschen, deren Ehe durch einen persönlichen Verlust bereits schwer belastet ist. Besonders Adriana Barraza als mexikanische Kinderfrau Amelia und Rinko Kikuchi als die gehörlose japanische Jugendliche Chieko liefern herausragende Leistungen. Gerade Barraza verleiht ihrer Geschichte eine enorme emotionale Wucht, während Kikuchi ihre Figur zwischen jugendlicher Auflehnung, Einsamkeit und dem verzweifelten Wunsch nach Nähe glaubhaft balanciert. Auch formal ist "Babel" beeindruckend. Rodrigo Prietos Kamera findet für jede Umgebung eine eigene visuelle Sprache: die karge Weite Marokkos, die überfüllte Grenzregion Mexikos und das grelle, elektrisierte Tokio. Besonders die Japan-Episode entwickelt durch die Verbindung von Bild, Ton und Chiekos eingeschränkter Wahrnehmung eine beinahe subjektive Intensität. Iñárritu arbeitet mit schnellen Schnitten, abrupten Perspektivwechseln und einer enormen akustischen Dichte. Der Film kann dadurch körperlich anstrengend werden - aber genau diese Überforderung ist Teil seiner Wirkung.

Allerdings liegt hier auch die entscheidende Schwäche. "Babel" ist sehr bewusst darauf ausgerichtet, den Zuschauer emotional zu treffen. Manche Zufälle wirken deshalb weniger wie organische Entwicklungen als wie dramaturgisch präzise platzierte Schicksalsschläge.  Gerade die Japan-Episode ist zudem nicht ganz so organisch integriert wie die übrigen Handlungsstränge. Sie funktioniert hervorragend als Studie über Isolation und Kommunikationslosigkeit, wirkt aber innerhalb des zentralen Kausalnetzes am weitesten entfernt. Dafür besitzt sie einige der stärksten Bilder des gesamten Films. Inhaltlich ist "Babel" besonders interessant, weil er keine einfachen Schuldigen präsentiert. Die Figuren sind weder Helden noch Schurken; sie treffen Entscheidungen, machen Fehler und werden anschließend von Umständen überrollt, die sie kaum kontrollieren können. Der Titel verweist auf die biblische Geschichte vom Turmbau zu Babel und damit auf die Zerstreuung der Menschen durch unterschiedliche Sprachen. Iñárritu überträgt dieses Motiv auf eine globalisierte Gegenwart, in der moderne Kommunikationsmöglichkeiten die Distanz zwischen Menschen paradoxerweise nicht beseitigt haben. 

"Babel" ist dafür etwas zugänglicher und weniger nihilistisch als Iñárritu vorige Filme, ohne aber seinen Hang zum Leidensdruck aufzugeben. Mit "Traffic" lässt er sich wegen der parallelen Erzählstränge und des globalen Blickwinkels vergleichen; emotional arbeitet Iñárritu jedoch wesentlich unmittelbarer. Seine größte Leistung besteht darin, aus vier scheinbar getrennten Geschichten tatsächlich ein gemeinsames Gefühl zu formen: Wir leben in derselben Welt, aber nicht unbedingt in derselben Wirklichkeit. "Babel" ist großes, ambitioniertes Weltkino - manchmal zu groß, zu bedeutungsschwer und zu offensichtlich auf emotionale Erschütterung aus. Doch seine hervorragenden Darsteller, die außergewöhnliche Kameraarbeit, die präzise Montage und Iñárritus Fähigkeit, aus räumlicher Distanz emotionale Nähe zu schaffen, überwiegen deutlich. Nicht jede Verbindung wirkt vollkommen glaubwürdig, und manche Passagen sind unnötig melodramatisch. Trotzdem bleibt der Film als vielschichtiges Drama über Einsamkeit, Missverständnisse und die fragile Verbindung zwischen Menschen bemerkenswert kraftvoll.

