Dienstag, 20. August 2019

[KINO] Once Upon A Time In... Hollywood (2019)

https://www.imdb.com/title/tt7131622/

1969: Die große Zeit der Western ist in Hollywood vorbei. Das bringt die Karriere von Western-Serienheld Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) ins Straucheln. Der Ruhm seiner Hit-Serie "Bounty Law" verblasst mehr und mehr. Gemeinsam mit seinem Stuntdouble, persönlichen Fahrer und besten Freund Cliff Booth (Brad Pitt) versucht Dalton, in der Traumfabrik zu überleben und als Filmstar zu neuem Ruhm zu gelangen. Als ihm Filmproduzent Marvin Schwarz (Al Pacino) Hauptrollen in mehreren Spaghetti-Western anbietet, lehnt Rick ab – er will partout nicht in Italien drehen und von dem Sub-Genre hält er auch nichts. Stattdessen lässt er sich als Bösewicht-Darsteller in Hollywood verheizen und wird regelmäßig am Ende des Films von jüngeren, aufstrebenden Stars vermöbelt. Während die eigene Karriere stockt, zieht nebenan auch noch der durch "Tanz der Vampire" und "Rosemaries Baby" berühmt gewordene neue Regiestar Roman Polanski (Rafal Zawierucha) mit seiner Frau, der Schauspielerin Sharon Tate (Margot Robbie), ein. Derweil will Cliff seinem alten Bekannten George Spahn (Bruce Dern) einen Besuch in seiner Westernkulissenstadt abstatten. Dort hat sich inzwischen die Gemeinde der Manson-Familie eingenistet. Mit Pussycat (Margaret Qualley) hat der Stuntman schon Bekanntschaft gemacht...


Als Künstler hat man es nicht leicht. Egal ob Musiker, Schauspieler, oder eben Regisseur.
Man wird immer, egal was man anstellt, bei einem neuen Werk an seinem Vorgänger, seinem größten Erfolg, oder mit seiner kommerziellesten und massentauglichsten Arbeit konfrontiert und gemessen. Kein Werk kann quasi nur für sich stehen. Und wenn man sich, wie im Fall von Quentin Tarantino ein solches Standing aufgebaut hat, und dank kommerziell erfolgreicher Filmen wie "Django Unchained" längst nicht nur verkopfte Filmnerds anspricht, sondern auch das Mainstreammassenpuplikum, sind die Erwartungen natürlich immens hoch. 

Doch Tarantino hat einfach Narrenfreiheit. Er kann seine nerdigsten Vorlieben in Überlänge auf die Leinwand loslassen und man genießt trotzdem jede Sekunde davon - ohne dass Langeweile aufkommt. Hollywood der 60er Jahre in bunten Bildern, der Soundtrack, Kamera, und Schauspiel spielt, wie erwartet, in der Topliga. Was man nicht erwarten würde, ist, dass einem die beiden Buddys Rick und Cliff so ans Herz wachsen. Das Klischee eines abgehalfterten Schauspielers und Brad Pitt als eine der coolsten Tarantino-Figuren seit "Pulp Fiction". Tarantino ist, wenn man Spass daran hat im Kino zu sitzen und Dicaprio dabei zuzusehen, wie er minutenlang eine Westernrolle mimt, von dessen Handlung man den Kontext gar nicht kennt. Und bei den unzähligen Anspielungen, Details und Medien im Medium ist es eine Freude, den Film noch einige Male zu sehen. Ein smoothes Märchen aus einer interessanten Zeit mit schön überzogenen historischen Anpassungen. Anstatt Nazis kriegen halt diesmal die Hippies ihr Fett weg. Das ist der neunte Film von Legende Quentin Tarantino.

Die Stimmen zu seinem neuesten Werk sind dafür viel schärfer und auch deutlicher ausgefallen, als noch bei "The Hateful Eight". Damit müsste jeder, der sich auch nur etwas für Filme interessiert, also schon vor seinem Kinobesuch gelesen haben dass der Film beispielsweise keine richtige Handlung, sondern nur einen roten Faden hat, es mal wieder endlos lange Dialoge und Einstellungen gibt, man nicht auf so etwas wie Action oder Spannung hoffen sollte, und das es im Grunde garnicht um die Manson-Morde geht. Natürlich wurde der Film diesbezüglich auch etwas falsch vermarktet und verkauft. So fair muss man auch sein. Dieses letztgenannte Thema, was wirklich nur einen minimalen Raum im Film einnimmt, sollte man besser aus seinen Erwartungen streichen. Also ja, Tarantinos neuer Film polarisiert so stark wie kein anderer seiner Filme und man kann verstehen, dass dies eben nicht allen Zuschauern gefällt. Daher ist es am besten, wenn im Vorfeld überhaupt nichts von "Once Upon A Time In... Hollywood" weiß.

