Dienstag, 16. Oktober 2018

[SERIE] Two And A Half Men, Season 05

https://www.imdb.com/title/tt0369179/

Die Serie handelt vom leichtlebigen Werbejingle-Komponisten Charlie Harper (Charlie Sheen). Er lebt ein freizügiges Leben und hat unzählige kurze Beziehungen zu Frauen. Dieses Leben erfährt jedoch eine große Wende, als sein Bruder Alan (John Cryer) bei ihm einzieht, dessen Frau Judith (Marin Hinkle) sich von ihm getrennt hat. An den Wochenenden betreut Alan seinen Sohn Jake (Angus T. Jones), weshalb Charlie von nun an zwei Dauergäste bei sich in seinem großen Haus am Strand von Malibu hat. Trotzdem versucht Charlie sein Leben als Single aufrechtzuerhalten, was oft zu bizarren Situationen führt. Alan ist charakterlich das genaue Gegenteil von Charlie und hat es schwer, sich gegen seine Ex-Frau zu behaupten. Er ist mit Charlies Lebensstil gar nicht einverstanden, muss sich aber anpassen, weil er bei Charlie wohnen darf. Zudem macht Charlies und Alans ungeliebte Mutter Evelyn (Holland Taylor) den dreien das Leben schwer. Charlies Haushälterin Berta (Conchata Ferrell) ist über die Mehrarbeit wegen Alan und Jake wenig erfreut, und Charlies Stalkerin Rose (Melanie Lynskey), mit der er einmal geschlafen hat, verfolgt und beeinflusst das Geschehen aus dem Hintergrund...

https://www.imdb.com/title/tt1106487/
5.1 Ziege bleibt Ziege (Large Birds, Spiders And Mom)
Jake hat den ersten Tag auf der Junior High School vor sich. Deshalb wollen ihm Alan und Charlie helfen, indem sie ihm von ihren Erfahrungen erzählen. Als Jake die schlimmen Erlebnisse seines Vaters hört, bekommt er Angst vor der neuen Schule. Er schwänzt sogar seinen ersten Tag. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt1099789/
5.2 Der Genius des Bösen (Media Room Slash Dungeon)
Evelyn sucht eine Begleitung für eine Wohltätigkeitsveranstaltung. Weil Alan ein Date hat, muss sich schließlich Charlie dafür bereit erklären. Er hat zu Beginn keine Lust, doch dann findet er Gefallen daran, dass seine Mutter dort genüsslich über die Anwesenden herfällt und freundet sich so mit ihr an. Evelyn weiß allerdings von den Schwächen ihres Sohnes und schmiedet so einen brillanten Plan, bei dem ihr Charlie unwissend hilft. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt1120753/
5.3 Flibber-Flabber-Schlabber (Dum Diddy Dum Diddy Doo)
Charlie hat genug von seinen dummen jungen One-Night-Stands. Deshalb lässt er sich auf ein Doppeldate mit Alan, seiner Freundin Donna und der Richterin Linda ein. Bei dem Essen blamiert sich Charlie, der es nicht gewohnt ist, mit "schlauen" gleichaltrigen Frauen zu sprechen, allerdings bis auf die Knochen. Danach versucht er alles, um Linda doch noch zu einem zweiten Date zu überreden. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt1125249/
5.4 Eine Blondine mit Kaffee (City Of Great Racks)
Schauspiel: Eddie Gorodetsky, Susan Beavers & Jim Patterson
Bei Charlie und Linda läuft es gut. Doch Charlie begegnet nacheinander drei Frauen, die ihn an die mittlerweile in London lebende Rose erinnern. Diese Ereignisse stören seine Beziehung mit Linda. Deshalb fliegt Charlie nach England, um die Sache mit Rose aus der Welt zu schaffen. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt1129289/
5.5 Die üblichen Nebenwirkungen (Putting Swim Fins On A Cat)
Weil Charlie seit Monaten kein Geld mehr verdient und er und Alan nun bald kein Geld mehr besitzen werden, versucht Alan Geld aufzutreiben. Währenddessen ist Charlie als Babysitter für Lindas Sohn Brandon aktiv und singt ihm am Klavier einige Songs vor. Charlie bekommt am Ende einen Anruf von Lindas Exmann, der Charlies Songs, die er für Brandon auf eine CD gebrannt hat, gehört hat und ihn nun bittet, Kinderlieder zu schreiben. Er bietet ihm dafür einen großen Geldbetrag. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt1127140/
5.6 Richterin des Jahres (Help Daddy Find His Toenail)
Linda wird zur Richterin des Jahres gekürt und Charlie begleitet sie zur Feier. Aus Nervosität nimmt er eine vermeintliche Beruhigungstablette von Evelyn. Es handelt sich aber um eine Tablette mit der gegenteiligen Wirkung, sodass er sich bei der Feier daneben benimmt. Jake schleicht sich für ein Rockkonzert aus dem Haus. - 8/10

