Sonntag, 18. Februar 2018

Ég man þig - I Remember You (2017)

http://www.imdb.com/title/tt4966532/

Der Isländer Garðar (Thor Kristjansson) kommt eigentlich aus der Stadt, doch auf einer abgelegenen Insel mitten im Nirgendwo hat er ein altes Haus erstanden, das er jetzt auf Vordermann bringen will. Seine Frau Katrin (Anna Gunndís Guðmundsdóttir) und ihre gemeinsame Freundin Líf (Ágústa Eva Erlendsdóttir) wollen ihm dabei helfen und zunächst sieht es danach aus, als würde alles nach Plan verlaufen. Doch je länger sie an diesem unwirtlichen Ort verweilen, desto mehr häufen sich unheimliche Vorkommnisse, die sie sich nicht erklären können und die allesamt mit Kindern zu tun haben. Langsam wird klar, dass der Ort ein finsteres Geheimnis verbirgt. Und das irgendwie mit dem Psychologen Freyr (Jóhannes Haukur Jóhannesson) verbunden zu sein scheint, dessen Sohn vor Jahren verschwunden ist und von dem seitdem jede Spur fehlt...

"I Remember You" ist ein unterkühlter isländischer Mix aus Krimi und übernatürlichem Grusler, der mit tollen, kargen und trostlosen Landschaftsaufnahmen und einer ganz guten, aus zwei Handlungssträngen bestehender Geschichte, die nach und nach miteinander verwoben werden, hervorstechen kann. Bewusst langsam brütet der Film sein tragisches Geheimnis aus. In Verbindung mit den famos eingefangenen, mysteriös-nebligen Bildern eines kargen und kalten Islands entsteht eine drückend-deprimierende Stimmung. Die Schauspieler machen ihre Sache auch gut und das Ganze ist recht ansprechend inszeniert. Die Geschichte ist sehr ruhig eingefangen, hätte aber hier und da etwas mehr Tempo vertragen können. Einzelne Figuren und deren Motivationen hätten gerne etwas ausgeklügelter dargestellt werden können.

Einzig und allein das Ende des Films ist zwar gut gemacht, wenn dann der Zusammenhang zwischen den Handlungen klar wird, muss man leider sagen, dass bei vielen Sachen und Zusammenhängen, doch noch einiges an Klärungsbedarf besteht. Filmemacher Óskar Thór Axelsson verzichtet (fast) auf billige Jump-Scare-Tricks um Spannung zu erzeugen, aber sein Versuch das abgegriffene Thema Spukhaus irgendwie anders zu revitalisieren gelingt ihm irgendwie dennoch nicht vollends. Im Gegenteil, denn trotz interessanter Auflösung enthält der Film wieder nur abgedroschene Horror-Motive (spukende Kindern, knarzenden Türen usw.). Die Figuren sind seltsam unnahbar und das Skript wirkt zu lang gezogen für seinen wenig dramatischen Inhalt. Netter Versuch, aber etwas mehr Feuer hätte dem Film gut getan. Fazit: "I Remember You" ist ein netter und durchaus atmosphärischer Gruselthriller, der aber am Ende hinsichtlich Aufklärung und offene Fragen doch ein wenig schwächelt.

6,5/10

Samstag, 17. Februar 2018

The Evil That Men Do - Der Liquidator (Unrated) (1984)

http://www.imdb.com/title/tt0087222/

George, ein Freund des Profi-Killers Holland (Charles Bronson), wurde von einem gewissen Dr. Clement Moloch, zu Tode gefoltert. Welcher schon mehr als nur ein Menschenleben auf dem Gewissen hat. Von einem Freund nimmt Holland letztendlich den Auftrag an, Moloch zu töten. Eine mörderische Jagd auf die bösen Jungs beginnt und endet in einer stillgelegten Mine...

"Der Liquidator" schürt anfangs Hoffnung richtig gut abzugehen, als ein Folterknecht eine beherzte Rede über eben das Foltern schwingt - samt Vorführung und als Lippenleser Holland (Charles Bronson), der es sich bereits im Paradies heimelig machte, erst durch Schilderungen auf Video überredet werden muss, wieder als Berufskiller aktiv zu werden. Bronson ist zwar stoisch wie immer, wirkt aber in diesem bedrohlich-repressiven Umfeld nicht so unbesiegbar wie sonst. Mit der ausgedehnten Folterdemonstration am Anfang nordet sich "Der Liquidator" schon mal nachdrücklich im Unangenehmen ein und läßt auch nie mehr so richtig locker. Das ist kein geringer Verdienst. Im Mittelteil schwächelt "Der Liquidator" dann aber leider trotzdem ein wenig. Das liegt mitunter an Rhiana Hidalgo (Theresa Saldana), die mit ihrer scheinheiligen Moralapostel-Masche ziemlich nervt. Denn eigentlich hat der Mittelteil schon seine Momente, die aufgrund Brutalität oder Spannung den Zuschauer trotzdem bei der Stange halten können.

