Sonntag, 17. März 2019

Psycho II (1983)

https://www.imdb.com/title/tt0086154/

22 Jahre sind seit den schrecklichen Ereignissen, die sich in dem Bates-Hotel abgespielt haben nun vergangen. Norman (Anthony Perkins) hat die Zeit in einer psychatrischen Klinik verbracht und wird nun, mit der Diagnose einer Heilung, entlassen. Da er nicht weiß, wo er hin soll, zieht es in wieder zurück in sein altes Familienhaus. Doch kaum ist er dort angekommen, holt ihn seine Vergangenheit schnell wieder ein. Er hört die Stimme seiner wahnsinnigen Mutter und findet verschiedene Notizen, die anscheinend von ihr stammen. Norman ist sich nicht sicher ob er langsam wieder den Verstand verliert. Die einzige, die ihm unterstützend zur Seite steht ist Mary (Meg Tilly). Die beiden verlieben sich ineinander. Doch Norman drohender Abrutsch in den Wahnsinn droht die Hoffnung auf ein normales Leben zunichte zu machen. Doch ist es wirklich sein Geist der ihm einen Streich spielt, oder steckt ein bösartiger Komplott dahinter...

Es war von Regisseur Richard Franklin sicher ganz schön gewagt, ausgerechnet von Hitchcocks bekanntestem Meisterwerk "Psycho" eine Fortsetzung zu drehen. Eine Fortsetzung von einem Film, der in sich abgeschlossen war und der auch knapp 20 Jahre später noch einen gewaltigen Schatten über alle bis dahin erschienenen Suspense-Filme und Thriller legte. Dass diese Fortsetzung überhaupt funktioniert, verdankt sie der Raffinesse Franklins, gepaart mit der unverwechselbaren Szenerie und natürlich dem Star des Films - Anthony Perkins. Wer hätte das gedacht?

Franklin bringt tatsächlich das Kunststück fertig, den Stil und die Tonart des 1963 Originals zu übernehmen, was sich nicht nur durch die aus "Psycho" entnommene Anfangsszene ausdrückt, sondern auch durch den Hitchcock-typischen langsamen Aufbau, die subtil eingesetzten Spannungsmomente und die Charakterfokussierung deutlich bemerkbar macht. Ein besonderer Kniff ist da auch, dass der Film tatsächlich 22 Jahre nach "Psycho" spielt und das Alter der Charaktere entsprechend passt. Natürlich stimmt auch die musikalische Untermalung, der schwarz-weiß-Stil des Originals ist der Farbe gewichen und der Film, wenn man die Entstehungszeit Anfang der 80er Jahre bedenkt, absolut auf der Höhe seiner Zeit. Im Gegensatz zu "Psycho" wird beispielsweise Nacktheit nicht nur angedeutet und Dennis Franz als schmieriger Motel-Manager ist ein Prototyp des schmierigen 80er-Jahre-Widerlings. Durch die Farbgebung wirken auch die Gewaltspitzen etwas derber, obwohl sich Franklin sichtbar Mühe gab, dem Original nicht zu nahe zu treten. Damit schafft er es, einen Klassiker in das modernere Horrorkino zu transportieren, ohne große Qualitätseinbußen hinnehmen zu müssen. Das wird vor allem auch durch Anthony Perkins möglich, der nach wie vor den Spagat zwischen bemitleidenswerten, schüchternen Sonderling und gefährlichem Irren meisterhaft hinbekommt.

Wenn man dem Film etwas ankreiden könnte, dann vielleicht die Motivation und die Handlungen der Antagonisten, die selbst für einen Thriller/Horrorfilm eher phantasievoll und konstruiert wirken. Dafür ist das Ende ein echter Knaller. Kurzum: "Psycho II" braucht sich nicht hinter seinem großen Bruder zu verstecken. Es ist eine gelungene Umsetzung des Stoffes und eine passende Weiterführung der Geschichte. Hätte es das unbedingt gebraucht? Vermutlich nicht. Herausgekommen ist dennoch ein spannender Film.

7,5/10

Von TURBINE Medien kommt der Film in der "Psycho Legacy Collection - Deluxe Edition" im auf 3.636 Stück limitierten Box Set auf BD in HighDefintion. Die Box beinhaltet außerdem als Weltpremiere Alfred Hitchcocks Klassiker erstmals ungekürzt auf Blu-ray Disc + "Psycho II", "Psycho III", "Psycho IV" + das Remake + "Bates Motel TV-Film + Dokumentationen "The Making of Psycho", "Psycho Legacy" & "78/52" auf 8 Blu-ray Discs inkl. über 15 Stunden Bonusmaterial + Audiokommentare und 4:3-Retrofassungen + großformatiges 120seitiges Buch "Die Psycho-Akten" von Tobias Hohmann + DIN A1 Poster "Norman Bates" + 4 DIN A2 Filmposter + 6 Artcards + Replikas von Sam Loomis' Brief (englisch/deutsch) + 25 Briefbögen und ein Türhänger "Do Not Disturb" von Bates Motel.

