Montag, 18. November 2019

Trauma - Trauma: Das Böse verlangt Loyalität (2017)

https://www.imdb.com/title/tt6705640/

Vier Frauen wollen einige Tage in einem abgeschiedenen Ferienhaus in der Landschaft Lateinamerikas verbringen. Doch werden sie direkt am ersten Abend von zwei Männern angegriffen und brutal misshandelt. Die Frauen, die die Attacke überlebt haben, versuchen am nächsten Tag zu fliehen. Doch scheint es kein entkommen zu geben, denn ihre Peiniger leiden selbst unter einem schrecklichen Trauma und haben jegliche Skrupel verloren...

Oft werden Filme mit der Superlative "Der brutalste Film aller Zeiten" beworben und mittlerweile wird mit dieser Phrase so beliebig um sich geworfen, dass man am Ende nur enttäuscht sein kann. Bei "Trauma" hieß es, dass dies die Antwort auf "A Serbian Film" aus Chile sein soll. Die Überraschung kam doppelt. Nicht nur, dass "Trauma" wirklich ein sehr fieses Werk ist; er ist zeitgleich auch noch echt gut gemacht, was ihn im Endeffekt nur noch derber erscheinen lässt. Im Grunde genommen bekommt man storytechnisch einen weiteren Rape'n'Revenge-Streifen geboten. Vier Freundinnen begeben sich in Chile auf die Reise in einen abgelegenen Ort und werden Opfer einer derben Vergewaltigung. Bis hierhin ist der Plot wirklich ganz "normal", aber "Trauma" sollte man trotzdem nicht unbedingt als reinen Schund abtun. Wenn man sich nämlich bewusst macht, dass er aus Chile stammt und wenn man sich ein wenig über die lang herrschende Militärdiktatur informiert, bekommt das Szenario in diesem Film eine weitere Ebene, die sich politisch auffassen lässt. Die Grausamkeit, die in "Trauma" geschieht, besitzt einen Hintergrund – der Filmtitel verrät darüber auch schon einiges. Die Story lässt sich also ganz leicht als weiteren, menschenverachtenden Dreck ansehen oder aber man schaut genauer hin und erkennt hier eine Substanz, die solche Werke sicherlich nicht oft haben. Dies soll jeder für sich selbst entscheiden, doch man könnte dem Drehbuch tatsächlich einen Hauch von Anspruch attestieren.

Aber warum ist der Film dermaßen derb? Schwer zu erklären ist das nicht. Schon in der Anfangsszene (die es bei der deutschen Veröffentlichung gar nicht zu sehen gibt) werden keine Gefangenen gemacht. Dort paart man Torture-Porn mit Inzest; eine wirklich abartige Szene, die allerdings nur die Marschrichtung vorgibt und noch nicht das Ende der Fahnenstange bedeutet. Es ergibt übrigens gar keinen Sinn diese Szene zu entfernen, denn sie besitzt doch eine enorme Wichtigkeit, um die Grausamkeiten, die noch folgen werden, zu erklären. Sicherlich kann man behaupten, dass Regisseur Lucio A. Rojas das alles so krass bebildert, um den reinen Selbstzweck zu bedienen. Richtig kranke, brutale Stoffe lassen sich eben auch gut vermarkten. Teilweise ist es sicherlich auch der Selbstzweck des Tabubruches wegen, doch diese Gedanken kann man getrost beiseite schieben. Danach ist es vor allen Dingen gut gelungen, dass es eine längere Einleitung gibt. Die vier Mädels werden recht sympathisch vorgestellt und sind nicht zu belanglos. Das macht den Rest dann nur noch schwerer erträglich. In der zweiten Hälfte ereignen sich dann alle abscheulichen Grausamkeiten. Viel menschenverachtender könnte es nicht zur Sache gehen. Und Rojas ist sich dem wohl bewusst, baut immer wieder erotische Momente als Kontrast ein, so dass man sich seiner eigenen Gefühlsregungen nur noch unsicherer sein kann. Dass man "Trauma" nicht nur auf die ekelhaften Szenen reduzieren kann, liegt an seiner handwerklich wirklich guten Umsetzung. Der Film wirkt überhaupt nicht billig, besitzt gute Kulissen, die so richtig schön heruntergekommen aussehen und sich bestens anbieten. Die Inszenierung ist effektiv, die Darsteller sind ziemlich gut und dazu gibt es auch noch einen gelungenen Score, der das bestens ergänzt. Die Stimmung, die "Trauma" entstehen lässt, ist eiskalt, dreckig und unsagbar böse; Humor braucht hier niemand zu suchen. Und dann wären da eben noch die guten Effekte. Weil der Splatter so gut getrickst wurde, wirkt die Gewalt zu jedem Zeitpunkt ziemlich echt und es ist am ehesten diese Kombination, die das Ganze so heftig macht. Es wird gar nicht andauernd gesplattert; diese Szenen kommen seltener vor, besitzen im Zusammenspiel mit den kranken Ideen aber eine ungeheure Wucht. Mit seinen 107 Minuten besitzt "Trauma" im Endeffekt zwar ein paar Längen und flacht zum Ende hin auch ab, trotzdem bietet er eine gewisse Spannung und eben weil er so derb ist, kann er den Zuschauer relativ stark fesseln.