https://www.imdb.com/title/tt1136576/
5.7 Die Schale des Anstoßes (The Leather Gear Is In The Guest Room)
Alan ist wütend darüber, dass Charlie ihm nicht den Respekt erweist, den er im Haus verdient, und zieht vorübergehend bei Evelyn ein. Evelyn streitet sich aber mit Teddy und möchte bei Charlie einziehen. Damit dies nicht geschieht, ist der gekränkte Charlie gezwungen, sich bei Alan zu entschuldigen. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt1136575/
5.8 Wer liebt die Kinder? (Is There A Mrs. Waffles?)
Charlies Werbesendung läuft im Fernsehen, in welche er als Charlie Waffles zu sehen ist. Da er nun beliebt bei Kindern ist, versucht er hiermit Mütter aufzureißen und wird von Archie sogar zu einer Signierstunde in einer Bibliothek für Kinder eingeladen. Archie plant ein Konzert, welches Charlie anfangs nicht gut findet, aber keine Wahl hat. Um seinen Lampenfieber zu unterdrücken, betrinkt er sich vor dem Konzert, aber das Konzert verläuft gut und Charlie wird weiter gefeiert. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt1143779/
5.9 Eng ist gut (Tight’s Good)
Teddys Tochter Courtney flirtet mit Charlie und will diesem einen Wagen verkaufen. Die zwei landen im Bett und da Teddy ihm ausdrücklich gesagt hat, dass er nicht mit Courtney schlafen soll, kauft Charlie ihr prompt einen Ferrari ab, damit sie nicht aus dem Zimmer gehen soll. Nachdem Teddy nach Hause will, sagt er Charlie noch, dass er ihn gewarnt hat und Charlie wird bewusst, dass Teddy ihn vor Courtney beschützen wollte und nicht umgekehrt. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt1142346/
5.10 Der Frauendieb (Kinda Like Necrophilia)
Alan ruft seine alte Highschoolliebe an und möchte von ihr wissen, wieso sie ihn verlassen hat. Sie antwortet, dass er seinen Bruder Charlie fragen soll, der schon in seinem Wagen sitzt und wegfährt. Im Gegenzug klaut Alan Charlie seine Freundin Gabrielle, woraufhin sie laut Alan die Rollen tauschen, da Charlie empört darüber ist. Da Gabrielle aber im Bett nur da liegt, geht Alan zurück ins Haus und muss feststellen, dass Charlie wieder mit Alans Highschoolliebe schläft und er alles von Anfang an geplant hat. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt1203453/
5.11 Potpourri und Pfefferspray (Meander To Your Dander)
Charlie ist mit Jake in einem Café und versucht vergeblich eine Frau rumzukriegen, damit Jake sich zu ihrer Tochter setzen kann. Nachdem dies misslingt spritzt sie Charlie Pfefferspray in die Augen. Alan will mit seiner Freundin Schluss machen, weiß aber nicht wie. Seine Freundin wollte mit ihm einen flotten Dreier haben, um die Beziehung auf die nächste Stufe zu bringen, aber leider macht ihr Alan davor bewusst, dass er keine romantischen Gefühle mehr für sie hegt. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt1206879/
5.12 Die Elefantenpille (A Little Clammy And None Too Fresh)
Charlie ist im Bett mit einer kranken Frau und wird selber krank und Rose, die aus England zurück ist, kümmert sich um ihn. Sie gibt ihm aber Pillen, die ihn noch kränker machen und ihn für rund 2 Wochen im Bett lassen. Nachdem Charlie Rose aus dem Haus gekriegt hat, sitzt sie in einem Café und trifft auf ihre Freundin, an der sich Charlie angesteckt hat. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt1206880/
5.13 Säen und Ernten (The Soil Is Moist)
Alan trifft auf eine alte Freundin und verabredet sich zum Essen mit ihr. Die beiden landen im Bett und sie erzählt Alan, dass Judith ihr erzählte, dass Herb der beste Lover ist, den sie je hatte. Alan ist entsetzt darüber und versteht nicht, warum. Als Alan und Charlie Jake bei Judith abliefern, treffen sie auf Herb der Samen säet und den beiden wird bewusst, warum Herb ein guter Lover ist. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt1206873/
5.14 Ohne Mücken kein Beglücken (Winky-Dink Time)
Da Alans Sexleben nicht sonderlich gut verläuft, entschließt er sich, Charlie zu bitten, dass er eine Nutte für ihn besorgen soll. Charlie gibt ihm die Nummer der Prostituierten Alexis und Alan holt sie zu sich nach Hause. Währenddessen trifft sich Charlie mit einer alten Freundin, deren Namen er vergessen hat und deshalb das Date für ihn schlecht verläuft. Jake begleitet ihn, da die Frau eine Tochter namens Milly hat und Jake sie attraktiv findet. Alan bekommt sein Geld von Alexis zurück, im Gegenzug dafür ruft Alan sie nie wieder an. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt1206874/
5.15 Der Trauerarbeiter (Rough Night In Hump Junction (aka His Ugly Bundle))
Alan macht sich Sorgen um Charlie, der sich von einem Sexabenteuer ins nächste stürzt und dabei auch einige Blessuren davonträgt. Nachdem Alan Charlie überzeugt hat, dass sein Verhalten nicht normal ist, geht Charlie zu seiner Psychiaterin. Von ihr erfährt er, dass sein Verhalten von seiner noch nicht erloschenen Liebe zu Mia kommt, und er beschließt sie zurückzugewinnen. Da Mia jedoch bereits verlobt ist, setzt Charlie alles auf eine Karte und macht Mia selbst einen Heiratsantrag, den sie jedoch ablehnt, woraufhin Charlie zwar traurig, aber auch mit endgültiger Gewissheit, weiter in sein nächstes Liebesabenteuer zieht. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt1206875/
5.16 Gekühlte Schmetterlinge (Look At Me, Mommys, I’m Pretty)
Alan, Evelyn und Courtney planen zusammen die Hochzeit und Alan ist dafür, gekühlte Schmetterlinge zu bestellen. Evelyn und Courtney machen währenddessen Witze über Alan, was ihn stört. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt1206876/
5.17 Eine Leiche zur Hochzeit (Fish In A Drawer)
Charlie will mit Courtney schlafen und geht dafür mit ihr in sein Zimmer. Dort treffen sie auf den toten Teddy mit runtergelassener Hose. Die ganze Familie wird von der Polizei verhört und Evelyn, Alan, Charlie und Jake wird erklärt, dass Teddy und Courtney gar nicht verwandt sind und beide Hochzeitsschwindler sind und Teddy deshalb keinen Ehevertrag wollte, weil Teddy hinter Evelyns Geld her war. - 9/10