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkCentral Films/Zeta Film/Anonymous Content

Dienstag, 8. September 2026

The Devil Wears Prada 2 - Der Teufel trägt Prada 2 (2026)

https://www.imdb.com/de/title/tt33612209/
https://letterboxd.com/film/the-devil-wears-prada-2/

Rund 20 Jahre ist es her, dass Andrea "Andy" Sachs (Anne Hathaway) und Emily Charlton (Emily Blunt) als Assistentinnen der Modemagazin-Chefin Miranda Priestley (Meryl Streep) unter deren teuflischer Art litten. Inzwischen haben die beiden Frauen jedoch ganz eigene Karrierwege eingeschlagen, Emily sogar überaus erfolgreich als Managerin einer Luxus-Marke, für deren Werbekampagnen unfassbar viele Dollar auf die hohe Kante gelegt werden. Von einem derartigen Budget kann Miranda Priestley derzeit jedoch nur träumen. Die Zeiten des rollenden Rubel sind für sie vorbei, denn im Internet-Zeitalter verkauft sich ihre klassisch gedruckte Zeitschrift „Runway“ immer und immer schlechter. Doch wie das Schicksal so will, kreuzen sich die Wege von Miranda, Andy und Emily nach all dieser Zeit wieder - und auch Art Director Nigel (Stanley Tucci) darf nicht fehlen, wenn es im New Yorker Modezirkus wieder rundgeht.

Fast 20 Jahre nach dem Original kehren Miranda Priestly (Meryl Streep), Andy Sachs (Anne Hathaway), Emily Charlton (Emily Blunt) und Nigel (Stanley Tucci) zurück - und überraschenderweise ist "Der Teufel trägt Prada 2" weit mehr als ein nostalgischer Aufguss. Regisseur David Frankel und Drehbuchautorin Aline Brosh McKenna versammeln dafür erneut das zentrale Team des ersten Films und verlagern den Konflikt vom persönlichen Karrieredruck auf die Krise des klassischen Printjournalismus. Runway steht wirtschaftlich unter Druck, Miranda muss um ihre Position kämpfen, während Andy inzwischen selbst eine wichtige Rolle in der Medienbranche übernommen hat. Die größte Stärke bleibt natürlich Meryl Streep. Miranda Priestly ist längst eine Ikone, und Streep muss sie nicht mehr neu erfinden. Stattdessen spielt sie die Figur mit einer etwas gereifteren, verletzlicheren Seite, ohne ihre eisige Autorität aufzugeben. Selbst kleine Blicke und beiläufige Sätze besitzen noch immer mehr Wirkung als ganze Dialogpassagen anderer Figuren. 

Auch Anne Hathaway und Emily Blunt profitieren davon, dass ihre Figuren nicht einfach an den Ausgangspunkt des ersten Films zurückgesetzt werden. Andy ist inzwischen selbstbewusst und beruflich etabliert, während Emily mit ihrer neuen Karriereperspektive eine der amüsantesten Entwicklungen durchläuft. Die Rückkehr von Stanley Tucci als Nigel sorgt ebenfalls für genau jene vertraute Wärme, die ein Legacy-Sequel benötigt. Die Chemie des Quartetts ist spürbar - und verhindert, dass der Film ausschließlich von Erinnerungen an 2006 lebt.

Thematisch ist die Fortsetzung sogar interessanter, als der Titel zunächst vermuten lässt. Die Krise von "Runway" steht stellvertretend für eine Medienwelt, in der Printprodukte gegen digitale Plattformen, wirtschaftlichen Druck und veränderte Leserbedürfnisse kämpfen. Der Film macht daraus keine schwere Medienanalyse, sondern verpackt seine Beobachtungen in elegante Unterhaltung. Die zeitgemäßen Beobachtungen zum Zustand moderner Medien, und die scharfzüngige, stilvolle Unterhaltung sind hervorragend. Und natürlich ist die Mode wieder eine Hauptfigur. Kostüme, Sets und New Yorker Schauplätze sind mit sichtbarer Liebe zum Detail gestaltet. Die Fortsetzung nutzt dabei nicht einfach dieselbe Ästhetik wie der Vorgänger, sondern zeigt eine etwas selbstbewusstere und vielfältigere Modewelt. Die Cameos und Auftritte aus der Fashion-Szene funktionieren deshalb nicht bloß als Fanservice, sondern geben dem Film einen eigenen visuellen Rhythmus. 