"Trauma" ist unterm Strich ein böser und kranker Film, der es aber nicht verdient hat, nur auf seine tabubrechenden Szenen reduziert zu werden. Dafür ist das alles zu hochwertig gemacht und besonders die Kulissen sind echt stark. Außerdem kann man in die Handlung eine Substanz hinein interpretieren, was bei solchen Werken nicht oft der Fall ist. Am Ende ist das hier absolut nichts für schwache Nerven und man kann jeden verstehen, der das für kranken Mist hält.Wer sich darauf einlassen kann, den zieht die eiskalte Atmosphäre in ihren Bann. In Deutschland erschien "Trauma" mal wieder nur gekürzt, und zwar um über 10 Minuten, dabei ist der Film tatsächlich und vor allem wegen der einleitenden Szene nur uncut empfehlenswert, denn die Brutalität ist hier wichtig für das Endergebnis.

6,5/10

Sonntag, 17. November 2019

Trautmann (2018)

https://www.imdb.com/title/tt4642192/
Mit gerade einmal 17 Jahren wird Bernd Trautmann (David Kross) in die Wehrmacht eingezogen und gerät als Soldat gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in Kriegsgefangenschaft in der Nähe von Manchester. Die deutschen Soldaten veranstalten während ihrer Gefangenschaft Fußballspiele und bei einem dieser Spiele ist auch Jack Friar (John Henshaw), Trainer des kleinen Vereins St. Helens, anwesend, der sofort Trautmanns großes Talent als Torwart erkennt. Friar engagiert den deutschen Soldaten als Torhüter für St. Helens, doch dort bleibt er nicht lange, auch wenn er sich in Margaret (Freya Mavor), die Tochter seines neuen Trainers, verliebt hat: Schon bald verpflichtet der äußerst erfolgreiche Club Manchester City Trautmann als Keeper, was von den Fans allerdings mit Entrüstung aufgenommen wird, schließlich gehört Trautmann zu den ehemaligen Feinden. Erst während des legendären FA-Cup-Finales von 1956 gelingt es dem deutschen Torwart, die Herzen der Fans zu erobern…