https://www.imdb.com/title/tt1206877/
5.18 Allein, inkontinent und ungeliebt (If My Hole Could Talk)
Jake muss eine Buchbesprechung zu einem Stück von Shakespeare schreiben, hat das Buch aber weder gelesen, noch weiß er überhaupt wo es ist. In der Bücherei, in die Jake, Alan und Charlie zusammen gefahren sind, lernt Charlie eine Frau kennen und lässt Jake und Alan zurück, die nun mit dem Bus nach Hause fahren müssen. Als Charlie erfährt, dass die Frau um einige Jahre älter ist als er, stellt er fest, dass er kaum Dates mit älteren Frauen hat, doch ist überrascht, wie viel Spaß ihm der Abend mit Angie gemacht hat. Zu Charlies Ärgernis steht auch Alan auf Angie, was zu Streitigkeiten zwischen den beiden führt. - 8,5/10

https://www.imdb.com/title/tt1206878/
5.19 Die Mutterfigur (Waiting For The Right Snapper)
Charlie trifft in der Buchhandlung auf eine etwas ältere Dame und fühlt sich zu ihr hingezogen. Alan ist auch angetan von ihr und prompt verlieben sich beide in sie. Charlie trifft auch ihre Familie und ihren Sohn Jeremy und seine Verlobte Trisha, mit der Charlie ein Verhältnis hatte. Kurz nach ihrer Begegnung verlässt Trisha Jeremy, weil sie sich wieder in Charlie verliebt hat. Nachdem Charlie sie gehen lässt, trifft er auf seine betrunkene alte Freundin und sieht, wie am Boden zerstört sie ist. - 8,5/10

Sonntag, 14. Oktober 2018

リング - Ringu - Ring (1998)

https://www.imdb.com/title/tt0178868/

Die Reporterin Reiko Asakawa untersucht gerade den Mythos eines Videobandes, dass für den Tod von jedem verantwortlich sein soll, der es anschaut, als ihre Nichte Tomoko unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt. Bei ihren Nachforschungen entdeckt sie, dass ebenfalls 3 Freunde ihrer Nichte am selben Tag und zur exakt selben Zeit starben. Asakawa kann die Spuren der 4 Freunde bis zu einem Ferienhaus in Izu zurückverfolgen, wo die Gruppe übernachtet hat ... und wo alle das verfluchte Videoband gesehen haben. Als sie sich das Band im Ferienhaus anschaut, klingelt das Telefon und eine unheimliche Stimme teilt ihr mit, dass sie nur noch 7 Tage zu leben hat. Mit der Hilfe ihres Ex-Mannes Takayama Ryuji untersucht sie die Aufnahmen auf dem Band, in der Hoffnung den Fluch rechtzeitig bannen zu können. Doch als sie den Bildern und den Geheimnissen dahinter auf die Spur kommen, müssen sie feststellen, dass die Lösung des Fluches schlimmer als der Tod selbst is...

Der beinah zwanzig Jahre alte Film lohnt sich in jedem Fall. Mit sehr knappen Budget wird hier eine atmosphärisch dichte Geistergeschichte erzählt, dessen Handlung zum Gruseln einlädt. Immerhin geht es um ein Video-Tape, von dem man stirbt, wenn man es gesehen hast. Der blanke Horror für jeden Filmfreak, sofern er mit dem Medium groß geworden ist. "Ringu" ist Horror, der nicht in erster Linie von Effekten lebt, sondern von der Grundatmosphäre, die durch die Musik und die Geräuschkulisse, aber durchaus auch durch Bilder entsteht und in diesem Film sehr gut funktioniert. Die Story ist zwar nicht ausgereift genug erzählt, das aber stört wenig, da der Film durch oben genannte Atmosphäre, sowie durch wirklich gutes Schauspiel ganz in seinen Bann zieht. In Sachen Figurenentwicklung und Charakterzeichnung ist der Film trotzdem ziemlich lau und wird vom US-Remake diesbezüglich deutlich übertroffen. In punkto Tricks sowieso. Doch was die Urbanität des Spukes betrifft und wie er gezeigt wird, da ist "Ringu" ganz vorn. Auch punktet der Film mit seiner fragmentarischen Erzählung, was zur schaurigen Atmosphäre beiträgt. Eine sehr sehenswerte Schauer-Mär und ein Film, der zurecht als Klassiker seines Genres gehandelt wird.

