Donnerstag, 19. Oktober 2017

Twins - Twins: Zwillinge (1988)

http://www.imdb.com/title/tt0096320/

Die Zwillinge Julius (Arnold Schwarzenegger) und Benedict (Danny DeVito) das Ergebnis eines genetischen Experiments, bei dem der Versuch unternommen wurde, das perfekte Kind zu zeugen. So ist Julius nicht nur mit überdurchschnittlicher Intelligenz gesegnet, sondern besitzt auch noch eine erstaunliche Physis, wohingegen sein Bruder - ein versehntliches Nebenprodukt des Experimentes - zu einem untersetzten Kleinkriminellen geworden ist. Da es sich um ein geheimes Experiment handelte, wurden die Brüder nicht von der Existenz des jeweils anderen unterrichtet. Als Julius nach Jahren erfährt, dass er einen Zwillingsbruder hat, macht er sich sofort auf nach Los Angeles, um seinen Bruder zu suchen...

"Twins" ist ein zeitloser Feel-Good Movie aus der 80er Jahren. Arnold Schwarzenegger und Danny DeVito sind Zwillinge, welche "nur ihre Mutter auseinander halten kann". Allein schon mit dieser Tagline ist klar, wohin die Reise geht. Regisseur Ivan Reitman, der sich für viele ähnlich gelagerte Komödien verantwortlich zeichnete, macht auch hier nach altbewährtem Rezept weiter: leichtfüßig, unbeschwert und mit einer gesunden Mischung aus Humor und Action bringt er mit Schwarzenegger und DeVito, die später in der Komödie "Junior" erneut zusammen arbeiteten, ein gutes Team auf die Leinwand. Passt nicht? Passt doch! Die zwei haben Charme und verzaubern mit ihren Gags ihr Publikum. Schwarzenegger beweist mit "Twins", dass er mehr als nur eine menschliche Maschine und sogar ein halbwegs guter Comedy-Actor ist. Er und DeVito sind irgendwie das perfekte Leinwand-Paar. "Twins" bietet aber leider nur eine recht durchschnittliche Story mit etwas Klamauk rundherum. Im Kino damals ein Riesenhit, hat der Film über die Jahre doch etwas Staub angesetzt und wird die heutige Jugend nur schwerlich erreichen. Dennoch ist er für die Generation Achtzig irgendwie ein kleiner Klassiker. Nett anzusehen und unterhaltsam.

6/10

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Tschick (2016)

http://www.imdb.com/title/tt4911940/

Eigentlich kann sich der 14-jährige Maik Klingenberg (Tristan Göbel) nicht beschweren, denn dank seiner wohlhabenden Eltern verbringt er seine Tage in eine schicken Haus mit Swimmingpool. Nur leider droht ihm für die großen Ferien auch die große Langeweile, denn seine Mutter steckt in einer Entzugsklinik und sein Vater muss auf „Geschäftsreise“ mit seiner Assistentin. Doch dann kreuzt Tschick (Anand Batbileg) auf - und der Sommer scheint gerettet. Denn Tschick, der aus dem tiefsten Russland stammt und in einem der Hochhäuser in Berlin-Marzahn lebt, hat einen Kleinwagen geklaut. Prompt brechen die zwei Freunde ohne Karte, Kompass und Ziel auf und machen gemeinsam die ostdeutsche Provinz unsicher...