Samstag, 16. März 2019

Eddie the Eagle - Eddie the Eagle: Alles ist möglich (2015)

https://www.imdb.com/title/tt1083452/

Seit seiner Kindheit träumt der Brite Michael "Eddie" Edwards (Taron Egerton) davon, einmal an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Nachdem er sich erfolglos an verschiedenen Sportarten versucht hat, wird Ende der 1980er Jahre sein Interesse für das Skispringen geweckt, dem er sich trotz fehlender Erfahrung schließlich immer intensiver widmet. Um sich gebührend auf eine mögliche Olympia-Teilnahme vorzubereiten, nimmt er an einigen internationalen Wettbewerben teil, bei denen er schließlich auch das Ex-Ski-Ass Bronson Peary (Hugh Jackman) kennenlernt. Dieser kann Eddies klägliche Versuche, sich selbst das Skispringen beizubringen, nicht mit ansehen und nimmt den Anfänger fortan unter seine Fittiche. Unter seiner Anleitung setzt Eddie mit wenig Talent, aber umso mehr Ehrgeiz alles daran, seinen Traum von Olympia endlich Wirklichkeit werden zu lassen...

Als Eddie the Eagle, mit bürgerlichen Namen eigentlich Michael Edwards, im Jahr 1988 an den Olympischen Winterspielen im kanadischen Calgary teilnahm und die Massen trotz oder gerade wegen seiner doch eher als bescheiden zu bezeichnenden sportlichen Leistungen begeisterte, war dies ein Meilenstein der Sportgeschichte. Das gleichsam als "Eddie the Eagle" betitelte Biopic, in dem Taron Egerton den titelgebenden Briten verkörpert, ist allerdings gar nicht mal so sehr ein klassisches Biopic, denn Regisseur Dexter Fletcher – respektive die verantwortlichen Drehbuchautoren Sean Macaulay und Simon Kelton – nehmen sich durchaus einiges an Freiheiten heraus, was Leben und Werdegang von Eddie Edwards betrifft, liefern dafür aber einen der überzeugendsten Feel-Good-Movies der letzten Jahre ab, was man in dem Ausmaß bei diesem Thema vermutlich nicht erwartet hätte.


Schon die Kindheit des gehbehinderten und dickbebrillten Eddie wird dabei mit einem deutlich Augenzwinkern zum Besten gegeben und huldigt mehr als einmal klassischen Slapstick-Einlagen, bevor es mit dem eigentlichen Film losgeht, doch gute Laune verbreitet "Eddie the Egale" bereits zu diesem frühen Zeitpunkt, was sicherlich auch an der großartigen musikalischen Untermalung liegt, die zahllose 80er-Hits zum Besten gibt. So bemüht sich der Film aber auch gar nicht um ein wirklich differenziertes Bild der unterschiedlichen Ansichten, die man in Bezug auf den kultigen Sportler haben könnte, der einerseits wie gesagt durchaus frenetisch gefeiert, andererseits aber auch als Schande für den Sport betrachtet worden ist, sondern versteift sich ganz darauf, die klassische Geschichte eines Underdogs zu erzählen, der allen Widrigkeiten zum Trotz seinen Weg geht, der ihn in diesem Fall – das ist Eddie bereits als Kind klar – nach Olympia führen wird, auch wenn es dann letztlich die Winterspiele werden, wie er nach zahllosen ausprobierten Sportarten erkennt. Da macht es dann auch nichts, dass sein Vater ihm ein ums andere Mal einschärft, er sei kein Sportler, denn von so etwas lässt sich Eddie schon gar nicht beirren.


Großes Lob bei der Verkörperung der Figur verdient hier natürlich der eingangs erwähnte Taron Egerton, der tatsächlich genau die Nuancen trifft, Eddie zwar einerseits als komischen Kauz und Außenseiter zu interpretieren, ihn andererseits aber auch zu keinem Zeitpunkt der Lächerlichkeit preiszugeben. So hat man trotz der auf den ersten Blick beinahe schon karikaturenhaft angelegten Figur im gleichen Maße das Gefühl, einen echten Charakter zu beobachten und Egerton darüber zeitweise wirklich zu vergessen, so einnehmend und ausdrucksstark ist hier sein Schauspiel, das bei anderer dramatischer Gewichtung des Films sicherlich auch so einige Preise nach sich gezogen hätte. Ihm zur Seite gestellt wird nach einer kurzen Aufwärmphase der als Ex-Sportler zum Geschehen hinzustoßende Bronson Peary, seinerseits verkörpert von Hugh Jackman. Dessen Figur ist samt und sonders erfunden, was man tatsächlich der Ausgestaltung als Figur zuweilen mehr als deutlich anmerkt, denn der verbitterte Alkoholiker mit seiner bärbeißigen Art ist so offensiv als Gegenentwurf zum naiv-freundlichen Eddie angelegt und gleichzeitig so klischeebehaftet, dass man zu keinem Zeitpunkt glaubt, diesen Bronson hätte es womöglich wirklich gegeben.


Das ist nun für sich genommen aber gar nicht mal so negativ und der Nutzen der Figur erschließt sich im Zusammenspiel mit Eddie, der bis dahin der einzige Bezugspunkt des Zuschauers war, binnen weniger Minuten und funktioniert weit besser, als hätte man ihm hier eine gesichtslos bleibende Schar von wechselnden Trainern zur Seite gestellt. Weitaus unverständlicher allerdings sind andere Freiheiten, die man sich in Bezug auf Eddies Vita genommen hat, denn so sehr man sich freut, ihn im bayrischen Garmisch trainieren zu sehen, lernte der das Skispringen eigentlich in Lake Placid. Künstlerische Freiheiten schön und gut, aber es erschließt sich nicht wirklich, wieso man einerseits eine auf wahren Ereignissen basierende Geschichte erzählen will und dann andererseits so fernab dessen rangiert, was wirklich passiert ist, wenn man von der eigentlichen Olympia-Teilnahme absieht.