7,5/10

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Striking Distance - Tödliche Nähe (1993)

https://www.imdb.com/title/tt0108238/

Ein Frauenmörder geht um, der seine Taten vorher telefonisch ankündigt. Der Polizist Tom Hardy (Bruce Willis) hält seinen Kollegen für den Täter. Doch nach einer Zeugenaussage wird jemand anderes gefasst und Hardy zur Wasserschutzpolizei strafversetzt. Zwei Jahre später gehen die Morde weiter. Es trifft Frauen, die früher mit Hardy zusammen waren, sodass der Verdacht nun auf ihn selbst fällt. Man stellt ihm eine verdeckte Ermittlerin als Partnerin zur Seite, Jo Christman (Sarah Jessica Parker), die sich jedoch in ihn verliebt und deswegen eine Aussage zu seinen Gunsten macht. Als sie entführt wird, mobilisiert Hardy alle Kräfte, sie zu retten und den Killer endlich zu stellen...

"Tödliche Nähe" markiert, von Kritikern gesehen, die Durchhängephase in der Karriere von Bruce Willis, die mit "Last Boy Scout" und vor allem "Hudson Hawk" angeblich neue Tiefpunkte erreichte und erst mit "Pulp Fiction" wieder den Weg nach oben nahm. Aber ganz so schlimm ist der Film aber doch nicht, denn es handelt sich immerhin um einen ordentlichen Cop-Thriller nach bewährter Bauart, bei dem der agierende Polizist durch Bekanntschaft mit den Opfern selbst zum Verdächtigen wird. Getragen wird der Plot vor allem durch die Rivalitäten zwischen zwei Polizistenfamilien und den Kompetenzstreitigkeiten zwischen den Dienststellen von Mordkommission und Wasserschutzpolizei, noch dazu durch die hochgeputschten irischen bzw. italienischen Hintergründe.

"Striking Distance" bietet auch so lange solide Unterhaltung, wie man nicht tiefer im Gedächtnis gräbt und den Plot seziert, denn dass da jemand einen persönlichen Rachefeldzug aufzieht, ist überdeutlich. Und so undurchsichtig wie sie sein will, ist die Story leider nicht, so dass man die Doppeldeutigkeit gewisser Szenen ahnen kann. Heißt: man hat das alles so oder so schon mal irgendwo gesehen. Dazu kommt, dass sich alle Beteiligten der Polizistensippen, natürlich wie gewohnt italienischer und irischer Herkunft, aufführen dürfen wie in den 1993 schon seligen 80er Jahren, als man am Tatort über der Leiche noch in persönliche Scharmützel und Schlägereien ausbrechen durfte. Also motzt man sich fröhlich die Uniform voll und ein sichtlich wenig motivierter Willis schweigt sich mal wieder ketterauchend durch seine einprägsame Physis. Der Film ist dazu ziemlich Klischeereich, kann aber trotzdem mit guter Action punkten. Gleich zu Anfang bekommt man eine tolle Verfolgungsjagd geboten und überhaupt hat der Film am Anfang ein sehr rasantes Tempo, was aber in der Mitte deutlich zurückgeht und erst am Schluss wieder ordentlich an Fahrt aufnimmt. Rowdy Herrington beweist sich da als Actionkenner, doch leider schafft er es nicht richtig Spannung aufzubauen und nur wenige Momente sind wirklich fesselnd.

Bruce Willis in seiner Paraderolle als versoffener, ausgelaugter Cop. Er spielt diese Rolle schon wie auf Autopilot, aber trotzdem überzeugend. Sarah Jessica Parker, noch sehr jung sieht richtig gut aus neben Willis und spielt ihre Rolle auch sehr gut. Brion James als Dezanatleiter darf wie immer das Arschloch spielen. Leider schrieb man Willis keine coolen One-Liner ins Drehbuch und auch der körperliche Einsatz hält sich in Grenzen, ist aber auf den Streifen gut verteilt. Letztlich ist "Tödliche Nähe" ein nie langweilig werdender Cop-Thriller, der Dank Bruce Willis und überzeugenden Nebenfiguren noch recht angenehm konsumierbar ist.

6,5/10

George A. Romero's Diary Of The Dead - Diary Of The Dead (2007)

https://www.imdb.com/title/tt0848557/

Eine Gruppe Filmstudenten um Regisseur Jason (Joshua Close) und dessen Freundin Debra (Michelle Morgan) dreht in den Wäldern Pennsylvanias gerade einen Horrorfilm, als der höchst reale Horror losbricht - im Radio werden erste Meldungen von wiederauferstehenden Toten bekanntgegeben. Während die Untoten sich über den gesamten Globus ausbreiten und die Studententruppe versucht, bis zu ihren gut 100 Meilen entfernten Familien und Freunden durchzukommen, beschließt Jason, angestachelt von der unvollständigen und vertuschenden Berichterstattung der Massenmedien, die schrecklichen Geschehnisse mit seiner Kamera aufzuzeichnen und online zu stellen...

