Mittwoch, 13. Juli 2016

[KINO] Independence Day: Resurgence - Independence Day: Wiederkehr 3D (2016)

http://www.imdb.com/title/tt1628841/

20 Jahre ist es her, dass Aliens die Erde attackierten und die Hälfte der Bevölkerung auslöschten. Vor allem der mutigen Mission des Piloten Steven Hiller (Will Smith) und des Satellitentechnikers David Levinson (Jeff Goldblum) verdanken wir es, dass die Außerirdischen 1996 besiegt wurden – tragischerweise kam Hiller dann 2007 ums Leben, als er einen Alien-Hybrid-Fighter testete. Und 2016 wird er umso mehr vermisst, als sich die Warnung des Ex-Präsidenten Whitmore (Bill Pullman) bewahrheitet und die Außerirdischen einen neuen, noch verheerenden Angriff starten! Die Menschheit, die in bis dato nie gekannter Einigkeit ein mit Alien-Technologie erweitertes Verteidigungssystem schuf, steht vor ihrer größten Herausforderung. Die Hoffnungen ruhen auf den jungen Kampfpiloten Jake (Liam Hemsworth) und Dylan (Jessie Usher), dem Sohn des verstorbenen Steven Hiller...

1996 kam mit "Independence Day", kurz "ID4", einer der Blockbuster des damaligen Sommers heraus. Roland Emmerich hatte sich nach "Universal Soldier" und "Stargate" weiter als Regisseur in Hollywood etabliert, war damit in "seinem" Segment, den bildgewaltigen Zerstörungsorgien, angekommen und durfte sich fortan mit mehr Budget ("ID4": 75 Millionen US-$, Vgl. "The Day After Tomorrow": 125 Mio. US-$ oder "2012": 200 Mio. US-$) auf die Zerstörung der Welt konzentrieren. Will Smith und Jeff Goldblum verschaffte der Streifen einen kleinen Karriereaufwind und sogar Brent Spinder profitierte von seiner kleinen Rolle. Lange schwelte danach auch das Thema 'Fortsetzung' im Raum, wurde jedoch immer wieder verschoben, bis Emmerich und Autor/Produzent Dean Devlin letztendlich 2004 einen (vorerst endgültigen) Abbruch des Projekts beschlossen. Doch Totgeglaubte leben eben länger und mit "Independence Day: Resurgence"/"Independence Day: Wiederkehr" kam nun doch der zweite Teil der außerirdischen Zerstörungsorgie in die Kinos.

Long Story short, nachdem 20 Jahre lang Ruhe war und nach dem (zu erwartenden) positiven Ende des ersten Teils hat auch auf der gesamten Erde Friedfertigkeit Bahn gebrochen. Die erbeutete Alientechnologie wurde für humanitäre und friedlichen Zwecke genutzt und sorgt ferner für einen industirellen Quantensprung: unter anderem wurden auf dem Mond riesige Kanonen installiert, die einen neuerlichen Angriff der Außerirdischen mit deren eigenen Waffen abwehren sollen. Damit sollte ja alles klar sein, oder? Verdammt, ist es aber eben nicht, denn tatsächlich kehren die außerirdischen Invasoren zurück, diesmal mit einem Raumschiff, gegen welches die schon sehr riesigen Invasionsschiffe des Originalfilms (mit immerhin 30 Meilen) wie kümmerliche Bierdeckel wirken. Das Mega-Mutterschiff hat hier einen Durchmesser von 3000 Meilen und pflanzt sich, an den schnell obsolet gewordenen Mondgeschützen vorbei, mal eben über den gesamten Atlantik, fährt einen riesigen Bohr-Rüssel aus und zapft den ressourcenreichen Kern  der Erde an. Damit vernichtet nicht nur der Gravitationssog der Schiffslandung und die anschließenden Flutwellen die meisten Küstenregionen, nein,  der durch den Alien-Eingriff nahende Stillstand des Erdkerns droht noch dazu, alles Leben an der Oberfläche auszulöschen. Eben nach Schema 'F', größer, böser, zerstörerischer.