Der neue Film von Regisseur Marcus H. Rosenmüller erzählt die Geschichte von Bernhard Carl Trautmann. "Bert" nannten ihn die Briten schon in der Zeit seiner Kriegsgefangenschaft, da es ihnen schwerfiel, Bernd, die Kurzform seines Vornamens, korrekt auszusprechen. Trautmann (* 22. Oktober 1923 in Bremen-Walle; † 19. Juli 2013 in La Llosa, Valencianische Gemeinschaft, Spanien) war ein deutscher Fußballspieler, der in seiner aktiven Zeit als einer der besten Torhüter der Welt galt. In England unvergessen ist das Finale des FA Cups 1956 im Londoner Wembley-Stadion, in dem Manchester City gegen Birmingham City antrat und 3:1 gewann. In der 75. Spielminute warf sich Trautmann in eine flache Hereingabe vor den Fünfmeterraum und wurde dabei von Birminghams Stürmer Peter Murphy mit dem Knie im Nacken getroffen. Da zu dieser Zeit noch keine Auswechslungen erlaubt waren, spielte Trautmann auch die restliche Viertelstunde und avancierte zum Spieler des Tages, weil er trotz Verletzung sein Tor verbissen gegen das anstürmende Birmingham sauber hielt. Eine Röntgenuntersuchung drei Tage nach dem Spiel ergab, dass Trautmann sich bei dem Zusammenprall mit Murphy einen Genickbruch zugezogen hatte und fünf weitere Halswirbel ausgerenkt waren. Diese Verletzung hätte unter unglücklichen Umständen tödlich enden können. Er war gezwungen, fünf Monate von Kopf bis zu den Hüften in Gips eingehüllt zu verbringen und musste danach mit einer Schutzkappe spielen.
(Quelle: Wikipedia)

Bei "Trautmann" entschloß sich der Regisseur zu der Mammutaufgabe, fast das gesamte Leben von Bernhard Carl Trautmann nachzuerzählen. Und obwohl der Film mit seinen 120 Minuten bereits eine stattliche Länge aufweist, musste Marcus H. Rosenmüller an der ein oder anderen Stelle zwangsläufig Kürzungen vornehmen. Das merkt man besonders im letzten Viertel des Films. Denn dort wirkt das Geschehen leider arg gestaucht und den einzelnen Entwicklungen im Leben Trautmanns wird nicht genug Zeit eingeräumt. Deswegen wirkt die Nacherzählung von durchaus prägenden Ereignissen in der zweiten Hälfte seines Lebens wie die stoische Abarbeitung einer Checkliste. Doch bis dahin lässt sich der Film angenehm viel Zeit und gewährt sowohl Charakteren als auch Story ausreichend Luft zum Atmen. In der deutschen Fernsehlandschaft wäre der Film vermutlich direkt als Zwei- oder sogar Dreiteiler angelegt worden.

Ein großes Thema im Leben von "Bert" Trautmann war der Umgang mit seiner Zeit in der deutschen Luftwaffe. Verbunden mit seinem Engagement bei Manchester City sorgte dies im Nachkriegs-Britannien dementsprechend für viel Sprengkraft und diverse Anfeindungen. Dieses Spannungsfeld überträgt der Film sehr gut und in jeder Szene nachvollziehbar auf den Zuschauer. In seinen besten Szene kann man die Spannung zwischen den Charakteren förmlich spüren und wartet nur auf eine Eskalation zwischen den Parteien, die sich nur Jahre zuvor im Zweiten Weltkrieg gegenseitig bekämpft hatten. Brisant ist diese Thematik gerade wieder. Obwohl der Film eine Geschichte erzählt, die vor über einem halben Jahrhundert stattgefunden hat, liefert er genug Denkanstöße und Ansatzpunkte für eine Einordnung in den Kontext der heutigen Gesellschaft.

Das schöne ist: "Trautmann" sieht definitiv nach Kino aus. Dass man das bei deutschen Filmen anmerken muss, ist zwar traurig, durch viele deutschen Kinofilme aus den letzten Jahren, die eher nach TV-Produktionen aussahen, aber unumgänglich. Der Film wirkt über die kompletten 120 Minuten sehr wertig und ist durchweg gut inszeniert. Auch die Fußballszenen, besonders diejenigen im altehrwürdigen Maine Road Stadium von Manchester City, überzeugen auf ganzer Linie trotz relativ vieler Schnitte. Störend fällt allerdings die Synchronisation auf. Im Original auf Englisch vertont, wurde "Trautmann" für den deutschen Markt komplett synchronisiert. Das führt zu einigen seltsam anmutenden Szenen, in denen die Darsteller spielen, dass sie ihr Gegenüber nicht verstehen, alle Charaktere aber perfektes Deutsch sprechen. Da wäre ein wenig mehr Mut und etwas mehr Glaube an ein mündiges Publikum wünschenswert gewesen.