Allerdings hat "Der Teufel trägt Prada 2" auch deutliche Schwächen. Das Drehbuch bemüht sich manchmal zu offensichtlich darum, sämtliche Erwartungen an eine Fortsetzung gleichzeitig zu erfüllen: Nostalgie, neue Konflikte, alte Figuren, Cameos, Mode, Karrierefragen und eine emotionale Versöhnung. Besonders die romantische Nebenhandlung um Andy wirkt im Vergleich zum eigentlichen Miranda-Runway-Konflikt erstaunlich überflüssig. Noch problematischer ist, dass Miranda etwas zu stark entschärft wird. Gerade ihre beinahe übernatürlich kalte Autorität machte die Figur im ersten Film so faszinierend. Die Fortsetzung möchte zeigen, was hinter dieser Fassade steckt - eine nachvollziehbare Entscheidung, die Miranda aber auch ein wenig von ihrer ursprünglichen Gefährlichkeit nimmt. Der Film ist damit emotional zugänglicher, aber zugleich weniger bissig.

Im Vergleich zum Original von 2006 erreicht die Fortsetzung deshalb nicht ganz dessen Präzision. Der erste Film hatte mit Andy, Miranda und Emily eine ausgesprochen klare Dramaturgie und erzählte gleichzeitig eine Coming-of-Age-Geschichte über berufliche Ambitionen und persönliche Grenzen. Teil zwei ist stärker Ensemblefilm und Gesellschaftskomödie. Er besitzt weniger Überraschungen, dafür mehr Nostalgie und einen durchaus interessanten Blick auf eine Branche im Wandel. "Der Teufel trägt Prada 2" ist daher ein gelungenes Legacy-Sequel, das seine Figuren respektiert und nicht ausschließlich von der Erinnerung an den ersten Teil lebt. Meryl Streep bleibt großartig, Hathaway und Blunt funktionieren als vertraute Gegenspielerinnen, die Mode ist erneut ein Fest für die Augen und die Medienkritik gibt dem Film einen zeitgemäßen Kern. Dafür ist die Handlung etwas überladen, Miranda zu weichgezeichnet und manche Nebenhandlung schlicht unnötig: kein neuer Klassiker wie das Original, aber eine charmante, elegante und erstaunlich unterhaltsame Rückkehr. 

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/Artwork20th Century Studios/Wendy Finerman Productions

Fackham Hall (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt29008225/
https://letterboxd.com/film/fackham-hall/

1931 in Fackham Hall, einem großzügigen Herrenhaus, in dem die Familie Davenport seit vielen Generationen residiert: Lord Humphrey (Damien Lewis) und Lady Prudence (Katherine Waterston) sorgen sich allerdings um den Fortbestand der Dynastie. Gibt es doch keinen männlichen Erben. Wenigstens hat ihre jüngste Tochter Poppy (Emma Laird) zugestimmt, ihren reichen Cousin Archibald (Tom Felton) zu heiraten, sodass Fackham Hall zumindest irgendwie in der Familie bleiben würde. Poppys mit 23 Jahren bereits als alte Jungfer geltende Schwester Rose (Thomasin McKenzie) bereitet den Eltern indes weiterhin Sorgen. Da taucht Eric Noone (Ben Radcliffe) im Haus auf – ein Kleingauner, der Lord Humphrey eigentlich nur eine Nachricht überbringen soll. Aufgrund einer Verwechslung, die er nicht richtigstellt, erhält Eric jedoch eine Anstellung als Bediensteter – was er gern nutzen würde, um einige Wertsachen zu stehlen. Während Poppys Hochzeitstag in einem Desaster endet, entwickelt Eric dann aber Gefühle für Rose – wodurch seine kriminellen Pläne erschwert werden. Ebenso wie der sich auf dem Grundstück ereignende Mord, weshalb nun die Polizei aufkreuzt…

"Fackham Hall" ist genau die Sorte Film, die sich eigentlich längst überlebt haben sollte - und gerade deshalb überraschend viel Spaß macht. Jim O’Hanlons Komödie (und dem Drehbuch unter anderem von Jimmy Carr) nimmt sich "Downton Abbey" und andere britische Kostümdramen zur Brust und kombiniert deren herrschaftliche Anwesen, steife Etikette und standesbewusste Intrigen mit dem anarchischen Humor von "Die nackte Kanone", "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" und Filmen von Monty Python. Das Ergebnis ist eine rasante, bewusst alberne Parodie, die nicht jeden Gag trifft, aber konsequent genug ist, um immer wieder zu überraschen. 