Zum Glück aber ist der Film schnell und bietet nur wenig Platz für kurze Atempausen beim Betrachter. So kommt man als Zuschauer zumindest gar nicht erst in Versuchung, sich über die hahnebüchene Physik Gedanken zu machen. Vielmehr schaut man mit einem breiten Grinsen bei der Vernichtung des Burj Khalifa und des Petronas Towers zu. Und gerade die Zerstörungsorgie - so kurz sie auch sein mag - ist tatsächlich das einzige Positive an "Independence Day: Resurgence". So ein Film braucht ja nicht zwingend eine clevere Story oder tiefgründige Charaktere, aber er sollte zumindest ein wenig Charme haben und in seinen Actionszenen überzeugen. Charme sucht man bei diesem konfusen Wirrwar, an dem immerhin fünf Autoren ihren Senf dazugegeben haben, jedoch vergeblich. Offenbar fiel den Fünfen nicht viel mehr ein, als die alte Geschichte im Grundprinzip zu recyclen und nur eben optisch ein wenig aufzuhübschen. War beim Vorgänger noch alles "neu" und "cool" und mehr oder weniger eine explosive Nauauflage von "Krieg der Welten", funktioniert das Konzept heute nicht mehr ganz so einfach. Der Kinogänger ist eben und gerade in den letzten Jahren mit Effektkino verwöhnt worden.

Zudem ist auch das übergroße Ensemble an langweiligen bis peinlichen, teils die Grenze zur Karikatur überschreitenden Figuren, die fern jeglicher Logik vom abstrusen Drehbuch immer wieder wild zusammengewürfelt werden, um der wiederkehrenden Alienbedrohung die Stirn zu bieten, nur ein weiteres der zahlreichen Probleme. Denn die Protagonisten des ersten Teils sind zurück und Jeff Goldblum als David Levinson ist ebenso im Rettungseinsatz wie der nun ehemalige US-Präsident Thomas Whitmore, gespielt von Bill Pullmann, der der wesentlich weniger präsenten Sela Ward als PresidentIn Lanford die Show stiehlt. Auch Brent Spiner und John Storey sind zu einem etwas tuckigen Pärchen verkommen und haben dennoch ein oder zwei sehr "niedliche" Auftritte. Völlig deplatziert sind allerdings Charlotte Gainsbourg, sowie das chinesische Supermodel Angelababy, die wohl nur für optische Reize sorgen soll. Liam Hemsworth ersetzt gedanklich einen etwas rebellischeren Will Smith und natürlich sind aus Kindern Erwachsene geworden und mit Jessie T. Usher als Sohn des verstorbenen Captain Steven Hiller, Maika Monroe als Tochter des Präsidenten  werden die Nachkommen der Originalhelden ins Spiel gebracht. Leider sind gerade die letzteren und damit Protagonisten blaß und nur wenig Charakterstark und personifizierend wie einst ein Will Smith.


Die Liebe zum "ID4"- Universum ist hingegen vorhanden, keine Frage. Doch nur selten kann die Fortsetzung mit dem Witz und der kreativen Leichtigkeit des ersten Teils mithalten. "Independence Day: Resurgance" toppt damit auch die Schwächen Emmerichs in letzter Zeit oft seelenlosen Blockbuster in ziemlich allen Aspekten. Mit Logiklöchern so tief wie der Mariannengraben und in Ermangelung neuer Ideen setzt der Regisseur erneut und einzig auf das, was er am besten kann: zerstören. Überwältigend, ja, simpel aber leider auch. Selbst das 3D-Erlebnis ist nicht zu brachial wie es hätte sein können, oder wie man es sich gern erhofft hatte. Gerade bei einem solchen Blockbuster hätte man doch eigentlich mal richtig gute Pop-Outs und 3D-Spielerein wirken lassen können. Doch mit viel Wohlwollen ist nur ein Pop-Out wirklich gut und die 3D-Tiefenwirkung hinkt der Zeit einfach einen Schritt hinterher. Auch in dieser Beziehung wurde man bereits von Disney und SONY in Milch gebaden. Auch die Actionszenen erscheinen ausgesprochen uninspiriert, oft fragt man sich schlichtweg nach ihrem Sinn, weil entsprechende Szenen einfach nicht gut aufgebaut sind und man nicht wirklich mitfiebern kann. Einzig die Landung des übergroßen Schiffs zaubert einem in ihrer absurden Gigantomanie ein Lächeln ins Gesicht, kurzzeitig verdunkelt sich der Himmel und die Apokalypse, die man sich auf der Leinwand zu sehen wünscht, scheint endlich gekommen.

Doch Emmerich hält sich damit nur vergleichsweise kurz auf, schnell kehrt er wieder zu irgendwelchen langweiligen und unspektakulären Scharmützeln zurück, bei denen lediglich das reichlich dämliche Verhalten der Protagonisten für offene Münder und entgeistertes Kopfschütteln sorgt. Schade. Sehr, sehr schade.

5,5/10