Dessen ungeachtet aber begeistert der Film – gerade wenn man von diesen Anpassungen nichts ahnt – von der ersten bis zur letzten Minute, was man ihm dahingehend besonders anrechnen kann, auch wenn man für Wintersport kaum bis keinerlei Interesse hegt und sich folglich auch wunderbar hätte langweilen können. Doch werden Eddies Trainingseinheiten optisch so großartig inszeniert, dass sie den Film mehr als trefflich abrunden, auch wenn man die CGI-Sprünge mancherorts durchaus als solche erkennt. Als Biopic taugt der Film also zwar nur sehr bedingt, als beschwingtes Feel-Good-Movie mit einem bestens aufgelegten Darsteller-Duo bewegt sich "Eddie the Eagle" allerdings in gänzlich anderen Sphären. Großartig.

9/10

Donnerstag, 14. März 2019

Maze Runner: The Scorch Trials - Maze Runner: Die Auserwählten in der Brandwüste (2015)

https://www.imdb.com/title/tt4046784/

Thomas (Dylan O’Brien) und seine Mitstreiter sind zwar dem Labyrinth entkommen, doch sind sie damit noch lange nicht in Sicherheit. Nachdem sie von der ominösen Organisation WCKD betrogen wurden, wartet mit der Brandwüste direkt die nächste große Herausforderung auf sie. Gemeinsam mit seinen Freunden Minho (Ki Hong Lee) und Newt (Thomas Brodie-Sangster) muss Dylan sich durch die trostlose Landschaft kämpfen – immer mit dem Ziel vor Augen, mehr über die finsteren Pläne des WCKD und seines skrupellosen Leiters Janson (Aidan Gillen) sowie den Grund für die ihnen auferlegten Prüfungen zu erfahren. Dabei treffen sie bald auf eine Gruppe Widerstandskämpfer, denen sie sich anschließen, um den zahlreichen todbringenden Gefahren zu trotzen, die das verbrannte Ödland für sie bereithält, und dessen verborgene Geheimnisse zu lüften...

Nahtlos knüpft sich die Fortsetzung der Maze Runner Trilogie an den Vorgänger an und ist typisch für Jugenbuchverfilmungen auch der temporeichste Film, da alle Charaktere eingeführt sind und man sich langsam zum Ende hinarbeitet. Die unvermeidliche Fortsetzung des überraschend gelungenen Erstlings führt ein neues Szenario ein, bei dem die Grundkonstellation jedoch die gleiche bleibt. Auch hier geht es im Endeffekt darum, diverse Stationen abzuklappern und die Gruppe am Leben zu erhalten. Dylan O'Brien reißt das Zepter umgehend an sich und gibt mehr denn je den Helden, wobei auch die restlichen Figuren ihre Momente abbekommen. 


Tatsächlich geht es hier erstaunlich ruppig zu, ungewöhnlich für eine Literaturverfilmung, denn im Überlebenskampf der Gruppe wird schnell und hart gestorben, die Segmente mit den Zombies sind düster und die Schlachtszene im Finale des Filmes erstaunlich kompromisslos. Es ist schön, dass die Verfilmungen der Maze Runner Bücher nicht weichgespült werden, sondern (besonders hier) einen rauen Ton angeben. Mit seiner Überlänge von knapp 130 Minuten geht dem Film allerdings nach knapp anderthalb Stunden deutlich die Puste aus, während die Narration besonders in diesen stagniert und kaum Zeit hat irgendetwas zu erzählen. Das ist schade, denn so verkommt der Film lediglich zu einer actionlastigen Sause und bleibt oberflächlich in fast allen Belangen.
 

Insgesamt bleibt der Film mit seiner dystopischen Ausgangslage also sehr konventionell (wenn auch inszenatorisch auf hohem Niveau). Er suhlt sich dafür viel zu sehr im Durchschnitt, findet seinen richtigen Flow nicht, versucht ausgerechnet im traditionellen Finale Tiefe aufzubauen, während er vorher mit purer Freude Charaktere sterben lässt. Die guten Actionszenen und die tolle Inszenierung hieven den Film gerade noch über den Durschnitt, sodass auch "Maze Runner: The Scorch Trials" gut konsumiert werden kann. Ein dritter Teil sollte jedoch darauf achten, nicht noch weiter in jene Teenie-Gefilde abzudriften, in denen sich das Gros der Jugendbuch-Verfilmungen von Anfang an befindet.