Das sehr gelungene Finale findet dann in einer verlassenen Mine statt, die gar nicht so verlassen ist. Der Doc hat sich auch etwas einfallen lassen, doch Holland ist ja nicht auf den Kopf gefallen. Da Holland ein Mann ist, der das Böse tut, wenn ein Mann Böses tun muss, tut er es nicht nur für lau, er stiftet auch den Opfern des Docs die Genugtuung. Kurz und gut: "Der Liquidator" ist ein anspruchsloses und primitives Action-Vehikel, aber macht zwischendrin irgendwie schon Laune. Es ist ein schön fieser Reißer, der sich überraschend kritisch gegenüber der Duldung von Menschenrechtsverletzungen durch die US-Regierung gibt.

6,5/10

Von NAMELESS Media kommt der Film ungekürzt und in beiden Filmfassungen (Uncut/-R-Rated und Unrated) in HD im auf 555 Stück limitierten Mediabook:

The Assassination Of Jesse James By The Coward Robert Ford - Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford (2007)

http://www.imdb.com/title/tt0443680/

Der Film erzählt vom Leben des Jesse James (Brad Pitt) und seiner Gang. Nach dem Bürgerkrieg überfallen sie Züge und Banken und werden in der Bevölkerung als moderne US-Variante von Robin Hood gefeiert. Während sie als Helden dastehen, geben sich die Pinkerton Detectives immer mehr der Lächerlichkeit Preis, weil es ihnen nicht die gelingt, die Jagd nach Jesse James und seinen Spießgesellen erfolgreich zu gestalten. Zur Bande um Jesse James stößt auch der junge Robert Ford (Casey Affleck). Aber schon bald muss Ford feststellen, dass der wahre Jesse James wenig mit dem idealisierten Mythos zu tun hat, der in der Bevölkerung kursiert. Er ging als der Feigling in die Geschichte in, welcher Jesse James rücklings ermordete. "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" ergründet diese kaltblütige Tat und die Legende vom Feigling, der Jesse James umgebracht hat.

"Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" zählt zu den besseren Vertretern des Westerngenres der letzten zwei Jahrzehnte und bietet eine ungewöhnliche Seherfahrung. Vor allem, weil der Film gar kein klassischer Western im eigentlichen Sinne ist. Wie der Titel bereits andeutet, dreht sich der zweite Film von Regisseur und Drehbuchautor Andrew Dominik weniger um die Schurkenstücke eines der bekanntesten Outlaws des Wilden Westens, sondern um dessen Niedergang und verwehrt sich damit der typischen Heroisierung, wie wir sie aus klassischen US-Western kennen. Im Gegensatz zu anderen modernen Western zeigt Dominiks Werk auch kein Interesse daran, die Stilmerkmale zu dekonstruieren oder zu ironisieren, um ganz postmodern eine Meta-Ebene zu etablieren.

Damit gesellt sich "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" tatsächlich zu den Werken einer ausgestorbenen Strömung – dem Kino des New Hollywood, das sich dem Genre mit Werken wie McCabe & Mrs. Miller, "Pat Garrett jagt Billy the Kid" oder "Der weite Ritt" melancholisch näherte und mit dramaturgischen Konventionen brach. Statt die archaische Welt des Western zu glorifizieren, entpuppte sich das weite Land als leer und karg, warf die Menschen auf sich selbst zurück und hinterfragte uramerikanische Ideale wie Freiheit und Selbstbestimmung. All dies trifft auch auf Andrew Dominiks Werk zu. Sieben Jahre, nachdem Dominik in Australien das so flippige wie misslungene Serienkillerporträt "Chopper" inszenierte, zeigt sich der Filmemacher bei seinem Hollywooddebüt erstaunlich gereift, legt einen gänzlich gegenteiligen Film vor und setzt auf totale Entschleunigung: Einhundertsechzig Minuten beträgt die Spielzeit von "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford", der sich ganz seiner elegischen Stimmung und den so ansehnlichen wie untypischen Bildern von Kameramann Roger Deakins hingibt.

Dominik setzt seine Figuren nicht ständig aktiv in Szene, um die Handlung voranzutreiben, sondern beobachtet sie in oft passiven Momenten und nutzt stille Szenen, um ihrem Geist nachzuspüren. Der von Brad Pitt wunderbar lethargisch verkörperte Jesse James wirkt im Verlauf des Films immer weniger wie von dieser Welt, sondern scheint, müde und seelisch ausgehöhlt von den Taten seiner Jugend, zunehmend willenlos dem Tod entgegenzutreiben und erinnert dabei an den Protagonisten aus Jim Jarmuschs Dead Man. Sein Gefährte Robert Ford hingegen muss seine Lebendigkeit im Zaum halten: das scheue schiefe Grinsen, das ständige Niederschlagen der Augen und die weinerliche Stimme mögen die Gedanken und Wünschen des jungen Banditen verbergen, doch dank Dominiks aufmerksamer Regie und der herausragenden Darstellerleistung von Casey Affleck erkennen wir – ebenso wie James – Fords Schwäche: "Do you want to be like me or do you want to be me?"

