Freitag, 6. Juli 2018

[KINO] The First Purge (2018)

https://www.imdb.com/title/tt6133466/

Die Partei "Neue Gründungsväter Amerikas" will die Verbrechensrate im Land auf unter ein Prozent drücken. Die Idee: Einmal im Jahr sollen für zwölf Stunden alle Verbrechen legal sein, inklusive Diebstahl, Mord und Vergewaltigung. Dabei berufen sie sich auf die soziologischen Theorien der renommierten Psychologin Dr. Updale (Marisa Tomei). Beim ersten Probelauf der sogenannten "Purge" soll das Experiment auf den New Yorker Stadtteil Staten Island begrenzt sein und den Anwohnern wird eine Summe von 5.000 Dollar geboten, wenn sie sich an dem Experiment beteiligen. Doch als sich die zumeist armen Bürger mit verschiedenen kulturellen Hintergründen weigern, aufeinander loszugehen, beschließt die Regierung, selbst für eine ordentliche Purge zu sorgen. Die Anwohner bleiben jedoch nicht untätig: Der Drogenboss Dmitri (Y'lan Noel) führt eine Widerstandbewegung an, während die Aktivistin Nya (Lex Scott Davis) sich auf die Suche nach ihrem Bruder (Joivan Wade) begibt. Und bald schon greifen die Unruhen im gesamten Land um sich...

Mit "The First Purge" erlebt man nun den bereits vierten Teil des erfolgreichen Franchises und die Macher dachten sich wohl, "Warum nicht mal zeigen, wie das alles begann und ein Prequel machen, das den Lauf der Ereignisse vor "The Purge" in Gang setzt?". Und da man sich von vorherigem inhaltlichen Balast lösen wollte und am Ende des letzten Teils angedeutet wurde daß die böse "Purge" bald enden könnte, setzte man hier eben alles auf Null zurück und erzählt die Geschichte eines Experiments, der den Grundstein für die in den Filmen so heiß begehrte Tradition des "Purge" legt. Wie kam es eigentlich zu der berühmten Horrornacht, in der alle Verbrechen legal ist? "The First Purge" gibt eine Antwort darauf, jedoch keine, die sich in irgendeiner Form lohnen würde. Die gesellschaftskritischen Aspekte der Reihe werden hier fast völlig ignoriert.

Dabei ist es wohl eine Frage der Betrachtungsweise: das reine Grundthema ist weiterhin spannend und sicherlich ein gutes Diskussionsthema für den Stammtisch, allerdings machen es einem die farblosen Rollen und die unauffälligen Darsteller nahezu unmöglich irgendeinen emotionalen Bezug, zu dem was hier vorgeht, zu knüpfen. In Punkto Action und Gewalt gibt es nichts zu vermissen, allerdings verschiebt sich der Schwerpunkt etwas: da wo in den vorherigen Filmen oftmals darum ging das schräge Figuren in schrägen Masken metzeln ist es hier relativ geradlinige Action in der eigentlich nur geschossen wird, obendrein wird nochmal mit Ausrufezeichen betont wie im Grunde die Reichen die Armen ausrotten wollen. Das mag zwar nicht der beste Film sein, aber sehr wohl spannend und eine "nette" Diskussionsgrundlage.


Ohne Umschweife wird auch die aktuelle Trump-Regierung in abgewandelter, aber leicht erkennbarer Form kritisiert. Dies ist vor allem herrlich am Teaser-Poster mit dem ikonischen roten Basecap zu sehen - unten verlinkt - welches keinen Hehl daraus macht, was die Macher von der Regierung ihres Landes halten. Von großer Raffinesse zeugt dieses Drehbuch dennoch nicht. Aber zu sehen, dass Drogenbosse zu den Guten gehören können und Regierungsvertreter zu den Bösen, macht trotzdem ausreichend Spaß. Nach den wenigstens recht unterhaltsamen ersten beiden "Purge"-Filmen folgt mit dem vierten Teil der Tiefpunkt des Franchises. Und das, obwohl mit der Idee die Beweggründe der ersten Säuberung zu erzählen, durchaus interessantes Potential geboten wurde. Dieses wurde allerdings konsequent ignoriert. Eine uninspirierte Inszenierung, ebenso schwache Figuren wie Darsteller und eine etwas sinnentleerte Handlung, angesichts des großartigen Erstlings, komplettieren den Gesamteindruck.


Mit jedem neuen Film des "Purge"-Fanchise wird es zudem schwerer zu glauben, dass das alles nur eine Fantasie sein soll, denn selbst die leidenschaftlichsten Fans dürften die Abgestumpftheit des Films unangenehm zeitgemäß finden. Trotzdem dürfte auch dieser Teil erfolgreich genug werden um einen weiteren zu generieren. Es ist eine solide weitere "Purge"-Episode, die leider total an ihren bleichen Figuren krankt.

6/10