6/10

Mittwoch, 13. März 2019

[SERIE] Married With Children - Eine schrecklich nette Familie, Season 01

https://www.imdb.com/title/tt0092400/

Die erste Staffel ist der Ausgangspunkt und hatte nur 13 Episoden. In dieser Staffel existiert noch eine gewisse Harmonie zwischen Al und Peggy. Doch schon in der zweiten Episode Lieben macht schlank wird deutlich, dass Al den Sex mit seiner Frau verabscheut. Hin und wieder kocht Peggy noch für ihre Familie, was in den folgenden Staffeln zunehmend seltener wird. In der dritten Folge wird noch gezeigt, wie sehr Al Peggy liebt, als er ernsthaft niedergeschlagen ist, weil er ihr zu ihrem Hochzeitstag ihre Traumarmbanduhr nicht kaufen konnte. Im Laufe der Serie werden solche Liebesbeweise immer seltener. Da sich Al und Marcy erst seit der ersten Episode Wie alles begann kennen, ist das Verhältnis zwischen beiden Figuren noch ziemlich neutral. Dieses Verhältnis spannt sich jedoch von Folge zu Folge. So träumt Marcy in Episode 12 (Der Albtraum) von Al, nachdem sie bei einem Disput mit Al im Unrecht war und Al machte sich in Episode 13 (Johnnys Hamburgerbude) das erste Mal über Marcys "Hühnerbeine" lustig. In der ersten Staffel ist Luke Ventura - als Arbeitskollege - im Schuhgeschäft. Sein letzter Auftritt war in Episode 7 (Mit Stewardessen spaßt man nicht). Man kann die Staffel auch anhand der äußeren Erscheinung der Figuren zuordnen. So ist Bud noch nicht im Stimmbruch und Kelly hat stark gebleichte Haare.

https://www.imdb.com/title/tt0642348/
1.1 So hat alles angefangen (Pilot)
Al hat sich für den Abend den Besuch eines Basketballspiels vorgenommen, doch Peggy hat die neuen und frischvermählten Nachbarn eingeladen. Sie bekommen die Freuden des Ehelebens hautnah vorgeführt. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt0642419/
1.2 Lieben macht schlank (Thinnergy)
Die Nachbarn Steve und Marcy besuchen die Bundys: Während sich die Männer an einem erotischen Programm im Fernsehen delektieren, regen sich die Frauen genau darüber auf. Wie immer hat Marcy eine Weisheit aus ihrer Frauengruppe bei der Hand: Wenn ein Mann sein Leben lang einem Sportverein treu sein kann, sollte er das doch auch bei seiner Frau schaffen. Als sich Peggy fragt, ob sie für ihren Mann immer noch begehrenswert ist, rät ihr Marcy zu einer ganz besonderen Diät. - 7,5/10