Der ambitionierte Mittelteil des Films mag deutlich zu lang erscheinen und dürfte vor allem jene Filmfans enttäuschen, die sich zumindest ein Mindestmaß an Handlung wünschen; tatsächlich mag vordergründig nicht viel passieren, doch "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" ist ungemein reich an Zwischentönen und sinniert über Werte, Seelenheil und das Miteinander der Menschen. In der letzten halben Stunde läuft Dominiks Werk zur Höchstform auf und etabliert einen wuchtigen Fatalismus shakespearscher Prägung, der intensive Szenen hervorbringt und viel Spannung, wenn wir erkennen, dass Robert Ford kein Feigling war, sondern Opfer in einem abgekarteten Spiel, das keinen Sieger kennt. Trotz seines gemächlichen Tempos beeindruckt "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" und hallt lange nach.

8/10

Donnerstag, 15. Februar 2018

[KINO] Black Panther 3D (2018)

http://www.imdb.com/title/tt1825683/

Nach den Ereignissen von "The First Avenger: Civil War" begibt sich T'Challa alias Black Panther (Chadwick Boseman) zurück in seine afrikanische Heimat Wakanda. Er bereitet sich darauf vor, seinen rechtmäßigen Platz als König des isolierten, aber technologisch höchst fortschrittlichen Staates einzunehmen, obwohl er das nicht geplant hatte. Der Söldner Erik Killmonger (Michael B. Jordan) will ihm die Regentschaft jedoch streitig machen und sucht sich für sein Vorhaben Unterstützung beim zwielichtigen Waffenschieber Ulysses Klaue (Andy Serkis). Um das Erbe seines Vaters und seine Position als König zu bewahren, tut sich der Held mit CIA-Agent Everett K. Ross (Martin Freeman) zusammen. Außerdem unterstützt von den Mitgliedern der Dora Milaje (unter anderem Danai Gurira), einer exzellent ausgebildeten Kriegerinnentruppe, und seiner Exfreundin, der Spionin Nakia (Lupita Nyong'o), nimmt der Black Panther den Kampf gegen die beiden Schurken auf...

Es gab in "Captain America: Civil War" eine Szene, in der wie aus dem Nichts ein neuer Superheld auftauchte. Ganz in schwarz, das Gesicht unter einer schwarzen Maske, mit katzenhafter Agilität. Der "Black Panther". Und viele Kritiker waren damals wie heute der Ansicht, dass es doch endlich mal Zeit für einen schwarzen Superhelden sei, der nicht wie der "Falcon" oder "Nick Fury" beinahe ausschließlich im Hintergrund oder als Sidekick agiert, dass dies "richtig und wichtig" und noch dazu von historischer Bedeutung sei. So ein ausgemachter Unsinn. Erinnert sich keiner der Kritiker an Spawn oder "Blade"? Letzterer war der erste "richtige" Superheld im MCU, aber beide werden - so hat man das Gefühl - gern vergessen. Erinnert sich auch keiner dieser Kritiker mehr an den Satz "Setzen Sie immer auf schwarz." (aus "Passagier 57")...? Long story short: es würde kein MCU geben, wäre da nicht der Erfolg von "Blade" gewesen. Und es ist ausgemachter Unsinn, dass Menschen diesen Film lieben, weil er "historisch wichtig" ist. Einen Film soll man mögen, weil der Filme gut ist, unterhält und nicht weil er eine schwarze Besetzung hat. So. Genug der Schimpftirade, beschäftigen wir uns lieber mit dem  "Black Panther".

"Black Panther" ist der nunmehr achtzehnte Film (das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen) im MARVEL Cinematic Universe (MCU) und er ist der erste, der sich stark auf einen Ethos, bekannt als Afrofuturismus, stützt - grob gesagt, ein Ansatz zu Science Fiction und Fantasy, der auf schwarzer Erfahrung und den Kulturen des afrikanischen Kontinents basiert. Dies ist selten im cineastischen Bereich, da solche Filme kaum aus Nischen herauskommen und so manche epische Visionen neigen auch oft dazu, hohe Budgets zu fordern. Regisseur Ryan Coogler wagte es dennoch und liefert mit seinem Beitrag zum MCU "Black Panther" einen Streifen ab, der dem vorgenannten Afrofuturismus endlich einen gewissen Tribut zollt. Und das mit Stil, Style und und einem geradezu überwältigendem Produktionsdesign. Davon sind die Fans des MCU ja mittlerweile schwer verwöhnt, gerade wenn man Ausstattungskolosse wie "Captain America: Civil War", "Guardians Of The Galaxy" oder "Avengers: Age Of Ultron" betrachtet. Doch irgendwie schafft MARVEL es immer und immer wieder, auf einen sowieso schon extrem hohen Standard noch eins draufzusetzen. Es ist beinahe schade, dass es der "Black Panther" nicht schon früher ins MCU geschafft hat, doch eines weiß man so schon: er fügt sich hervorragend in das vorhandene Konstrukt ein.