Aber deswegen von einem Kinobesuch abraten? Nein! Denn damit ist ja niemanden geholfen. Nicht dem Film-Nerd, der schon seit frühen Tagen Wortgefechtfilme aufgesogen hat, und im Grunde nicht mehr als eine gute Kameraarbeit, scharfe Dialoge inklusive talentierter Schauspieler braucht, und auch nicht dem eher mainstreamorientierten Zuschauer, der mit Spannung, Action oder Witz unterhalten werden möchte. Tarantino hat sich natürlich selber in diese Zwickmühle gebracht, scheint sich dieser vollkommen bewusst zu sein, sägt scheinbar mit voller Absicht an diesem Erwartungsdruck und scheint grinsend zu sagen "Friss oder stirb!" Und so kann er bei seinem zehnten Film ganz entspannt machen worauf er Lust hat.


Die Erwartungshaltung wird nach "Once Upon A Time In... Hollywood" und "The Hateful Eight" auf jeden Fall nicht mehr so hoch sein wie jetzt. Dafür hat man dann hoffentlich ein bisschen die Spreu vom Weizen getrennt. Oder doch nicht? "Once Upon A Time In... Hollywood" jedenfalls ist ein genialer Film. Er reiht sich nahtlos in die Filmographie Tarantinos ein und versteht es, seinen Zuschauer über knapp 3 Stunden bei der Stange zu halten. Warum? Weil man hier nie weiß, was als nächstes passieren wird. Das geht so weit, dass man es kaum wagt die Augen auch nur eine Sekunde von der Leinwand zu nehmen, aus Furcht, man könne etwas Essentielles verpassen. Und trotzdem ist er nicht Tarantinos Topfilm. Dafür hätte es noch ein paar geschliffenere Dialoge mehr gebraucht. Diese sind hier nämlich nicht so ausgefeilt wie in seinen anderen Filmen. Auch die Musikauswahl ist nicht schlecht, ja sogar richtig gut, aber dann doch etwas zu gewöhnlich. Doch das ist - einmal mehr - ein Jammern auf hohem Niveau.

Was natürlich absolut top ist, ist die Kameraarbeit von Tarantino Stammkameramann Robert Richardson, der sich hier mal so richtig austoben durfte, und der trägen Geschichte so seinen ganz eigenen Drive aufdrückt. Auch die grandiose Ausstattung und die vielen kleinen und verspielten Details sind wunderbar und schön anzusehen. Alleine das rechtfertigt den Kinobesuch. Witzig sind natürlich alle Anspielungen auf alte Spaghetti Western, abgehalfterte Stars und das Kino der 50er und 60er Jahre mit beispielsweise einer großartigen Szene aus "Gesprengte Ketten"). Wer sich da ein wenig auskennt, macht hier eigentlich auch nichts verkehrt. Das alles ist aber im Grunde nicht der Rede wert. Denn ohne diese Wahnsinns-Besetzung hätte der Film nicht funktioniert. Und hier ist das wirklich genau so zu verstehen und ist nicht einfach nur so daher gesagt. Ohne Leonardo DiCaprio & Brad Pitt hätte das alles nicht funktioniert. DiCaprio zeigt einmal mehr dass er der beste Schauspieler seiner Generation ist, und Pitt macht klar dass er immer noch eine verdammt coole Sau und dazu bestens in Form ist. Und diese beiden eigentlich komplett verschiedenen Typen, geben eines der coolsten Filmduos der jüngeren Vergangenheit ab. Es macht so verdammt viel Spaß die beiden durch Hollywood zu begleiten. Ihnen bei ihren ganz normalen, und völlig unterschiedlichen, teilweise banalen und eigentlich völlig uninteressanten Tagesaktivitäten zu zusehen. Auch Margot Robbie als Sharon Tate ist natürlich eine Punktlandung.