"Diary Of The Dead" baut nicht auf seinen Vorgängern auf, sondern ist von George A. Romero als Neustart gedacht. Folglich spielt er zu Beginn einer Zombie-Invasion. Während "Land Of The Dead" noch als theoretische Weiterführung der Geschehnisse, oder zumindest als relativ zeitgleiche Parallelhandlung von "Day Of The Dead" zu verstehen war – einem Zeugnis der gesellschaftlichen Struktur nach der Machtergreifung des lebenden Todes, das die Menschen in der Rolle der bedrohte Minderheit auf ihr Klassen- und Machtschichten reduziert als hässliche, egoistische und brutale Spezies entlarvte -, setzt "Diary Of The Dead" den Zeiger zurück auf Null, zumindest fast. Er schildert erneut das plötzliche Aufkeimen einer unbegreiflichen Epidemie, die innerhalb kürzester Zeit für Chaos, Tod und Anarchie sorgt. Inhaltlich somit eher an Romeros Prunk- und Mittelstück "Dawn Of The Dead" angelehnt, sowie von seiner aktuellen Kritik, die bei "Land Of The Dead" eher allgemeingültig, zeitlos angesiedelt war, in praktisch jeder Menschheitsepoche spielen und funktionieren könnte. Klassendenken, die Unterjochung und Ausbeutung des Pöbels durch die Wohlhabenden, gab es immer und wird es immer geben.

Mit "Diary Of The Dead" findet Romeros Weltuntergangsphantasie im Zeitalter der neuen Medien, der digitalen, vernetzten Generation YouTube statt. Sie startet bewusst von vorne, ein Reboot, das alten Wein in neuen Schläuchen serviert. Im Found Footage-Stil, dem oft und gerne verwendeten Wackel-Dackel der Low-Budget-Schule. Daran muss man sich als Kenner und Fan der klassischen Romero-Filme erst stark gewöhnen, die Wahl der Waffe erscheint im inhaltlichen Kontext durchaus sinnvoll und konsequent. Was bei "The Blair Witch Project" funktionierte - die angebliche Authenzität der Ereignisse vorzutäuschen - klappt beim aufgeklärten Zuschauer nicht unendlich. Die Wackelkamera nervt inzwischen nämlich gewaltig. Dann lieber der gute, alte Verweis "basiert auf tatsächlichen Geschehnissen" und eine entspannte Kameraführung. Aber für einen Found Footage-Film ist "Diary Of The Dead" immerhin schön augenfreundlich, ein Mittendrin-Gefühl, einen vorgegaukelten Realismus der Aufnahmen erzeugt Romero dabei nicht wirklich. Da ist nie etwas unscharf, immer gut ausgeleuchtet, die Bewegungen nie zu hektisch, das fühlt sich keinesfalls echt an.

"Diary Of The Dead" ist lange nicht richtig spannend, wiederholt das Schema seiner Vorgänger und setzt gelegentlich auf simple, dabei nicht mal besonders effektive Jump Scares. Es beschleicht einen schnell das ungute Gefühl, das Romero nur mal etwas Aktuelles machen wollte, ohne das entsprechend umsetzen zu können oder auf sein eigenen Stärken zu bauen. Mal abgesehen von den wunderbaren Effekten, da gibt sich auch ein moderner Romero keine digital-unangenehme Blöße. Doch schon in die suboptimale erste Hälfte schleichen sich immer wieder kluge, differenziert betrachtete Momente ein, die schon verdeutlichen, auf was dieser Film letztlich hinsteuert. Auf die erfolgende Abstumpfung, wenn man eine Welt nur "distanziert" durch Glas betrachtet, auch wenn sie faktisch um einen herum gerade zu Grunde geht. Selbstdarstellung steht über Selbsterhaltung, völlig verrückt und dennoch traurige Wahrheit. Statt die Chance zu ergreifen, mit den eventuell noch lebenden Liebsten zu kommunizieren, wird das frische Bildmaterial hochgeladen, alles (natürlich) im Sinne der unverfälschten Berichterstattung. Die Werte haben sich in eine obskure Richtung verschoben. Schon lange vorher, nur im Angesicht der Apokalypse werden sie erst ad absurdum geführt. Das mündet letztlich doch noch in ein hervorragendes Finale, welches von der Intensität und Wirkung den früheren Werken der Reihe würdig ist, auch wenn damit kaum noch zu rechnen war.

Und plötzlich ist es wieder da, dieses Romero-Gefühl. Der Weg dahin war nicht ohne Stolpersteine, lässt sich nicht gänzlich schön reden, aber am Ende findet er wieder in die Spur. Nicht sein bester, dennoch ein nicht unwürdiger Film, der seine wahren Qualitäten erst spät vollends entfaltet. Besser spät als nie.