Und vielleicht ebenso, weil er ein Stück weit vom restlichen MCU isoliert steht. Nicht vollends, das würde nicht funktionieren, aber die Welt ist doch eine ganz andere. Es fällt auf, dass MARVEL sich sehr darauf konzentrierte, die in "Phase III" laufenden Filme jeweils als separate Einheit zu etablieren. Schon "Thor: Ragnarok" grenzte sich deutlich von seinen beiden Vorgängern ab und mit "Doctor Strange" oder "Spider-Man: Homecoming" wurde gar ein gänzlich neues Kapitel (wie auch hier) aufgeschlagen. Selbst "Guardians Of The Galaxy, Vol. 2" bot alle Kraft auf, sich vom "Avengers"-Universum zu distanzieren - und nun präsentiert sich dem Zuschauer die Welt von Wakanda. Die Handlung von "Black Panther" überbrückt die Lücke zwischen "Captain America: Civil War" und dem bevorstehenden "Avengers: Infinity War", und nimmt T'Challas Krönung und eine schlummernde Bedrohung für sein Königreich auf, das mit dem Tod Königs T'Chaka  wachgerüttelt wird. Dies geschieht die Form von Michael B. Jordans Figur Erik "Killmonger" Stevens, einem rachsüchtigen Exil-Wakandaner, der ebenfalls ein Auge auf den Thron geworfen hat, und Ulysses Klaue, ein von Andy Serkis gespielter, bulliger Waffenhändler. Seine Aufmerksamkeit richtet sich auf die riesigen Vibranium-Lagerstätten des Landes, ein unzerstörbares Metall, das in Filmen wie diesem oft sehr nützlich ist. Hier hat MARVEL schon wieder grandiose Arbeit geleistet, denn egal wie altbacken diese Story nun auch klingen mag, sie schaffen es immer und immer wieder, eine perfekte Besetzung zusammen zu bringen, die wirklich Lust und Freude am Spiel haben und "Black Panther ist dabei keine Ausnahme.


Chadwick Boseman beweist sich hier als einer der besten, unbesungensten Schauspieler, die gerade in Hollywood agieren, und er hat die Chance bekommen, hier wirklich zu brillieren. Er strahlt eine stille Kraft, Anmut und Intelligenz aus, die eine solche Rolle erfordert. Sein Charakter T'Challa / Black Panther hat einfach die nötige "Freshness". Er ist ein junger Anführer, der entscheiden muss, in welche Richtung er sein Land gehen lassen soll. Lässt er Wakanda mit der übrigen Welt in Verbindung treten oder hält er sein Land weiterhin versteckt? Um seiner Aufgabe Herr zu werden, hat er auch ein starkes Unterstützungssystem in Form seiner immer für einen Gag bereiten Schwester Shuri (Letitia Wright), einem wissenschaftlichen Genie, seiner Ex-Liebhaberin Nakia (Lupita Nyong'o) und sein treuer General Okoye (Danai Gurira). So weit, so gut. Einer der Bereiche, in denen nahezu alle Superheldenfilme, egal ob nun DCU oder MCU, fast immer versagen, ist die Schaffung überzeugender Schurken, die nicht irgendwelche lahme Charakterklischees sind. Die einzige Ausnahme bildet hier Loki, aber das liegt eher an Tom Hiddlestons erstaunlicher Leistung als an dem Bösewicht selbst.

Vielleicht werden die Leute nach "Black Panther" auch Michael B. Jordan etwas gewogener aufnehmen und zugeben, dass er ein richtig guter Schauspieler ist. Sein Killmonger ist einer der besten Bösewichte, die Marvel jemals geschrieben hat. Er ist erstaunlich komplex und wie alle großen Schurken sind seine Motivationen nicht komplett böse. Sicher, Hass ist in gewisser Weise involviert, aber seine Figur ist nicht in seinem Hass falsch. Im gegenteil: man kann seine Situation nachempfinden. Der Konflikt zwischen ihm und T'Challa erfährt einen erfrischend langsamen Aufbau und führt zu einer mehr oder minder erwartbaren Enthüllung, was aus ihm aber einen gleichwohl sympathischen und hasserfüllten Charakter macht. Es gab auch einige nervige Stereotypen in diesem Film, jedoch sind diese einerseits belanglos, andererseits kann man darüber mit einem wohlwollenden Achselzucken einfach darüber hinwegsehen.

Das Drehbuch bietet aber auch die zu erwartenden Unebenheiten, doch sowohl Charakterdynamik und Motivationen fühlen sich größtenteils natürlich und rhythmisch an und sorgen dafür, dass es in der knapp zweistündigen Laufzeit des Films nie langweilig wird. Es gibt ein paar Szenen außerhalb von Wakanda, aber der Film als Ganzes spielt innerhalb der Stadtmauern und zentriert sowohl über, als auch unter der Oberfläche. Die Zuschauer werden in eine funktionale Welt eingeladen, die durch Metall und Technologie glänzt, aber auch durch Kultur, Sitte und Bürgerlichkeit Leben erhält.