Aber natürlich sind da noch der ganze Haufen Gaststars, die es leider nie über diesen Titel hinaus schaffen, und traurigerweise keine Chance bekommen sich aus den großen Schatten von Pitt & DiCaprio heraus zu spielen. Dafür bekommen sie leider viel zu wenig Screentime. Al Pacino hat dabei noch die dankbarste Aufgabe, und Kurt Russell darf als Anlehnung an seine Rolle in "Death Proof" noch einmal einen Stuntman - allerdings in anderer Form -  spielen. 

Solche Verweise, etwa auf andere Filme des Regisseurs oder ganz offensichtliche Hommagen gibt es natürlich auch wieder etliche. Also alles in allem kann man mit "Once Upon A Time In... Hollywood" seinen Spaß haben. Man sollte über diesen Film nichts wissen, und schon gar nicht das trügerische Marketing hören. Man sollte sich entspannt und hochgespannt in den Sessel fallen lassen und diesen Film, diese Geschichte einfach genießen. Und wenn man die vielen Director's Trademarks, wie Tarantinos Fußfaible, die Packung "Red Apple" (über die sich (ungewöhnlicherweise) im Abspann noch lustig gemacht wird oder Crash-Zooms. Das alles trägt die Handschrift des Meisters. Und Freunde Tarantinos kommen hier voll auf ihre Kosten.

8,5/10

Freitag, 16. August 2019

[KINO] Fast & Furious Presents: Hobbs & Shaw (2019)

https://www.imdb.com/title/tt6806448/

Secret-Service-Agent Luke Hobbs (Dwayne Johnson) und Ex-Elitesoldat Deckard Shaw (Jason Statham) mussten in der Vergangenheit zwar bereits zusammenarbeiten, taten dies jedoch immer zähneknirschend. So richtig grün sind sich die beiden Muskelprotze nicht und lassen auch keine Gelegenheit aus, um sich gegenseitig zu triezen. Doch die Sicherheit des Planeten hat natürlich Vorrang vor den Querelen der beiden und als der internationale Terrorist Brixton (Idris Elba) auf der Bildfläche auftaucht, sind Hobbs und Shaw gezwungen, einmal mehr zusammenzuarbeiten. Brixton ist nicht nur hochintelligent, sondern durch genetische und kybernetische Weiterentwicklung sogar eine Art Supersoldat, dem ein einzelner Mann nichts entgegensetzen könnte. Doch im Doppelpack haben Hobbs und Shaw eine Chance – und Deckard ist nicht der einzige aus der Shaw-Familie, der ein Hühnchen mit Brixton zu rupfen hat. Denn auch seine Schwester, die abtrünnige MI6-Agentin Hattie Shaw (Vanessa Kirby), ist hinter dem Terroristen her...


Die "Fast & Furious"-Reihe macht aus ihrer eigenen übertriebenen Dummheit ja selten einen Hehl und insofern bleibt das Spin-Of "Hobbs & Shaw" durchaus bei den Wurzeln der Serie. Es geht darum, möglichst laut möglichst viel kaputt zu machen, es geht um die Aufrechterhaltung eines sehr, nun ja, traditionellen Männlichkeits-Verständnis und es geht natürlich auch um Familie und die Reiberein dazwischen.


Die Tonalität dieses Edel-Action-Trashfestes wird schon in den ersten Minuten gesetzt, wenn "The Rock" vor einem Drogenhändler bierernst doziert, dass er dessen Aktivitäten monatelang im DarkNet verfolgt haben will (man stelle sich das kurz bildlich vor). Sobald die beiden Streithähne dann aufeinander losgelassen werden, entwickelt sich eine Art Hochglanz-Bud-Spencer-und-Terrence-Hill-Ripoff, in dem sich die beiden durch eine seidentuchdünne Handlung prügeln, kalauern, und Schwanzvergleichen. Die Trefferquote der Pointen ist dabei auch durchaus okay, auch wenn das permanente Gedisse irgendwann zu viel wird. Und damit schwankt der Humor zwischen 'überraschend clever' und 'tiefergelegter als Shaws 2017er McLaren 720S'. Anders gesagt: Man muss als Zuschauer teilweise eine hohe Affinität für sehr schlichten Humor mitbringen, inklusive Penis- und Deine-Mudda-Jokes. Im Grunde wirkt der Film häufig wie eine freie Actionfilm-Adaption von Adam McKays Meisterwerk "Die Stiefbrüder", dessen Witz darauf fußt, dass sich zwei Mitvierziger wie Achtjährige aufführen dürfen.