Man hätte kaum einen passenderen Regisseur als Fatih Akin für die Verfilmung des gleichnamigen Romans "Tschick" von Wolfgang Herrndorf aus dem Jahr 2010 wählen können. Der gebürtige Hamburger ist ein Meister in kantigem deutschem Kino und schafft meistens die Gratwanderung zwischen gespielter Coolness und kindischem Klamauk. "Soul Kitchen" war 2009 ein leuchtendes Beispiel dafür, dass auch Deutschland schwarzen Humor beherrscht und dabei sogar gelegentlich in die Weiten des Slacker-Films abdriftet.
Genau dieser liebevolle Hang zur Anarchie wohnt auch "Tschick" inne. Akin zeigt seine Charaktere mit Fehlern aber ohne diese dafür bloßzustellen. Viele eher ist Maiks Dasein als Außenseiter ein notwendiger Schritt in sein erwachsenes Leben. In seinen besten Momenten zeigt "Tschick" eine ungemeine Liebe zu jugendlicher Naivität und unreflektiertem Tatendrang und macht aus ihm einen durch und durch sympathischen Film, den man aufgrund seiner knuffigen (und doch unheimlich ehrlichen) Art einfach nur ins Herz schließen kann.

Der Freak und der Assi lassen die zwangbehaftete Normalität hinter sich und suchen das Abenteuer - an dem folgenden Roadtrip ist zwar auf den ersten Blick nichts besonders, das Märchen von "diesem einen perfekten Sommer in der Jugend" hat jeder Zuschauer bereits x-mal gesehen, und doch reißt "Tschick" im seiner frechen Leichtigkeit unheimlich mit. Weil er Herz hat, die richtigen Aussagen zum Jungsein trifft und sich mit Inbrunst für Individualität und ein Ausbrechen aus der öden Norm stark macht. Mit angenehm verschrobenen Figuren gesegnet, in seinen vielen kleinen Momenten herrlich charmant und mit augenzwinkerndem Blick auf Gesellschaft und Co. bewaffnet, macht diese Reise im Lader ebenso viel Spaß, wie sie im Kern sehr wahres über das Aufwachsen trägt.

Man könnte "Tschick" vorwerfen ähnlich wie Oskar Roehlers Filme zu sein. Komplett auf hip gebürstet, ohne über eine inhaltliche Rechtfertigung nachzudenken. In diese Richtung macht auch "Tschick" ganz klar Fehler, jedoch ohne komplett darin zu versinken. Man merkt Akins Film an, dass er gerne Seite an Seite mit "Trainspotting" und ähnlichen Generationenportraits stehen möchte. Maiks Off-Kommentar ist in seiner zynischen Abgebrühtheit damit auch eher ein Störfaktor als wirklich ein großes Plus für den Film. Immer wieder Gerät der Film damit in eine unangenehme Grauzone, in der auch mal Fremdschämen angesagt ist. Letzteres ist tatsächlich ein Faktor, der einem Film locker mal das Genick brechen kann. Oftmals, gerade gegen Anfang, drohten gerade längere Szenen mit Maik auch in diese Ecke abzurutschen, bis dann Tschick auftritt. Jungschauspieler Anand Batbileg ist derart gut gecastet, dass man - auch ohne den Roman zu kennen - ihm die Rolle zu Einhundert Prozent abkauft. Er wirkt, als hätte man den Charakter direkt von den Seiten in die Realität übertragen. Batbileg bringt den hochsympathischen Grundtenor von Tschick haargenau auf die Leinwand. Letztendlich entspringen den vielen Momenten mit Tschick auch Akins größte Stärken.

Wenn Isa, Maik und Tschick im See baden gehen, Maik langsam seine Sexualität entdeckt und Isa mit einer schmutzigen Kiste nach Prag fährt, entwickelt "Tschick" eine Energie und Schamlosigkeit, die man lange nicht mehr in deutschen Jugendfilmen bewundern durfte. Klar, immer wieder ist das Schauspiel etwas ungelenk und immer wieder wirkt der Film in seiner Dramaturgie zu abgekürzt, dennoch hat "Tschick" das Herz am rechten Fleck und trifft genau da, wo man es erwarten würde: mitten ins Herz. "Tschick" ist ein kleiner, rotzfrecher Film, der sich gerne auch mal "Jugendfilm" nennen darf. Klasse!

