Freitag, 4. September 2026

Green Zone (2010)

https://www.imdb.com/de/title/tt0947810/
https://letterboxd.com/film/green-zone/

Das Team von US-Army-Offizier Roy Miller (Matt Damon) hat einen wichtigen Auftrag: Es geht darum, im Irakkrieg des Jahres 2003 die Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein aufzuspüren. Doch trotz vermeintlich solider Geheimdienstinformationen zieht Miller eine Niete nach der anderen. Verärgert wendet er sich an seine Vorgesetzten, die jedoch von seinen Einwänden nichts hören wollen. Drahtzieher dieser fragwürdigen Hinweise ist offenbar der Sonderbeauftragte des Pentagons, Clark Poundstone (Greg Kinnear). Miller vertraut sich dem abgebrühten CIA-Mann Martin Brown (Brendan Gleeson) an, der ebenfalls vermutet, dass im Irak etwas kolossal schief läuft. Dank eines Tipps des irakischen Zivilisten Freddy (Khalid Abdalla) stürmt Miller mit seinen Leuten eine Zusammenkunft hochrangiger Saddam-Vertrauter, die aber größtenteils flüchten können. Brown hetzt Miller auf ihre Fersen…

Irakkriegsdrama, Politthriller und kompromissloses Actionkino - Paul Greengrass’ "Green Zone" ist schon angesichts dieser Zusammensetzung deutlich stärker als reine Unterhaltung, aber weniger überzeugend, als seine brisante Ausgangslage verspricht. Matt Damon spielt Chief Warrant Officer Roy Miller, der im Irak 2003 nach den angeblichen Massenvernichtungswaffen sucht und zunehmend erkennt, dass die Geheimdienstinformationen dahinter nicht stimmen können. Aus der militärischen Routine wird eine persönliche Suche nach der Wahrheit. Damon funktioniert hervorragend als bodenständiger Soldat, während Greg Kinnear als machtbewusster Pentagon-Mann und Brendan Gleeson als CIA-Agent für die politischen Gegenspieler sorgen. Besonders gelungen ist, dass der Film die Suche nach den WMD nicht als abstrakte politische Debatte, sondern als unmittelbaren Thriller erzählt. Greengrass und Kameramann Barry Ackroyd erzeugen mit Handkamera, schnellen Schnitten und chaotischen Gefechtsszenen ein beinahe dokumentarisches Gefühl. 

Allerdings wird genau dieser Stil irgendwann zum Problem. Die permanente Wackelkamera und hektische Montage machen die Action zwar intensiv, aber nicht immer übersichtlich. Auch die Handlung selbst ist weniger komplex, als sie gerne wäre: Der politische Hintergrund wird stark vereinfacht, und aus der realen Kontroverse um die irakischen WMD entsteht letztlich ein ziemlich klassischer Verschwörungsthriller. Interessant bleibt der Gegensatz zwischen Anspruch und Unterhaltung. "Green Zone" möchte über die politischen Folgen des Irakkriegs sprechen, funktioniert aber am überzeugendsten als Actionfilm. Dadurch entsteht eine gewisse Ambivalenz: Der Film ist sichtbar engagiert, reduziert seine komplexe historische Realität jedoch auf einen amerikanischen Helden, der die Wahrheit entdeckt und gegen korrupte Entscheidungsträger vorgeht. 

Handwerklich beeindruckend und temporeich mit einem starken Matt Damon und einigen wirklich packenden Gefechtsszenen. Seine politische Botschaft ist allerdings zu plakativ, die Figurenzeichnung teilweise schematisch und die hektische Inszenierung nicht immer angenehm; als Kombination aus Irakkriegsfilm und Bourne-artigem Thriller funktioniert das Ganze aber durchaus.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkUniversal Pictures/StudioCanal/Relativity Media/Working Title Films (GB)/KanZaman Productions/Atresmedia Cine

Battle: LA - World Invasion: Battle Los Angeles (2011)

https://www.imdb.com/de/title/tt1217613/
https://letterboxd.com/film/battle-los-angeles/