Die Action ist überwiegend kreativ choreographiert, spektakulär, herrlich drüber, aber für David-Leitch-Verhältnisse sehr CGI-lastig und mitunter sogar unübersichtlich zerschnitten. Das stört jedoch nicht groß, da der Film jeden Anflug von Realismus oder Physik peinlichst genau vermeidet. Es torpediert allerdings die Strahlkraft des Bösewichtes zusehend, dass gefühlt jeden Actionszene damit endet, dass die Helden dem Bösewicht in letzter Sekunde entkommen können.


So weit, so überraschungsfrei, glücklicherweise hat Regisseur David Leitch neben Vanessa Kirby und Idris Elba noch ein paar weitere Edeljoker im Ärmel, deren Cameos an dieser Stelle nicht verraten werden. Bleiben wir also bei Kirby und Elba. Erstere bestätigt ihren tollen Actionfilm-Einstand in "Mission: Impossible: Fallout" hier in jeder Form. Dabei bleiben allerdings weniger ihre etwas vorhersehbaren "Black Widow"-Moves, sondern vielmehr ihr immer etwas linkisches und stets unberechenbares Charisma im Gedächtnis. Idris Elba gibt einen wunderbaren und extrem coolen Bösewicht, vielleicht den besten der gesamten "Fast & Furious"-Reihe, dessen Obsession für transhumanistische Optimierungen und Medienmanipulation einen perfekten Gegenpol für urkonservatives Weltbild unserer Helden bildet. Dazu gehören neben Fake-Media-Rufen eine ambivalente Fortschrittsangst, die undifferenziert zwischen Technikphobie und -begeisterung schwankt. 


Deshalb bedienen sich Hobbs und Shaw einerseits ganz selbstverständlich neuester Automobile und Spionagegadgets, der körperlich optimierte Supersoldat Brixton Lore geht ihnen dann aber doch 10 Schritte zu weit (obwohl sie ihren eigenen Körper im Fitnessstudio und durch Anabolika ja selbst optimieren). Hinzu kommt die auffällige Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln, Familie, Tradition und insbesondere auf Mutti. Das mag der "Fast & Furious"-Reihe geschuldet sein, aber es ist schon auffällig, dass sowohl Hobbs, als auch Shaw am Ende vor allem ihre Mutter stolz machen wollen. Einer wild gewordenen Technikbegeisterung und unübersichtlichen Konfliktlinien setzen unsere urkonservativen Haudegen eine archaische Stammeskultur (wortwörtlich) und klar umrissene Familienwerte entgegen. Das ist immerhin sehr konsequent und stimmig zu ende gedacht und natürlich bis ins Mark reaktionär.

7,5/10

Donnerstag, 15. August 2019

Commando: A One Man Army (Uncut Version) (2013)

https://www.imdb.com/title/tt2658126/

Karanvir Dogra (Vidyut Jamwall) ist indischer Elitesoldat in einer Spezialeinheit. Während eines Trainingsfluges kommt es eines Tages zu einem Unfall: Sein Helikopter stürzt über chinesischem Territorium ab. Die Chinesen sind sofort zur Stelle, nehmen Karanvir gefangen und foltern ihn, da Verdacht auf Spionage besteht. Nach einem Jahr Gefangenschaft schafft er es schließlich, zu flüchten. Durch den Dschungel schlägt er sich bis in seine Heimat Indien durch, wo er Simrit (Pooja Chopra) begegnet. Diese ist auf der Flucht vor einem gefährlichen und brutalen Verbrecher namens Amrit (Jaideep Ahlawat), welcher sie aus politischen Gründen heiraten will. Karanvir warnt Amrit und sein kriminelles Gefolge, Simrit aus dem Weg zu gehen, doch das erzürnt Amrit nur noch mehr. Ein Katz- und Maus-Spiel zwischen Karanvir und Amrits Männern beginnt - wird es ihm gelingen, Simrit vor den Plänen des Schurken zu retten?