Aber fernab von solchen Patzern erzählt "Trautmann" eine gute, wahre Geschichte, übernimmt sich lediglich etwas mit der Idee, ein ganzes Leben in einen Kinofilm von 120 Minuten zu zwängen, was im etwas antiklimaktisch wirkenden letzten Viertel störend auffällt. Bis dahin bekommt man ein tadellos inszeniertes und packendes deutsches Drama serviert, welches beim Zuschauer in den emotionalen Szenen die richtigen Knöpfe zu drücken vermag. Verbunden mit kleinen Schlenkern im Drehbuch, die auch für Leute, die über das Leben von Bert Trautmann Bescheid wissen, Spannung und Aha-Effekte in das Geschehen bringen, überzeugt "Trautmann" im Gesamtbild auf fast ganzer Linie. Unter dem Strich bleibt eine klare Schauempfehlung, auch für ausgemachte Fußballmuffel.

8/10

Samstag, 16. November 2019

The Way Of The Gun - Way Of The Gun (2000)

https://www.imdb.com/title/tt0202677/

Die Kleinkriminellen Mr. Parker (Ryan Phillippe) und Mr. Longbaugh (Benicio Del Toro) haben nicht viel Geld. Samen- und Blutspenden halten sie über Wasser. Ihre Chance auf den großen Reichtum sehen sie greifbar, als sie von der schwangeren Leihmutter (Juliette Lewis) einer reichen Familie hören, Robin (Juliette Lewis). Kurzerhand entführen sie die junge Frau und verlangen 15 Millionen Dollar Lösegeld für sie. Mr. Chidduck (Scott Wilson), Robins reicher Chef, will die Entführung ohne Geldzahlung beenden - und auch ohne Polizei, weil er selbst in illegale Geschäfte verwickelt ist. Währendessen spitzt sich die Lage im Auto der Entführer zu: Robins Kind kann jeden Moment zur Welt kommen, und die Verfolger lassen nicht locker...

"The Way Of The Gun" hat auf jeden Fall seine Schwächen. Zum einen ist die Geschichte um zwei Kleinganoven, die das große Geld wittern, nicht wirklich ausgegoren. Mal bewegt sich der Film hin zum schnörkellosen Actiontrhiller, dann schlägt es um Richtung Drama um dann wieder komödiantische Merkmale aufzuweisen. Das Problem des Films ist, das er sich nicht entscheiden kann. Auf der einen Seite will er eine Gangsterballade ala Tarantino oder Guy Ritchie sein, auf der anderen ein glaubhaftes Actiondrama dass durchaus Emotionen zulässt. Das ist ein Ritt auf einem schmalen Grat, so entwickeln sich viele sprunghafte Szenen, die dem Werk nicht gut tun und so kann man auch nachvollziehen, wenn andere Kritiker hier mehr Punkte abziehen.

Auf der anderen Seite jedoch punktet der Film auf jeden Fall mit seiner Action, die realistischer ist, als in 90 Prozent aller Actionfilme. Hier wird nicht sinnlos drauflos geballert. Es wird taktisch vorgegangen, die beteiligten Personen bleiben zumeist ruhig und alle stellen sich auch nicht dumm an. Vor allem die letzten zwanzig Minuten sind wirklich spannend und lassen so den Leerlauf, der sich hin und wieder im Mittelteil einstellte, vergessen. Der Wendungen sind es tatsächlich zu viele, als das ein menschliches Hirn sie alle logisch nachvollziehen kann. Doch das ist gerade der Sinn der ganzen Sache. Jeder hier dreht sein eigenes Ding - und keiner ist ein Superheld, nicht mal ein Held, eher ein Haufen von Antihelden. Es sind kleine Ganoven, die, wenn sie intelligenter wären, nicht Ganoven geworden wären. Und so handeln sie auch nicht so genial wie die gottähnlichen Superhelden aus den gängigen Actionthriller - dafür haben sie emotional umso mehr zu bieten.