"Black Panther" ist in zwei Dingen mehr als bemerkenswert. Zum einen, weil Wakanda so schön ist und hier der Film vom Produktionsdesign bis hin zur Kostümierung nahezu perfekt aussieht. Es gibt zwar hier und da einige raue CGI-Einschläge, durch die sich aufgrund überhasteter Übergänge und einer zu starken Abhängigkeit vom Green Screen Risse unter der ansonsten atemberaubenden Oberfläche offenbaren, aber dies nur am Rande. Zweitens ist er nicht das große Actionspektakel, was man vielleicht erwarten würde. Es gibt ein größeres Schlachtfeld im Finale, welches schön mit den Kräften des Metalls Vibranium spielt und eine sehr von "Captain America" motivierte und inspirierte Verfolgungsjagd, aber im großen und ganzen konzentriert sich die Geschichte mehr auf den Teil der Erzählung, die wirklich etwas aussagt, als alles in Materialschlachten untergehen zu lassen. Es gibt auch ein paar One-on-One-Kämpfe, die, während sie präsentiert werden, sogar noch einen etwas faden Geschmack hinterlassen, wenn man erkennt, dass diese unglaublich fortschrittliche Utopie ihren Anführer durch Kämpfe bis zum Tod (oder zur Konzession) wählt. Das ist irgendwie... seltsam weil rückständig. Aber okay.

In "Black Panther" sind es damit gerade auch die zuvor genannten kurzen Action-Einschübe, während man darauf wartet, zu Rachel Morrisons prächtiger Cinematographie zurückzukehren, zu Hannah Beachlers auffallendem tollen Produktionsdesign und Ruth E. Carters faszinierenden Kostümentwürfen. Wieder ist es ein Teil des Gesamtbildes, aber es lohnt sich zu applaudieren, dass diese drei Frauen zusammen mit Coogler (und dem mittlerweile wohl allmächtigen CEO Kevin Feige) für den gesamten Look und das Design eines der größten Filme 2018 verantwortlich sind. Das ist keine Kleinigkeit und die Ergebnisse sind wirklich außergewöhnlich.

"Black Panther" ist also eine unterhaltsame Mischung aus Vertrautem und Neuem und erzählte eine komplette Geschichte und wird so zu einem hochgradig unterhaltsamen, handwerklich perfektem Blockbuster, der sich vor einer politischen Haltung nicht drückt und trotzdem nicht fehl am Platz in seinem Franchise wirkt. Vor zehn Jahren, als "Iron Man" zum ersten Mal seinen Arc-Reaktor in Gang setzte, hätte die obige Besetzungsliste wie ein Hirngespinst ausgesehen. Aber MARVELs kreatives Risiko - wenn überhaupt, das Studio selbst als solches zählt - haben die komische Angewohnheit, im Nachhinein als sichere Bank durchzugehen. Die Mid-Credits-Sequenz ist tasächlich dann noch eine Botschaft an die Welt, die sogar passt und nicht aufgesetzt wirkt. Was soll man da noch sagen, außer: erneut gewonnen, MARVEL. Chapeau!

8,5/10

Mittwoch, 14. Februar 2018

赤壁 - Chi Bi - Red Cliff (2008)

http://www.imdb.com/title/tt0425637/

Die letzten Tage der Han Dynastie sind gezählt. Der kluge Premierminister Cao Cao überzeugt den wankelmütigen Kaiser Han, dass es nur einen Weg gibt, China zu vereinen: Er muss den Königreichen Xu im Westen und East Wu im Süden den Krieg erklären. So beginnt in ganz China ein beispielloser Krieg, angeführt vom Premierminister Cao Cao. Der letzte Ausweg für die eigentlich verfeindeten Königreiche Xu und East Wu ist eine Allianz. Nach zahlreichen Schlachten auf Land und Wasser endet der Krieg schließlich in der Schlacht von Red Cliff am Jangtse, wo die Geschichte Chinas neu geschrieben wird...

Vorneweg: Wer sich die sehr stark gekürzte internationale Filmschnittfassung mit ihren vergleichsweise kümmerlichen 143 Minuten ansieht, ist selber schuld, denn nur im fast-5-Stunden-Zweiteiler-Marathon kann das historische Schlachtenepos dann doch im Großen und Ganzen seine von den Machern angestrebte Wirkung entfalten. Vielfach wurde auch von Fans und Kritikern die Tatsache beanstandet, dass das ursprünglich zweiteilige Filmwerk für das westliche Publikum um fast die Hälfte gekürzt und zu einem Film zusammengeschnitten wurde, was zu unlogischen Handlungssträngen und fehlenden Hintergründen führte. Doch zurück zum Zweiteiler.