Bei "Commando: One Man Army" muss man sich erst einmal extrem überwinden, diesen Film überhaupt zu starten. Wieso? Weil "Commando: One Man Army" ein Bollywood-Film ist. Und er ist genau das, was einem dabei im Hirn rumspukt: Große Gefühle, kitschige Musik, viel zu viel Gesinge und Getanze und drei Stunden Herzschmerz.

Doch trotz diverser sinnfreier und die Story kaum weiterbringender Tanzeinlagen bekommt man dann doch noch eine Art B-Action-Best-of. In der Art, wie man sie sich von Hollywood einfach mal wieder wünschen würde: ein übergroßer Held, rotzencool, eiskalt, zynisch, brutal, durchtrainiert und vor allem ein genialer Fighter, der mittels Westernthemas in jede Szene eingeführt wird und durch eine absolut nichtige Story stolpert. Dazu ein weiblicher Love Interest, die nur Grütze labert, den schweigsamen Helden aber gekonnt aufbricht und für den Zuschauer zugänglich macht. Die beiden vereint man dann im Kampf gegen einen Fiesling, der mit allen Mitteln ins Diabolische überhöht wird und mittels "Harfafa"-Chorälen seinem fiesen Tagwerk nachgeht. Nebenher verstört er mit den beschissensten Witzen aller Zeiten, killt alles und jeden und hat fiese Augen.

Zur Freude jedes B-Fans hat dieses hassenswerte Subjekt immer neue ganze Wagenladungen an Finstermännern dabei, die der Held in immer neuen Actioneinlagen zusammenfalten darf. Und wie er das tut! Karan-Darsteller Vidyut Jamwal hat ein paar spektakuläre Moves drauf. Dazu nutzt er Menschen, Baumstämme, Mauern und andere Set-Bestandteile, um sich, davon abspringend, durch die Lüfte zu schrauben und Beine und Füße auf die Gegner herabregnen zu lassen. Dabei legt er zudem eine beeindruckende Härte an den Tag. Messer und Macheten landen in allen Körperteilen, Knochen werden gebrochen, Gegner erhängt und erwürgt und freilich dürfen derbe Genickbrüche nicht fehlen. Wird geballert, endet das immer blutig… Handgemacht, wohlgemerkt! Optisch wird das hervorragend in Szene gesetzt: die Fights wirken immer übersichtlich, die Kamera fliegt dynamisch am Ort des Geschehens hin und her. Fast Forward-Sequenzen wechseln sich mit ultrastylischen Zeitlupeneinlagen ab... Kurzum: "Commando" sieht in der Action richtig fett aus. Vor allem der Schauplatz des Showdowns rockt gewaltig und wird für nette Parkour-Momente genutzt.

Das Tempo ist zackig, der Film aber eher langweilig und die dünne Story will nicht mal gegen Ende zu selbigem kommen. Allgemein ist das Finale nach dem großen Showdown die größte Schwäche des Streifens. Zwar ist es herrlich, zu sehen, wie der Oberlump mit der flachen Hand verteilte Maulschellen im Akkord kassiert, das Gewese um den dann lancierten "Rambo"-Ausklang will aber keinen rechten Sinn machen.Alles in allem irgendwie nicht Fisch, nicht Fleisch, aber in der ungeschnittenen Fassung immerhin erträglich.

4,5/10

Dienstag, 13. August 2019

Anna And The Apocalypse - Anna und die Apokalypse (2017)

https://www.imdb.com/title/tt6433880/

Anna (Ella Hunt) kann es gar nicht erwarten, dass sie endlich mit der Schule fertig ist, denn sie will unbedingt aus ihrer kleinen Heimatstadt Little Haven weg. Sie möchte die Welt sehen und etwas erleben, gerade auch weil ihr Vater andere Plänen für seine Tochter hat. Ihr bester Freund John (Malcolm Cumming) hat indes andere Probleme, denn er ist in Anna verliebt und weiß nicht, wie er ihr das sagen soll. Doch all das rückt auf einmal in den Hintergrund, als ihr Leben durch eine Zombie-Invasion auf den Kopf gestellt wird. Anna und ihre Freunde versuchen, sich auf kämpfende – und singende – Weise zu ihrer Schule durchzuschlagen, wo sie angeblich in Sicherheit sein sollen. Allerdings wissen sie nicht, ob ihre Familie und Freunde noch am Leben sind, wenn sie dort ankommen. Ganz abgesehen davon kann Anna sich nicht entscheiden, was in ihrer Situation das größte Übel ist: die Schule, Zombies, oder doch Weihnachtskonzerte?

