Samstag, 17. Januar 2015

Dawn Of The Dead - Zombie (Extended Cut) (1978)

http://www.imdb.com/title/tt0077402/

"Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist kommen die Toten auf die Erde zurück."

Es herrschen Panik und Chaos auf der Welt. Der nationale Notstand wird ausgerufen. Aus unbekannten Gründen verwandeln sich die Körper kürzlich verstorbener in fleischhungrige Untote. Auf den Strassen wandeln die Zombies umher. Vier Menschen können sich mit einem Hubschrauber aus den Fängen des Grauens retten. Sie verstecken sich in einem gigantischen Shopping- Center und verschanzen sich dort. Anfangs scheint dies ein sicherer Ort zu sein, doch schon bald müssen sie feststellen, das die lebenden Toten viel gefährlicher sein können, als zuerst angenommen. Gemeinsam beginnen sie einen Kampf gegen die Zombie-Übermacht und müssen sich bald noch brutaleren Gegnern stellen.

Was soll man schon groß über diesen Klassiker des Zombie-Horrorgenres schreiben? Es ist der Vorzeige-Zombiefilm schlechthin, ja, er war sogar so gut, dass Zack Snyder ihm fast 20 Jahre später ein zeitgemäßes Remake spendierte. Was macht diesen Film aber nun zum Klassiker des Zombiefilms? Was macht ihn nicht nur zum wohl besten Film dieses Genres, sondern sogar zum Bestandteil vieler Listen der besten Filme aller Zeiten und aller Genres? Will man mit den Mängeln des Streifens beginnen, so muss man doch sehr angestrengt nachdenken und kommt letztendlich doch nur zu dem Schluss, dass die Zombies etwas merkwürdig aussehen - da ist man im Jahr 2015 anderes gewohnt. Aber hier ist man schließlich noch in der Anfangsphase dieses Genres. Zugegeben - die blau angestrichenen Zombies wirken daher aus heutiger Sicht etwas unfreiwillig komisch, aber man gewöhnt sich sehr zügig an sie.

Viel mehr gibt es hingegen zu den positiven Aspekten von "Dawn Of The Dead" zu sagen: mit einer stattlichen Länge von 139 Minuten, zumindest der Extended Cut, der auch alle Szenen und Gewaltspitzen enthält, weiß der Film auf der einen Seite viel zu erzählen, auf der anderen Seite aber auch über die volle Länge zu unterhalten und bei Laune zu halten. Kein langwieriges Vorgeplänkel - die Vorgeschichte gab es ja auch bereits in "Night Of The Living Dead". Den Charakteren wird viel Zeit zur Entwicklung gegeben. Und es sind nur vier Charaktere. Und die werden ausführlich vorgestellt. Sie haben Macken, sie haben positive Seiten. Insgesamt sind sie sehr sympathisch dargestellt. Das geht dann so weit, dass einem fast die Tränen aus den Augen kullern, als man feststellt, dass einer von Ihnen gebissen wurde. Langsam wird er dann, wie er selbst sagt, "einer von ihnen". Und das ist so gefühlvoll dargestellt, dass man sich kurz vergewissern muss, dass man immer noch "Dawn Of The Dead" schaut und kein Drama.

Ein weiterer Höhepunkt des Filmes ist die ausufernde Darstellung des Vakuums, in dem sich die vier Protagnoisten befinden. Sie warten, tun dies und das, aber geholfen wird ihnen nicht. So versucht jeder, damit umzugehen, dass Hilfe wohl nicht kommen wird und man wahrscheinlich noch lange Zeit in dieser Leere verbringen wird. Man kommt sich näher, freundet sich an, veranstaltet sogar ein Candlelight-Dinner. Die Dialoge sind keine Wortfetzen, die einem nur sagen sollen, dass es tatsächlich sowas wie ein Drehbuch gibt. Die Gespräche sind frei von platten Parolen, wie man sie in so vielen Filmen des Horrorfilmgenres hört. Keiner der Charaktere wird durch Verhalten und Wortwahl zu einem Stereotyp. Es gibt kein egozentrisches Arschloch, kein hysterisches Weibsbild, keinen ultraharten Draufgänger. Alle vier sind aus wie aus dem Leben genommen und gerade dadurch so realistisch und keine Abziehbilder verfremdeter, standardisierter Ideen von einfallslosen Hollywood-Autoren.

Selbst aus heutiger Sicht ist dieser Film rein gewalttechnisch dazu auch noch sehr brutal. Es wird gemetzelt, ausgeweidet, erschossen, skalpiert und enthauptet. Für jeden Gorehound ist dieser Film, trotz seiner 35 Jahre, ein wahrer Augenschmaus. Und mit dem Soundtrack wird eine dazu passende und grandiose Atmosphäre geschaffen; eine Atmosphäre, die einnimmt und einen nicht mehr loslässt. Sowieso scheint es eine der Stärken der damaligen Zombiefilme zu sein, über einen grandiosen Score und eine tolle Atmosphäre zu verfügen. Skurril, vielleicht sogar absichtlich humorig ist der Film  stellenweise auch: ein Zombie, der über ein Geländer in den Kaufhausbrunnen stürzt, ein Hare-Krishna-Zombie und die heterogene Zusammenstellung der Plünderer, immerhin bestehen sie aus einem Mann mit SS-Helm, einer Hippietante, Tom Savini und, last but not least, einem Mexikaner mit Sombrero, was an sich schon lustig ist, aber noch dadurch getoppt wird, dass dieser Mexikaner zwar vor den Zombies flüchtet, aber trotzdem noch Zeit hat, an einer Maschine seinen Blutdruck messen zu lassen, was sinnigerweise dazu führt, dass er zehn Sekunden später gar keinen Blutdruck mehr hat. Da muss man doch einfach grinsen.

8/10

In einer auf 1.500 Stück limitierten und nummerierten Digibook-Version erschien dieses Jahr diese Limited Uncut Edition, die den Film restauriert in HD und auf DVD enthält.