John Woo versucht alles, um mit dem bis dato teuersten asiatischen Film, dieser historischen, im kulturgeschichtlich essenziellen chinesischen Roman "Die Geschichte der drei Reiche" niedergeschriebenen Zeit am Ende der Han-Dynastie mit ihren verschiedenen Persönlichkeiten und wechselseitigen Fehden, Schlachten und Bündnissen gerecht zu werden. Die Bilder der akribisch rekonstruierten Schlachtordnungen in epischer Breite sind gigantisch und trotz der teilweise überstrapazierten Anwendung von Schwenks und Zooms gut gefilmt und geschnitten. Viel Zeit wird auf Kriegstaktiken und -listen verwendet. Die vom einschlägig für seine Arbeit bekannten Corey Yuen choreografierten Actionsequenzen sind rasant und fantasievoll inszeniert. Mit Slow Motion, pfeil- und speerdurchbohrten Kriegern sowie Kunstblutspritzern wird nicht wirklich gegeizt, sodass die "Bloodshed"-Anforderungen an einen John-Woo-Film durchaus erfüllt werden. Wenn ein Baby auf abenteuerliche Weise im Kampfgetümmel gerettet wird, ist die Freude des geneigten Fans über eine solche Anspielung auf ein anderes epochales Werk des Regisseurs doch recht groß. Selbst die beim Actionmeister nicht wegzudenkenden Tauben sind anzutreffen und eine von ihnen bekommt ziemlich zur Mitte hin einen wunderbaren Soloauftritt spendiert. Da Wire Work in den Martial-Arts-Szenen nur sehr begrenzt zum Einsatz kommt, ist das vorliegende Werk eher dem zum Realismus tendierenden chinesischen Historienkino zuzurechnen und gehört nicht wirklich zum fantastischen Wuxia-Film mit seinen durch Baumwipfel und über Häuserdächer schwebenden Protagonisten. Die historischen Helden Zhou Yu, Zhuge Liang, Liu Bei, Guan Yu und Cao Cao, die in China jedes Kind kennt, sind aber trotzdem in bester Asia-Film-Manier überlebensgroß in Szene gesetzt worden und kämpfen schon mal alleine gegen Dutzende Feinde.

Dem Schwertergeklirre gegenüber stehen die ruhigen, fast schon kontemplativ anmutenden Sequenzen, in denen geredet, taktiert, musiziert, und sich belauert wird, wo der chinesischen Lebensart gefrönt, Weisheiten ausgetauscht, Bünde geschmiedet und zaghafte Liebesbekundungen ausgetauscht werden. Hier kann der durchaus erlesene Cast zeigen, was er auf dem Kasten hat. Allen voran begeistert Takeshi Kaneshiro als gerissener Kriegstaktiker Zhuge Liang, ganz ohne einen einzigen Kampfeinsatz. Ihm zur Seite steht in der Rolle des Oberkommandierenden Zhou Yu der allseits bekannte chinesische Schauspielstar Tony Leung Chiu-Wai, der kurz nach Ang Lees "Gefahr und Begierde" mal wieder sowohl als begabter Kämpfer als auch Charakterdarsteller zu überzeugen weiß. Beide haben sichtlich Spaß daran, das Zweckbündnis der eigentlich verfeindeten Kriegsherren schauspielerisch zu interpretieren. Hier sitzt jede noch so kleine, unterschwellige Geste. Große Wiedersehensfreude bereitet der Auftritt von Zhang Fengyi als Premierminister Cao Cao, der schon in den Chen-Kaige-Filmen "Lebewohl, meine Konkubine" an der Seite des leider verstorbenen Leslie Cheung und in "Der Kaiser und sein Attentäter" schauspielerische Glanzpunkte setzte, seitdem aber eine zehnjährige Auszeit vom Film nahm. Alle anderen markanten männlichen Charaktere bekommen zwar ihren Auftritt, verblassen aber etwas hinter den genannten Herren. Nur die Damen können da noch einige Akzente setzen, Zhao Wei aus "Wächter über Himmel und Erde" als freche, den Konventionen trotzende Kampfamazone und Lin Chiling als fatalerweise von gleich zwei verfeindeten Kriegsherren begehrtes Edelfräulein in ihrer ersten Filmrolle.

Trotzdem wird das Epos einer bei diesen Ausmaßen verständlichen Erwartungshaltung nicht vollends gerecht. Dies liegt zum einen an den doch eher dürftigen visuellen Effekten, die vor allem bei der gigantischen, den Jangtsekiang hinaufschippernden Flussarmada negativ auffallen. Bei einem Budget von umgerechnet rund 80 Mio. US-Dollar muss da definitiv mehr drin sein. Zum anderen weist das Drehbuch, dem manchmal die Fokussierung auf das gerade Wesentliche abhandenzukommen scheint, durchaus Längen und Defizite auf. Oft scheint es so, als könnte man sich bei all dem inszenatorischen Überschwang und der Hingabe nicht so recht entscheiden, wie viel Raum man denn nun den Schlachten und wie viel den eher ruhigen Dialogszenen lassen sollte, damit das Ziel, ein größtmögliches Publikum zu unterhalten, nicht verfehlt wird. Auch der eine oder andere Humorversuch in der zweiten Hälfte wirkt eher unausgegoren und platt bei der durchweg ernsten Thematik. Schlussendlich weiß man nach Sichtung dieses Mammutwerks, dass man ein großes Stück historisches Actionkino aus Asien gesehen hat, fühlt aber gleichzeitig eine gewisse Distanziertheit und bleibt von den Geschehnissen doch seltsam unberührt.