Musicals und ich werden nur in sehr seltenen Fällen Freunde und "Anna und die Apokalypse" ist so ein Fall. Ein Film, der schon mit ""Shaun Of The Dead" trifft auf "La La Land"" beworben wird, ist ja im Grunde schon prädestiniert dafür, sich umgehend ins Herz zu spielen - einfach weil das so herrlich absurd ist. Und tatsächlich ist dieser Anheizer hier nicht nur eine hohle Phrase oder Verkaufsmasche, sondern trifft tatsächlich den Kern des Ganzen, denn "Anna und die Apokalypse" funktioniert tatsächlich gleichermaßen als (zurückhaltendes) Musical wie auch Zombie-Horror-Komödie, so dass Fans beider Genres sich regelrecht im Himmel wähnen werden. Zwar merkt man deutlich, dass der von John McPhail inszenierte Film gleichermaßen auch als Coming-of-Age-Musical ohne Zombies oder alternativ Horror-Komödie mit gehörigem Splatter-Anteil funktioniert hätte, doch macht eben gerade erst die Verquickung beider Ansätze den besonderen Reiz dieses eigenwillig-einzigartigen Weihnachtsfilms aus, den man sich auch wunderbar unterjährig ansehen kann.

Dabei verlässt sich "Anna und die Apokalypse" aber auch nicht über Gebühr auf Konzept und Prämisse, um damit über dramaturgische Schwächen hinwegzutäuschen, sondern flicht tatsächlich aus all den Versatzstücken ein großes Gesamtkunstwerk. Das kommt prompt fetzig und mitreißend daher und versteht bereits mit den ersten beiden Songs "Break Away" sowie "Hollywood Ending" prompt für sich einzunehmen, transportiert darüber hinaus aber auch Gedanken oder Gefühle seiner Protagonisten, die eben allesamt dem Gefühl nach zwar aus jedem x-beliebigen Indie-Drama entsprungen sein könnten, aber auch jeweils ihre Ecken und Kanten haben, authentisch, frisch und unverbraucht wirken, was sicherlich auch mit dem weitestgehend unbekannten Cast zusammenhängen mag. So macht McPhail das Beste, was man mit Musical-Nummern anstellen kann, und trägt und erweitert mit den Songs die Geschichte, statt sie als bloßes Showcase oder Gimmick zu behandeln, schafft mit ihnen ein tieferes Verständnis für die Figuren und die Handlung und liefert vor allem eine Punktlandung nach der nächsten ab, die sich thematisch ganz dem vorherrschenden Ton des Geschehens anpasst, ob es sich nun um das alberne "The Fish Wrap", die anrührende Power-Ballade "Human Voice" oder das heroisch, sich aufbäumende "Give Them A Show" handelt.

Fernab der Musical-Sparte weiß "Anna und die Apokalypse" auch dem Zombie-Part gerecht zu werden und ist einerseits ansprechend explizit inszeniert – wenn es auch nicht über Gebühr derb wird – und weiß zudem mit ein paar herrlich schrägen Einfällen zu punkten, wie man die Zombies bestmöglich zur Strecke bringt oder ablenkt. Die Tötungen selbst werden zwar auch oft genug dem Anspruch gerecht, dass es sich eben auch um eine Komödie handelt, doch findet sich hier auch einiges an Dialogwitz, der einen manches Mal lauthals lachen lässt. Dann aber geht McPhail auch schon wieder ungewohnte Wege, denn was er nicht macht, ist seine Figuren einem müden Gag zu opfern. So kann man sich freilich darauf einstellen, dass nur ein Bruchteil der Gruppe an Überlebenden auch am Ende noch aufrecht und unversehrt stehen wird, doch statt das Ableben der weniger Glücklichen zum Teil eines Gag-Feuerwerks zu machen, werden die Tode überraschend tragisch und berührend behandelt, wodurch die Protagonisten des Films deutlich nahbarer und glaubhafter wirken, während es einzig das Setting ist, dass vor Absurdität strotzen darf.