Die Erde fällt interstellaren Plünderern zum Opfer – und die außerirdischen Aggressoren sind richtig mies drauf. Stadt um Stadt und Land um Land gerät der blaue Planet in die Hände der Invasoren, die Menschheit ist dem Inferno völlig hilflos ausgeliefert. Los Angeles wird zum Zentrum der Résistance gegen den übermächtigen Feind. Der abgebrühte Sergeant Michael Nantz (Aaron Eckhart) soll die Verteidigung der Stadt stärken. Können er und seine Truppe (u.a. Michelle Rodriguez, Cory Hardrict, Will Rothhaar, Jim Parrack und R&B-Sänger Ne-Yo) die Apokalypse abwenden?

Jonathan Liebesmans "Battle: Los Angeles" ist im Kern weniger Science-Fiction als ein Kriegsfilm mit Aliens. Wenn unbekannte Außerirdische weltweit angreifen, folgt der Film fast ausschließlich einem US-Marineinfanterie-Trupp unter Staff Sergeant Michael Nantz (Aaron Eckhart), der sich durch das zerstörte Los Angeles kämpft. Das Ergebnis erinnert deutlich an "Black Hawk Down" trifft auf "War Of The Worlds": laut, hektisch und ausgesprochen patriotisch. Aaron Eckhart ist dabei der wichtigste Trumpf. Er verleiht Nantz trotz der ziemlich schematischen Figur genügend Glaubwürdigkeit und menschliche Präsenz. Auch Michelle Rodriguez, Ramón Rodríguez und Bridget Moynahan funktionieren innerhalb des Ensembles ordentlich. Die Figuren bleiben allerdings überwiegend Genretypen: der unerfahrene Soldat, der harte Vorgesetzte, der skeptische Kamerad. Der emotionale Zusammenhalt des Trupps soll die Geschichte tragen, wirkt aber nicht selten wie aufgesetzte Militärromantik. 

Visuell und akustisch macht Liebesman dagegen ordentlich Druck. Wackelkamera, schnelle Schnitte, Explosionen und Dauerfeuer erzeugen tatsächlich das Gefühl, mitten in einem Gefecht zu stecken. Gleichzeitig wird die Inszenierung durch ihre permanente Hektik irgendwann ermüdend. Inhaltlich ist "Battle: Los Angeles" hingegen erwartungsgemäß dünn. Warum die Aliens angreifen, bleibt weitgehend Nebensache; ihre Motivation, die Erde beziehungsweise deren Wasser zu erobern, ist kaum mehr als ein Vorwand für die Gefechte. Gegenüber intelligenteren Invasionsfilmen wie beispielsweise "District 9" fehlt dem Film deshalb jede wirkliche gesellschaftliche oder politische Dimension. Und trotzdem: Als schnörkelloses Actionkino funktioniert der Film erstaunlich gut. Wer keine philosophische Alien-Geschichte erwartet, sondern beinahe zwei Stunden Dauergefecht mit einem charismatischen Hauptdarsteller, bekommt genau das. Die Effekte sind solide, die Action besitzt Wucht und einige Gefechte entwickeln durchaus Spannung. Nur sollte man die emotionale und dramaturgische Tiefe nicht dort suchen, wo vor allem geschossen wird.

"Battle: Los Angeles" ist weder ein guter Science-Fiction-Film noch ein besonders origineller Kriegsfilm, aber ein durchaus effektiver Actioner. Zwischen Alien-Invasion, militärischer Machtdemonstration und einem Videospiel findet Liebesman einen brachialen, wenn auch ziemlich eindimensionalen Stil. Die dünne Geschichte, die Klischees und die übertriebene Wackelkamera verhindern mehr - wer sich aber auf lautes, kompromissloses Popcornkino einlässt, wird zumindest ordentlich bedient.