8/10

Dienstag, 17. Oktober 2017

Piedone Lo Sbirro - The Knock Out Cop - Sie nannten ihn Plattfuss (1973)

http://www.imdb.com/title/tt0070534/

In Neapel schiebt der bullige Kommissar Rizzo, genannt "Plattfuß", seit zwanzig Jahren Dienst im Kampf gegen Mord, Erpressung, Raub, Prostitution und Rauschgifthandel. Im Alleingang und unter Einsatz seiner mächtigen Fäuste macht er so manchem Gangster das Leben schwer. Als er erfährt, dass ein Rauschgiftring in Neapel eine neue Operationsbasis aufbauen will, wird er von seinem neuen Vorgesetzten vom Dienst suspendiert. Kann es sein, dass dieser korrupt ist? Plattfuß nimmt die Ermittlung in die eigene Hand...

Der Auftakt des "Plattfuss"-Franchise, dem in den Siebzigern noch weitere drei Filme folgen sollten. Gerade, wenn man das nach einer der starken Spencer/Hill-Komödien gesehen hat, bekommt man das Gefühl, dass Bud Spencer trotz seiner Körperfülle nur eine halbe Portion ist. Es fehlt schlicht die Kongenialität des Erfolgsduos. Der Plot versucht eine halbwegs ernst dargestellte Kriminalgeschichte um Rauschgifthandel mit Spencer-Prügelklamauk und seinen grummeligen Sprüchen zu kombinieren. Leider zündet das nur selten - die Albernheiten und bestenfalls sporadischen Lacher geben kaum das Gefühl eines gelungenen komödienhaften Elements, auch wenn ein gewisser Charme vorhanden ist. Die Kriminalstory um Bud Spencer alias sperriger Kommissar Rizzo bietet zwar etwas Unterhaltung, übersteigt aber kaum "Tatort"-Niveau.

Aber zugute halten muss man dem Auftakt der "Plattfuss"-Reihe, dass der Film noch ein wenig ernster und seriöser daherkommt, natürlich wird auch nicht rücksichtslos gemordet und im Übermaß gemeuchelt (wie man es bei der Mafia-Thematik erwarten könnte) sondern es bleibt durch die Bank weg Familienfreundlich. Letztlich bleibt mit "Sie nannten ihn Plattfuss" ein unterhaltsamer Krimi mit legendärem Hauptdarsteller und ein netter Einblick in das Neapel der 70er. Alles ist schmuddelig, klein, jenseits jeglicher Entwicklung oder Erneuerung aber genauso heimelig und sympathisch.

7/10

Nerve (2016)

http://www.imdb.com/title/tt3531824/

Im Internet macht ein neues, illegales Spiel namens "Nerve" die Runde, bei dem die Teilnehmer riskante Herausforderungen meistern müssen, während die Welt ihnen dabei zuschaut. Nirgendwo scheint es noch ein anderes Gesprächsthema zu geben und auch die schüchterne Vee (Emma Roberts) bekommt davon Wind. Damit sie endlich mal im Mittelpunkt des Geschehens stehen kann, so wie ihre Freundin Sydney (Emily Meade), meldet sie sich als Spielerin an. Ihrer Mutter (Juliette Lewis) passt gar nicht, was die Tochter da vorhat – und wie zur Bestätigung der mütterlichen Sorgen hat Vee gleich zu Beginn von Nerve die Aufgabe, einen fremden Typen zu küssen. Spontan drückt sie Ian (Dave Franco) ihre Lippen auf den Mund. Von da an versuchen die beiden, die immer gefährlicheren Etappen zu meistern und werden dabei zur Internetsensation. Doch als Vee und Ian aus dem Spiel aussteigen wollen, merken sie, dass es dafür längst zu spät ist...