Die Schauspieler sind allesamt in Ordnung, auch wenn Ryan Phillipe einfach nur grottig synchronisiert wurde. Generell ist die Synchro zum Vergessen. Trotz dessen ist "The Way Of The Gun" spannend und in seiner Ausführung konsequent. Der Film hätte mehr sein können, ist aber so, wie er jetzt ist trotzdem unterbewertet und zu Unrecht so unbekannt. Alles in allem, ein Actionthriller mit viel Situationskomik, menschlicher Ironie und sympathischen Losertypen, der mal ganz anders funktioniert als die gängigen Actionthriller und daher eher als feinfühlige Actiontragödie zu bezeichnen ist: für feinfühlige Actionthrillerliebhaber sehenswert. Ein kleiner, aber überzeugender Ganovenfilm, mit dem ein oder anderen markigen Spruch und einer zu deutlichen Anlehnung an ältere Genreklassiker.

7,5/10

Von KOCH Media erschien der Film im limitierten Mediabook. Dieses beinhaltet den ungeschnittenen Film auf Blu-ray und DVD, sowie jede Menge Bonusmaterial.

Freitag, 15. November 2019

Frailty - Dämonisch (2001)

https://www.imdb.com/title/tt0264616/

Ein junger, ungepflegter Mann namens Fenton Meiks (Matthew McConaughey) behauptet, die Identität des seit 1979 gesuchten "God's Hand"-Serienkillers lüften zu können. Dem FBI-Agenten Doyle (Powers Boothe) wird der Mann immer verdächtiger. Fenton behauptet steif und fest, den seit Jahrzehnten gesuchten Mörder zu kennen und sogar sein Bruder zu sein. Der Bericht des jungen Mannes führt zurück ins beschauliche Texas der 70er Jahre und eröffnet eine bedrückende Reise in den Wahnsinn. Doyle hört, dass Fentons Vater angeblich von religiösen Wahnvorstellungen getrieben ist und dass Fenton glaubt, dessen Familie sei von Gott dazu auserkoren, Dämonen in Gestalt von normalen Menschen zu vernichten...

Der Psychothriller aus dem Jahr 2001 punktet vor allem mit seiner ruhigen Erzählweise, die dennoch eine intensive, düstere und fesselnde Atmosphäre ausstrahlt. Langsam und stetig wird der Spannungsbogen aufgebaut, der bis zum Schluss Spannung pur bietet. Und immer schwingt etwas Beklemmendes und Mysteriöses in der Handlung, die gekonnt permanente Neugier erzeugt. Langweilig wird es nie. Überzeugend wird der Vater-Sohn-Konflikt dargestellt, der in dieser morbiden Serien-Mörder-Story eingebettet ist. Über weite Strecken speist sich das Grauen in "Dämonisch" daraus, dass der Vater seinen Söhnen seine Vision aufnötigt und sie zwingt, an seinem grausigen Tun teilzuhaben. Das steht und fällt mit den schauspielerischen Leistungen des Trios – es steht, die drei harmonieren vorzüglich miteinander. Die Szenen, in denen Papa Meiks – sein Vorname wird nicht genannt – vor den Augen seiner Söhne die Axt gegen seine gefesselten Opfer hebt, prägen sich nachhaltig ein. Wenn sich der junge Fenton mehr und mehr verstört zeigt und überlegt, wie er seinem Vater Einhalt gebieten kann, überträgt sich seine Verängstigung gelungen auf die Zuschauer.