Damit gelingt hier, woran viele Filme sich verzweifelt die Zähne ausbeißen, denn einerseits hat man es bei "Anna und die Apokalypse" auf den ersten Blick mit Trash der allerfeinsten Sorte zu tun, andererseits fiebert man aber auch gehörig mit den Figuren mit und muss sich mühen, nicht an der einen oder anderen Stelle ein Tränchen zu verdrücken, während die versammelte Schar Überlebender einem zusehends ans Herz wächst. John McPhail liefert mit seinem Film die wohl denkbar schönste Verquickung aus zwei nur auf dem Papier unvereinbar scheinenden Genres und inszeniert ein bestens aufgelegtes, anrührendes wie mitreißendes Mashup aus Highschool-Musical, Coming-of-Age-Drama und Zombie-Comedy mit einem Hauch Horror, einer gefälligen Portion Splatter und vor allem zahllosen Ohrwürmern.

7,5/10

Montag, 12. August 2019

Sleepwalkers - Schlafwandler (1992)

https://www.imdb.com/title/tt0105428/

Tanya Robertson (Mädchen Amick) ist ein ganz normaler, vom Kleinstadtleben gelangweilter Teenager. Im verschlafenen Nest Travis, Indiana passiert schließlich nicht viel Aufregendes. Da kommt der frisch in die Stadt gezogene und überaus gutaussehende Charles (Brian Krause) gerade recht. Tanya und er begegnen sich in einem Kurs an der örtlichen High-School, und es scheint Liebe auf den ersten Blick zu sein. Da stört es Tanya zunächst auch nicht, dass an dem charmanten Jungen so Einiges merkwürdig erscheint. Nicht nur, dass Charles ein ungewöhnlich enges Verhältnis zu seiner verwitweten Mutter Mary (Alice Krige) pflegt - er hat auch noch panische Angst vor Katzen. Die beiden Teenager treffen sich zu einem Rendezvous in der Nähe des Friedhofs. Dort muss Tanya mit Schrecken feststellen, dass Charles viel mehr von ihr will, als einen Kuss: Er will ihr Leben. Denn Charles und seine Mutter sind Schlafwandler, dämonische, vampirartige Wesen, die ihren jungfräulichen Opfern Lebensenergie aussaugen und sich als normale Menschen tarnen. Sie sind unsterblich und fürchten nichts – außer Katzen! Denn deren Krallen sind die einzige Waffe, die den Schlafwandlern tödlichen Schaden zufügen kann...

Auf der Erde geht eine uralte Rasse von Katzenwesen umher, die schon von den Sumerern erwähnt werden. Diese Chimären nähren sich von menschlicher Lebensenergie, die sie ihren jungfräulichen Opfern aus dem Leib saugen. Da dabei ungünstigerweise Tote entstehen müssen die Zwitterwesen häufiger ihren Wohnort verlassen und umziehen. Verfolgt werden sie dabei von Katzen, die ihre größten Feinde sind da schon ein Kratzer sie umbringen kann. Der Film ist ganz ein Kind der 90er und entspricht daher tricktechnisch den 90er TV Standards. Dazu muss es bei Stephen King immer ein Schreiber sein, es muss in Maine spielen und goldener Herbst sein. Irgendwie kippt der Film in der zweiten Hälfte und wird zum Slasher. Dabei handeln alle Akteure kopflos und dumm. Schade - denn man hätte was mystisches und episches schaffen können. Ist aber dann doch nur ein längerer TV Film Marke "Geschichten aus der Gruft" geworden.

Das größte Problem von Garris' Film liegt eindeutig in den unzureichend definierten Fähigkeiten der Hauptfiguren. Mit Schlafwandlern im herkömmlichen Sinne haben Charles und seine Mutter nämlich nichts gemein. Vielmehr können sie bei Bedarf ihre Gestalt (und die ihres Wagens) ändern und sich unsichtbar machen. Zudem verfügen sie über enorme Körperkraft und können Anderen deren Kräfte entziehen. Wenn all diese Fähigkeiten im Verlauf des Films jedoch zum Tragen kommen, geschieht dies allerdings vollkommen beliebig und ohne jede erklärende Einordnung für den Zuschauer. Ähnliches gilt auch für die Katzenphobie, unter der Mutter und Sohn zu leiden haben. So ist "Schlafwandler" dann auch im ersten Drittel am stärksten, in welchem die Charaktere eingeführt werden und Garris eine durchaus einnehmende Atmosphäre aufzubauen weiß. In dieser Phase schockiert "Schlafwandler" mehr mit der inzestuösen Beziehung zwischen Mutter und Sohn als mit billigen Effekten. Sobald Letztere im weiteren Verlauf dann nämlich immer mehr im Vordergrund stehen, driftet der Film geradewegs in Richtung Trash. Zugute kommt "Schlafwandler" dabei immerhin noch sein flottes Tempo sowie einige herrlich verrückte Ideen und ordentlicher Blutgehalt. Mit u.a. Mark Hamill, Ron Perlman, John Landis, Joe Dante, Tobe Hooper, Clive Barker sowie Stephen King persönlich gibt es darüber hinaus einige charmante Cameos.