Genau wie die sich stellenden Frage "Bist du "Watcher" oder "Player"?" kann man auch als Zuschauer hin- und hergerissen sein. Aber vielleicht ist dies alles gar nicht so zwiespältig und wir sind alle einfach nur Gefangene, eingesperrt in der Trivialität und schuldig wegen unseres dummen Herdentier-Verhaltens? Der Film "Nerve" will eine warnende Geschichte über narzisstische Auswüchse und hemmungslose Gier nach Anerkennung durch die soziale Medien sein. "Nerve" ist aber leider nicht bereit, konsequent in die abartigen Tiefen des Themas einzutauchen. Er setzt einmal zu oft auf Oberflächlichkeit, auf den angenehmen Reiz, und negiert letztlich damit die Botschaft des Films, weil er von seinen Plattitüden selbst zu sehr fasziniert ist.


"Nerve" wirkt wie ein kultur-pessimistisches Comic, das das Internet als eine Art Gladiatoren-Arena aus Voyeurismus und Mutproben darstellt, in dem Smartphone-besessene Teenager herumlungern. Mit seiner durchaus mitreißenden Geschichte, seinem energischen, elektrisierenden, aber zu poppigen Soundtrack und seinen schicken Produktionswerten holt er unruhige Zuschauer da ab wo sie nicht stillstehen können. Sein zeitgenössisches Thema, mediale Sensationslust zwischen Internet-Technologie und Menschlichkeit, ist eigentlich eine originelle Idee. Er erzählt seine Story aufregend, irgendwie naiv-süß und voller Wendungen. Selbst die dunklen Seiten wirken bunt und werden mit dem Aussage-Holzhammer am Ende dem Zuschauer eingeprügelt. Mit hippen Visualisierungen von Chat-Verläufen aus Handy-/Kameraperspektive, quasi "hinter dem Display" und angesagter 80er Jahre Optik wird der überwältigende, soghafte Reiz medialer Selbstdarstellung reizvoll eingefangen und mit einer Teenager-Romanze (Mauerblümchen trifft coolen Jungen) zielgruppenorientiert aufgefangen. Die Behauptung, dass anonyme Sensationsgier "böse" ist geht aber im Rausch der Flüchtigkeit verloren. Das konstruierte Finale hat bei weitem nicht den Tiefgang oder den bitter nötigen Wumms nach dem es schreit und verlässt sich lieber auf die Wohlfühlzone. 


"Nerve" ist in seinem dystopischen Ansatz ebenso erfrischend wie frustrierend unbesonnen. Wie seine Charaktere sind Style und Tempo wichtiger als Nachhaltigkeit. Das Drehbuch ist holprig, schlampig und ziemlich naiv. Trotzdem macht dieser Neon-gesättigte Coming of age - Traum mit seinen digitalen Herzen "Spaß". Die Darstellerleistungen sind dabei eher mittelmässig, das passt aber eigentlich recht gut in dieses Konzept. Russisch Roulette im Social-Media-Style. Kann man riskieren.

6,5/10

Alien Nation - Alien Nation: Spacecop L.A. 1991 (1988)

http://www.imdb.com/title/tt0094631/

Nachdem ein Raumschiff mit Außerirdischen auf der Erde gestrandet ist, müssen die Neuankömmlinge lernen, sich in der Welt der Menschen zurechtzufinden. Die Außerirdischen wurden als Sklaven gezüchtet, aber die Menschheit pflegt diese Spielart der Unterdrückung nicht mehr. Deswegen gehen die Außerirdischen gewöhnlichen Jobs nach. Sam Francisco (Mandy Patinkin), einer von ihnen, arbeitet als Polizist. Er soll der neue Partner von Detective Sergeant Matthew Sykes (James Caan) werden, der seinen vormaligen Kollegen ausgerechnet durch ein paar Außerirdische verloren hat, die als Kriminelle ihr Dasein fristen. Natürlich hat Sykes zunächst Bedenken, mit Francisco zusammenzuarbeiten, aber dann kommt ihm der Gedanke, dass ein außerirdischer Polizist an seiner Seite ideal wäre, um in deren Milieu ermitteln zu können. Denn der Schlüssel zur Aufklärung des Mordes an seinem Ex-Partner liegt bei William Harcourt (Terence Stamp), dem Paten der außerirdischen Gangster...