https://www.imdb.com/title/tt0642241/
1.3 Warum hast du meinen Hund erschossen? (But I Didn’t Shoot The Deputy)
Während sich die Bundys nach einem harten Arbeitstag bei einem Schäferstündchen erholen, platzen die Nachbarn Steve und Marcy herein - zusammen mit dem gesamten Nachbarschaftskomitee. Weil in Marcys Haus eingebrochen wurde, warnt sie alle Nachbarn vor unverschlossenen Haustüren. Al ist dafür, sich eine Waffe zuzulegen, doch Marcy will lieber einen Wachhund. Der elende Kläffer gibt keine Ruhe, bis er Al in die Schusslinie gerät - versehentlich natürlich. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt0793146/
1.4 Billard oder Fitness? (Whose Room Is It Anyway?)
Al Bundy sichtet die unbezahlten Rechnungen und beklagt das mangelnde finanzielle Engagement seiner Familie. Ihre Nachbarn Steve und Marcy dagegen überlegen, was sie mit ihrer Steuerrückzahlung anstellen sollen. Für einen Anbau am Haus bräuchten sie die Zustimmung der Bundys. Steve und Marcy sind überrascht, als Al und Peggy einverstanden sind. Al bearbeitet Steve, dass das Zimmer ein Billardraum für Männer wird. Schließlich hätte Marcy ja schon einen eigenen Raum: die Küche. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt0793143/
1.5 Mustang '65 (Have You Driven A Ford Lately)
Al und Steve wollten sich ursprünglich einmal Kellys Freund gründlich vornehmen und dem Jungen etwas Respekt vor der Elterngeneration lehren. Doch dann läuft alles ganz anders: Al und Steve kaufen stattdessen dem Jungen dessen alten Ford Mustang ab. Und nun müssen ihre Ehefrauen Peggy und Marcy auf die angenehme Gesellschaft ihrer Ehegatten verzichten - denn diese verbringen fortan jede Minute ihrer Freizeit in der Garage mit der Instandsetzung ihres Schrotthaufens. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt0642374/
1.6 Der Hochzeitstag (Sixteen Years And What Do You Get)
Als Al und Peggy Bundy ihren sechzehnten Hochzeitstag feiern, will Al für etwas Abwechslung sorgen, indem er seiner Frau eine wertvolle Uhr schenken will. Doch leider hat er einen Fehler gemacht: Al hat seine Kinder eingeweiht - und die konnten ein Geheimnis noch nie für sich behalten. Während die Kinder Peggy das Geheimnis sofort zutragen, wird nämlich Als Kreditkarte abgelehnt. Wie soll er nun der großen Erwartung seiner Frau genügen? Al Bundy muss sich etwas einfallen lassen. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt0642325/
1.7 Die Babysitter (Married... Without Children)
Kelly und Bud müssen nicht in die Schule – und treiben Peggy in den Wahnsinn. Als Steve und Marcy dies mitbekommen, glauben sie an ihren guten Einfluss und machen Peggy und Al einen Vorschlag: Die beiden sollen sich ein schönes und geruhsames Wochenende machen; währenddessen passen Steve und Marcy, die sich für die geborenen Vorbilder halten, auf Kelly und Bud auf. Eines ist sicher: Einen derartigen Vorschlag werden Steve und Marcy nach diesem Wochenende nie wieder machen. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt0642411/
1.8 Der Gewinn (The Poker Game)
Eigentlich macht sich Steve nichts aus Kartenspielen. Doch als er sieht, wie Al den ganzen Abend beim Pokern verliert, steigt er ein - und der blutige Anfänger wird von Al aufs Kreuz gelegt. Steve verliert die gesamte fällige Hypothekenrate an Al. Und nun heißt es für Steve: Wie sag ich’s meinem Weibe? Er versucht, Marcy mit seinen akrobatischen Fähigkeiten im Bett von den fälligen Rechnungen abzulenken. Das Manöver klappt auch ganz gut - für die erste Nacht wenigstens. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt0642345/
1.9 Dann arbeite ich eben (Peggy Sue Got Work)
Peggy wünscht sich einen Videorecorder. Da Al ihr kein Geld gibt, nimmt Peggy einen Job an. Das Arbeitsleben behagt ihr gar nicht, noch mehr aber, dass Al erwartet, dass sie neben ihrem Job auch noch die Hausarbeit erledigt. Insgeheim aber wünscht er sich, dass Peggy nicht mehr arbeitet. Auch die Kinder flehen Peggy an, zu Hause zu bleiben, weil sie sie vermissen. So scheint es jedenfalls, denn die beiden wurden für ihren Auftritt bezahlt - sowohl von Al als auch von Peggy. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt0642215/
1.10 Mit Stewardessen spaßt man nicht (Al Loses His Cherry)
Peggy und Al streiten sich über die Teilnahme an der Hochzeit von Peggys Cousine. Peggy droht: Geht Al nicht mit, brauche er abends nicht nach Hause zu kommen. Al findet das in Ordnung und geht. Marcy und Kelly machen Peggy Angst: Al werde sich bestimmt eine andere Frau suchen. Dieser übernachtet bei seinem Kollegen Luke. Plötzlich tauchen dort zwei lockere Stewardessen auf. Eine der beiden verschwindet mit Luke im Schlafzimmer - und nun wird es ernst für Al. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt0793145/
1.11 Der Alptraum (Nightmare On Al’s Street)
Marcy will zwei Straßenarbeiter engagieren, weil ihre Einfahrt repariert werden muss. Al rät ihr davon ab, da er die Arbeiter für Betrüger hält. Al behält Recht - was Marcy aber nie im Leben zugeben würde. Das Problem verfolgt sie in den Schlaf. In den folgenden Nächten hat Marcy erotische Träume – und ihr Sex-Partner darin ist Al. Während Steve Al deshalb Vorwürfe macht, beschäftigt sich Marcy intensiv mit Traumdeutung - und kommt zu einem überraschenden Ergebnis. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt0642433/
1.12 Der Boss (Where’s The Boss)
Im Radio hört Al die furchtbare Nachtricht: Ein Flugzeug ist abgestürzt, und in dem saß Gary, sein Boss. Der Chef kannte Al allerdings nicht persönlich. Al hat eine Idee: Er schickt der Familie einen riesigen Blumenstrauß. So wird der neue Boss auf ihn aufmerksam. Er gibt 300 Dollar für Blumen aus - um dann zu erfahren, dass sein Boss lebt. Noch schlimmer: Die Familie hat alle Blumenspenden an gemeinnützige Organisationen weitergeleitet. Doch Al gibt nicht auf. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt0793144/
1.13 Johnnys Hamburgerbude (Johnny Be Gone)
In Johnny B. Goodes Hamburgerbude sind sich Al und Peggy zum ersten Mal begegnet. Nun soll sie geschlossen werden. Johnny verteilt Nummern für diejenigen, die den letzten Abend bei ihm feiern wollen. Al will dabei sein, und Bud muss die ganze Nacht für eine gute Nummer anstehen. Al und Peggy sind ausgehbereit, als Kelly mit einem großen Problem ankommt. Nun muss sich Al entscheiden: Soll er sich um seine Tochter kümmern - oder bei Johnny B. Goode ein letztes Mal speisen? - 8/10

Samstag, 9. März 2019

The Maze Runner - Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth (2014)

https://www.imdb.com/title/tt1790864/

Eines Tages wacht Thomas (Dylan O'Brien) in einem Aufzug auf, aber das einzige, woran er sich erinnern kann, ist sein Vorname. Seine gesamten restlichen Erinnerungen sind verschwunden. Er stellt fest, dass er nicht allein ist: Als sich die Aufzugtür öffnet, strömen weitere Teenager-Jungs auf ihn zu und begrüßen ihn. Der Ort, an dem er angekommen ist, nennt sich „die Lichtung“ und wird von einer großen Steinwand umschlossen. Genau wie Thomas wissen auch die anderen nicht, warum sie dort sind und wie sie dorthin gelangt sind. Sie wissen nur, dass sich jeden Tag große Türen in der Steinwand zu einem Irrgarten öffnen, der hinter den Mauern liegt. Nachts schließen sich die Türen wieder und alle 30 Tage wird ein neuer Jugendlicher mit dem Aufzug gebracht. Das ist zunächst alles, was Thomas in Erfahrung bringen kann. Als eines Tages ein Mädchen (Kaya Scodelario) den mysteriösen Ort erreicht, ist dies eine Sensation, denn sie ist das erste weibliche Mitglied der aus 60 Personen bestehenden Gruppe. Jeder einzelne hat eine bestimmte Aufgabe - einige werden ausgewählt, durch das Labyrinth zu laufen und den Verlauf der Mauern aufzuzeichnen. Doch im Irrgarten scheinen sie nicht allein zu sein...