Im Mittelpunkt stehen der Kleinganove Eric Noone (Ben Radcliffe) und Rose Davenport (Thomasin McKenzie), die sich im titelgebenden Herrenhaus begegnen. Rund um die Familie Davenport entwickelt sich eine Mischung aus verbotener Romanze, Mordfall und Standeskomödie. Die Handlung ist dabei vor allem ein Gerüst für Pointen - und das ist durchaus Absicht. Mit hoher Gagdichte und einer Mischung aus Slapstick, Wortspielen und Genreparodie arbeitet sich der Film durch seine Story und versteht es, dem Zuschauer immer wieder einen Lacher zu entlocken. Die Besetzung ist einer der großen Pluspunkte. Thomasin McKenzie und Ben Radcliffe spielen ihre Liebesgeschichte erfreulich ernsthaft, während Damian Lewis, Katherine Waterston, Tom Felton und Anna Maxwell Martin mit sichtlicher Freude an der absurden Situation agieren. Entscheidend ist, dass die Darsteller ihre Figuren nicht als Parodie spielen: Sie behandeln selbst den dümmsten Dialog mit maximaler aristokratischer Ernsthaftigkeit. Genau das funktioniert. Der Humor ist allerdings eine klare Geschmacksfrage. Neben cleveren Wortspielen und gut getimten visuellen Gags gibt es reichlich Fäkal-, Sex- und Körperhumor. Manche Pointen sind brillant vorbereitet, andere wirken wie Nummern, die aus einem Sketch stammen und für einen Spielfilm etwas zu oft wiederholt werden. 

Handwerklich ist "Fackham Hall" erstaunlich liebevoll. Ausstattung, Kostüme, Kamera und Musik reproduzieren die gediegene Ästhetik des britischen Period Dramas so überzeugend, dass die Kontraste zum primitiven Humor umso besser funktionieren. Gerade diese detailreiche Oberfläche ist mehr als bloße Kulisse: Der Film braucht die Würde und Schönheit seiner Welt, damit die folgenden absurden Zerstörungen und Wortspiele überhaupt ihren Effekt haben. Was fehlt, ist die Präzision der großen Vorbilder. "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" oder "Die nackte Kanone" konnten aus ihren absurden Gags einen nahezu perfekten Rhythmus entwickeln. "Fackham Hall" erreicht diese Klasse nur punktuell. Einige Sequenzen sind herrlich, andere ziehen sich, und die 97 Minuten fühlen sich trotz des hohen Tempos gelegentlich länger an. Genau hier liegt der Abstand zu den Klassikern, die der Film offensichtlich verehrt.

Letztlich ist Fackham Hall" keine neue "Die nackte Kanone", aber eine sympathisch respektlose Erinnerung daran, wie viel Spaß eine klassische Spoof-Komödie machen kann. Die Gagdichte ist hoch, die Besetzung bestens aufgelegt und die liebevolle Nachahmung des britischen Kostümdramas bildet die perfekte Grundlage für den absurden Humor. Nicht jeder Witz sitzt, manches ist pubertär und die Dauerfeuer-Methode nutzt sich ab - trotzdem gibt es genügend wirklich gute Treffer, um den Film über seine Schwächen hinwegzutragen. Wer mit britischen Period Dramas und hemmungslosem Slapstick etwas anfangen kann, bekommt hier 97 Minuten angenehm anspruchslosen Unsinn. 

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkMews Films/Elysian Film Group/Two & Two Pictures/Vacancy Films/Anonymous Content

Montag, 7. September 2026

The Adjustment Bureau - Der Plan (2011)

https://www.imdb.com/title/tt1385826/
https://letterboxd.com/film/the-adjustment-bureau/

David Norris (Matt Damon) blickt einer rosigen Zukunft als Politiker entgegen. Doch dann tauchen mysteriöse Anzugträger auf und untersagen ihm die Beziehung zur Tänzerin Elise (Emily Blunt). Warum, weshalb? Das erfährt David nicht so genau. Die schick gekleideten Herrschaften machen ihm allerdings deutlich, dass er ein großes Risiko eingeht, wenn er ihrer Forderung nicht nachkommt. Seine und die Zukunft anderer Menschen steht auf dem Spiel. Fortan ist Norris hin- und hergerissen zwischen Leidenschaft und Karriere, zwischen emotionaler Gewissheit und totaler Unwissenheit. Langsam dämmert ihm, dass er bloß als Bauer auf einem gigantischen Schachfeld dient. Und das ist eine Erkenntnis, die ihm gar nicht behagt. Als Mann der Tat ergreift Norris die Initiative, um das große Glück seines Lebens zu retten.