Buddy-Movies lagen Ende der 80er Jahre hoch im Kurs. So verwundert es auch nicht, dass man sich in Hollywood an eine Kombination aus Actionkino und Sci-Fi-Kino heranwagte. Hauptprotagonisten in diesem flott inszenierten Sci-Fi-Actionfilm sind ein menschlicher und außerirdischer Cop, die nach dem typischen Buddy-Movie-Prinzip erst mal zusammenwachsen müssen, um dann gemeinsam den Fall zu klären. Das ist alles ist natürlich mit Action, Spannung und coolen Sprüchen verbunden, die zwar nie die Klasse eines "Lethal Weapon"-Teils erreichen, aber trotzdem bestens unterhalten.

Außerirdische, die auf der Erde ein neues Leben beginnen und denen mit rassistischen Ressentiments begegnet wird - das klingt auch verdächtig nach  dem wesentlich später erschienenen "District 9". Es ist aber die Grundstory von "Alien Nation", die ansonsten jedoch in keinster Art und Weise etwas mit der von "District 9" zu tun hat. Vielmehr ist "Alien Nation" ein ordentlicher Krimi, der sich von anderen Genrevertretern zuerst einmal nur dadurch abhebt, dass Aliens vorkommen. Die können natürlich auch stellvertretend für andere, weltliche Kulturen stehen. Aber Puerto-Ricaner, Mexikaner oder Russen sind nun mal nicht so cool wie extraterrestrische Einwanderer. Zudem kann man Aliens allerhand Fähigkeiten oder Eigenarten andichten, die auf Menschen befremdlich wirken. Das kommt einfach gut. Genauso gut ist die Maske. Da wurde mit viel Liebe gearbeitet, sie wirkt, soweit möglich, authentisch. Das würde selbstredend nicht viel nützen, wenn die Schauspieler Krampen wären. Aber Mandy Patinkin hat auch mit kiloweise Make-Up noch mehr drauf als manch hochgejubelter Star von heute, und James Caan ist einfach nur saucool in diesem SciFi-Krimi. Das alles in Kombination hebt die eher leichte Kost doch deutlich von halbwegs ähnlichen gelagerten Filmen ab und macht aus "Alien Nation" einen ordentlichen und vor allem unterhaltsamen Action-Krimi.

7/10

Von NSM Records kommt der Film hierzulande ungeschnitten und in HD im auf 333 Stück limitierten Mediabook:

アウトレイジ - Autoreiji - Outrage (2010)

http://www.imdb.com/title/tt1462667/

Tokios Unterwelt wird von zwei konkurrierenden Klans der Yakuza regiert, die sich permanenten Machtkämpfen unterziehen. Erlaubt sind alle Mittel. Heimliche Abkommen, gebrochene Schwüre oder blutige Rachezüge stehen auf der Tagesordnung. Als Sekiuchi (Soichiro Kitamura), Anführer des Sanmo-Kai-Klans vom misslungenen Auftrag seines Handlangers Ikemoto (Jun Kunimura) erfährt, zweifelt er an dessen Gangster-Fähigkeiten. Das kann der in seinem Stolz verletzte Ikemoto nicht einfach so auf sich sitzen lassen. Um Sekiuchi wieder auf seine Seite zu ziehen, entsendet er Otomo (Takeshi Kitano), seinen Mann fürs Grobe, um beim rivalisierenden Murase-Klan eine gehörige Portion Stunk zu verbreiten. Folglich lockt Otomo die gegenerischen Kriminellen in fiese Fallen, schreckt auch vor direkten Angriffen auf höhere Tiere nicht zurück und zettelt somit einen chaotischen Krieg an.

