Sonntag, 2. September 2018

Clear And Present Danger - Das Kartell (1994)

https://www.imdb.com/title/tt0109444/

Der amerikanische Präsident Bennett (Donald Moffat) beauftragt CIA-Agent Jack Ryan (Harrison Ford), den Mord an einem engen Freund und dessen Familie zu untersuchen. Wie Ryan schnell herausfindet, hatte der Tote enge Kontakte zum kolumbianischen Drogenkartell, dessen Boss Ernesto Escobedo (Miguel Sandoval) für den Mord verantwortlich ist. Daraufhin ordnet der Präsident eine geheime militärische Operation unter Führung seines Sicherheitsberaters James Cutter (Harris Yulin) im Herkunftsland der Drogenbosse an, jedoch ohne Ryan zu informieren. Die Operation gerät dabei immer mehr außer Kontrolle, da die Beteiligten mit einem Netz aus perfiden Machtspielen konfrontiert werden. Jack Ryan muss schließlich selbst erneut ermitteln, um im komplexen Geflecht die Übersicht zu behalten und die Machenschaften aufdecken zu können...

Harrison Ford spielt zum zweiten Mal die Fgur des Jack Ryan in der Verfilmung des Tom Clancy-Romans. Dennoch ist das Gelingen des Polit-Actionthrillers "Das Kartell" nicht in erster Linie sein Verdienst, sondern das von Story, Drehbuch und Regie. Der geradlinige Aufbau ist interessant und wirft den Zuschauer von Beginn an in eine verdeckte Aktion der Amerikaner gegen die kolumbianische Drogenmafia, unter Beteiligung des Präsidenten und Teilen der CIA, die am Kongress und sämtlichen Kontrollorganen vorbei operieren. Ford ist dabei der aufrechte CIA-Chef, vor dem alles verheimlicht und verschleiert wird. Hier werden nicht endlos Charaktere beleuchtet oder Beziehungen vertieft, sondern man kommt gleich zur Sache und präsentiert Inhalte.

Vor allem überzeugt der abwechslungs- und ideenreiche Plot, der auf mehreren Ebenen abläuft: bei der Operation selbst, vor Ort spannend, mit starker Action und einem überzeugenden Willem Dafoe inszeniert; bei den Aktionen der kolumbianischen Drogenbarone, hauptsächlich der Charakter des (realen) Pablo Escobar, im Film nur leicht abgewandelt zu Ernesto Escobedo, und in der Auseinandersetzung der Verschwörer mit Ford, der ihnen immer näher rückt. Dadurch wird es nie zu eindimensional - der Plot hält eine ausgezeichnete Balance zwischen seinen Handlungsebenen, die sich inhaltlich ergänzen und schließlich vereinen.

"Das Kartell" ist schlicht und ergreifend gut gemachtes Thriller-Kino, das weniger die Bekämpfung eines Kartells, als die innenpolitische Intrige zum Zentrum hat. Harrison Ford ist für die Besetzung von Clancys idealistischer Romanfigur ein absoluter Glücksgriff und agiert fernab des süffisanten Schmuggler-Grinsens eines Han Solo. Zudem ist Jack Ryan kein klassischer Action-Held, folglich ist "Clear And Present Danger" auch kein reinrassiger Action-Film. Stattdessen sind viele großartige Einzelszenen neben den zwei großen Action-Set-Pieces zu finden, wenngleich der Anschlag auf einen Auto-Konvoi in Kolumbien unfassbar Druck auf dem Kessel hat. Besonders memorabel sind die Auftritte von James Earl Jones als krebskranker Vorgesetzter, der in seinen letzten Atemzügen noch an die Verantwortung gegenüber dem Souverän gemahnt. Denn inmitten interventionistischer US-Außenpolitik und wiederholtem Völkerrechtsbruch platziert der Film klugerweise Ryan, der im Weißen Haus die Graustufen des politischen Tagesgeschäfts am eigenen Leib zu spüren bekommt. In einer Parallelmontage, in der der US-Präsident eine Begräbnisansprache zu einer Grundsatzrede über politische Ideale erhebt und in Kolumbien zu gleicher Zeit ein illegales Kampftrupp der Amerikaner durch Söldner des Drogenkartells aufgerieben wird, das dieser beauftragt hat, zeigt der Film klar, dass seine Solidarität bei den Soldaten, keinesfalls aber bei den hohen politischen Entscheidungsträgern liegt. Diese Ambivalenzen trübt lediglich ein allzu heroischer Horner-Score und der Showdown in "Phantom-Kommando"-Manier. Aber geschenkt.

7,5/10

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