Freitag, 6. Juli 2018

Charlie Wilson's War - Der Krieg des Charlie Wilson (2007)

https://www.imdb.com/title/tt0472062/

Für den Kongressabgeordneten Charlie Wilson (Tom Hanks) gehören Party und Politik untrennbar zusammen. In Las Vegas feiert er mit Stripperinnen und Kokain, während zuhause in seinem Büro nur Angestellte arbeiten, die über Idealmaße verfügen - "Charlie‘s Angels" eben. Politisch setzt sich Wilson für eine Unterstützung der Afghanen ein, die gerade im Krieg mit der Sowjetunion liegen. Der Texaner sitzt in einem Komitee, das zwischen der CIA und den Regierungsinstitutionen vermittelt. Dazu hat er die Hilfe einer Freundin in der Hinterhand. Joanne Herring (Julia Roberts) hasst nicht nur Kommunisten, sie ist auch eine der reichsten Frauen des Landes und verfügt über entsprechenden Einfluss. Wilson arbeitet sich in die Materie ein und will die Afghanen unterstützen. Er steigert das Budget für geheime Aktionen von fünf Millionen Dollar nach und nach immer weiter an, bis die Mudschahedin gut ausgerüstet einen sowjetischen Hubschrauber nach dem anderen vom Himmel holen. Im Hintergrund zieht der erfahrene FBI-Agent Gust Avrakotos (Philip Seymour Hoffman) die Fäden...

"Der Krieg des Charlie Wilson" ist jedoch sicher kein tiefgründiges Charakter-Drama, dass dem Zuschauer den Menschen Charlie Wilson Facette für Facetten offenbart und einen Einblick in die Tiefen seiner Seele erlaubt. Mike Nichols inszeniert hier vielmehr eine der treffsichersten Polit-Satiren der letzten Jahre und kann dabei vor allem bei den großartigen Dialogen aus den Vollen schöpfen. Sicher, das Thema ist ernst, vor allem aus heutiger Sicht und in Verbindung mit den immer noch anhaltenden Folgen, aber die Inszenierung verknüpft die unbestreitbare Ernsthaftigkeit so gekonnt mit einem zynischen Augenzwinkern, dass sich der Film nie an einen Punkt begibt, an dem der Humor zu kurz kommt. Wir begleiten Charlie Wilson auf seinem Weg, die afghanischen Freiheitskämpfer (heutige Taliban) zu unterstützen und das Finanzierungsbudget an allen Ecken und Enden unbemerkt aufzustocken. Dabei verkommt "Der Krieg des Charlie Wilson" aber zu keiner Sekunde zu einer trockenen Abarbeitung, die sich um staubige Fakten klammert und dem Zuschauer langsam den Schlaf in die Augen treibt, denn dafür ist die Erzählweise Nichols' einfach viel zu kurzweilig, ironisch, elegant und auch zu intelligent.

Das Drehbuch basiert auf der gleichnamigen Biographie von George Crile ("Charlie Wilson's War") und die einprägende Darstellung von Tom Hanks skizziert Wilson's Patriotismus und unanständigen Lebenswandel. Für den echten Wilson war das kein Gegensatz. Trotz allem war er ein Mann mit Prinzipien. Über die Folgen des Afghanistankrieges will sich der Film nicht auslassen. Das würde auch zu weit führen. Das Großartige an diesem Film ist, dass er sich nicht in rückwärtsgewandter Besserwisserei ergeht. Denn heute wissen wir, dass die Form der Kriegsführung, die die Mudschahedin gegen die Russen entwickelt haben, sich heute gegen den Westen richtet, vor allem in Afghanistan und im Irak. Der Perfektionismus dieses Films ist fast schon erschreckend. Allein schon wegen des äußerst unterhaltsam behandelten politischen Themas und der geschliffenen Dialoge von Aaron Sorkin dürfte jedem von der ersten Minuten an klar sein, dass man hier einen tatsächlich wohl durchdachten Film zu sehen bekommt. Fühlte sich der Klappentext eher trocken und wenig ansprechend an, so bekommt man anstelle eines stoisch abgearbeiteten Themas einen höchst erfrischenden Film zu sehen. Es ist ein kluger Schachzug gewesen, diesen Auszug eines Gesamtkontextes der Vergangenheit in eine Satire zu verpacken.
Mit Satire ist man ja bekanntermaßen so gut wie Vogelfrei.

Manch einer mag eine Satire vielleicht nicht als den richtigen Erzählstil empfinden. So ein nachhaltiges Ereignis sollte man ggf. ernsthafter adaptieren. Aber es passt hier so wunderbar. Die Aussage "These things happened. They were glorious and they changed the world... and then we fucked up the end game." (Charlie Wilson) bezieht sich auf die nach dem Krieg ausbleibende finanzielle Hilfe der USA zum Wiederaufbau Afghanistans. Damit sollte jeder, der sich für die Hintergründe des politischen Lebens interessiert, diesen Film mindestens einmal gesehen haben. Und wird bei jeder Sichtung neue aberwitzige Details entdecken, wie Politik funktionieren außerdem kann.

8,5/10