6/10

Von NAMELESS Media kommt der Film in HD im auf 444 Stück limitierten Mediabook:

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Trespass - Trespass: Auf Leben und Tod (2011)

https://www.imdb.com/title/tt1674784/

Als die maskierten Männer in ihr Haus stürmen und Kyle Miller brutal niederschlagen, ist seine Frau Sarah zunächst wie erstarrt vor Entsetzen. Doch je mehr sich die beängstigende Situation zuspitzt, weil der Diamantenhändler den Safe nicht öffnen will, desto sicherer wird sich Sarah, dass sie einen der Maskierten kennt. Da war doch dieser junge attraktive Handwerker, der ein ganz eindeutiges Interesse an ihr hatte ... Und sie an ihm! So unauffällig wie möglich versucht sie, mit dem Mann Kontakt aufzunehmen. Ein hochriskanter Weg, denn wenn seine Komplizen bemerken, dass sie weiß, wer hinter der Maske steckt, wäre das nicht nur ihr eigenes sicheres Todesurteil ...

Namen die ja doch ein wenig Hoffnung ins Endprodukt rechtfertigen: Nicolas Cage in der Hauptrolle, Nicole Kidman als seine Frau und auf dem Regiestuhl Joel Schumacher der durchaus einige große Blockbuster abgeliefert hat. Kidman liefert ja durchaus noch gute Auftritte ab, während die beiden genannten Herren nicht mehr allzu präsent sind - woran dieser Film zwar sicherlich nicht schuld ist, aber auch nichts entscheidend an der Sachlage geändert haben dürfte. Ein kleiner, mit überschaubarem Budget abgedrehter Psychothriller, lokal begrenzt auf einen Schauplatz und dem einzigen originellen Nebenpart dass einer der Gangster eine Psychose besitzt und öfter mal Dinge aus dem Zusammenhang heraus falsch auffasst oder umsetzt. Das ist nicht gerade neu und nur bedingt spannend. Da ist der ein Jahr zuvor gedrehte "Kidnapped" mit selber Thematik der weitaus spannenderer Thriller und wenn man es nicht besser wüsste, man könnte meinen, dass Schumacher hier einfach wild abgekupfert hat. In Anbetracht der relativen Unbekanntheit des zuvor genannten spanischen Krachers wäre es aber noch nicht einmal verwunderlich.

Kurzum: wenn man weiß worauf man sich einlässt, kriegt man austauschbaren Thriller knapp über TV-Niveau; wer bei den namhaften Darstellern einen richtig guten Film erhofft hat leider schlichtweg Pech. "Trespass" ist ein nahezu überraschungsfreies Home-Invasion-Szenario mit populären Mitwirkenden, aber kaum nennenswertem Resultat. Schade.

5/10

Montag, 8. Oktober 2018

Jeepers Creepers 3 (2017)

https://www.imdb.com/title/tt1139592/

Dan Tashtego (Stan Shaw), Sheriff des kleinen Städtchens Poho County, steht vor einem Rätsel als er und sein Team einen LKW voller Leichen finden. Bei ihrer Untersuchung finden sie zahlreiche tödliche Fallen an dem Fahrzeug. Und damit hat das Grauen noch kein Ende. Addison Brandon (Gabrielle Haugh) wird von einem Dämonen verfolgt, so auch Buddy Hooks (Chester Rushing), ein weiterer Jugendlicher aus dem Ort. Immer mehr Menschen aus ihrer Umgebung werden scheinbar von dem Dämon geschnappt. Hilfe scheint ausgerechnet die alte, als verrückt geltende Frau Gaylen (Meg Foster) zu bieten. Sie verlor ihren Sohn vor 23 Jahren und glaubt nun zu wissen, wie man das Monster stoppen kann. Dabei könnte auch der alte Polizei-Veteran Davis Tubbs (Brandon Smith) eine wichtige Hilfe sein. Er hat Erfahrung im Kampf mit dem Creeper (Jonathan Breck) und unterstützt Sheriff Tashtego...

Ganze 14 Jahre mussten Fans auf den abschließenden Teil "Jeepers Creepers 3" warten. Regisseur Victor Salva hat es eben nicht leicht, Filme zu drehen, aber dies hat er sich selbst zuzuschreiben und das soll auch gar nicht Teil dieser Kritik werden. Man kann sich schon genügend über den vorliegenden Film ärgern, der in fast allen Belangen misslungen ist. Der zweite Teil war ja Geschmackssache und konnte nur bedingt an den wirklich guten ersten Teil heranreichen, aber "Jeepers Creepers 3" ist eine herbe Enttäuschung, welche die Reihe nicht verdient hat.