Das hier ist das Yakuza Milieu. Da, wo man sich den kleinen Finger abschneidet, wenn man sich für etwas entschuldigt. Regisseur Takeshi Kitano setzt hier wie im Titel angekündigt ausschließlich nur auf brutale Gewalt und Gräueltaten der übelsten Art. Lediglich beim optischen drapieren von Erschossenen schimmert mal kurz seine Ästhetik aus der "Hana-Bi"/"Feuerblume" durch. Verschiedene Clans bekämpfen sich wegen der Einnahmen aus Drogen und Prostitution, sowie aus dem Glücksspiel. Der Zuschauer sieht eine reine Männerwelt ohne familiären Hintergrund, in der sich die Machos durch Hahnenkämpfe gegenseitig eliminieren. Dabei geht es immer nur ums 'Gesicht verlieren' oder 'eine Lektion erteilen' und die Wortwahl ist mehr als farbig. Auf Nebenkriegsschauplätzen wird mit der Polizei verhandelt und sogar ein Botschafter wird nolens-volens mit hineingezogen. Die Männer leben in einem rechtsfreien Raum, in dem das Faustrecht gilt.

Fragmentarisch zerreißt Takeshi Kitano seine kinematographischen Wurzeln in blutbeschmierte Einzelteile und serviert seinem Publikum genau das, was es in dieser nihilistischen Rohheit nicht von ihm erwartet hätte. In "Outrage" gibt es keine ikonisierte Männerromantik innerhalb der Yakuza und Wert auf Milieuschwärmereien wird hier ebenso wenig gelegt. Vielmehr konfrontiert er das organisierte Verbrechen mit der bittereren Aggressivität der groben Realität und evoziert dadurch eine gefühllose Drastik, die sich in ihrer nüchternen Entmenschlichung wirklich gewaschen hat. Dabei sind die Figuren bloße Abziehbildchen, die einzig und allein am Aufstieg innerhalb der Mafiahierarchie respektive der Alleinherrschaft interessiert sind: Brüderliche Nächstenliebe gibt es nicht, Besessenheit ist das Stichwort und der eigentlich blinde Gehorsam weint dem tradierten Kodex keinerlei Träne nach, sondern fungiert auf eigene, zielorientierte Faust.

"Outrage" ist die distanzierte Dekonstruktion des universellen Gangstermythos und bewegt sich in einer unermesslichen Kälte, ohne jeden emotionalen Effekt, ohne empathischen Mehrwert oder zelebrierten Ästhetizismus, von Gewaltspitze zu Gewalteruption. Auch in der Welt der anonymen Anzugträger gibt es schließlich nur noch Verlierer, und auch wenn sie ihren wertlosen Untergang noch nicht realisieren möchten, die Messerspitze dringt bereits unbemerkt in ihr illoyales Fleisch. Der Regisseur verkörpert hier Ötomo, einen subalternen, der nach oben will und es fast auch schafft. Das Finale ist eine einzige Ballerorgie, in der das Erschießen zum Scherzartikel verharmlost wird. Alles wird eliminiert. Nutten nach dem Nümmerchen, Boten, Subalterne, Vorgesetzte und auch Polizisten. Auch der ganz große Boss muss dran glauben und wird vom Mörder verleumdet. Ötomo muss feststellen, dass er altmodisch ist. Er geht freiwillig ins Gefängnis. Aber da ist auch vor Dolchen nicht sicher. Die eigene Karikatur wird der Lächerlichkeit preisgegeben. "Outrage" ist besonders und dabei Knüppehart und unterhaltsam. Die fehlende Ironie und ein nicht vorhandener philosophischer Einschlag zeigen den Unterschied zu Tarantino. Die Gewalttätigkeiten sind oft überbordernd, aber die Menge des Blutes passt.