Beginnt ganz stark, baut aber zum Ende hin etwas ab und damit blieb diese Science-Fiction-Dystopie letztendlich nach dem großartigen Trailer etwas hinter den hohen Erwartungen zurück, überzeugen konnte der Film trotzdem. Zum Einen zeichnen sich dafür Wes Balls Inszenierungsstil und zum Anderen die Schauspielerleistungen verantwortlich. Wes Ball gelingt es, die dystopische Thematik in beeindruckenden Bildern einzufangen und die Handlung sinnvoll aufzubauen. Zu Beginn wird man als Zuschauer direkt Hals über Kopf in das Filmgeschehen geworfen, zusammen mit dem Hauptcharakter Thomas muss man sich zunächst erstmal orientieren. Danach schildert Ball ausführlich, wie das Leben im Labyrinth aussieht und wie sich aus dem Jungentrupp eine funktionierende Gesellschaft entwickelt hat. Das ist spannend und vor allem interessant. Garniert werden diese Schilderungen durch großartige visuelle Effekte. Die Welt des Labyrinths ist sehr atmosphärisch. Reiz an der Handlung entsteht vor allem aus der Unwissenheit der Protagonisten. Die Unterschiede der Charaktere sorgen für einige gruppendynamische Konfliktsituationen. Durch das Auftreten von Thomas treten schnell die ersten Probleme und Veränderungen auf. Natürlich sind manche Wendungen vorhersehbar, aber nichtsdestotrotz war ich stets aufs neue angefixt, und wollte mehr über die Ereignisse erfahren. Darüberhinaus vermag es Ball, die Renn- und Actionszenen mit solch einer Spannung zu inszenieren, dass dies die paar Vorhersehbarkeiten locker wett macht.


Der Cast von "The Maze Runner" trumpft vor allem deshalb auf, weil er zum Großteil mehr oder weniger unbekannt ist. Thomas Sangster kennt man schon aus der Erfolgsserie "Game of Thrones" und Will Poulter hat sich hier vom großartig-nervigen Eustachius Knilch aus dem dritten "Die Chroniken von Narnia"-Teil zu einem fiesen und bulligen Antagonisten gemausert. Der Rest des Casts ist (noch) unbekannt, macht seinen Job aber genauso gut (vor allem Dylan OBrien als Thomas). Die Chemie in der Truppe stimmt einfach und gerade für solch eine Thematik ist das sehr wichtig.



Als dystopischer Science-Fiction-Film für Jugendliche muss sich "The Maze Runner" zwangsläufig den Vergleich mit der "Tribute von Panem"-Reihe gefallen lassen und hier zeigen sich dann klar die Schwächen des Films. Die "Tribute von Panem"-Reihe wirken von ihrer Machtart her reifer, düsterer und brutaler. Sicherlich bietet "The Maze Runner" die ein oder andere Gewalt- oder Horrorszene, im Großen und Ganzen bleibt der Film jedoch eher harmlos. In der "Tribute von Panem"-Reihe wurde ja wirklich der letzte mögliche Krümel aus der PG13-Beschränkung herausgepresst. Des Weiteren hapert es an der emotionalen Bindung zu den Charakteren. Direkt egal sind einem die Figuren zwar nicht, aber wirklich mitfühlen kann man nur mit wenigen Charakteren. Da war die emotionale Bindung in der "Tribute von Panem"-Reihe bedeutend stärker ausgeprägt. Eindringliche Musikuntermalung war in "The Maze Runner" mit Ausnahme der Endszene ebenfalls kaum vorhanden.

Als sich die Handlung zum Ende hin etwas auflöst verliert der Film etwas am Reiz. Die Logiklöcher darf man nicht allzu sehr hinterfragen. Dann ist man am Ende selber in einem Labyrinth aus Widersprüchen gefangen. Die Jungdarsteller machen ihren Job gut. Die CGI-Monster sind nicht immer gut getroffen. Das Lösen des Rätsels war dann doch etwas unlogisch. Der Film macht zumindest Lust auf die weiteren Teile inklusive Cliffhanger am Ende.