5,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkColumbia Pictures/Relativity Media/Original Film

Mittwoch, 2. September 2026

Three Kings - Three Kings: Es ist schön König zu sein (1999)

https://www.imdb.com/de/title/tt0120188/
https://letterboxd.com/film/three-kings/

Gegen Ende des Golfkrieges im März 1991 finden die amerikanischen Soldaten Archie Gates (George Clooney), Troy Barlow (Mark Wahlberg), Chief Elgin (Ice Cube) und Conrad Vig (Spike Jonze) einen Plan, der anzeigt, wo ein gewaltiger Goldschatz vergraben liegen soll. Für die Soldaten gilt es nur noch den Schatz ausfindig zu machen, der direkt in der Nähe ihres Quartiers versteckt sein soll. Bei der Suche stoßen sie auf feindliches Gebiet und stehen plötzlich den irakischen Menschen gegenüber...

David O. Russells "Three Kings" ist ein ungewöhnlicher Golfkriegsfilm, der Action, schwarze Komödie und politische Satire mit erstaunlich ernsten Bildern über die Folgen von Krieg verbindet. Kurz nach dem Ende von Desert Storm machen sich die US-Soldaten Archie Gates (George Clooney), Troy Barlow (Mark Wahlberg), Chief Elgin (Ice Cube) und Conrad Vig (Spike Jonze) auf die Suche nach gestohlenem kuwaitischem Gold - und geraten dabei mitten in einen Konflikt, der deutlich komplizierter ist als ihre zunächst ziemlich simple Beutejagd. Russells größte Stärke ist die kompromisslose Inszenierung. Newton Thomas Sigels Kamera und der aggressive Schnitt machen die Wüste zu einem surrealen Schlachtfeld; besonders die ungewöhnlich drastische Darstellung von Schussverletzungen vermittelt körperlich, was Krieg tatsächlich bedeutet. Gleichzeitig kann Russell innerhalb weniger Sekunden von groteskem Humor zu erschütternder Gewalt wechseln. Genau diese tonale Unberechenbarkeit macht den Film so eigenständig - gelegentlich allerdings auch etwas chaotisch. 

Auch das Ensemble funktioniert hervorragend. Clooney gibt dem zunächst zynischen Major Gates eine überraschend menschliche Seite, Wahlberg überzeugt als moralisch wachsender Soldat und Ice Cube verleiht Elgin eine angenehm bodenständige Präsenz. Besonders interessant ist, wie sich die vier Männer im Verlauf der Geschichte von opportunistischen Beutejägern zu widerwilligen Helfern der irakischen Zivilbevölkerung entwickeln. Saïd Taghmaoui sorgt zudem dafür, dass die irakischen Figuren nicht bloß als anonyme Gegner erscheinen. Politisch ist "Three Kings" am stärksten, wenn Russell die Widersprüche des Golfkriegs sichtbar macht: Die Amerikaner haben gewonnen, wissen aber kaum, was sie mit diesem Sieg anfangen sollen, während die von den USA ermutigten irakischen Aufständischen anschließend weitgehend auf sich allein gestellt sind. Der Film kritisiert damit nicht nur Krieg, sondern auch die amerikanische Außenpolitik und die mediale Inszenierung des Konflikts. Gleichzeitig bleibt Russell seinen Helden gegenüber erstaunlich wohlwollend - eine herrliche Ambivalenz.

Nicht alles funktioniert gleichermaßen gut. Der Film ist manchmal überladen, die Mischung aus Slapstick, Gewalt und politischer Anklage wirkt gelegentlich bemüht, und gerade im letzten Drittel wird die Handlung etwas zu bequem. "Three Kings" ist ein wilder, technisch herausragender und erstaunlich politischer Kriegsfilm, der seine Hollywood-Unterhaltung nie vollständig von seinen moralischen Fragen trennen kann. Gerade diese Widersprüchlichkeit macht ihn interessant. Zwischen komödiantisch angehauchtem Kriegsfilm und klassischem Heist-Movie findet Russell einen eigenen Ton – nicht immer elegant, aber oft brillant. Ein bissiger, menschlicher und bis heute ungewöhnlich eigenwilliger Film über einen Krieg, der offiziell längst vorbei ist, während seine Folgen gerade erst beginnen.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkVillage Roadshow Pictures/Atlas Entertainment/Village-A.M. Partnership/Coast Ridge/Junger Witt Productions