Bill Paxton ist ein großartiger Schauspieler. Leider verstarb er 2017 während einer Operation. Das er als Regisseur etwas taugt, zeigt sein Werk eindrucksvoll. Aber auch seine beiden Söhne, gespielt von Matt O'Leary und Jeremy Sumpter machen einen hervorragenden Job. Gelungene Twists und eine wahrlich überraschende Wendung am Filmende verleihen dem Film zusätzlich eine schmackhafte Würze und pushen ihn qualitativ nach oben. Die Gewalt ist zwar jederzeit präsent, wird aber nicht drastisch gezeigt – sobald die Axt schwingt, folgt der Schnitt. Splatterfans mögen das missbilligen, es nimmt "Dämonisch" aber nicht ein bisschen von der Intensität, die den Horrorthriller auszeichnet. "Frailty" (englisch für Zerbrechlichkeit, Schwächlichkeit) lautet der Originaltitel, das war dem deutschen Verleih vielleicht fürs hiesige Publikum zu vage, weshalb man sich für das etwas deutlichere "Dämonisch" entschied – kann man machen. Eine Wendung zum Finale setzt dem hoch spannenden Geschehen dann noch die Krone auf. "Dämonisch" ist ein großartiger Thriller, der fesselt und mitnimmt.

8,5/10

Von KOCH Media erschien der Film im limitierten Mediabook. Dieses beinhaltet den ungeschnittenen Film auf Blu-ray und DVD, sowie jede Menge Bonusmaterial. 

Donnerstag, 14. November 2019

En las Afueras De La Ciudad - Hidden In The Woods (Unrated) (2012)

https://www.imdb.com/title/tt1920956/

Ana (Siboney Lo) und Anny (Carolina Escobar) sind Schwestern, die von Kindesbeinen an den schweren Misshandlungen ihres drogendealenden Vaters (Daniel Antivilo) ausgesetzt waren und in kompletter Isolation aufgewachsen sind. Als die Polizei Jahre später Wind von der Sache bekommt und sich der verwahrlosten jungen Erwachsenen annehmen möchte, bringt der Vater zwei der Polizisten auf grausame Weise mit einer Kettensäge um. Zwar wird der Peiniger der Mädchen zur Rechenschaft gezogen und kommt ins Gefängnis, aber die Schwestern fliehen zusammen mit ihrem Bruder zu einer Hütte im Wald, wo sie vom Regen in die Traufe geraten. Der psychotische Drogenbaron Castello (François Soto), bei dem es sich um den Onkel der Geschwister handelt, erscheint und will um jeden Preis seine Ware wiederhaben. Dafür würde er auch über Leichen gehen.

Bei "Hidden In The Woods" handelt es sich um einen der Skandalfilme des Jahres 2012. Düster, dreckig, hart und für eine deutsche Veröffentlichung musste er zudem ordentlich Federn lassen. In der vorliegenden ungeschnittenen Fassung kann man den Ruf jedoch nicht ganz nachvollziehen. Es ist zwar ein expliziter und gleichzeitig harter Film, jedoch nichts, was man an anderer Stelle, bzw. in anderem Kontext so nicht schon einmal gesehen hätte.

"Hidden In The Woods" ist damit zwar auch kein totaler Reinfall aber weitaus hinter seinen Möglichkeiten. Dabei sollte man natürlich den Low-Budget-Charakter nicht aus den Augen verlieren. Immerhin ist die Atmosphäre wirklich solide und dank der erdig-gelben Farbgebung stimmig. Die Story ist auch recht gut und weiß zu überzeugen. Ein klassischer Rape&Revenge-Streifen (wie angekündigt) ist er jedoch nicht. Richtig schlimm ist die deutsche Synchronisation. Viel zu oft wirkt die Betonung aufgesetzt und unnatürlich. Damit einhergehend ist die Kamera bzw die Schnittführung unübersichtlich und zieht das Treiben oft ins Lächerliche. Hier sieht man dem Film den Low-Budget-Charakter an. Insbesondere bei den Gewaltakten wirken die Umschnitte unprofessionell und erinnern an deutsche Gore-Amateurwerke. Und apropos Gewalt... sicher ist der Film nicht ohne, doch die Darstellung der Exzesse verfehlt oft aufgrund der stümperhaften Schnitte ihre Wirkung. Ob wirklich so viele Schnitte notwendig waren um den Film nicht doch ungekürzt durch die FSK zu bringen ist fraglich. Negativ fallen auch so manche Handlungsweisen der Darsteller ins Auge, die einfach selten dumm, klischeehaft und vorhersehbar handeln, sodass manche Situationen eher unlogisch gehandhabt werden.