7/10

Donnerstag, 7. März 2019

[KINO] Captain Marvel 3D (2019)

https://www.imdb.com/title/tt4154664/

Als die Kree-Elite-Soldatin Captain Marvel / Carol Danvers (Brie Larson) auf die Erde abstürzt, weiß sie nicht, wo sie ist und wie sie dorthin gekommen ist. Gerade noch hat sie mit der Elite-Einheit Starforce und dem charismatischen Anführer Mar-Vell (Jude Law) für die Sicherheit im All gekämpft, nun ist sie auf einem fremden Planeten, der trotzdem ziemlich vertraut wirkt. Denn sie wird von Visionen und Träumen geplagt, die auf ein früheres Leben auf eben dieser Erde hindeuten. Als sie auf den jungen S.H.I.E.L.D.-Agenten Nick Fury (Samuel L. Jackson) trifft, macht sie sich mit diesem daran, das Geheimnis ihrer Herkunft zu entschlüsseln. Doch das Duo muss auch einer Gefahr ins Auge blicken. Die Erzfeinde der Kree haben die Erde infiltriert. Ein Spionage-Trupp der außerirdischen Rasse der Skrull hat sich unter Führung des skrupellosen Talos (Ben Mendelsohn) dank ihrer Gestaltenwandlerfähigkeiten komplett unbemerkt auf der Erde breit gemacht und bereitet eine Invasion vor...

"Oh fu....". Gerade noch gelang es Nick Fury ein Signal zu senden. Der Sender fällt zu Boden, man sieht wie er wählt, ruft - und nach einem kurzen Blackscreen eine Grafik erscheint. Ein goldener Stern, umrandet von roten und blauen Farbflächen. Das Ende von "Avengers: Infinity War" oder vielmehr die Post-Credit-Szene, ließ einige der immer noch fassungslosen Kinogänger mit einem Fragezeichen im Gesicht zurück und andere, die Fanboys, rieben sich mit diebischer Freude die Hände. Denn dieser Stern, dieses gold-rot-blaue Logo, gehört zu einer der mächtigsten Superheldinnen des MARVEl-Universums: zu "Captain Marvel". Doch MARVEL wäre nicht MARVEL, wenn sie ihr Alter Ego Carol Danvers gleich ins Endspiel werfen würde, nein, diese jüngste Geschichte aus dem MARVEL Cinematic Universe (MCU) führt uns weit zurück in die Vergangenheit, viele Jahre vor der großen Katastrophe, die in "Avengers: Infinity War" Bahn brach.


Zusammen mit der Pilotin Carol Danvers stürzt der Zuschauer in der Mitte der neunziger Jahre in Amerika ab: in eine urkomisch und seltsam vertraute Welt von Blockbuster-Videogeschäften, DFÜ-Internetverbindungen, Websuchen über AltaVista und mühsam langsame CD-ROM-Laufwerke. Das alles ist lustig, weil sich viele noch gut an diese Zeit erinnern können. Und in einer sehr wichtigen Phase des Films gibt es einen Soundtrack-Ausflug mit Nirvana: “Come as you are, as you were / As I want you to be / As a friend, as a friend / As a known enemy ...” Und allein aufgrund dieser Aspekte lässt sich hier schon festmachen, dass "Captain Marvel" mindestens ein unterhaltsamer Film ist. Doch welche Überraschung: auch die Geschichte weiß zu überzeugen. Dabei ist besonders positiv zu bemerken, dass man, wenn man die Teaser und Trailer gesehen hat, die Story nicht wirklich vorhersehen kann, was sie gleichzeitig spannend und interessant macht. Die Art und Weise, wie die Regisseure und Mitautoren Anna Boden und Ryan Fleck Danvers Vergangenheit vorstellen zwar nicht gänzlich neu, aber immerhin originell. Wie sie Danvers mit diversen Puzzelteilen an ihre Vergangenheit erinnern lassen, war klug. Sehr klug, weil sie damit ihre Historie nicht zu einem Hindernis machen, welches man erst einmal bewältigen muss. Boden und Fleck zeigen dem Zuschauer somit eine nachvollziehbare und damit schöne Entwicklung von Danvers Charakter. Auch mehrere Twists und ein besonders großer, den man so kaum erwartet hätte, fügen sich passend in das Gesamtbild ein.


Dieser komische, nicht-lineare Mash-up aus Vergangenheit und Gegenwart, Erinnerungen und gegenwärtiger Erfahrung, Erde und Nicht-Erde-Action ist - vor allem nach dem furiosen Anfang - eine unkonventionelle Herkunfts-Mythos-Geschichte, die den Zuschauer zunächst im Unklaren lässt, was die Ursprünge sind, bzw. warum Danvers zu dem wurde, was sie nun ist. Es gibt eine exzentrische Fülle von Klangregistern, von dröhnend ernst bis schrullig liebenswert. Der Film zeigt in einem spielerischen ersten Blick eine Reihe wichtiger Dinge, unter anderem, wie der S.H.I.E.L.D.-Agent Nick Fury (Samuel L. Jackson) eine bemerkenswerte Attitüde zu seinem Badass-Image hinzugefügt wurde. Dabei hat auch das Effekt-Team eine grandiose Arbeit geleistet, denn aufgrund der zeitlichen Differenz sehen wir hier einen jungen, noch relativ unerfahrenen Nick Fury, dessen Gesicht digital verjüngt wurde, so dass er sich gut in den Ablauf des MCU einfügt. In diesem Zusammenhang fühlt sich auch das Wiedersehen mit Agent Coulson herzlich und warm an. Heimlicher Star des Films ist aber "Katze" Goose, eigentlich eine Alienart namens Flerk, die ein absoluter Show-Stealer ist und jede, aber auch wirklich jede Szene beherrscht, in der sie vorkommt. Interessant ist übrigens, dass Goose in den Comics "Chewie" hieß und zu Ehren von "Top Gun"-Pilot Mavericks Co-Pilot in "Goose" umbenannt wurde.