7,5/10

Dienstag, 13. Februar 2018

Assassination Of A High School President - Lange Beine, kurze Lügen und ein Fünkchen Wahrheit... (2008)

http://www.imdb.com/title/tt1018818/

Bobby Funke (Reece Thompson) ist Schüler der katholischen St. Donovan's High School und gilt als einer, der eine große Zukunft vor sich hat. Als Prüfungsfragen des Abschluss-Tests gestohlen werden, überredet Francesca (Mischa Barton) ihn - einen Redakteur der Schülerzeitung -, dem Fall nachzugehen. Er findet heraus, dass Schülersprecher Paul (Patrick Taylor) hinter dem Diebstahl steckt. Nun ist Bobby ein Journalistik-Stipendium sicher, genauso wie die (Ex-)Freundin von Paul, Francesca. Noch dazu nimmt Direktor Jared T. Kirkpatrick (Bruce Willis) ihn von der Abschussliste. Doch irgendetwas stimmt an Bobbys Story nicht...

Die High School. Ort pubertärer Phantasien, erster Sexual- und Drogenkontakte, feucht fröhlicher Parties, und dumm-dreister Streiche. Dieses in all seinen Facetten inzwischen massiv ausgebleichte Bild malen US Teenie-Komödien (und manchmal auch -Dramen) in ermüdend eintöniger und gefühlt jahrzehntelanger Dauerrotation. Da massiert man sich schon mal verwundert die ob solch penetranter Einfallslosigkeit bleischweren Augenlider, wenn es dann doch einmal anders kommt.

"Assassination Of A High School President" (über den dämlichen deutschen Titel Lange Beine, kurze Lügen (und ein Fünkchen Wahrheit ...) breiten wir mal lieber den Mantel des Schweigens) ist ein solch seltenes Pflänzchen. Auf den ersten Blick wirkt alles wie gehabt: ein schüchterner, aber intelligenter Loser begehrt die Schulschönheit, die natürlich mit dem Sportstar der Anstalt liiert ist. Unnötig zu erwähnen, dass dieser mit deutlich mehr Muskel- denn Hirnschmalz gesegnet ist und in etwa so sympathisch wie Nachbars Kampfhund rüberkommt. Aber halt. Dieses vertraute Szenario dient lediglich als Hintergrundmusik für ein gepfeffertes "Noir Dramödchen". Es ist nicht nur die durchaus ernsthaft durchgezogene Krimihandlung, die "Assassination Of A High School President" aus dem High-School-Komödien-Einheitsbrei hervorhebt. Auch der durchgängig schwarzhumorige Unterton, die scharfzüngigen Dialoge und der lakonische Erzählstil der Hauptfigur lassen einen weit mehr an Film Noir als an "Film Teen" denken. Bobby Funke ist ein (zugegebenermaßen nicht ganz so) abgebrühter Detektiv in einem undurchsichtigen Verschwörungsszenario. Ein Losertyp mit Köpfchen und Biss, der um jeden Preis die Wahrheit ans Licht bringen will. Francesca ist natürlich die unnahbare femme fatale in dem wendungsreichen Spiel. Überhaupt sind viele der handelnden Figuren nicht das, was sie zunächst zu sein scheinen.

Auch visuell verlässt man ausgetrampelte Genrepfade. Ein clever arrangierter Plot und eine feine Figurenzeichnung brauchen keine hektischen Schnitte oder knallbunten Bilder. Hier müssen keine Schwächen übertüncht werden. Das ruhige Erzähltempo und die ebenso ruhige Bildsprache unterscheiden sich wohltuend von den heute offenbar zunehmend als obligatorisch empfundenen Zappel-Sperenzien, wenn man ein jugendliches Publikum erreichen will. Der Film verlässt sich ganz auf seine wendungsreiche Geschichte und seine teilweise skurrilen Charaktere, was auch prächtig funktioniert. Neben Hauptdarsteller Reece Daniel Thompson - der Bobby Funke gekonnt als Mischung aus einem grüblerisch-abgeklärten Erwachsenen (als Detektiv) und einem unsicher/schüchternem Teenager (als Liebhaber) spielt - hinterlässt vor allem Mischa Barton als undurchsichtige High-School-Queen Fancesca einen nachhaltigen Eindruck. Sie ist gleichzeitig kühl, berechnend, verführerisch, unschuldig und schutzbedürftig. Eine explosive Mischung, die nicht nur für Bobby Funke einer Tretmine gleichkommt. Und schließlich ist da noch Bruce Willis. Seine Darbietung als Golfkriegserfahrener Schulleiter Kirkpatrick ist trotz, oder vielleicht gerade wegen seiner wenigen Auftritte das komödiantische Sahnehäubchen. Willis spielt genüsslich mit seinem Image als wortkarger Actionheld und feuert eine wahre Salve an trockenen Sprüchen auf seine eingeschüchterten Schüler ab.

"Assassination Of A High School President" ist lediglich auf den ersten Blick eine weitere Komödie aus der filmisch mehr als ausgelutschten High-School-Welt. Hinter der klassischen Fassade verbirgt sich eine clever arrangierte Krimi-Dramödie, die mit klugem Wortwitz, schwarzem Humor und skurrilen Figuren für beste Unterhaltung sorgt. Lediglich der etwas abrupte Schluss enttäuscht etwas. Actionstar Bruce Willis beweist zum wiederholten Mal eine gehörige Portion Selbstironie und ist als kriegsversehrter, lakonische Sprüche klopfender Schulleiter das i-Tüpfelchen auf einem Genreübergreifenden Filmspass, der auch für der Schulpflicht Entronnene eine Empfehlung wert ist.