"Hidden In The Woods" könnte man als gut gemeinten Versuch ansehen. Die Story kann verhältnismäßig adäquat unterhalten uns gibt einiges her. Längen sind auch nicht weiter zu verzeichnen, das Treiben präsentiert sich recht flott. Am meisten ärgert die Synchronisation und die stümperhafte Inszenierung, die leider viel Potenzial verschenken. So ist "Hidden In The Woods" noch okay, aber kein Must-See.

5/10

Dienstag, 12. November 2019

Robin Hood: Men In Tights - Robin Hood: Helden in Strumpfhosen (1993)

https://www.imdb.com/title/tt0107977/

Robin von Loxley (Cary Elwes) wird bei den Kreuzzügen unter König Richards (Patrick Stewart) Fahne gefangen genommen und ins Verlies gesperrt. Mit Hilfe eines arabischen Mitgefangenen namens El Niesreiz (Isaac Hayes) gelingt ihm die Flucht. Beim Abschied verspricht er ihm, sich um dessen Sohn Hatschi (David Chappelle) zu kümmern, der sich zur als Austauschstudent in England aufhält. Während König Richard auf den Kreuzzügen war, hat sich dessen Bruder, der kaltherzige Prinz John (Richard Lewis) selber zum Alleinherrscher über England ernannt. Mit Unterstützung des skrupellosen Sheriffs von Nuttingham (Roger Rees) unterdrückt er das arme Volk und beutet es nach Strich und Faden aus. Als Robin zu seinem Schloss zurück kehrt, erfährt von Blinzler (Mark Blankfield), dass seine Eltern gestorben sind. Gemeinsam mit Little John (Eric Allan Kramer) und Will (Matthew Porretta) stellt er sich den reichen Emporkömmlingen.

Leider etwas zu spät: Mel Brooks hatte seine große Zeit in den siebziger und achtziger Jahren und war damals wohl der absolute Hit - diese "Robin Hood"-Verlade wäre damals wahrscheinlich auch ein großer Brüller gewesen. Zu der Zeit als sie kam und auch heute kann man sie leider nur noch als eine Blödelei nehmen, nicht besonders ernst zu nehmen und von Grund auf nicht versaut oder eklig sondern durch und durch harmlos. Brooks selber beschränkt sich auf eine kleine Nebenrolle und überläßt dem gar nicht mal so schlechten Cary Elwes das Feld - der kann aber auch nur das machen was das dünne Drehbuch ihm vorgibt.

Sieht man davon einmal ab, bleibt ein Klamauk, der sich stark an "König der Diebe" bzw. den Roman von Howard Pyle orientiert, was für eine Parodie ja durchaus verständlich ist. Ernst nehmen braucht man in diesem Film jedenfalls nichts. Dave Chapelle als Hatschi, ein tuntiger Prinz John, ein notgeiler, oftmals sprachbehinderter Sheriff, ein doch recht witziger blinder Helfer Robins mit dem treffenden Namen "Blinzler", Little John, der doch ziemlich groß ist oder Patrick Steward als König Richard - die oft benutzte Phrase "Hirn ausschalten" darf man bzw. muss man hier ruhig ernst nehmen. So wird ja zum Beispiel auch Robin Hoods elterliche Burg abgeschleppt, weil keine Steuern bezahlt wurden - übrig bleibt Blinzler, der in der Zeit auf dem Klo sitzt und eine hochgeprägte Variante des Playboy für Blinde „fühlt“. Da darf dann auch mal gelacht werden, das sollte man nicht hinterfragen: dumpf, albern, aber erträglich. "Robin Hood: Helden in Strumpfhosen " ist unterm Strich eine harmlose Kasperei mit vereinzelt brauchbaren Pointen, ganz nett aber leider auch völlig belanglos.

