Montag, 26. August 2013

The Grudge - Der Fluch (2004)

http://www.imdb.com/title/tt0391198/


Die Krankenschwester Karen (Sarah Michelle Gellar) wird in das Haus einer alten Frau gerufen. Vom ersten Moment an hat sie das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Erst sind es nur seltsame Geräusche. Doch als sie einen kleinen Jungen, der unerklärlicherweise in einem Schrank eingesperrt ist, entdeckt und die alte Frau plötzlich stirbt, weiß sie, dass sie in Lebensgefahr schwebt. Obwohl sie es schafft, das Horror-Haus zu verlassen, merkt sie schnell, dass der Schrecken noch nicht vorbei ist. Sie und alle, die je mit dem Haus in Kontakt waren, werden von einer übermächtigen, bösen Macht heimgesucht, die wie ein Fluch auf dem Gebäude lastet. Karens einzige Chance ist, das tödliche Rätsel um das Haus zu lösen und den bösen Bann zu brechen.

Die beste Entscheidung, die bei "The Grudge" getroffen wurde, ist ihn in Tokio spielen zu lassen. So kommt ein überaus interessanter Culture Clash zustande, der weniger Sprachbarrieren und Traditionen aufeinanderprallen lässt als verschiedene Verständnisse von Horror. Protagonisten, die an die üblichen amerikanischen Gruselhelden erinnern, dringen in eine Welt ausgeflippter schwarzhaariger Gespenster ein. Beide Welten treffen überaus eindrucksvoll zusammen, ohne die andere zu stören, genauer gesagt entsteht genau darin der Reiz: die typische amerikanische Scream Queen des 21. Jahrhunderts (die nicht wegläuft, sondern versucht, aufzudecken) lernt die Schrecken des Japan-Horrors kennen.

"The Grudge" entspringt einer Welle von amerikanischen Remakes asiatischer, vorwiegend japanischer Filme, die vom Mysterythriller "Ring" von Gore Verbinski ausgelöst wurde, der seine eigene Interpretation des gleichnamigen Films von Hideo Nakata zu Bild bringt. "The Grudge" gehört dabei zu den wenigen, die sich auch in ihrer westlichen Fassung wie ein Teil der Reihe anfühlen. Der Erfolg dieses Werkes liegt vor Allem daran, dass Takashi Shimizu, aus dessen Hirn der Stoff entsprang, selbst am Regiestuhl Platz nahm und dafür sorgte, dass man sein Projekt nicht verwurstet. Es ist somit das dritte Mal, dass er derselben Inhalt verfilmt: erstmals als "Ju-On" in Form eines japanischen Direct-to-Video-Filmes, nach dem Überraschungserfolg desselben im gleichen Land als Kinofilm "Ju-On: The Grudge" und zu guter Letzt als dieses Quasi-US-Remake.

Über seine Dauer von nicht ganz eineinhalb Stunden hält sich "The Grudge" sehr nahe an seinen Vorgänger, ohne aber eine vollkommene Kopie darzustellen. Im Gegenteil: die Neuverfilmung übertrifft das Original. Wie auch das Vorbild dieses Films ist "The Grudge" nicht linear erzählt, er wirkt allerdings leichter verständlich und fokusierter. Im japanischen Original wurden 3 Geschichten auf 6 Teile aufgeteilt, und unchronologisch über den Film verstreut, was zeitweise etwas willkürlich erschien. Zum einen war da eine Familie, die nach dem Tod, durch den der Fluch entstanden ist, in das Haus einzog, dann die Krankenpflegerin Rita, die sich um die letzte Überlebende kümmern soll, und dann eine Gruppe von Mädchen, die als Mutprobe das Haus betreten. Letzterer Handlungsstrang wurde entfernt, dafür wurde Ritas US-Pendant Karen zur absoluten Protagonistin, die erste Storyline wird für den Zuschauer rückblendenartig erzählt. Dadurch wird ein Spannungsaufbau möglich, der dem Original durch seine für das Genre unkonventionelle Erzählung etwas gefehlt hat.

Takashi Shimizu übernimmt die für das Land typischen grotesken Spannungsmomente, die nur selten auf Jump Scares setzen, dafür stimmungsvoll aufgebaut werden, und ersetzt sie nicht durch US-konforme billige Thrills. Was er allerdings macht, ist sein nun viel größeres Budget in hochwertige und düstere Optik zu setzen. So spielte "Ju-On" großteils tagsüber in relativ hellen Farben, wohingegen "The Grudge" einen doch deutlich dunkleren und schmutzigeren visuellen Eindruck aufweist. Auch sind die Bilder schockierender und blutiger, wenngleich das Werk kaum On-Screen-Gewalt aufweist. Tendenziell erscheint die Neuverfilmung weitgehend brachialer, aber keinen Deut weniger japanisch. Neben dem großen Kultfaktor der Geister, die in Japan zu den großen Horrorikonen gezählt werden, lebt "The Grudge" in erster Linie von einer effektvollen Inszenierung. Und hier macht er etwas cleveres: er bedient die breite Masse wie auch ein Nischenpublikum. Fans der Originalreihe sagen selten, dass der Film die Vorlage versaut hat. Dafür übernimmt er zu viele, ja sogar so gut wie alle Qualitäten von "Ju-On". Aber er setzt sie runder, leichter konsumierbar und intensiver in Szene. Und die Rechnung geht zur Gänze auf.

"The Grudge" ist anders als andere Geisterfilme, er wirkt durch die enge Verwebung östlicher und westlicher Sehgewohnheiten verdammt individualistisch, und das auf eine sehr finstere und raue Art und Weise. Ob man die stillere und kalte Variante von "Ju-On" oder die brodelnde, temporeichere Koproduktion "The Grudge" bevorzugt, ist letztlich eine Frage des persönlichen Geschmackes. Doch hierbei handelt es sich um ein gelungenes und respektvolles Remake eines guten Regisseurs.

8/10