Die negativen Kritikpunkte fangen schon bei der Story an. Salva schrieb bisher immer die Drehbücher selbst und da verwundert es schon, dass er dennoch einige Logikfehler in seine Chronologie einbaut. Warum muss "Jeepers Creepers 3" denn auch unbedingt zwischen dem ersten und zweiten Teil spielen? Man hätte doch auch einfach so eine Fortsetzung machen können, dann wären Anschlussfehler nicht entstanden. Dass der dritte Teil zwischen seinen beiden Vorgängern spielt, ist übrigens ziemlich egal und sorgt für keine zusätzliche Dramaturgie. Es wirkt ziemlich beliebig und die Entscheidung ist nicht nachzuvollziehen. Sowieso hat die Story nichts mehr, was irgendeinen Reiz ausmachen würde. Hier und da ein paar halbwegs gelungene Ideen reichen bei weitem nicht aus, um den Film interessant zu gestalten, denn an sich bekommt man nur Klischees und einen dünnen Plot geboten, der den Vorgängern nichts hinzuzufügen hat. Salva führte natürlich auch selbst wieder Regie undoptisch ist "Jeepers Creepers 3" eigentlich ganz gut, besonders aufwendig wirkt er trotzdem nicht. Dann gibt es noch ein paar recht billige Computereffekte und schon ist der Eindruck bestätigt, dass es hier an Budget gemangelt hat. Ein paar Szenen hat Salva ganz cool gestaltet und die Sache mit den Waffen im Fahrzeug sorgt für ein paar kreative Momente.

Viel mehr Positives kann man über die lustlose Inszenierung allerdings nicht berichten. Was dem Werk allerdings am meisten fehlt, ist eine Atmosphäre. Der Creeper sieht zwar immer noch cool aus, aber wie ein Horrorfilm wirkt "Jeepers Creepers 3" nun kaum noch. Da entsteht keine echte Bedrohung und so muss man sich durch eine Laufzeit von guten 100 Minuten quälen. Einziger Lichtblick ist hier Meg Foster, die als Darstellerin gut zu gefallen weiß. Dass Jonathan Breck erneut in die Rolle des Creepers schlüpft, ist natürlich auch schön. Wo aber die vielen bekannten Gesichter aus den Vorgängern sind, ist nicht erkennbar. Bis auf Gina Philips in einer kleinen Rolle schaut eigentlich niemand vorbei. Trotzdem sind die Darsteller noch ganz brauchbar. Was man vom Unterhaltungswert nicht gerade behaupten kann. Der Einstieg fällt zwar temporeich aus, doch schon hier sprang überhaupt kein Funke mehr über. Danach nimmt "Jeepers Creepers 3" das Tempo jedoch erst mal komplett heraus, versucht eine Story zu erzählen, die allerdings völlig uninteressant ist. Die Action wirkt auch recht lahm. In der letzten halben Stunde wird das Tempo zwar wieder angezogen und es ist mehr los, doch da hat der Film auch den interessiertesten Zuschauer längst verloren. Da können auch ein paar nette Splatter-Einlagen nichts mehr dran ändern. Wenigstens waren die Effekte aber hier ganz brauchbar.

"Jeepers Creepers 3" hätte es auf keinen Fall mehr gebraucht, zumindest nicht so. Salva hat sich hier komplett verrannt und schadet seiner eigenen Reihe. Er tut sich schon alleine damit keinen Gefallen, das Geschehen chronologisch zwischen die anderen beiden Teile zu verfrachten, aber auch sonst ist die Handlung kaum zu gebrauchen. Die Inszenierung wirkt einfallslos, die Charaktere interessieren einen kaum und der Unterhaltungswert ist viel zu schlecht. Lediglich die brauchbaren Darsteller und ein paar ganz gut gemachte Szenen schützen hier vor einer Totalkatastrophe, aber Fans der Vorgänger werden dennoch maßlos enttäuscht sein.

4/10

Von SPLENDID erschien die Trilogie im limitierten DigiPak: 

Samstag, 6. Oktober 2018

[KINO] Incredibles 2 - Die Unglaublichen 2 3D (2018)

https://www.imdb.com/title/tt3606756/

Nachdem die Superheldenfamilie von Bob Parr (Stimme von Craig T. Nelson) und Helen (Stimme von Holly Hunter) durch eine etwas aus dem Ruder gelaufene Aktion gegen den "Tunnelgräber" (Stimme von John Ratzenberger) wieder in den Schlagzeilen gelandet ist, wird das Schutzprogramm gegen sie aufgelöst. Superhelden sind teuer und machen mehr Schaden als sie nützen. Gegen dieses Urteil will ein schwerreicher Unternehmer namens Winston (Stimme von Bob Odenkirk) der Familie unter die Arme greifen. Mithilfe von Publicity-Aktionen von Elastigirl (Frau Parr) soll die Legalisierung der Superhelden finanziert werden. Unterdessen bleibt Bob (alias Mr. Incredible) zu Hause und beobachtet seine Kinder Violetta und Flash und entdeckt Jack-Jacks bis dahin verborgene Superkräfte. Die Familie ist gemeinsam mit dem Superhelden Frozone gezwungen, sich einem neuen Bösewicht, dem "Screenslaver", der ein düsteres Komplott geschmiedet hat, gegenüberzustellen.

14 Jahre sind vergangen, seit "The Incedibles" ihr erstes Leinwandabenteuer bestritten. "Die Unglaublichen", so der deutsche Titel, sind die Pixar-Superhelden-Familie, die in Teilen an "Mr. Fantastic" oder gar "Superman" erinnern - und soweit es den Autor / Regisseur Brad Bird betrifft, ist an dieser Stelle gar keine Zeit vergangen. Der Epilog des ersten Films ist nun gleichzeit der Prolog des zweiten und der Superschurke "Underminer" ("Tunnelgräber") schickt sich gerade an, Metroville zu unterjochen und die Incredibles setzen all ihre Superkräfte ein, um ihn aufzuhalten. Damit allein ist diese augenblickliche Fortsetzung gewissermaßen ein geschickter Weg, den jüngsten Superheldenboom des Kinos nicht anzuerkennen - es gibt kein Zwinkern oder Nicken zu den lukrativen Kinouniversen, die in der Zwischenzeit entstanden sind. Im Universum der Unglaublichen war und ist das goldene Zeitalter der Superhelden vorbei.