6/10

Montag, 11. November 2019

Cujo (1983)

https://www.imdb.com/title/tt0085382/

Nachdem der Bernhardiner Cujo auf der Jagd nach einem Kaninchen von einer Fledermaus gebissen wird, infiziert er sich mit Tollwut. Cujos Herrchen Joe Camber (Ed Lauter) erhält von seiner Frau Charity (Kaiulani Lee), die soeben in der Lotterie gewonnen hat, eine eigene Werkstatt geschenkt, während Cujo zunehmend seiner Krankheit verfällt. Vic Trenton (Daniel Hugh-Kelly) auf der anderen Seite muss erfahren, dass seine Frau Donna (Dee Wallace) fremdgeht. Während er auf einer Dienstreise ist, bleibt sie mit ihrem gemeinsamen Sohn Tad (Danny Pintauro) mit ihrem Wagen liegen und die beiden machen sich auf den Weg zu Joes Werkstatt. Doch sie finden nur die Leiche Joes, der von seinem eigenen Hund getötet wurde. Als der tollwütige Cujo die beiden angreift, fliehen Donna und Tad zurück in ihren defekten Wagen und müssen auf Hilfe warten...

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Regisseur Lewis Teague, zuvor eher berüchtigt als berühmt für den trashigen Tierhorror "Der Horror-Alligator" mit "Cujo" einen frühen Klassiker der King-Verfilmungen landen konnte? Rein handwerklich beeindruckt der Hunde-Horror noch heute mit tollen Tiertricks, überzeugenden Schauspielerleistungen und einer (für damalige Verhältnisse) entfesselte Kameraarbeit (Jan de Bond, der knappe zehn Jahre später mit "Speed" einen Klassiker des Actiongenres schuf). Inhaltlich verpassen es Teague und seine Drehbuchautoren Don Carlos Dunaway und Lauren Currier allerdings die Romanvorlage sinnvoll einzukürzen, wodurch sich in der ersten Hälfte kleinere Längen ergeben.

Das nimmt der Geschichte um einen wild gewordenen Bernhardiner zwar ein wenig Gravitas, trotzdem ist "Cujo" ein verdammt gelungenes Stück Terrorkino. Das liegt zum einen an der Tragik des titelgebenden Antagonisten. Dessen Verfall vom grundguten Familienhund hin zur reißenden Bestie wider Willen ist auch ohne die Buchkapitel aus der Egoperspektive des Hundes herzzerreißend. Dazu reicht ein Blick in tieftraurigen Augen des Hundes. Auf der anderen Seite liefern Dee Wallace als Ehebrecherin Donna Trenton auf Kreuzgang und vor allem Danny Pintauro, als traumatisierter Sohn Tad, eine extrem überzeugende Performance als Terroropfer. Doch am besten bleibt - wie so oft bei King-Verfilmungen - die Grundidee der Handlung. Einen Familienhund als Metapher für das Auseinanderbrechen einer Familie unfreiwillig Amok laufen zu lassen ist einer dieser berühmten Ideen, bei denen man sich fragt, warum da vorher noch nie jemand draufgekommen ist. "Cujo" verkörpert die Schuld, die Donna Trenton auf sich geladen hat. Der Virus, der Cujo befallen hat, steht symbolisch für das Gift, das der Ehebruch in ihre Familie gebracht hat. Diese Grundkonstellation ist so stark, dass es die zweite Familie rund um den herrischen Hundebesitzer Joe Camber, dessen Ehefrau und Sohn im Laufe der Handlung förmlich vor ihm fliehen, im Grunde gar nicht gebraucht – im Gegenteil, die Geschichte wäre um einiges stärker, wenn Cujo einfach der Hund der Trentons wäre, der sich gegen sein eigenes Rudel wendet. "Cujo" spielt definitiv im oberen Drittel aller King-Verfilmungen und erwies sich trotz mäßiger Kritiken immerhin als so gelungen, dass jener eher berüchtigte als berühmte Lewis Taegue direkt im Anschluss mit einer weiteren Stephen-King-Verfilmung betraut wurde. Da braucht man nicht lange zu überlegen, warum und wer in "Katzenauge" einen Cameo-Auftritt hat.

7,5/10