8/10

Von CAPELIGHT PICTURES erschien der Film nun endlich auch hierzulande in HD in einem tollen Mediabook: 

Montag, 16. Oktober 2017

La Giovinezza - Youth - Ewige Jugend (2015)

http://www.imdb.com/title/tt3312830/

Die beiden alten Freunde Fred Ballinger (Michael Caine) und Mick Boyle (Harvey Keitel) verbringen zusammen mit Freds Tochter und Managerin Lena (Rachel Weisz) einen Erholungsurlaub in einem hochklassigen Wellnesshotel am Fuß der Alpen. Während der berühmte Komponist und Dirigent Fred seinen Ruhestand genießt, ist der noch immer als Filmregisseur aktive Mick in Gedanken häufig bei seinem nächsten Projekt, das zugleich sein letztes werden soll. Doch auch Fred holt seine eigentlich bereits niedergelegte Arbeit bald ein, als ein Abgesandter des Buckingham Palace ihn mit der Anfrage aufsucht, für die Queen persönlich ein Konzert zu dirigieren. Fred lehnt jedoch dankend ab, da er viel lieber gemeinsam mit Mick und dem ebenfalls im Hotel abgestiegenen Schauspieler Jimmy Tree (Paul Dano) in Ruhe über Gott und die Welt sowie die skurrilen anderen Gäste philosophiert...

Paolo Sorrentino ist die neapolitanische und vor allem mitteilungsbedürftigere Form von Terrence Malick. Er steckt konkrete Ideen in metaphorische Bilder wie kein Zweiter, führt Motive ein, die zunächst seltsam erscheinen, greift erst lange Zeit später wieder darauf zurück und lässt sie auf einmal in einem solchen Licht erstrahlen, dass sie Sinn ergeben. Nach "La Grande Bellezza" (Fremdsprachen-Oscar 2014) erzählt Sorrentino nun in "Ewige Jugend" von, nun ja, eigentlich nichts weiter als einem Edelhotel-Aufenthalt in den Schweizer Alpen. Zwei der kaufkräftigen Gäste sind die gemeinsam gealterten Langzeitfreunde Fred (Michael Caine) und Mick (Harvey Keitel). Fred ist (oder besser "war") Komponist, doch möchte er von seinem Metier nichts mehr wissen. Nicht einmal ein Konzert für die britische Queen ist ihm Anlass genug, den Taktstock wieder in die Hand zu nehmen. Seine einzigen Konzerte sind taggeträumte Kuhglocken-Partituren auf den alpinen Wiesen, die er von einem Baumstumpf aus dirigiert. Mick, indes, ist (oder besser "war") Regisseur, doch seine großen Tage sind vorbei und dennoch legt er sein gesamtes Herzblut in ein letztes filmisches "Vermächtnis". Zur Fertigstellung des Drehbuchs lässt er eine Gruppe junger Köpfe für ihn mitdenken. 


Auch wenn sich der Großteil dieses, salopp gesagt, dahinplätschernden Films in der abgehobenen Absteige der Reichen und Schönen abspielt, begegnet man an jeder Ecke verrückten Ideen, ebenso brillant wie konsequent in ihrer Umsetzung. Die fabulöse Kamera von Luca Bigazzi gleitet durch das venezianische Acqua alta, es ereignen sich kleine Action-Szenen mit Rollstühlen, geschmacklose Musikvideos werden zur Horror-Mär. Dazu ein Fleischklops von einem (wohl argentinischen) Ex-Fußballstar und eine waschechte Jane Fonda. Paolo Sorrentino hüpft von Erzählstrang zu Erzählstrang auf eine Art, dass sich die Szenen gegenseitig unterstützen. Im Kern geht es um das Altern und das, was dadurch immer größer wird: die Vergangenheit. In "La Grande Bellezza" vermochte es der Regisseur ein Stück weit mehr, seine zentrale Idee auszuformulieren. Doch der einmal mehr gestalterischen Perfektion, der famosen Schauspieler und des musikalischen Genusses wegen ist Erbarmen geboten. "Ewige Jugend" - ein Film für die große Leinwand - So groß eine Arthouse-Leinwand eben sein kann und obwohl eine vollständige Handlung nur ansatzweise auszumachen ist, schaut man dem Geschehen gerne zu, eben auch dank des Humors.

7/10