Natürlich hängt der Film sehr von der Performance von Brie Larson, die die titelgebende Heldin Carol Danvers / Captain Marvel spielt, ab. Wobei man sagen könnte, dass sie in einer stärkeren, klareren Hauptrolle mehr hätte präsentieren können und ihr mehr lustige Zeilen des Drehbuchs hätten zugewiesen werden können. Sie ist eine harte und disziplinierte Kriegerin, die in die Reihen der Kree rekrutiert wurde, einer außerirdischen Streitmacht, die zuvor in "Guardians Of The Galaxy"zu sehen war. Sie befand sich in einem erbitterten Kampf mit den Skrulls, einer Nation von außerirdischen Formwandlern, angeführt von Talos, gespielt von Ben Mendelsohn, der einen wirklich hervorragenden Job macht, vielschichtig und beeindruckend. Hier wünscht man sich etwas mehr Kampfsport und Kickbox-Action von Brie Larson, weil dies schlicht sehr gute Momente sind.

Als sie sich in einem althergebrachten, kriegsfilmartigen Stil von ihrer Einheit losgelöst fühlt, ganz allein auf unserem Planeten - was einer ihrer Kameraden hart als "Drecksloch" bezeichnet, obwohl es wesentlich besser aussieht als jeder andere Planet - wird sie von Flashbacks geplagt, Fragmenten von einer scheinbar verlorenen Identität der Erde. Es gibt Einblicke in eine unglückliche Kindheit, einen grausamen Vater, eine militärische Ausbildung im "Top Gun"-Stil bei der US-Luftwaffe neben einer treuen Freundin Maria (Lashana Lynch) und einer mysteriösen Mentorin, einer rätselhaften Frau, die von Annette Bening gespielt wird. Dies sind die Puzzleteile, die zusammengefügt werden müssen, damit sie den Hintergrund ihres mächtigen Superheldschicksals verstehen kann.


Boden und Fleck zeigen eine Mischung aus Entschlossenheit und Verletzlichkeit in den anfänglichen Trainingsszenen, die vage an Clarice Starling erinnern, die noch dazu nett zusammengestellt sind. Sie muss ihre Kampfkünste in Einzelgesprächen mit Yon-Rogg (Jude Law) ausüben und mit anderen Soldaten, darunter Minn Erva (Gemma Chan) und Korath (Djimon Hounsou), ein "ésprit de corps" gründen. Larson funktioniert aber viel mehr auf der Erde, als im Universum. Vor allem in Interaktion mit Fury. Beide haben eine großartige Szene zusammen, wenn sie herausfinden müssen, wie sie aus einem geschlossenen USAF-Büro fliehen können. Larson hat die natürliche Körpersprache eines Superhelden: diese Mischung aus Unschuld und Unbesonnenheit, diesen fortwährenden, klaräugigen Idealismus und Empörung, kombiniert mit unreflektierter Kampfbereitschaft, all das, was MCU-Filmen ihre süchtig-machende Qualität verleiht. Bei all den positiven Aspekten gibt es aber auch ein paar wenige Punkte, die Mängel aufweisen. "Captain Marvel" hat tolle Storypoints, diese sind aber leider oft viel zu schnell vorbei. Die Freundschaft zwischen Carol und ihrer Freundin fühlte sich nicht echt an. Auch wirken manche Kämpfe gegen die Skrull nicht ganz so toll choreografiert und sogar ein wenig lustlos, weil sie viel zu schnell abgehandelt werden. Was reichlich seltsam ist, denn andere Szenen sind dafür wesentlich besser, mitreißender, epischer. Das Hauptproblem ist aber, dass es keinen wirklichen Gegner gibt, der Danvers in Gefahr bringen könnte. Sie ist übermächtig, Punkt. Das hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck.


Alles in allem war der Film gut. Unterhaltsam, mit einigen netten Anspielungen. Vor allem das Intro des MCU-Logos war großartig, treibt einem nahezu die Tränen in die Augen und man kann die Idee dahinter nur wertschätzen. Etwas vermisst wird die emotionale Bindung zur Hauptfigur. Danvers soll ja ein wenig arrogant sein, aber man hätte gern mehr Verwundbarkeit in einer Frau gesehen, die das stärkste Geschöpf der Welt ist. Bisweilen wirkt "Captain Marvel" auch wie die kleine Film-Schwester des übermächtigen Endspiels, welches bereits am Horizont lauert. Als alleinstehender Film funktioniert Carol Danvers Origin-Story jedoch besser als man es zu einem Zeitpunkt erwartet hätte, der das Ende des bisher bekannten MCU andeutet. Der neue Avenger ist wie Tony Stark in "Iron Man" am Anfang ihres Films zu selbstsicher und unnahbar, um eine sofortige sympathische Verbindung zum Publikum aufzubauen. Am stärksten wirkt "Captain Marvel" in den ruhigen Momenten, wenn sich Danvers auf ihre Vergangenheit besinnt und zeigt, dass sie trotz ihres Kree-Blutes ein Mensch mit Emotionen und Schwächen ist. Ein Film, der zeigt, dass MARVEL mit Carol noch Großes vorhat oder wie einer der ersten Kritiker sagte:

"Well, Thanos is fucked!"

7,5/10