Normal (2025)

https://www.imdb.com/de/title/tt31195136/
https://letterboxd.com/film/normal-2025/

Aushilfssheriff Ulysses (Bod Odenkirk) springt auf der Flucht vor den Dämonen seiner Vergangenheit immer in den Kleinstädten ein, in denen gerade Not am Mann ist. Als der eigentliche Sheriff der Kleinstadt Normal stirbt, hilft er in dem auf den ersten Blick so verschlafenen Örtchen aus. Dort sollte doch eigentlich wenig zu tun sein? Falsch gedacht. Denn als die lokale Bank von Verbrechern von außerhalb überfallen wird, entdeckt Ulysses, dass dahinter viel mehr steckt. Normal ist fest im Griff einer kriminellen Verschwörung und alle Einwohner*innen – vom Barbetreiber bis zum Priester – scheinen Teil davon zu sein.

Ben Wheatleys "Normal" ist eine herrlich schräge Mischung aus Kleinstadtkrimi, schwarzer Komödie und blutigem Actionfilm. Bob Odenkirk spielt den vorübergehenden Sheriff Ulysses, der im verschneiten Normal eigentlich nur etwas Ruhe sucht, bis ein Banküberfall die scheinbare Idylle zerlegt. Was zunächst an "Fargo" erinnert, entwickelt sich zunehmend zu einer grotesken Gewaltorgie – inklusive einer gehörigen Portion schwarzem Humor. Odenkirk trägt den Film mit seiner gewohnt trockenen Präsenz und macht Ulysses gerade dadurch sympathisch, dass er kein unbesiegbarer Superheld ist. Auch Lena Headey und Henry Winkler sind gut aufgelegt, bekommen von Drehbuchautor Derek Kolstad allerdings deutlich weniger zu tun, als ihre Namen vermuten lassen. Die eigentliche Stärke liegt ohnehin in Wheatleys Inszenierung: präzises Timing, verschrobene Figuren und überraschend kreative Action verbinden sich zu einem angenehm eigenwilligen Genre-Mix.

Allerdings braucht "Normal" etwas zu lange, um aus seiner ruhigen Ausgangssituation herauszukommen. Einige Wendungen sind vorhersehbar, die Charakterzeichnung bleibt stellenweise oberflächlich und der schwarze Humor trifft nicht immer ins Ziel. Sobald jedoch die Eskalation einsetzt, dreht Wheatley ordentlich auf: Schießereien, Explosionen und makabre Zufälle sorgen für genau jene überzeichnete Brutalität, die den Film von einem gewöhnlichen Odenkirk-Actioner abhebt. Damit erfindet "Normal" den Kleinstadt-Actionthriller nicht neu, macht aus seinen bekannten Zutaten aber einen kurzweiligen und angenehm bizarren Genre-Cocktail. Zwischen "Fargo", "Hot Fuzz" und "Nobody" findet Wheatley seinen eigenen, ziemlich blutigen Ton. Nicht jede Pointe sitzt und die erste Hälfte könnte straffer sein – doch Odenkirk, die schräge Atmosphäre und das furiose Finale machen den Film sehenswert.

6,5/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkAperture Media Partners/QWGmire/Odenkirk Provissiero Entertainment/Le Foole/Tradecraft/Normal Films

Dienstag, 1. September 2026

Road Trip - Road Trip: Heißer Trip nach Texas (Unr8ted) (2000)

https://www.imdb.com/de/title/tt0215129/
https://letterboxd.com/film/road-trip/

College-Student Josh (Breckin Meyer) hat zwei Probleme: Er muss das nächste Examen mit einer Zwei-plus bestehen und verhindern, dass ein Video, das er gerade abgeschickt hat, seine Freundin Tiffany (Rachel Blanchard) im 1.800 Meilen entfernten Austin erreicht. Statt einer Liebesbotschaft schickt Josh versehentlich einen Mitschnitt eines Seitensprungs mit Studienkollegin Beth (Amy Smart). Gemeinsam mit seinen Freunden - dem Möchte-gern-Macho E. L. (Seann William Scott), dem intellektuellen Kiffer Rubin (Paulo Costanzo) und dem schüchternen Kyle (D. J. Qualls) - macht sich Josh auf die Reise, um das Video abzufangen, bevor die Post es ausliefert.