Auf magische Weise ist der ganze Irrsinn doch noch irgendwie unterhaltsam. Gerade der Soundtrack Enyas "Boadicea" wird hier mehr als gelungen eingesetzt so dass teilweise eine wirklich epische Stimmung entsteht. Hier hätte noch viel mehr draus werden können, aber für ein Kind seiner Zeit ist "Schlafwandler" so wie er ist ganz okay.

6,5/10

Sonntag, 11. August 2019

From Dusk Till Dawn 2: Texas Blood Money (1999)

https://www.imdb.com/title/tt0120860/

Buck (Robert Patrick) erfährt aus dem Fernsehen, dass sein alter Kumpel Luther aus dem Gefängnis getürmt ist. Kurz darauf meldet sich Luther bei ihm, um ihm ein todsicheres Ding vorzuschlagen. Buck gefällt das Angebot. Er trommelt die alte Gang - lauter zwielichtige Gestalten – zusammen. Als Luther auf dem Weg zum Treffpunkt eine Fledermaus in den Kühler fliegt, lässt er sich in eine Bar mit dem komischen Namen "Titty Twister" mitnehmen. Doch als die Insassen des "Titty Twister " von Luthers Unfall mit der Fledermaus hören, reagieren sie mehr als seltsam. Währenddessen wartet der Rest der Gang im Motel "El Coyote" auf ihren Tippgeber. Doch als der dort endlich eintrifft, hat er sich stark verändert. Und plötzlich riecht es nach einer Menge Ärger...

Ist "From Dusk Till Dawn 2: Texas Blood Money" eine Sequel oder ein Prequel? Der "Titty Twister" steht hier wieder, ebenso der im ersten Film erledigte Danny Trejo (auch wenn er hier eine andere Rolle spielen soll, was aber nicht weiter auffällt). Und abgesehen von den zwei Minuten die im "Titty Twister" spielen hat der Film mit dem legendären Original kein bisschen zu tun: das ganze ist ein völlig eigenständiger Vampirschocker der eben nur den Kniff in der Handlung hat dass die Blutsauger aus dem "Titty Twister" kommen - Punkt. Aber immerhin: das Massaker zwischen Bullen, Ganoven und Vampiren in der letzten halben Stunde ist zwar hammerhart und ultrabrutal, dabei aber auch packend und spannend, handwerklich ist das ganze recht ordentlich inszeniert und das fiese Gangstertrüppchen schafft es auch durchaus mal den ein oder anderen verbalen Treffer zu landen.

Damit ist "From Dusk Till Dawn 2" eigentlich isngesamt kein schlechter Film. Die Darsteller sind solide, die Inszenierung ist gut, es fließt ordentlich Blut, die Effekte sind gut und der Score ist passend. Da der Vergleich mit dem ersten Teil aber nicht ausbleibt, ist der Film dann doch eine Enttäuschung. Eine Fortsetzung mit George Clooney und Juliette Lewis hätte zwar nicht zwangsläufig besser sein müssen, hätte aber dennoch sehr viel besser werden können. Als eigenständiger Film betrachtet bietet "From Dusk Till Dawn 2" solide Horrokost, die recht kurzweilig ist, als Fortsetzung sollte man ihn aber besser nicht ansehen, denn dann könnte man doch arg enttäuscht sein. Somit resultiert ein einfacher Videothekenmetztelfilm mit populärem Titel – nicht richtig gut, nicht richtig schlecht.

6/10

Von STUDIOCANAL / MIRAMAX erschien der Film nun als Trilogie in HD im limitierten Mediabook.