In diesem intelligenten, aber letztlich etwas zu glatten Mix aus Science-Fiction, Liebesfilm und metaphysischem Thriller spielt Matt Damon den aufstrebenden Politiker David Norris, dessen Leben von einer geheimnisvollen Organisation überwacht und gesteuert wird. Als David zufällig erfährt, dass bestimmte Menschen dafür sorgen, dass sein Leben nach einem vorgegebenen Plan verläuft, beginnt er sich gegen ein System aufzulehnen, das offenbar über seinen freien Willen entscheidet. Die Grundlage für George Nolfis Film bildet Philip K. Dicks Kurzgeschichte "Adjustment Team" - und genau dessen typisch paranoide Vorstellung einer unsichtbaren Macht ist der reizvollste Teil des Films. Damon und Emily Blunt sind dabei ein überzeugendes Paar. Damon spielt David mit sympathischer Bodenständigkeit, während Blunt als Tänzerin Elise Richardson genügend Energie und Charme mitbringt, damit die Liebesgeschichte nicht komplett in der Science-Fiction-Idee untergeht. Ihre Chemie ist zweifellos einer der Gründe, warum der Film trotz seiner Schwächen funktioniert. 

Auch die Grundidee ist stark: Was wäre, wenn unser vermeintlich freier Wille tatsächlich nur innerhalb eines festgelegten Plans existiert? Die "Adjustment Bureau"-Agenten, die mit Türen durch Raum und Zeit reisen und Davids Entscheidungen korrigieren sollen, verleihen dem Film eine angenehm surreale Note. Nolfi findet dafür einige hübsche visuelle Einfälle, ohne die Geschichte mit übermäßigen Spezialeffekten zu erschlagen. Das Problem ist, dass der Film aus dieser faszinierenden Prämisse zu wenig herausholt. Statt die philosophischen Fragen wirklich zu vertiefen, entscheidet er sich zunehmend für eine konventionelle Liebesgeschichte: David und Elise sollen zusammen sein, also muss das Schicksal eben ausgetrickst werden. Dadurch wird die interessante Frage nach Determinismus und freiem Willen schließlich auf ein relativ simples "Liebe besiegt das System" reduziert. Auch die Gegenspieler bleiben etwas enttäuschend. John Slattery und Anthony Mackie sind als Mitglieder des Adjustment Bureau zwar charismatisch, ihre Organisation bleibt aber letztlich zu nebulös. Gerade die Regeln dieses Systems wirken immer dann flexibel, wenn das Drehbuch sie braucht. Das sorgt für Spannung, schwächt aber die innere Logik des Films.

Dafür stimmt das Tempo. "The Adjustment Bureau" ist kurzweilig, visuell elegant und besitzt gerade in seinen Verfolgungssequenzen durch Türen und wechselnde Räume einige originelle Momente. Die Inszenierung erinnert dabei an klassische Paranoia-Thriller, ohne deren düstere Konsequenz zu erreichen. Im Vergleich zu Philip K. Dicks deutlich verstörenderen Verfilmungen wie "Blade Runner" oder "Minority Report" bleibt Nolfis Film wesentlich zugänglicher und romantischer - und damit letztlich aber auch weniger nachhaltig. Damit ist "The Adjustment Bureau" ein unterhaltsamer und gut gespielter Science-Fiction-Thriller, dessen starke Ausgangsidee leider nicht konsequent genug weitergedacht wird. Matt Damon und Emily Blunt tragen die romantische Ebene, die Raum-und-Zeit-Spielereien sorgen für Spannung, doch die philosophischen Möglichkeiten werden zugunsten eines konventionellen Liebesfilm-Finales verschenkt. Kein schlechter Film, aber einer, bei dem man ständig spürt, dass eigentlich noch deutlich mehr möglich gewesen wäre.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkUniversal Pictures/MRC/Gambit Pictures