Todd Phillips’ *Road Trip* ist eine ziemlich typische Komödie ihrer Zeit - vulgär, sexbesessen, albern und trotzdem erstaunlich sympathisch. Josh (Breckin Meyer) verschickt versehentlich ein Sexvideo an seine Freundin Tiffany (Rachel Blanchard) und macht sich mit seinen Freunden E.L. (Seann William Scott), Rubin (Paulo Costanzo) und dem unfreiwillig mitgeschleppten Kyle (DJ Qualls) auf einen 1.800-Meilen-Trip, um das Band abzufangen. Der Film lebt vor allem von seinem Ensemble. Meyer ist als etwas überforderter Josh ein sympathischer Mittelpunkt, während Seann William Scott als hemmungsloser E.L. regelmäßig die Show stiehlt. Auch DJ Qualls sorgt als nerdiger Kyle für einige der besseren Momente. Tom Green als völlig durchgedrehter Barry ist dagegen eine Geschmacksfrage: Seine Auftritte gehören zu den absurdesten Teilen des Films. 

Phillips, der später mit "The Hangover" deutlich größere Erfolge feiern sollte, findet bereits hier ein gutes Gespür für Tempo und episodische Komik. Einige Gags - insbesondere die French-Toast-Sequenz, die Begegnung mit Barry oder der völlig aus dem Ruder laufende Zwischenstopp - funktionieren noch immer. Gleichzeitig besteht ein großer Teil des Humors aus Sexwitzen, Körperkomik und bewusst geschmacklosen Einfällen. Problematischer ist, dass "Road Trip" seine eigene Tonlage nicht immer findet. Der Film will gleichzeitig schmutzig und herzlich sein und wirkt dadurch gelegentlich uneinheitlich. Genau das spürt man noch heute: Zwischen der sympathischen Freundschaftsgeschichte und den möglichst derben Gags liegen manchmal Welten. Trotzdem besitzt der Film einen gewissen Charme, den viele spätere Teenie-Komödien nicht mehr erreichten. Er ist eine Momentaufnahme der Zeit vor Smartphones und GPS, in der eine falsch verschickte Videokassette tatsächlich eine 1.800 Meilen lange Odyssee auslösen konnte. Gerade diese analoge Ausgangssituation verleiht "Road Trip" heute einen unerwarteten Nostalgiefaktor.

"Road Trip" ist weder besonders intelligent noch besonders subtil, aber als freche, temporeiche College-Komödie funktioniert er überraschend gut. Nicht jeder Gag sitzt, Tom Green strapaziert die Geduld und manches ist aus heutiger Sicht deutlich angestaubt. Dafür stimmen Ensemble, Tempo und die Chemie der Hauptfiguren. Irgendwo zwischen Guilty Pleasure und solider Komödie.

6/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkDreamWorks Pictures/The Montecito Picture Company

Montag, 31. August 2026

Straw Dogs - Wer Gewalt sät (1971)

https://www.imdb.com/de/title/tt0067800/
https://letterboxd.com/film/straw-dogs/

Der junge Mathematiker David Sumner (Dustin Hoffman) reist gemeinsam mit seiner Frau Amy (Susan George) aus den USA in ihre englische Heimatstadt, um für ein paar Wochen den Unruhen der turbulenten 60er Jahre zu entgehen. Hier erhofft sich David die nötige Ruhe, um seinen Arbeiten nachgehen zu können. Doch das Auftreten des Ehepaars erregt Abneigung unter den Einwohnern der Kleinstadt. Es kommt zu immer neuen Anfeindungen und versuchten Demütigungen, unter anderem ausgeführt von einer Gruppe Handwerkern, die eine Garage an das Anwesen der Sumners anbauen. Die Situation eskaliert, als der geistig zurückgebliebene Niles (David Warner) versehentlich das junge Mädchen Janice (Sally Thomsett) tötet und David ihn um jeden Preis vor dem rachsüchtigen Lynchmob der Einheimischen retten will...