In mancher Hinsicht wünscht man sich fast, dass sich die Dinge etwas weiter bewegt hätten. Nach der blendenden Eröffnung fühlt sich "The Incredibles 2" anfangs übervorsichtig an den Herzschlag des ersten Films gebunden: Superhelden sind immer noch illegal und unsere Heldenfamilie verlässt sich immer noch auf mysteriöse, wohlwollende Milliardäre, um über die Runden zu kommen und sich gleichzeitig versteckt zu halten. Aber es gibt auch bedeutende Unterschiede: Hier sind die wohlhabenden Wohltäter die Geschwister Evelyn und Winston Deavor, die alle ihre eigenen Gründe haben, der Familie zu helfen, den Status eines Bürgers zweiter Klasse zu überwinden. Die Deavors bieten ein wenig PR-Rotation im "Incredibles"-Universum, indem sie Ressourcen, Lobbyisten und eine Menge Versicherungen zur Verfügung stellen, um ihr öffentliches Image wiederherzustellen, wobei Elastigirl, deren dehnbare Kräfte sie am wenigsten zerstörerisch für die alte Garde machen, die Galionsfigur ist. Und so beginnt eine neue Mission - aber wie dem Zuschauer die Grillfeste bei "The Fast And The Furious" bewusst gemacht haben, ist "Familie eben alles" und das ist auch (wie immer) das Credo dieses Familienfilms. Das Jonglieren von Verbrechensbekämpfungsaufgaben mit häuslichen Verpflichtungen stellt so manche Gelegenheit für nette Witze bereit, ebenso wie die komplexe Dynamik einer 5-köpfigen Familie, die immer Sekunden von einer neue häuslichen Krise entfernt ist. Mit Helen als neuem Boss bleibt Bob als "Ersatzelternteil" zurück, und er hat alle Hände voll mit einem launischen Teenagermädchen, einem verzweifelten Vorschuljungen und einem wilden und unberechenbaren Baby. Diese Neuaufteilung passt recht gut ins aktuelle Weltbild, wo es eben schon längst nicht mehr eine klassische Rollenverteilung gibt. Und das ist sehr gut so.

Die meisten Gags hat wie immer die Nebenfigur. Jack-Jacks wahnsinnig unbekannte, vielgestaltige Kräfte stehlen mehr als eine Szene, aber der Film findet auch Zeit für ruhigere, familieninterne Momente, wenn die Eltern sich beispielsweise Sorgen machen, zwischen Zahnpasta zu entscheiden oder einen neuen Job anzunehmen, eben Szenen, die Familien überall genau erkennen werden. Das Wunderbare mit dem Alltäglichen zu verbinden, war die eigentliche Errungenschaft von Pixar im Allgemeinen und dieser Charaktere im Besonderen, und es ist hier ein besonderes Highlight. Wenn es nun ein Ärgernis im zweiten Teil gibt, ist es diese beständige Superhelden-Filmkrankheit: der unterschwellige Bösewicht. Im Gegensatz zum ersten Film, der das verstimmte ehemalige Fan-Syndrom (einen brillanten, gut abgerundeten Feind) zeigte, ist es hier der schwer fassbare "Screensaver", einer libertären und anarchischen Figur, die die Ätherwellen übernimmt, die Zuschauer hypnotisiert und sie beschimpft, alles über ihre Smartphones oder Fernsehbildschirme aus zweiter Hand zu erleben. Es ist zwar ein passender Bösewicht, dessen Motive aber leider erst ziemlich spät im Film bekannt werden und dessen wahre Identität viel zu früh in Richtung Zuschauer telegrafiert wird. Aber all das bewegt sich mit solch freudiger Geschwindigkeit und Energie, dass es vielleicht auch egal ist.

Einige Skeptiker hatten sich gefragt, ob Pixar nach dem sexuellen Fehlverhaltensskandal um Gründer John Lasseter seine Magie verlor. "The Incredibles 2" lässt solche Sorgen absurd erscheinen. Der Beweis dafür, dass die Magie, die seine größten Filme auszeichnete, nicht im Mindesten nachgelassen hat. Das Geschick von Brad Bird für wild-kinetische, geniale Sequenzen bleibt nämlich ungetrübt, und sogar die verrückteren Momente halten geschickt das Gleichgewicht. Im Endeffekt gibt es ein paar Kleinigkeiten in einem über-vertrauten Setup und einen unterversorgten Bösewicht, über die man sich beschweren könnte, aber warum sollte man das, bekommt man doch insgesamt eine herrlich-lustige Familienparabel geboten, die so unterhaltsam wie jeder Superheldenfilm ist, den man dieser Tage sehen kann.

8/10