Mittwoch, 31. Juli 2013

Life Of Brian - Das Leben des Brian (1979)

http://www.imdb.com/title/tt0079470/

"Moin Heiland."

Der zweite Streich der Pythons. Ein Film, der den christlichen Vertretern unserer kleinen Menschheit ganz schön sauer aufstieß und die den Film anfänglich sogar verbot. Noch während der Dreharbeiten sorgte ein weitreichendes Urteil in Großbritannien für Aufsehen und in der Folge für Sorge bei allen Beteiligten des Projekts: Die religiöse Organisation Nationwide Festival of Light konnte vor den Gerichten des Landes die erste Verurteilung wegen Blasphemie seit 55 Jahren erreichen. Ein Brief an den Vorsitzenden der britischen Zensurbehörde British Board of Film Censors (BBFC) warnte: "Sie wissen selbst um die Folgen heimtückischer Schmähungen Gottes, Christi und der Bibel." Als problematisch beschrieben Gutachter vor allem die Szene mit dem Ex-Leprakranken, der sich über Jesus als "verdammten Wohltäter" beschwert. Nach Rücksprachen weigerten sich die Pythons regelmäßig, Änderungen vorzunehmen. (Quelle: Wikipedia)

Noch ein Grund mehr (für mich), diesen Film zu sehen, zu lieben und über alle Maßen in den Himmel zu heben (welch ein Wortspiel!)

In der Krippe liegt das Kind, seine Mutter steht glücklich daneben und drei Astrologen aus dem Orient huldigen dem Neugeborenen mit ihren kostbaren Gaben. Als idyllisches Beisammensein könnte die Situation beschrieben werden, bis der vorliegende Irrtum festgestellt wird: Das Messias wurde im Stall nebenan geboren. Bevor sie sich versieht, sitzt Brians Mutter wieder alleine und ohne Geschenke mit ihrem Nachwuchs in der ärmlichen Behausung. Auch später nimmt das Spiel der Verwechslungen kein Ende, denn anstatt dem Sohn Gottes zu folgen, schließt sich das Volk Brian an, der, ehe er sich versieht, Mitglied der Volksfront von Judäa (oder war es doch die judäische Volksfront?) wird. Was der Wundertäter wider Willen allerdings nicht weiß: Das ihm auferlegte Schicksal schließt den Tod am Kreuz mit ein...

"Was soll das heißen? "Romanes Eunt Domus" - Menschen, genannt Romanes gehen das Haus?" - "Es soll heißen 'Römer, geht nach Haus!'." - "Heißt es aber nicht!" - "Was ist lateinisch für 'Römer'? Na komm schon, komm schon!" - "Romanus." - "Deklinieren!" - "-anus." -  "Vokativ Plural von 'anus' ist?!" - "-ani?" - "RomANI!  - 'eunt', was heißt 'eunt'?!" - "Geh?" - "Konjugiere das Verb 'gehen'!!" - "eo, is, it, imus, itis, eunt." - "Also ist 'eunt'...?" - "3te Person Plural Präsens Indikativ 'sie gehen'." - "Aber 'Römer, geht nach Hause!' ist ein Befehl, also musst du was gebrauchen??" - "Den Imperativ?" - "Der lautet?" - "i" - "Wie viele Römer?" - "Plural! Ite!! ite!!!!!" - "'ITE! Domus.' Nominativ. Aber das ist eine Bewegung auf etwas zu, nicht wahr, Junge?" - "Dativ?... Oh nein, nein, nein. Akkusativ! Akkusativ! Akkusativ!!! 'Ad domus', Herr." - "Nur fordert 'domus' den ...?" - "Den Lokativ!" - "Welcher lautet ..." - "Domum?" - "DOMUM. Also ergibt das ...'Romani ite domum'. Hast du das begriffen?"

Wieder einmal siegt der Wortwitz, die absolute Absurdität, der übele Klamauk und die offensichtliche Blödheit der Protagonisten, allesamt wie immer in mehreren Rollen von der Python-Truppe selbst verkörpert. Genau wie der erste Film der Pythons, "Die Ritter der Kokosnuß", ein Volltreffer mit Lachgarantie - auch noch nach der hundersten Sichtung und auch, wenn man schon (wie ich) quasi jeden Satz mitsprechen und ganze Passagen aus dem Stehgreif heraus mitspielen kann. Das hat schon was. Und allein der Running Gag des Imperators mit Sprachfehler...

 "Also weißt du mein Pester, ich pin üperrascht einen so stämmigen Schwertträger wie dich vor dem Pöpel wanken zu sehen!"

Natürlich ist auch hier die Story nur Mittel zum Zweck, aber sie ist deutlich gradliniger als noch im ersten Film, auch wenn es hier Szenen gibt, für die es offensichtlich keine Erklärung gibt und die nur dazu da sind um eine weitere Absurdität oder einen grandiosen Gag einzuleiten. Mit ihrer bissigen, abgedrehten, kreativen und ihrer einfach nicht zu kopierenden Art, machen sich die Pythons eben nicht über den Glauben her, sondern über die Dogmen, die dieser oft als Joch mit sich trägt. Dies zu unterscheiden ist nicht so sehr eine Frage des Verstandes, sondern des Willens. Hier geht es nicht gegen Jesus, oder um den Disput, ob es ihn nun gab oder nicht, karikiert wird das, was Menschen tun, und dass dies nicht immer Sinn macht, sollte keine bahnbrechende Erkenntnis sein.

"Hm, nunja, ich glaub ich sollte dich erstmal fairerweise darauf hinweisen, daß wir nicht das Rettungskommitee sind. Wie auch immer. Man hat mich gebeten namens der Bewegung folgende vorbereitete Erklärung zu verlesen:
'Wir die Volksfront von Judäa - Klammer auf  - offizielle - Klammer zu - wollen hiermit Dir, Brian, unsere Aufrichtigen brüderlichen und schwesterlichen Grüße übermitteln, anläßlich Deines hier stattfindenden Martyriums." - "Was?!" - "Dein Tod wird dastehen als ein Markstein in unserem fortgesetzten Ringen, das Vaterland zu befreien, aus den mörderischen Krallen der Römisch-Imperialistischen Aggressoren, ausschließlich jener, die befaßt sind mit Entwässerung, Medizin, Straßenbau, Wohnungsbau, Weinanbau und sonstigen römischen Beiträgen zum Wohlergehen der Freiheitsgläubigen und zwar beiderlei Geschlechts und Hermaphroditen. Gez. im Namen der VVJ. Etcetera.' - Und ich möchte noch ein persönliches Wort hinzufügen betreffs meiner Bewunderung für das, was du für uns tust, Brian. Ich meine davon ausgehend, daß es immerhin eine recht schwere Zeit für dich sein muß."

Unverkennbar, unvergleichlich, genial, grandios.

9,5/10