Sam Peckinpahs "Wer Gewalt sät" ist einer dieser Filme, die man kaum "mögen" kann - und die man trotzdem gesehen haben sollte. Dustin Hoffman spielt den amerikanischen Mathematiker David Sumner, der mit seiner Frau Amy (Susan George) in ein abgelegenes Dorf in Cornwall zieht. Was als Rückzug ins ruhige Landleben beginnt, entwickelt sich durch die Feindseligkeit der Einheimischen zu einer immer bedrohlicheren Eskalation. Peckinpah interessiert sich dabei weniger für einen klassischen Kampf zwischen Gut und Böse als für die dünne Schicht Zivilisation, unter der Gewalt und männlicher Dominanz lauern. Peckinpahs Inszenierung und John Coquillons Kamera macht die idyllische Landschaft zunehmend klaustrophobisch, während der berühmte, hektische Schnitt die Gewalt nicht nur zeigt, sondern den Zuschauer regelrecht in sie hineinzieht. Gerade das Finale gehört zum eindrucksvollsten und nervenaufreibendsten Actionkino der frühen 70er. Ein Stück weit zelebriert der Film Gewalt, doch die außergewöhnliche Kontrolle über Spannung und Atmosphäre machen ihn faszinierend.

Dustin Hoffman ist als zunächst konfliktscheuer, intellektueller David hervorragend besetzt. Interessant ist vor allem seine allmähliche Veränderung: Aus dem Mann, der Gewalt vermeiden möchte, wird jemand, der sie schließlich selbst mit erschreckender Konsequenz einsetzt. Genau diese Entwicklung macht den Film bis heute so unangenehm. Susan George ist als Amy allerdings eine wesentlich kompliziertere und problematischere Figur, insbesondere angesichts der berüchtigten Vergewaltigungsszene. Hier hat der Film eine bis heute schwer zu übersehende Ambivalenz, die seine Auseinandersetzung mit männlicher Gewalt sowohl interessant als auch moralisch fragwürdig macht. Genau darin liegt die beschriebene Faszination von "Wer Gewalt sät": Er lässt sich nicht bequem als Warnung vor Gewalt oder als simple Männerfantasie einordnen. Peckinpah zwingt den Zuschauer vielmehr dazu, sich beim Zuschauen selbst zu beobachten - insbesondere im blutigen Finale, wenn die Gewalt beinahe kathartisch wirkt. Natürlich ist auch dieser Film nicht frei von Schwächen. Manche Figuren bleiben eher Typen als Menschen, und Peckinpahs provokante Symbolik wirkt stellenweise ausgesprochen dick aufgetragen. Wer eine eindeutige moralische Position erwartet, wird mit dem Film wenig anfangen können. Gerade seine Uneindeutigkeit macht ihn jedoch wesentlich interessanter als den deutlich konventionelleren Actionthriller, als der er auf den ersten Blick erscheinen könnte.

"Wer Gewalt sät" ist brutal, unbequem und stellenweise schwer erträglich - aber auch meisterhaft inszeniert, hervorragend gespielt und bis heute diskussionswürdig. Peckinpah macht aus der englischen Provinz einen psychologischen Pulverfass und aus einem zurückhaltenden Intellektuellen einen Mann, der seine eigene Gewalt entdeckt. Ein problematischer Film, zweifellos - aber gerade deshalb ein wichtiger und bemerkenswert nachhaltiger. 