7/10

Sonntag, 11. Februar 2018

The Magnificent Seven - Die glorreichen Sieben (1960)

http://www.imdb.com/title/tt0054047/

Ein kleines mexikanisches Dorf wird jedes Jahr von einer Räuberbande unter der Führung des Banditen Calvera (Eli Wallach) überfallen und all seiner Habseligkeiten beraubt. Das wollen sich die Dorfbewohner nicht mehr länger gefallen lassen und beschließen, einen Trupp Revolverhelden zu engagieren, die sie vor der raubenden, brandschatzenden und vergewaltigenden Horde beschützen soll. Mit Müh und Not schaffen sie es, sieben Männer unter der Führung des Revolverhelden Chris (Yul Brynner) davon zu überzeugen, diese lebensgefährliche und profitlose Aufgabe zu übernehmen. Seine sechs Gefährten sind alte Weggefährten wie der fruchtlose Vin (Steve McQueen) oder der gutherzige Bernardo (Charles Bronson), aber auch neue Abenteurer wie der junge Chico (Horst Buchholz). Sie stellen sich der Überzahl der Banditen in der Hoffnung, das kleine Dorf endlich befreien zu können...

Was für ein Aufgebot: Charles Bronson, Steve McQueen, Eli Wallach und James Coburn sind Namen, die jedem Filmfan auf der Zunge zergehen. Umso erstaunlicher ist es, wenn man bedenkt, dass im Jahre 1960 keiner der Genannten die Hauptrolle in "Die glorreichen Sieben" übernahm. Aus heutiger Sicht unverständlich, damals war eben ein gewisser Yul Brynner der Star im Aufgebot. Und das nicht ohne Grund, denn er spielt seinen Part großartig, wirkt in jeder Einstellung souverän als Anführer der "Sieben".


Ein James Coburn wirkt dagegen unscheinbar, einzig Charles Bronson und Steve McQueen merkt man ihr Können bereits deutlich an. Die Weltkarriere stand den Beiden damals aber noch bevor. Der Deutsche Horst Buchholz spielt den unbeholfenen Chico auffällig, wirkt jedoch hin und wieder ungewollt komisch. Eli Wallach tritt mit solider Leistung als Anführer der Banditen in Erscheinung, jedoch ohne auch nur annähernd sein ganzes Können unter Beweis zu stellen. Hierzu fehlte ihm wohl die darstellerische Freiheit, die er erst in "Zwei glorreiche Halunken" von Sergio Leone zugesprochen bekam. 

Bekannt sein dürfte, dass "Die glorreichen Sieben" ein amerikanisches Remake des japanischen Films "Die sieben Samurai" von Akira Kurosawa ist und schon die Titelmelodie dürfte auch dem noch so größten Westernfeind bekannt sein. Und schon dort wird einem klar, dass es nur klasse werden kann, was man jetzt vor sich hat. Obwohl oder gerade weil der Film in vielerlei Hinsicht als Vorreiter der beliebten Italo-Western gesehen werden kann, offenbart ein Vergleich mit den Größen des Sub-Genres gleichzeitig auch die Schwachstellen des Helden-Epos. So wirken die Kulissen gerade bei Nachtsequenzen altbacken und primitiv. Die zahlreichen, schauspielerisch mitunter mäßig interpretierten Nebenrollen lassen zudem wenig Platz für charakterliche Tiefe der Hauptfiguren, was sehr schade ist - angesichts aller anderen cineastischer Komponenten. Mit der heldenhaften Musik amerikanischer Western-Klassiker muss man sich hingegen anfreunden können, allerdings gelingt es Bernstein, sich hin und wieder von der klischeehaften Musik zu lösen und in spannenden Situationen sogar sehr passende, tiefere Klänge einzubauen, die beinahe schon an Altmeister Ennio Morricone erinnern.


Seine ganze Stärke offenbart der Film erst in den Actionszenen. Die Kamerafahrten sind spektakulär und lassen den Zuschauer mitten im Geschehen teilhaben, wenn es zur Sache geht. Gerade bei dem ersten Aufeinandertreffen der Banditen mit den "Sieben" im Dorf wird deutlich, dass hier keine Kosten und Mühen gescheut wurden. Auch die Schießereien sehen super aus, was für die damalige Zeit keine Selbstverständlichkeit ist. Eine weitere große Stärke des Klassikers ist die Story, die man wohl als absolut zeitlos bezeichnen muss: Ein mexikanisches Dorf wird regelmäßig von einer Banditenbande überfallen und engagiert sieben Männer, die sie vor ihnen beschützen sollen. Simpel aber gut. Einer der großen Western-Klassiker. Die fantastische Ensemble-Leistung der Darsteller, die tolle Kamera-Arbeit und die makellose Regie von John Sturges machen "Die glorreichen Sieben" auch heute noch zu einem unterhaltsamen Film.

8/10