8/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkABC Pictures/Talent Associates/Amerbroco Films

Sonntag, 30. August 2026

Limitless - Ohne Limit (2011)

https://www.imdb.com/de/title/tt1219289/
https://letterboxd.com/film/limitless/

Eddie Morra (Bradley Cooper) lebt in New York und resigniert zunehmend wegen seiner stockenden Autoren-Karriere. Dann fällt ihm eine ganz besondere Droge in die Hand, mit deren Hilfe sich Charisma und kognitive Fähigkeiten rapide steigern lassen. Jede noch so kleine Information und Erinnerung kann verlustfrei abgerufen werden. Innerhalb von vier Tagen stellt er seinen Roman fertig, lernt rasend schnell verschiedene Fremdsprachen und betätigt überaus erfolgreiche Finanzgeschäfte. Bald schon ist er reich, sexy und berühmt. Wer würde da nicht zum Junkie werden? Bloß hat die Droge bereits zahlreiche Todesopfer gefordert - und auch Eddies Zeit läuft langsam ab...

"Limitless" von Regisseur Neil Burger nimmt eine ziemlich alte Science-Fiction-Idee - eine Pille, die das menschliche Gehirn scheinbar grenzenlos leistungsfähig macht - und verpackt sie als rasant erzählten Thriller. Eddie Morra (Bradley Cooper) ist zunächst ein erfolgloser Schriftsteller, bis ihm eine mysteriöse Droge plötzlich ermöglicht, sich an alles zu erinnern, blitzschnell zu lernen und scheinbar jeden Menschen und jede Situation zu durchschauen. Aus dem Verlierer wird ein Börsenstar - doch der Preis für die neue Genialität lässt nicht lange auf sich warten. Cooper trägt den Film souverän: Er macht Eddies Verwandlung vom lethargischen Chaoten zum selbstbewussten Machtmenschen glaubwürdig, ohne die Figur völlig sympathisch werden zu lassen. Abbie Cornish gibt als Lindy der Geschichte eine emotionale Erdung, während Robert De Niro als Finanzmagnat Carl Van Loon zwar Präsenz besitzt, aber für einen Schauspieler seines Kalibers erstaunlich wenig aus seiner eindimensionalen Rolle machen darf. 

Visuell ist "Limitless" dagegen ausgesprochen einfallsreich. Die Kameraarbeit und die digitalen Effekte vermitteln Eddies beschleunigte Wahrnehmung mit ungewöhnlichen Zooms, fließenden Übergängen und einer bewusst überdrehten Bildsprache. Burgers Inszenierung macht den Gedankenrausch regelrecht körperlich spürbar. Dazu kommt ein angenehm hohes Tempo, das den Film über weite Strecken zum unterhaltsamen Mix aus Thriller, Science-Fiction und Finanzsatire macht. Die Schwäche liegt im Drehbuch. Die zentrale Idee wird nie wirklich konsequent zu Ende gedacht: Die angebliche "100-Prozent-Gehirn"-Prämisse ist wissenschaftlicher Unsinn, und auch die Handlung um Drogendealer, Kredithaie, Mord und politische Macht wirkt zunehmend wie eine Sammlung praktischer Thriller-Bausteine. Trotzdem besitzt "Limitless" einen entscheidenden Vorteil: Er weiß, dass er in erster Linie Spaß machen soll. Statt sich in pseudowissenschaftlichen Erklärungen zu verlieren, verwandelt der Film seine Prämisse in eine elegante Fantasie über Erfolg, Geld und die Verlockung grenzenloser Möglichkeiten. Ein bisschen "Wall Street", ein bisschen "The Matrix" und eine gute Portion Hochglanz-Verschwörungsthriller - nicht besonders tiefgründig, aber verdammt unterhaltsam.

"Limitless" ist clever inszeniertes Popcornkino mit einem starken Bradley Cooper, einem großartigen visuellen Konzept und einer ausgesprochen verführerischen Ausgangsidee. Dass der Film seine interessanten philosophischen Fragen zugunsten eines konventionellen Thrillers weitgehend liegen lässt, verhindert den ganz großen Wurf. Als temporeicher, stilvoller und angenehm leichtfüßiger Sci-Fi-Thriller funktioniert er aber auch Jahre später noch erstaunlich gut.

7/10

Quellen:
Inhaltsangabe: Filmstarts
Poster/ArtworkRelativity Media/Virgin Produced/Many Rivers Productions/Boy of the Year/Rogue Pictures/Mandate International